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GVG GlasfaserGlücksfall inmitten der Glasfaser-Krise

Der Kieler Anbieter GVG Glasfaser erhält einen Millionenkredit von Banken – eine Ausnahme in stürmischen Zeiten. Auch die Deutsche Giganetz beantragt frisches Geld.Nele Husmann 22.08.2024 - 08:00 Uhr

Die GVG Glasfaser aus Kiel kann den Netzausbau vorantreiben.

Foto: PR

Die GVG Glasfaser aus Kiel kann den Netzausbau vorantreiben. Ein Bankenkonsortium von ING, KfW und NordLB gewährt dem Glasfaser-Netzbetreiber einen Kredit von 85 Millionen Euro, der um weitere 80 Millionen Euro aufgestockt werden kann. Das ist eine der größten Finanzierungen des Jahres – höhere Zinsen und Baukosten belasten die Branche und ihre Planungen. „Ein Glücksfall“, sagt Klaus Hölbling von Alix Partners. Der Branchenkenner befürchtet, dass etliche kleinere und mittlere ausbauende Konzerne anstehende Finanzierungsrunden nicht überleben werden. Rund 50 Prozent des ausstehenden Finanzierungsvolumens werde in den kommenden zwölf bis 18 Monaten fällig.

Die letzte große Bankenfinanzierung ging an die Deutsche Giganetz, die erst im Dezember einen Bankenkredit von 250 Millionen Euro mit einer potenziellen Aufstockung um weitere 200 Millionen Euro erhielt. Der Hamburger Anbieter bewirbt sich aktuell bereits bei der Europäischen Investitionsbank um einen neuen Kredit von 200 Millionen Euro. Damit will die Deutsche Giganetz zusätzlich zum bereits finanzierten Ausbauziel von drei Millionen Haushalten 200.000 weitere anschließen.

Fokus auf den Hausstich

Die GVG will sich mit dem frischen Geld auf die Fertigstellung von Hausanschlüssen fokussieren. 130.000 Anschlüsse sind derzeit noch in der Pipeline. Zuletzt hatte sie 110 ihrer 450 Arbeitsplätze abgebaut, in der Geschäftsführung gibt es statt sechs nur noch drei Personen. In Gemeinden, in denen die GVG Glasfaseranschlüsse vermarktet hatte, gab es immer wieder Unmut, weil sich der Ausbau verzögerte. Das lag aber auch an Ausbaupartnern, für die die GVG nur die Vermarktung übernommen hatte – von Deutsche Giga Access trennte die GVG sich jetzt. Im hessischen Friedberg, wo die GVG im Februar den eigenen Ausbau absagte, bietet sie den gewonnenen Kunden jetzt das Netz des lokalen Netzbetreibers YPlay an.

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von Nele Husmann

Der bisherige GVG-Investor Palladio Partners aus Frankfurt hat über die eigenen bestehenden und noch nicht aufgebrauchten Finanzierungszusagen hinaus kein frisches Kapital zur Verfügung gestellt. „Ausbauende Unternehmen brauchen jetzt häufiger neue Finanzierungsquellen“, sagt M&A-Berater Nico Grove. Teils haben Infrastrukturfonds Maximalbeträge ausgereizt, die sie aufgrund ihrer Größe einem einzelnen Projekt zur Verfügung stellen können. Teils erscheinen ihnen andere Projekte, zum Beispiel Datencenter, risikoärmer und rentabler.

Banken-Finanzierungen für den Glasfaserausbau sind analog zu einer Hausfinanzierung oft in der Auszahlung an das Erfüllen von Ausbau-Parametern gebunden – neue Tranchen gibt es erst, wenn Bauabschnitte oder Hausanschlüsse vollendet sind.

Glasfaseranbieter, die bereits zahlende Kunden haben und dadurch Einnahmen generieren, sehen sich in der aktuellen Lage im Vorteil: „Substanz entscheidet“, sagt GVG-Chef Thorsten Fellmann, „im Vergleich zu vielen anderen Marktteilnehmern haben wir bereits eine Kundenbasis von 50.000 aktiven Nutzern.“ 

Bei GVG, dem größten Glasfaser-Anbieter im Norden Deutschlands, könnte aber auch eine Rolle spielen, dass teils staatsnahe Banken das Risiko schultern: Der GVG-Finanzierer Palladio ist ein Frankfurter Infrastrukturinvestor mit rund neun Milliarden Euro unter Management, bei dem bevorzugt deutsche Kirchen, Pensionskassen und Versicherungen anlegen. Er hatte GVG Glasfaser bislang allein finanziert, und Ende 2019 sogar einen Mehrheitsanteil an dem Glasfaser-Netzbetreiber übernommen. Der Bankenkredit gibt Palladio nun mehr Flexibilität, sich zu diversifizieren.

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