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Mittelstand Warum in Ostwestfalen die meisten Weltmarktführer sitzen

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Der Forscher, oder wie das Netzwerk leben lernte

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier, Vizepräsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, 600 Publikationen, jede Menge Ehrungen, lebte die digitale Vernetzung schon, als der Rest der Republik nicht mal ahnte, wie diese das eigene Leben umkrempeln werde. Seit den Neunzigerjahren forscht der Seniorprofessor am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn an der Vernetzung von Maschinen. So wurde er zum forschenden Aushängeschild der ostwestfälisch-lippischen Zukunftsambitionen.

Dafür braucht es die Energie eines Duracell-Hasen: Gausemeier soll renommierte Forscher an die verschiedenen Hochschulen in OWL locken und fähige Doktoranden an die Region binden. Er soll Unternehmen für Praktikumsplätze, duale Studiengänge und Fördergelder gewinnen, aber das nicht, ohne die erfolgreiche Akquise staatlicher Fördertöpfe zu vernachlässigen. Und nicht zu vergessen: Gausemeier muss Politiker als Unterstützer in der Region, in Berlin und in Brüssel gewinnen und selbst die Forschung des Clusters nach außen verkaufen.

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS

Ganz schön viel für einen Gausemeier. Doch der umtriebige Gelehrte sagt: „Unsere Wissenschaftler in OWL sind motiviert, weil sie entscheidende Impulse für Innovationen setzen können, die sich am Markt durchsetzen und unternehmerischen Erfolg bringen.“ Das sei entschieden spannender, als an brillanten Ideen zu arbeiten, die in Bibliotheken verstauben.

Gausemeier muss man also nicht zum Jagen tragen, er sieht auch sich selbst am Ziel, wenn alles läuft: „Meine Leidenschaft ist das Entwerfen kühner Strategien, Menschen dafür zu gewinnen und eine Vision auch zu realisieren. Der Spitzencluster ist sozusagen mein anspruchsvollstes Strategieprojekt.“

Erst diese Spitzenforschung in Verbindung mit rund 200 Partnern vor Ort macht die Region einzigartig – viele Weltmarktführer allein gibt es auch in Schwäbisch Hall, 15 andere Spitzencluster bundesweit. Globalisierung, demografischer Wandel und Resourcenknappheit fordern die Innovationskraft von Unternehmen in der ganzen Republik heraus.

2017 läuft die millionenschwere Förderung vom Bund an das OWL Spitzencluster aus. Die Sorge ist erlaubt: Fällt die Region dann zurück ins Mittelmaß? Gausemeier gibt sich optimistisch: „Vernetzte intelligente technische Systeme sind das Megathema unserer Zeit, das auch im Ausland höchste Beachtung findet.“ Soll heißen: Wer in OWL spielt, spielt vorne.

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