Rimowa: Die neuen Koffer können selbst einchecken
Digitale Reise: Rimowa-Chef Morszeck rüstet Koffer für Check-In per Internet auf.
Foto: PresseFür die Demonstration im Londoner Vorzeigeladen des Kofferherstellers Rimowa braucht Richard McCarthy nur 30 Sekunden. Er öffnet eine App auf seinem Tablet und sendet Flugdaten via Bluetooth an einen Koffer. In einem kleinen Bildschirm auf der Oberfläche des Gepäckstücks erscheint die Gepäcknummer, die sonst auf Papieranhängern steht. Vielflieger müssen sich so nicht mehr vor dem Check-in-Schalter anstellen, sondern können das Gepäck ohne Wartezeit an einem Gepäckautomaten abgeben. Erste Linien wie die Lufthansa akzeptieren die elektronischen Gepäckscheine bereits, weitere sollen folgen. Rund 5000 Kunden haben sich bereits registriert.
Platz 15: Lamilux
Hauptsitz: Rehau (Bayern)
Produkt: Lichttechnologie
Umsatz: 187 Millionen Euro
Innovationsscore: 169
Wer zu Deutschlands innovativsten Mittelständlern gehören will, muss ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Die Münchner Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) wertete im Auftrag der WirtschaftsWoche zunächst die Daten von 3500 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften: Sie analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden, Branchenexperten, Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten.
Danach nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes errechnete die Beratung einen eigenen Innovations-Score. Dabei achteten die Berater darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuheiten auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat. Zudem flossen zu einem Drittel auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatz- und Gewinnwachstum in die Bewertung ein. „Ein innovatives Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es mehr als 25 Prozent seines Umsatzes mit Produkten macht, die erst in den vergangenen vier Jahren entstanden sind“, sagt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold.
Die MSG-Berater analysierten bereits zum dritten Mal für die WirtschaftsWoche die Innovationskraft deutscher Mittelständler (Heft 15/2014 und Heft 42/2015). Während beim ersten Ranking noch Maschinenbauer dominierten, sind nun mehr Konsumgüterhersteller unter den Siegern. Die meisten innovativen Unternehmen kommen aus Baden-Württemberg.
Foto: PressePlatz 14: Windmöller Holding
Hauptsitz: Augustdorf (Nordrhein-Westfalen)
Produkt: Bodenbeläge
Umsatz: 120 Millionen Euro
Innovationsscore: 170
Platz 13: Maja-Maschinenfabrik
Hauptsitz: Kehl (Baden-Württemberg)
Produkt: Lebensmittelverarbeitung
Umsatz: 23 Millionen Euro
Innovationsscore: 171
Platz 12: Mekra Lang
Hauptsitz: Ergersheim (Bayern)
Produkt: Spiegel für Nutzfahrzeuge
Umsatz: 260 Millionen Euro
Innovationsscore: 172
Platz 11: Brandt Zwieback
Hauptsitz: Hagen (Nordrhein-Westfalen)
Produkt: Zwieback
Umsatz: 189 Millionen Euro
Innovationsscore: 175
Platz 10: Edelmann
Hauptsitz: Heidenheim (Baden-Württemberg)
Produkt: Verpackungslösungen
Umsatz: 235 Millionen Euro
Innovationsscore: 177
Platz 9: Insiders Technologies
Hauptsitz: Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz)
Produkt: Software
Umsatz: 18 Millionen Euro
Innovationsscore: 178
Platz 8: Arburg
Hauptsitz: Loßburg (Baden-Württemberg)
Produkt: Spritzgießmaschinen
Umsatz: 548 Millionen Euro
Innovationsscore: 181
Platz 7: Aquaterm
Hauptsitz: Attendorn (Nordrhein-Westfalen)
Produkt: Rohrleitungssysteme
Umsatz: 91 Millionen Euro
Innovationsscore: 182
