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Roboter und AutomationWem nutzt die Digitalisierung in der Fabrik?

Menschen, deren Aufgabe nicht mehr existiert. Geht es um Digitalisierung, werden Schreckensbilder beschworen. Dabei kann der Fortschritt dem Menschen auch nutzen. 14.04.2017 - 08:00 Uhr

Roboter simulieren einen Produktionsschritt an einem Auto.

Foto: dpa

Der Kollege – ein Roboter –, die Dienstbesprechung am Morgen – ein Online-Formular auf dem Tablet –, die Einstellung der Maschine – ein Knopfdruck. Ist von Industrie 4.0 die Rede, wird schnell ein Drohszenario beschworen: Die menschenleere Fabrik.

2016 prognostizierte eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) bis 2020 den Verlust von mehr als fünf Millionen Jobs weltweit. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab hingegen Entwarnung: Nicht weniger, sondern andere Jobs seien die Folge. Sind Roboter und Software in Fabriken also Jobkiller oder nur ein großer Wandel?

Selbst Gewerkschafter räumen positive Seiten ein: „Bei allen Befürchtungen, die auch nicht unbegründet sind, gibt es auch Vorteile“, sagt der Landesbezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger. Aufgaben in ungünstigen Körperhaltungen könnten durch Roboter unterstützt oder übernommen werden. „Wenn Menschen körperliche Einschränkungen haben – durch langes Arbeiten oder eine Behinderung -, können Roboter helfen.“

Digitale Umspannwerke werden eine Schlüsselkomponente des Stromnetzes der Zukunft sein – davon ist man bei ABB überzeugt. Erneuerbare Energien unterliegen von Natur aus Schwankungen, zudem wird der traditionelle Leistungsfluss in nur eine Richtung zunehmend durch multidirektionale Stromflüsse abgelöst. Das stellt neue Anforderungen an die Umspannwerke. ABB will mit dem Konzept eines "digitalen Umspannwerks", in dem bereits zahlreiche existierende Produkte und Lösungen eingebaut sind, den Messebesuchern eine Vision für das Stromnetz der Zukunft präsentieren.

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Im Umfeld der Industrie 4.0 stehen Ingenieure oft vor ganz neuen Herausforderungen bei der Entwicklung von Produkte: Sie müssen eine komplexe Mechatronik, Sensoren, Aktuatoren und eine intelligente Steuerung vereinen. Die Altair Engineering GmbH stellt daher auf der Hannover Messe Lösungen und Methoden für simulationsgetriebene Innovation vor und zeigt anhand von Technologiedemonstratoren und Kundenbeispielen, wie diese erfolgreich in der Entwicklung innovativer Produkte eingesetzt werden können.

Die Systemsimulation für einen kollaborativen Roboter (Cobot) dient zudem der Lastermittlung für die Topologieoptimierung, mit der sich Leichtbaustrukturen durch organische Formgebung realisieren lassen. Diese leichten Strukturen sind letztlich Voraussetzung für die geforderte Effizienz bei gleichzeitig hoher Präzision und Arbeitssicherheit.

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Bis auf wenige Ausnahmen verfügen alle Landtiere über Beine. Und so wundert es wenig, dass Entwickler von Robotern diesem Vorbild nacheifern und alles daran setzen, für ihre Schöpfungen möglichst vergleichbare Bewegungsapparate zu entwerfen. Besonders begabt darin ist offensichtlich Marco Hutter, Professor am Institut für Robotik und Intelligente Systeme der ETH Zürich. ANYmal verfügt über Gelenke, die in ihrer Dynamik tatsächlich an ein tierisches Äquivalent erinnern. So kann ANYmal nicht nur gehen oder laufen, sondern auch Treppen steigen, kriechen, tanzen, klettern und springen – und die Sprünge dann weich abfedern. Mit lediglich 30 Kilogramm Gesamtgewicht ist ANYmal handlich genug, um sich zur Not auch mal tragen zu lassen.

