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SXSW 2018 - Tag 1 Neue Weltwährungen und Roboter-Psychiater – die Trends der SXSW

Auf der Digitalkonferenz South by South West zeigt sich Facebook hilflos – und die Begeisterung für die Blockchain-Technologie hält an.

Technologie-Messe SXSW in Austin: Der Ethereum-Mitgründer auf der Bühne.

Die Thesen des ersten Konferenztages

  • Kryptowährungen wie Ether werden die Welt für immer verändern
  • In Zukunft hilft ein Technologie bei Depressionen
  • Facebook kann mit einer Algorithmusänderung ganze Branchen durchschütteln
  • Die Flüchtlingskrise ist eine Krise der Gastfreundschaft – und Technik kann die Krise lindern

Facebook und die Medien

Es war eine muntere Diskussion über Facebooks Rolle in der Medienwelt, am ersten Tag der Technologiekonferenz SXSW. Zunächst begann die Diskussion eher wie eine Standortbestimmung. Es ging um unvermeidbare Themen wie Fake News und auch darüber, was traditionelle Medienunternehmen von Facebook lernen können, zum Beispiel, dass sie viel Nutzerzentrierter arbeiten und ihre Produkte wirklich auf die Bedürfnisse der Leser ausrichten.

Spannend wurde es dann vor allem am Ende: dann nämlich, als angesprochen wurde, welch ungeheure Macht Facebook über die Medienwelt hat. Über Nacht kann eine Änderung des Algorithmusänderung ganze Branche durcheinander bringen.

Diese Diskussion hat man heute auf verschiedenen Veranstaltungen gehört. Dahinter steckt die längst überfällig Frage, wie die Gesellschaft auf die Macht von Facebook reagieren sollte. Das Thema Regulierung lag zumindest in der Luft. Die Reaktion von Facebook dann allerdings wieso oft: hilflos. (Sebastian Matthes)

Von Kryptowährungen und Disruption

Der Auftritt von Joseph Lubin, Mitgründer der dezentralen Cryptoplattform Ethereum und ConsenSys einer Software-Produktionsfirma aus Brooklyn, New York, zählte zu den Höhepunkten des Tages.

Lubin treibt die Weiterentwicklung der Blockchain voran – einer Technologie, die bekannt wurde als Infrastruktur für die digitale Währung Bitcoin, und um die sich gerade ein neuer Hype entfacht.

Consensys arbeite derzeit an 25 verschiedenen dezentralen Plattformen, erzählte Lubin auf der Bühne, unter anderem für den Vertrieb von Musik mithilfe sogenannter „Smart Contracts“. Dabei fällt der typische Mittelsmann in der Handelskette, wie etwa ein Plattenlabel weg. (Britta Weddeling)

Seelsorge durch Roboter

Zugegeben die Vorstellung fällt schwer: Geplagt von Selbstzweifeln, nach einer schlechten Erfahrung zückt der Geplagte nicht etwa das Smartphone um einen Vertrauten zu kontaktieren, sondern wendet sich vertrauensvoll an einen Chatbot. Wie bitte?

Richtig gelesen: Die automatisierten Helfer, die heute schon im Kundendienst zum Einsatz kommen, könnten in Zukunft auch Seelsorge leisten. Unter dem Titel „Robot Meets Freud: Bots in Mental Health“ diskutierten Psychologen und Programmierer über den Einsatz der Sprachroboter im Dienste der geistigen Gesundheit.

Richtig eingesetzt könnten sie, so befand das Panel, durchaus eine Erweiterung des therapeutischen Werkzeugkastens darstellen: Schließlich sind die Bots immer und überall einsatzbereit und können zum Beispiel schon dabei helfen, Patienten dabei helfen positiv zu denken oder einfache Fragen beantworten, die am Ende den Gang zum Therapeuten einfacher machen. Der Hashtag der Diskussion passte: Some like it bot. (Johannes Steger)

Wenn Europa ganz nah an Texas rückt

Josephine Goube beginnt ihren Vortrag „Let`s Tech the borders down“ mit einer Unterweisung in Geografie: Europa ist eben dann doch weit weg von Texas. Die Französin stammt aus der Nähe von Calais. Da sei so wie das wohl allseits bekannte Saint Tropez – nur eben halt überhaupt nicht schick und ohne Geld. Und mit einem nicht übersehbaren Problem: einer humanitären Notlage an den Zugängen des Eurotunnels, der den Kontinent mit Großbritannien verbindet.

Dann erzählt sie ihre persönliche Geschichte: Von ersten Gehversuchen im Internet, Urlauben überall in Europa und dem Studium im Ausland. Der Grund für dieses Leben der Annehmlichkeiten? Ihr Pass. Das allein habe ihr diese Zugänge ermöglicht.

Dies war eine der Erkenntnisse, die sie Techfugees gründen ließ – eine weltweite Initiative, die eine Antwort der Techwelt auf die Flüchtlingskrise finden will. Obwohl sie das Wort überhaupt nicht mag: Es sei vielmehr eine Krise der Gastfreundlichkeit. Das will Goube ändern.

Die Initiative bietet überall auf dem Globus unterschiedliche Ansätze: Von Programmier-Schulen für Flüchtlinge, über Gründer-Workshops bis hin zu Hackathons. Zum Abschluss ihres Vortrags hält sie ihr Smartphone in die Höhe und gibt der versammelten Tech-Elite eine Aufgabe mit: Das Smartphone sei eine unfassbar mächtige Technologie und viel stärker als die, die den ersten Menschen zum Mond brachte, schon einmal damit könne jeder einzelne einen Unterschied machen. (Johannes Steger)

Der Redner des Tages

Es ist kein abgedrehter Gründer, visionärer Unternehmenslenker oder aufrührerischer Whistleblower, der die Menschen zu Beginn des ersten Tages der SXSW von den Stühlen reißt, sondern ein älterer Herr aus Vermont. Doch eben nicht irgendeiner, sondern Bernie Sanders.

Der Bernie Sanders, der damals Hillary Clinton herausforderte und von seinen Feinden gerne mal als Kommunist beschimpft wird. Im linken Austin und der mitunter noch linkeren Tech-Szene ist er ein Held. Und konnte fast im Monolog vortragen, was ihn so alles am Trump'schen Amerika stört. Von Waffengesetzten bis zur Diskussion über einen Pornostar. (Johannes Steger)

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