Platz 6: Fischerwerke
Hauptsitz: Waldachtal (Baden-Württemberg)
Produkt: Befestigungssysteme
Umsatz: 625 Millionen Euro
Innovationsscore: 185
Platz 5: C. Josef Lamy
Hauptsitz: Heidelberg (Baden-Württemberg)
Produkt: Schreibgeräte
Umsatz: 71 Millionen Euro
Innovationsscore: 186
Platz 4: Leica Camera
Hauptsitz: Wetzlar (Hessen)
Produkt: Kameras
Umsatz: 276 Millionen Euro
Innovationsscore: 189
Platz 3: Gebr. Kemper
Hauptsitz: Olpe (Nordrhein-Westfalen)
Produkt: Gebäudetechnik
Umsatz: 270 Millionen Euro
Innovationsscore: 190
Platz 2: Bahlsen
Hauptsitz: Hannover (Niedersachsen)
Produkt: Süßgebäck
Umsatz: 515 Millionen Euro
Innovationsscore: 194
Platz 1: Rimowa
Hauptsitz: Köln (Nordrhein-Westfalen)
Produkt: Koffer
Umsatz: 273 Millionen Euro
Innovationsscore: 197
„Das ist die Zukunft des Reisens“, schwärmt Rimowa-Chef Dieter Morszeck. Mit der Electronic Tag genannten Innovation habe der Kölner Kofferhersteller das Gepäck als Erster digitalisiert und das Leben seiner viel fliegenden Zielgruppe erleichtert. Das Produkt ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Flugzeugbauer Airbus und dem IT-Dienstleister T-Systems. Jeder der drei Partner brachte seine Expertise ein, 2013 stellten sie einen Prototyp auf der Cebit in Hannover vor, seit März läuft der Serienbetrieb.
Die Offenheit für eine solche Kooperation, die auf den ersten Blick nicht naheliegt, ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Unternehmens. Chef Morszeck legt bei der Entwicklung neuer Produkte selbst Hand an, als Rimowa kurz nach der Jahrtausendwende den weltweit ersten Vier-Rollen-Koffer entwickelte, experimentierte er am Wochenende zu Hause mit einem Gehäuse aus Holz und Bürostuhlrollen, die er im Baumarkt gekauft hatte. „Die Freude und Leidenschaft für unsere Produkte und Projekte versuche ich auch auf mein Team zu übertragen“, sagt er.
Rimowa-Koffer gelten als Porsche des Reisegepäcks. Das hat den französischen Luxuskonzern LVMH überzeugt. Im Oktober gab der die Übernahme von rund 80 Prozent der Anteile für 640 Millionen Euro bekannt. Damit enden fast 120 Jahre konzernunabhängiger Innovation. 1898 hatte Firmengründer Paul Morszeck mit klassischen Holzkoffern angefangen, Sohn Richard wendete sich in den Dreißigerjahren dem leichteren Aluminium zu. Der heute noch aktive Gründerenkel Dieter stieg 1972 ins Unternehmen ein, machte die Koffer noch leichter und außerdem wasser- sowie staubdicht. Seit Ende der Neunzigerjahre baut Rimowa auch Hartschalenkoffer aus dem Kunststoff Polycarbonat, der sonst in Flugzeugfenstern und CDs steckt. Der neue Eigentümer werde den Mitarbeitern „eine vielversprechende Zukunft“ garantieren, sagt Morszeck. Er selbst will die Firma weiter leiten.
Das hat er bisher mit Erfolg getan. Der Mittelständler hat im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen Koffer verkauft und rund 350 Millionen Euro umgesetzt, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Wachstum haben auch mittlerweile fast 140 eigene Läden in den Metropolen der Welt beigetragen, in denen Rimowa seine Koffer wie Kunstwerke inszeniert. Für einen Mittelständler ist ein derart großes internationales Netz ungewöhnlich. Es passt aber zur globalen Zielgruppe.
Rang 20: Liebherr International
Branche: Nutzfahrzeuge
Umsatz 2015: 9,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 41.500
Über die Dachgesellschaft kontrolliert die Familie Liebherr das Firmenimperium, das unter anderem Baufahrzeuge, Kräne, Verkehrstechnik, Hausgeräte und Hotels umfasst.