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Die aus der TU Darmstadt hervorgegangene Danto Invention GmbH hat sich auf innovative Leichtbau-Konzepte für Faser-Kunststoff-Verbund-Teile spezialisiert und präsentiert auf der Hannover Messe jetzt erstmals die unmittelbar vor dem Markteintritt stehende Danto-Feder. Ein Vorteil dieser Feder ist natürlich das Gewicht – Danto spricht von einer Ersparnis von mehr als 70 Prozent im Vergleich zu einer Stahlfeder. Wesentlicher noch sei aber die hohe Formflexibilität, die Konstrukteuren aus unterschiedlichen Bereichen bisher ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten bieten soll. Die Feder ist zudem rostfrei und weist ein sehr hohes Maß an Dämpfung auf. Durch diese und zahlreiche weitere Vorteile eröffnet sich diesem Konzept ein sehr breiter Bereich an interessanten Anwendungen, zum Beispiel in der Robotik, im Schiffsbau, in der Luft- und Raumfahrt oder im Maschinenbau – um nur einige zu nennen.

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In Zeiten, in denen die Hannover Messe fast ausschließlich im Zeichen der Digitalisierung steht, gelten Vertreter der guten alten Schwerindustrie schon fast als Exoten. Doch auch dort tut sich einiges, wie Die Firma Meuselwitz Guss zeigt. Im Fokus stehen Themen wie Ressourcenschonung und Kosteneffizienz. Zu den aktuellsten Produktentwicklungen zählen zum Beispiel mischkristallverfestigte Konstruktionswerkstoffe mit Kugelgraphit, die sich durch ihre gute Bearbeitbarkeit auszeichnen und Leichtbaukonstruktionen hochbelastbarer Bauteile ermöglichen, wie sie beispielsweise in Windenergieanlagen benötigt werden.

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Als Supraleiter bezeichnet man Materialien mit ganz besonderen Eigenschaften: Kühlt man sie unter ihre spezifische "Sprungtemperatur" hinaus ab, fällt nicht nur ihr elektrischer Widerstand schlagartig auf null, sie können zudem das Feld eines Permanentmagneten in einem definierten Abstand einfrieren – sodass entweder sie selbst oder der Magnet in einen Schwebezustand gelangen. Diese Eigenschaften verleihen Supraleitern ein großes Potenzial für die zukünftige industrielle Anwendung. Sie ermöglichen es, Objekte ganz ohne Regelungstechnik zu lagern, oder mit nur geringem Energieaufwand berührungslos zu bewegen – selbst durch Wände hindurch. Dabei ist ihr staub- und abriebfreies Arbeiten perfekt geeignet, um Objekte schwebend in sehr reinen Umgebungen geschützt zu transportieren. Festo widmet sich schon seit längerem der Erforschung und Entwicklung von geeigneten Supraleiter-Anwendungen und präsentiert den aktuellen Stand der Dinge jetzt auf der Messe in Hannover.

Eine dieser möglichen Anwendungen ist die kontaktfreie Reinigung eines Exponats im fluiden Umfeld in der so genannten SupraTube. Diese ist eine geschlossene, senkrecht stehende und mit Flüssigkeit gefüllte Glasröhre. In ihr wird ein Magnetpuck von einem ersten Kryostaten mit Supraleitern in einem Abstand von rund fünf Millimeter im Schwebezustand gehalten. Durch einen Impuls in Drehbewegung versetzt und dann vom oberen Kryostaten entkoppelt, sinkt die Magnetscheibe in Kreiselbewegungen in der Röhre hinab, bis sie am unteren Ende von dem Supraleiter im anderen Kryostaten wieder eingefangen und berührungslos zentriert wird.

