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Helden Contra Corona – Erfahrungsbericht #6 „Der Verkauf ist um 95 Prozent eingebrochen“

Unternehmer Ulf und Lars Lunge Quelle: PR

Trotz Kontaktverbot und Einschränkungen: Laufen bleibt in Corona-Zeiten erlaubt. Aber die Lauf- und Sportschuh-Unternehmer Ulf und Lars Lunge, „Helden des Mittelstands“, kommen wegen der Ladenschließung in Existenznöte.

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Ulf und Lars Lunge betreiben die Lunge Lauf- und Sportschuhe GmbH mit einer Manufaktur im mecklenburgischen Dorf Düssin. Zum Geschäft gehören auch vier Laufschuh-Läden in Hamburg und Berlin. Die Lunge-Brüder beschäftigen 58 Mitarbeiter, der Umsatz liegt im niedrigen, einstelligen Millionenbereich. Wie sehr die Coronakrise ihr Geschäft trifft, hat Ulf Lunge für die WirtschaftsWoche aufgeschrieben.

„Wir sind durch die Schließung unserer Laufläden natürlich voll betroffen. Dort arbeiten zwei Mitarbeiter am Aufbau eines „Beratungsversands“. Das heißt, wir versenden jetzt die Laufschuhe, die wir sonst ausschließlich im Laden und mit Beratung verkaufen. In der Praxis läuft es so: Der Kunde sollte uns vor seiner Bestellung anrufen und wir beraten ihn ausführlich anhand seiner schon vorhandenen Schuhe und Erfahrungen. Bei denen, die bei uns eine digitale Laufbandanalyse per QR-Code mitgemacht haben, ist das natürlich noch besser. Dadurch, dass wir derzeit nur noch versenden, ist der Verkauf um 95 Prozent eingebrochen.

Abgesehen von den genannten sind alle anderen Mitarbeiter in Kurzarbeit Null. Wir stocken die Bezüge auf 80 Prozent auf und geben das Versprechen, nach der Krise die Differenz langsam wieder bis auf über 90 Prozent aufzufüllen. Dadurch wollen wir unseren Mitarbeitern helfen, nicht durch den geringen Satz der Kurzarbeit von 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent mit Kind in Schwierigkeiten zu kommen.

Diese Situation bringt uns selber in Liquiditätsengpässe, die wir durch die Hilfen und durch Kredite auffangen werden. Wir appellieren an unsere Vermieter, sich durch einen teilweisen Erlass der Miete an den Herausforderungen aktiv zu beteiligen, denn die Mieten betragen bei uns 50.000 Euro pro Monat.

In der Manufaktur, in der wir unsere eigenen Schuhe herstellen, ist die Situation besser, weil wir mit Einschränkungen bei den Mitarbeitern – durch häuslichen Betreuungsbedarf der Kinder – nur eingeschränkt produzieren. Immerhin produzieren wir weiter. Unser Verkauf dort ist nur um 30 Prozent eingebrochen. Das liegt daran, dass unsere Händler mit Versand, unsere Orthopädietechniker und die Sanitätshäuser weiter geöffnet haben. Die medizinischen Geschäfte, die wir als Kunden haben, verkaufen weiterhin. Unser Versand hat auch zugenommen. Hier sind die geringeren Einnahmen Ursache für Liquiditätsengpässe, die wir ebenfalls mit Hilfe und Krediten überbrücken werden.

Insgesamt ist die Situation kontrollierbar, aber schwierig. Wir hoffen, dass die Geschäfte unter Hygienemaßnahmen und Distanzierung zum Kunden bald wieder eröffnen dürfen. Wir halten es für kein Problem, zwei Meter Abstand zum Kunden und zwischen den Kunden einzuhalten. Dann ginge es immerhin weiter. Je länger die Pause dauert, desto schwieriger wird es, die Lieferungen der großen Hersteller wieder zu erhalten, weil man sich auch dort sorgt und vorsichtshalber abbestellt. Dadurch wird unser Neustart, wenn überhaupt, nur langsam wieder das alte Niveau erreichen.“

Mehr zum Thema: In der Rubrik Helden des Mittelstands porträtiert die WirtschaftsWoche regelmäßig einen Mittelständler, der eine Herausforderung kreativ, mutig und klug gemeistert hat. Doch was tun diese Helden gegen die Coronakrise? Wir haben nachgefragt. Alle Folgen der Serie „Helden Contra Corona“ finden Sie hier.

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