Quelle: FAZ, Unternehmen
Foto: dpaRang 19: Maxingvest
Branche: Nahrung und Genuss
Umsatz 2015: 10,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 30.000
Unter dem Dach der Maxingvest sind der Kaffeehändler Tchibo und der Nivea-Hersteller Beiersdorf vereint. Kontrolliert wird die Holding von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz.
Foto: APRang 18: Würth
Branche: Befestigungstechnik
Umsatz 2015: 11,0 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 69.000
Als Schraubenkonzern ist Würth vielen bekannt. Dabei hat sich der Konzern unter Reinhold Würth, Sohn des Firmengründers Adolf Würth, zu einem weltweiten Großhandel mit Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt. Sitz des Unternehmens ist Künzelsau bei Stuttgart.
Foto: dapdRang 17: Marquard & Bahls
Branche: Mineralölhandel
Umsatz 2015: 11,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 8.700
Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung – aber auch die erneuerbaren Energien. Sitz des Familienunternehmens ist in Hamburg.
Foto: dpa/dpawebRang 16: Mahle
Branche: Autozulieferer
Umsatz: 11,5 Milliarden Euro
Beschäftigte: 75.600
Der Autozulieferer aus Stuttgart blickt auf eine fast 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und zählt heute zu den größten Firmen der Branche. Der Konzern ist zu 99,9 Prozent im Besitz der Mahle-Familienstiftung.
Foto: dpaRang 15: Otto
Branche: Handel
Umsatz 2015: 12,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.600
Hinter Amazon ist Otto einer der größten Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass die diversen Web-Shops in den vergangenen Jahr stark gewachsen sind.
Foto: dpaRang 14: Oetker-Gruppe
Branche: Mischkonzern
Umsatz 2015: 12,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 30.800
Zur Oetker-Gruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker ist unter anderem in den Bereichen Lebensmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier (Radeberger), Sekt und Wein (Henkell), Schifffahrt (Hamburg Süd) und dem Bankwesen (Bankhaus Lampe) tätig.
Foto: dpaRang 13: Merck KGaA
Branche: Pharma
Umsatz 2015: 12,8 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.600
Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern gab sich zuletzt ein neues, frisches Logo. Doch die Geschichte des Unternehmens geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Auch auf die Familie Merck zurückzuführen ist das amerikanische Unternehmen Merck & Co.
Foto: PRRang 12: Schaeffler
Branche: Wälzlager
Umsatz 2015: 13,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 84.200
Im September 2015 brachte Maria-Elisabeth Schaeffler (Bild), die Witwe des Unternehmensgründers, die Schaeffler AG in Teilen an die Börse. Die Stimmrechte liegen allerdings weiterhin bei Schaeffler und ihrem Sohn Georg Schaeffler. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Konzern durch die Übernahme des Autozulieferers Continental.
Foto: REUTERSRang 11: Boehringer Ingelheim
Branche: Pharma
Umsatz 2015: 14,8 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 47.500
Boehringer Ingelheim ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes forschendes Pharmaunternehmen. Weltweit ist es das größte, das sich noch vollständig in Familienbesitz befindet. Sitz ist in Ingelheim am Rhein.
Foto: dpaRang 10: Bertelsmann
Branche: Medien
Umsatz 2015: 17,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 117.200
Die Bertelsmann AG gehört zu den weltweit größten Medienkonzernen. Zum Unternehmen gehören unter anderem die RTL Group sowie der Gruner + Jahr-Verlag. Bertelsmann wird kontrolliert von der Bertelsmann-Stiftung und der Familie Mohn. Bei der Matriarchin Liz Mohn (Bild) laufen alle Fäden zusammen.
Foto: dpaRang 9: Henkel
Branche: Konsumgüter
Umsatz 2015: 18,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.500
Der Dax-Konzern aus Düsseldorf gehört zu den am stärksten international ausgerichteten Unternehmen in Deutschland. Henkel stellt unter anderem Pritt und Persil her. Bekanntestes Mitglied der Familie Henkel ist die Aufsichtsratschefin und Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel Simone Bagel-Trah.