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Auch wenn viele ehemals kabelgebundene Techniken inzwischen drahtlosen Alternativen gewichen sind – die Energieübertragung findet auch in Zeiten der industriellen Automatisierung und Digitalisierung meist noch immer über Steckverbindungen statt. Dies gilt insbesondere für Anwendungen mit häufigen Steckzyklen, wie bei den in immer mehr Produktions- und Lagerhallen eingesetzten automatischen Transportsystemen. Um das zu beheben präsentiert Weidmüller Interface mit dem FreeCon Contactless eine gleichermaßen elegante, effiziente und technisch ausgereifte Lösung.

Wie der Name schon erahnen lässt, ist FreeCon Contactless für eine kontaktlose und wartungsfreie Energieübertragung ausgelegt. Ein Einsatzgebiet ist das automatisierte Aufladen mobiler Systeme, zum Beispiel bei Akku-Ladestationen führerloser Gabelstapler, aber auch für andere Transportsysteme und Roboter ist FreeCon Contactless geeignet. Mittels induktiver Resonanzkopplung kann das innovative FreeCon Contactless eine Leistung von 240 Watt – 24 Volt DC / 10 Ampere – über einen bis zu fünf Millimeter breiten Luftspalt kontaktlos übertragen – und das mit einem Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.

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Wenn es auf Baustellen darauf ankommt, Druckluft zur Verfügung zu stellen, dann wird der alte Baukompressor angeworfen. Das geht künftig viel leiser und auch kostengünstiger – mit Elektro-Baukompressoren. Die für die Kaeser Mobilair-Modelle M27, M31 und M50 angebotenen Elektromotoren leisten zwischen 15 und 25 Kilowatt, daraus resultieren Luft-Liefermengen zwischen zwei und fünf Kubikmeter die Minute bei Drücken zwischen sieben und 14 bar. Dabei sind sie im Betrieb günstiger und sollen sich auch wegen eines weiteren Vorteils schnell rechnen: Wartungskosten fallen weit geringer aus.

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Vor dem Hintergrund, dass etablierte und spezialisierte Software-Tools bei parallelen Entwicklungsprozessen "Verständigungsprobleme" haben, präsentiert Phoenix Contact in Hannover eine neue offene Steuerungsplattform auf Basis der innovativen PLCnext Technology. Das Unternehmen spricht auch von einem "Babelfisch für Programmiersprachen". Die vorgestellte Lösung erlaubt das parallele Programmieren auf Basis etablierter Software-Tools, wie Visual Studio, Eclipse, Matlab Simulink und PC Worx, sowie die frei wählbare Verknüpfung von deren erstelltem Programmcode. Auf diese Weise ist selbst die einfache Einbindung von Software aus der Open Source Community in das Automatisierungssystem möglich.

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Wenn der Mensch direkt mit Robotern zusammenarbeiten soll – Mensch-Roboter-Kollaboration genannt – braucht es intelligente, feinfühlige und hoch vernetzte Greifsysteme. "Diese müssen die Werkstücke selbstständig erkennen, permanent das Umfeld detektieren, sich autonom annähern und auch bei hoher Teilevarianz ein prozessstabiles und sicheres Handling gewährleisten", sagt Markus Klaiber, Technischer Geschäftsführer Schunk. "In den kommenden fünf Jahren wird das industrielle Greifen komplett neu erfunden." Wie die Handhabung in der Smart Factory konkret aussehen wird, zeigt Schunk anhand zahlreicher Live-Applikationen.

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Gemeinsam mit 19 beteiligten Partnerunternehmen stellen die Technologie-Initiative SmartFactory KL e. V. und das DFKI ihre weiterentwickelte Industrie 4.0-Anlage in Hannover vor, deren Module nicht mehr in einer Reihe aufgebaut sind, sondern sich erstmals auf drei Fertigungsinseln verteilen. Die erweiterte Demo-Anlage setzt ein flexibles Transportsystem ein. Da dieses als zentrales Element eine Roboterplattform hat sowie Förderbänder in den Modulen, kann das Produkt, ein individualisierter Visitenkartenhalter, auf verschiedene Weisen hergestellt werden, um eine ortsunabhängige Produktion zu ermöglichen. Das Manufacturing Execution System (MES) trifft nach der standardmäßig definierten Bearbeitung des Produkts in vier Modulen die Entscheidung, wohin das Produkt für seine Weiterverarbeitung transportiert werden soll. Die Demo-Anlage soll zeigen, dass dieses Verfahren in der realen Anwendung verschiedene Produktionslinien, Werkshallen oder gar getrennte Standorte umfassen kann.

