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Nachruf auf den einstigen PionierBlackberry, ich werde Dich vermissen!

Im August stellt der TCL die Produktion des Blackberry ein. Damit ist die Marke endgültig Geschichte. WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker verabschiedet sich mit einem sehr persönlichen Nachruf auf das Tastenhandy.Michael Kroker 04.02.2020 - 15:33 Uhr aktualisiert

WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker mit seinem (wohl letzten) Blackberry.

Foto: WirtschaftsWoche

Ich selber habe immer wieder die Augen davor verschlossen, in jahrelanger treuer Verbundenheit – auch wenn es seit Langem abzusehen war. Nun also habe ich, ebenso wie viele Manager, die lieber tippen statt zu wischen, Gewissheit: Die Produktion mit Blackberry-Smartphones läuft im August dieses Jahres aus. Und damit verschwindet eine der traditionsreichsten Marken im Handysegment sang- und klanglos von der Bildfläche.

Was viele vermutlich nicht mehr wissen: Es war nicht Apple mit seinem iPhone und auch nicht Google, die den Handy-Markt revolutioniert haben. Rund um die Jahrtausendwende baute der kleine kanadische Anbieter Blackberry, der damals noch unter Research in Motion (RIM) firmierte, die ersten Smartphones mit Tastatur unter dem Bildschirm – E-Mail und mobiles Internet inklusive. Vor allem die Geschäftsleute an der Wall Street und rund um den Globus waren lange Zeit regelrecht abhängig von ihrem seinerzeit Crackberry getauften Gerät.

An mir kann der Niedergang des einstigen Pioniers jedenfalls nicht gelegen haben. Ich habe der Marke mit den Tastatur-Smartphones bis zuletzt die Treue gehalten, insgesamt gut 15 Jahre lang. Mein jüngstes Gerät ist der Blackberry Priv, ein durchaus eleganter Slider mit einer Tastatur, die man hochkant unter den Bildschirm schieben kann. Im geschlossenen Zustand erinnert der Priv mit seinen abgerundeten Displaykanten an ein Galaxy Edge von Samsung. Im ausgefahrenen Zustand lugt unten die beleuchtete und ergonomisch geformte Blackberry-typische Tastatur hervor.

Und die habe ich als Journalist, dessen Tagwerk im Schreiben besteht, wirklich geliebt: Kein Rumgehampel auf der virtuellen Tastatur, kein ständiges Vertippen, keine unbeabsichtigten Hieroglyphen. Regelmäßig habe ich morgens auf der halbstündigen Fahrt von meinem Wohnort Köln ins Düsseldorfer Büro Texte vorgeschrieben, wenn’s schnell gehen musste – zuletzt im Oktober 2019, als beim Softwaregiganten SAP völlig überraschend zwei neue Chefs auf den CEO-Posten berufen wurden.

Und so sehr ich im Freundeskreis für mein jahrelanges Festhalten am Blackberry belächelt wurde, mir Sprüche anhören musste wie „Kann der auch faxen?“ oder „Kommst Du damit auch ins Internet?“: Sobald ich einen längeren Text mit meinem trainierten Zwei-Daumen-System in die physikalische Tastatur gehämmert habe, verstummten die Spötter: Schneller als ich tippte in der Regel keiner. Wir haben’s ausprobiert, selbst mit unterstützenden Eingabesystemen wie Swype waren meine Kumpels langsamer.

Auch manche Promis hielten mit ihrer Meinung zu den vermeintlichen Dino-Smartphones nicht hinter dem Berg: 2015 interviewte ich den Salesforce-Gründer und -Chef Marc Benioff in München. Als Aufnahmegerät verwendete ich eine Diktiergerät-App. Benioffs trockener Kommentar direkt zu Beginn unseres Gesprächs: „Oh, was ist das – der allerletzte Blackberry?“

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Dabei war Blackberry in den vergangenen Jahren ja schon mehr als einmal klinisch tot: Ende der Nullerjahre etwa setzten die Kanadier noch auf ihr eigenes Betriebssystem Blackberry OS – das viele App-Anbieter mit dem Aufkommen von Googles Android und Apples iOS bald nicht mehr unterstützten. Damals hatte ich einen Blackberry Classic, eben jenes markante Gerät mit fester Tastatur unter einem vergleichsweise kleinen Display. Irgendwann gab’s wichtige Apps wie etwa den Messenger WhatsApp nicht mehr – Zeit für mich zu wechseln.

Bereits 2016 produzierte Blackberry seine Smartphones nicht mehr selber und lizensierte die Markenrechte an den chinesischen Hersteller TCL. Ungefähr zu jener Zeit kam der Blackerry Priv auf den Markt – der erste Blackberry mit dem marktführenden Betriebssystem Android. Dadurch kam ich wieder an allerlei Apps – und konnte mir wieder ein Blackberry zulegen. Diesmal also das Priv.

Drei Jahre ist mein Priv inzwischen alt – und die Zeit ist wahrlich nicht spurlos an ihm vorbeigezogen. Weil das Betriebssystem seit einigen Monaten nicht mehr aktualisiert wird, laufen Apps gefühlt immer träger – und Abstürze des Geräts häufen sich. Auch der Akku hat – trotz eines Wechsels vor einem Jahr – seine beste Zeit hinter sich.

Wie es scheint, muss ich mir jetzt ernsthaft eine Alternative zum Blackberry überlegen. Ich find’s schade. Warum baut eigentlich kein anderer Smartphone-Hersteller Geräte mit echter Tastatur? Blackberry, ich werde Dich vermissen!

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