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Schweizer statt schwedischer Flagge Fauxpas bei Spotify-Börsengang

Spotify-Börsengang: NYSE hisst falsche Flagge Quelle: REUTERS

Es war als nette Geste gemeint. Vor dem Börsengang des schwedischen Musikstreaming-Anbieters Spotify in New York wollten die Börsenbetreiber vor dem Gebäude die Landesfahne des Börsenneulings hissen – griff aber zur falschen Flagge.

Kleine Verwechslung an der Wall Street am Dienstag beim Börsengang des weltgrößten Musikstreaming-Anbieters Spotify: Vor dem Gebäude hatte der Börsenbetreiber NYSE zur Begrüßung des Neulings eine Flagge aus der Schweiz aufgehängt. Spotify kommt aus Schweden. Binnen Minuten hatte die NYSE den Fauxpas aber erkannt und die schwedische Fahne aufgezogen, gemeinsam mit zwei US-Flaggen und einem Spotify-Banner. Anschließend twitterte die Börse dann mit Verweis auf die Schweiz als neutrales Land: "Wir hoffen, jeder hat unseren kurzen Lobgesang auf unsere neutrale Rolle bei der Preisgestaltung an diesem Morgen genossen."

Für Spotify hatte sich der ungewöhnliche Börsengang ausgezahlt. Das Unternehmen schaffte die wertvollste jemals erreichte Direktplatzierung. Die Aktien stiegen um bis zu 28 Prozent auf 169 Dollar. Die Orientierungsmarke der Nyse hatte bei 132 Dollar gelegen. Damit war das Unternehmen, dessen 35-jähriger Chef Daniel Ek auf Understatement setzte und auch auf Rituale wie das Läuten der Glocke zur Börseneröffnung verzichtete, mit einem Schlag fast 30 Milliarden Dollar wert.

Zum Handelsschluss lagen die Papiere mit 149,01 Dollar noch knapp 13 Prozent im Plus. Vorab hatte Ek die Relevanz des Tages heruntergespielt und betont, das Debüt hebe das Unternehmen zwar auf die große Bühne, aber "es ändert nicht, wer wir sind, um was es uns geht und wie wir vorgehen".

Spotify, das weiterhin Verluste schreibt, ist bereits weit gekommen. Das seit zehn Jahren am Markt agierende Unternehmen aus Stockholm hält große Tech-Konzerne wie Apple, Google und Amazon mit ihren Konkurrenzangeboten in Schach. Zudem ist es Spotify gelungen, den Wandel in der Musikbranche trotz zeitweise harter Gegenwehr durch Plattenfirmen und Künstler mitzugestalten. Lange litt die Industrie darunter, dass immer weniger Menschen CDs kauften. Inzwischen kommen Marktschätzungen zufolge 60 Prozent aller Musikumsätze von Streamingdiensten, bei denen Nutzer Abonnements abschließen oder Werbung in Kauf nehmen, um Zugriff auf riesige Musikbibliotheken zu haben.

Für die Nyse war es die erste Direktplatzierung überhaupt. Experten vermutet, dass Spotify einen Trend lostreten und nun andere noch nicht börsennotierte Technologieunternehmen wie die Mitfahrdienste Uber und Lyft in die Fußstapfen treten könnten. Dies würde vor allem Banken die Geschäfte erschweren, die für den von ihnen bei einem herkömmlichen Börsengang organisierten Preisbildungsprozess Gebühren verlangen. Im Vergleich zu einem typischen IPO sind bei Spotifys Börsengang deutlich mehr Aktien als üblich handelbar: fast 91 Prozent der insgesamt 178 Millionen Papiere. Spotify hatte die Direktplatzierung so gestaltet, dass Altinvestoren ihre Anteile auf den Markt werfen konnten, während keine neuen Aktien ausgegeben wurden.

Einige Marktteilnehmer warnten davor, den ersten Handelstag überzubewerten. Das Spotify-Debüt erfolgte inmitten einer vom Facebook-Datenskandal und Trumps Amazon-Kritik ausgelösten Verlustserie bei US-Technologiewerten. Allzu hohe Erwartungen wollte auch Ek nicht wecken. "Ich habe keine Zweifel daran, dass es Aufs und Abs geben wird", schrieb er im Unternehmensblog. "Manchmal sind wir erfolgreich, manchmal straucheln wir."

Spotify sei kein gewöhnliches Unternehmen, begründete Ek den speziellen Weg an die Börse. Es gab weder eine Werbetour bei Investoren, um die Aktien anzupreisen, noch eine Zeichnungsfrist oder einen Ausgabepreis. Das spart Zeit und Geld. Letzteres wird Spotify auch benötigen, um sein Wachstum anzukurbeln, dass sich im laufenden Jahr auf 20 bis 30 Prozent abkühlen soll. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse noch um 39 Prozent geklettert. Im Börsenprospekt äußerte die Firma die Hoffnung, weitere "traditionelle" Radiohörer für sich gewinnen zu können. Die Ambitionen von Spotify sind groß: "Wir glauben an die Universalität von Musik, die uns die Gelegenheit gibt, viele der mehr als 3,6 Milliarden Internetnutzer weltweit zu erreichen."

Spotify gehört nach Snap, Facebook und Alibaba zu den größten Börsendebüts von Tech-Konzernen an der Wall Street der letzten Jahre. Der Start des weltgrößten Online-Netzwerks 2012 verlief - auch wegen technischer Probleme - mehr als holprig. Trotzdem hat der Konzern von Mark Zuckerberg seither seinen Börsenwert mehr als vervierfacht.

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