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Der Automatisierungsspezialist Omron zeigt in Hannover mit der dritten Generation von Forpheus, einem Tischtennisroboter, wie es seine Kernkompetenzen Sensor- und Steuerungstechnik mit künstlicher Intelligenz ergänzt. Bereits im vergangenen Jahr spielte Forpheus auf der Messe sein erstes Match, seitdem haben seine Coaches an seiner mentalen Stärke gearbeitet, damit er dieses Jahr noch klüger gegen die Messe-Besucher pariert. Forpheus soll nun in der Lage sein, menschliches Verhalten zu interpretieren und im Idealfall vorauszusehen. Denn die Omron-Entwickler haben ihm beigebracht zu lernen, zu denken, zu handeln, mit Menschen Kontakt aufzunehmen und mit ihnen zu kommunizieren.

Dank all dieser Fähigkeiten soll Forpheus sogar Menschen Unterricht erteilen können. Das Ganze ist keine Spielerei, sondern Entwicklungsarbeit für die nächste Stufe der Interaktion zwischen Mensch und Maschine – auch in der Fabrik.

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Eine Forschungsgruppe der Technischen Universität Darmstadt hat auf der Basis von Nanodrähten ein völlig neuartiges Verfahren zum Verbinden von Elektronikbauteilen entwickelt. Ihren innovativen "Klettverschluss" stellen die Forscher in Hannover erstmals vor. Das von den Entwicklern auch als KlettWelding bezeichnete Verfahren basiert auf Nanodrähten, die wie ein Rasen auf zu verbindende Elektronikbauteile aufgebracht wird. Drückt man dann zwei auf diese Weise vorbereitete Teile zusammen, verhaken sich die Drähte wie bei einem Klettverschluss – mit dem Unterschied, dass die Verbindung dauerhaft ist. Abhängig von den Anforderungen können die Darmstädter Forscher bis zu mehrere Milliarden Nanodrähte pro Quadratzentimeter aufbringen. Die Klettverschluss-artige Verschmelzung hält selbst hohen Temperaturen stand und ist dabei extrem leitfähig, sowohl für Wärme als auch für elektronische Impulse.

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Beim Maschinenbauer und Automatisierungsexperten Pilz mit Sitz in Ostfildern bei Stuttgart arbeitet man an solchen Szenarien. „Ein Beispiel ist die Schallisolierung an Autotüren“, erklärt Jochen Vetter, der bei Pilz für die Sicherheit zuständig ist, wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten. Die Isolierung werde mit einem fünf Kilogramm schweren Roller angeklebt. „Diese Aufgabe kann nun ein Roboter übernehmen.“ Möglich wird das durch bewegungsempfindliche Roboter, die ohne Schutzzaun eingesetzt werden können. „Bei einem Kontakt bleibt der Roboter dann stehen“, erklärt Vetter.

Neue Roboter arbeiten Hand in Hand mit den Menschen

Der Pumpen- und Pneumatikspezialist Festo setzt den Roboter „Uschi“ ein, der Dichtringe verarbeitet. Ein monotoner Arbeitsgang, der früher einhundert Mal pro Tag mit einer Fußschaltung von einem Mitarbeiter erledigt werden musste und eine besondere Belastung für die Schultern darstellte, sagt eine Sprecherin. Die Mitarbeiter hätten nun neue Aufgaben.