Foto: dapdRang 8: Phoenix
Branche: Pharmagroßhandel
Umsatz 2015: 23,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 47.100
Die Phoenix Group ist einer der größten Pharmahändler Europas. Das Mannheimer Unternehmen gehört zur Gruppe des verstorbenen Adolf Merckle.
Foto: dpaRang 7: Fresenius
Branche: Gesundheit
Umsatz 2015: 27,6 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 222.300
Das Unternehmen ist unter anderem einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands und Mehrheitseigner beim Dialysespezialisten Fresenius Medical Care.
Foto: REUTERSRang 6: Metro
Branche: Handel
Umsatz 2015: 59.2 Milliarden Euro
Beschäftige 2015: 223.500
Die in Düsseldorf ansässige Metro-Gruppe ist eines des größten Handelsunternehmen der Welt. Die Familien Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim besitzen knapp die Hälfte der Aktien.
Foto: dpaRang 5: Bosch
Branche: Technologie
Umsatz 2015: 70,6 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 374.800
Was als Autozulieferer begann, wuchs zu einem weltweiten Technologie- und Werkzeugkonzern heran. Die Robert Bosch Stiftung besitzt die meisten Anteile am Unternehmen, über eine Kommanditgesellschaft hat die Familie Bosch großen Einfluss.
Foto: dpaRang 4: Aldi-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2015: 76 Milliarden Euro
Beschäftigte 2014: 300.000
Der Lebensmittelhändler konnte mit der Kombination aus Qualität und Discount seine Kundschaft immer wieder erweitern. Der „Nordteil“ von Albrecht-Bruder Theo (verstorben 2010) ist der deutlich kleinere. Der wesentliche größere Teil ist der „Südteil“ von Karl Albrecht (verstorben 2014).
Foto: dpaRang 3: Schwarz-Gruppe
Branche: Handel
Umsatz 2015: 85,7 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 375.000
Zur Schwarz Beteiligungs GmbH gehören unter anderem Lidl und Kaufland. Die Gruppe ist Europas größter Handelskonzern.
Foto: APRang 2: BMW
Branche: Automobil
Umsatz 2015: 92,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 122.200
Größter Anteilseigner des Münchener Premiumautobauers ist die Familie Quandt. Bekanntestes Familienmitglied ist Susanne Klatten (geborene Quandt, rechts im Bild). Neben ihr stehen ihre Mutter Johanna Quandt sowie ihr Bruder Stefan Quandt.
Foto: APRang 1: Volkswagen
Branche: Automobil
Umsatz 2015: 213,3 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 610.100
Der Wolfsburger Autobauer ist europaweit der größte seiner Art. Seit September 2015 setzt Volkswagen der Abgasskandal zu. Größte Anteilseigner sind die Familien Piëch und Porsche.
Foto: dpaSo auch in London. Die Wände des Ladens an der Luxus-Shoppingmeile New Bond Street glitzern und erinnern an ein ultramodernes Flugzeug. Silberne Hologramme scheinen den Rumpf von Linienmaschinen zu zeigen. Vier Koffer thronen auf einer weißen Tribüne. Eine chinesische Kundin ist sichtlich beeindruckt von der Präsentation. Das gehe vielen Besuchern so, sagt Shop-Leiter McCarthy. In dem vor drei Monaten in der Nachbarschaft von Chanel eröffneten Laden sind bereits alle Koffer mit dem Electronic Tag ausgestattet.
Der bislang größte Laden befindet sich in Rimowas Heimatstadt Köln, nur wenige Schritte vom Dom entfernt, angeschlossen ist ein Firmenmuseum, in dem Kunden historische Modelle besichtigen können. Ende des Jahres wird ihn der neue Flagship-Store in Paris größenmäßig überholen. Im Kaufhaus an der Seine werden Koffer auf sieben Etagen und 420 Quadratmeter Verkaufsfläche ausgestellt. Kunden können ihre Koffer dort zur Reparatur abgeben und bei kleinen Problemen noch am selben Tag abholen. Angesichts der Übernahme durch LVMH ist Paris als künftiger Flaggschiff-Standort ein durchaus deutliches Signal.