Auch ABB hat solche Roboter entwickelt, die mit Menschen Hand in Hand arbeiten können. „Der Roboter übernimmt stupide repetitive, aber auch körperlich anstrengende Aufgaben“, sagt der Chef der Robotersparte, Sami Atiya. „Sobald der Mensch in die Nähe kommt, wird der Roboter langsamer, dann stoppt er vollständig, so dass der Mensch ihm gefahrlos ein Werkstück übergeben kann.“ Der Roboter – nicht etwa der Mensch – werde damit immer mehr zur verlängerten Werkbank.

Gründerszene

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von Sebastian Schaal

Fertigung im Sekundentakt, ständig wechselnde Werkstücke, die unterschiedlich bearbeitet werden müssen. Was durch die Digitalisierung möglich wird, wäre für den Menschen nur schwer zu bewältigen, sagt ABB-Manager Sami Atiya. „Menschen können mit Robotern außerdem effizienter und präziser arbeiten und in neue Bereiche vordringen, wie etwa eine Gießerei, wo Menschen aufgrund der hohen Temperaturen nur kurzzeitig arbeiten können.“ Ein Roboter könne Gewichte in Sekundenabständen stemmen, ohne zu ermüden. „Speziell in der Logistik gibt es viele solcher Aufgaben, für die Roboter besser geeignet sind.“

Gleichzeitig sei der Einsatz von Robotern eine Chance, dass Produktionsstätten wieder näher an den Verbraucher heranrücken könnten, sagt Atiya. „Das ist wegen der hohen Lohnkosten in Europa, aber zunehmend auch in China, nur mit Robotern möglich.“ Also ist die wachsende Digitalisierung tatsächlich kein Schreckensszenario? „Die Arbeitswelt wird sich durch die fortschreitende Digitalisierung weiter verändern“, ist der ABB-Manager überzeugt.

Im Geschäft persönlich vom Roboter begrüßt zu werden - auch das kann bald für mehr Menschen Realität sein. „Pepper“ hat Knopfaugen, und er ist in astreinem Deutsch recht schonungslos: „Meiner bescheidenen Meinung nach ist dieses Modell nicht besonders schmeichelhaft für Ihre Figur. Dürfte ich Ihnen ein paar neu eingetroffene Modelle zeigen, die mir für Sie besonders gut gefallen?“ Eigene Infos werden per QR-Code auf dem Smartphone gespeichert, den der Roboter im Geschäft dann scannt. In Japan ist Pepper (von SoftBank) bereits aktiv.

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„iPal“ ist ein künstlicher Freund und Spielgefährte. Der Roboter ist so groß wie ein sechsjähriges Kind. Er kann singen und tanzen, Geschichten vorlesen und spielen.

Durch Gesichtserkennung und automatisches Lernen wird „iPal“ mit der Zeit immer schlauer. Er erinnert sich an Vorlieben und Interessen des Kindes. „iPal“ ist keine gefühllose Maschine“, behauptet John Ostrem vom Hersteller AvatarMind. „Er kann Emotionen erspüren und fühlt, wenn das Kind traurig ist.“ Der Roboter, der in rosa oder hellblau angeboten wird, übernimmt auch gleich ein paar vielleicht leidige Erziehungspflichten: Der eingebaute Wecker holt das Kind aus dem Schlaf. Die Wetter-App sagt ihm, was es anziehen soll, und eine Gesundheits-App erinnert ans Händewaschen.

„iPal“ wurde vor allem für den chinesischen Markt entwickelt. Ostrem erläutert: „Dort gibt es in den Ein-Kind-Familien viele einsame Kinder, deren Eltern wenig Zeit haben und die einfach niemanden zum Spielen haben.“ Anfang 2016 soll es „iPal“ dort für etwa 1000 US-Dollar (knapp 900 Euro) geben.

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Wer auf Reisen die Zahnbürste vergessen hat, kann sie bald von einer freundlichen Maschine aufs Zimmer gebracht bekommen. „Relay“, der Service-Roboter, wird in einigen US-Hotels im Silicon Valley getestet. Die Rezeptionistin legt Zahnbürste, Cola oder Sandwich in eine Box im Roboter, dann gibt sie die Zimmernummer des Gastes ein. „Relay“ kann sich selbst den Fahrstuhl rufen – auch wenn er noch ziemlich lange braucht, um wirklich einzusteigen. Er scannt vorher sehr ausgiebig seine gesamte Umgebung, um ja niemanden umzufahren. Vor der Zimmertür angekommen, ruft der Roboter auf dem Zimmertelefon an.

Wenn der Hotelgast öffnet, signalisiert ihm „Relay“ per Touchscreen: Klappe öffnen, Zahnbürste rausnehmen, Klappe wieder schließen. „Das Hotel ist für uns erst der Anfang“, sagt Adrian Canoso vom Hersteller Savioke. „Wir wollen „Relay“ auch in Krankenhäuser, Altenheime und Restaurants bringen, einfach überall dahin, wo Menschen essen oder schlafen.“

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„Budgee“ trägt die Einkäufe und rollt hinterher. Per Funksender in der Hand oder am Gürtel gesteuert, kann er bis zu 22 Kilogramm schleppen, so der US-Hersteller. Er folgt Herrchen oder Frauchen mit mehr als 6 Kilometern pro Stunde. Die Batterie hält angeblich zehn Stunden. „Budgee“ lässt sich zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. Die ersten Vorbestellungen werden ausgeliefert, Stückpreis rund 1400 US-Dollar.

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Roboter können nicht nur Einkäufe schleppen, sondern auch für viele Menschen unliebsame Arbeiten im Haushalt abnehmen – und damit sind nicht nur die Staubsaug-Roboter gemeint. Der „PR2“ des Institute for Artificial Intelligence (IAI) der Universität Bremen kann auch in der Küche zur Hand gehen, zumindest in der Laborküche.

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Ja, heutige Roboter können bereits feinmotorische Aufgaben übernehmen und etwa zuprosten, ohne dass das Sektglas zu Bruch geht. Das ist aber nicht die Besonderheit an diesem Bild. Der Arm rechts gehört Jordi Artigas, Wissenschaftler am Institut für Robotik und Mechatronik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Der Roboterarm wird von Sergei Wolkow gesteuert – und der war nicht in Oberpfaffenhofen, sondern auf der Internationalen Raumstation ISS, wie im Hintergrund auf dem Monitor schemenhaft zu erkennen ist. Der „Tele-Handshake“ war nach Angaben des DLR ein weltweit einzigartiges Experiment.

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Solche Aufgaben, wie etwa dieses Zahnrad zu greifen und weiterzugeben, konnte der DLR-Roboter „Justin“ schon 2012. Dass er aus dem All gesteuert wird, ist jedoch neu und bislang einzigartig.

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Neben Spielereien von Wissenschaftlern gibt es aber auch schon konkrete Anwendungen für Roboter, die Menschen helfen. Der „Personal Robot Jaco“ zon Focal Meditec zum Beispiel soll Menschen mit Behinderung individuelle Hilfe leisten – auch das feinmotorisch anspruchsvolle Aufschrauben von Wasserflaschen aus dünnem Kunststoff gehört dazu.

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Etwas verspielter geht es in Japan zu. Hier tanzen rund 100 Roboter bei einem Werbe-Event zum Start eines Roboter-Magazins. Die „Robi“ erscheint seit Januar 2015 jede Woche.

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Doch auch in Japan geht es nicht nur verspielt zu. Aiko Chihira ist eine Mitarbeiterin am Info-Desk in einem Einkaufsladen in Tokio. Und sie ist ein Roboter. Sie kann sich bewegen, sprechen und den Kunden beratend zur Seite stehen.

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Auch aus der Medizin sind Roboter nicht mehr wegzudenken. Mit dem Da-Vinci-Operationssystem werden zum Beispiel minimal-invasive Operationen im urologischen und gynäkologischen Bereich durchgeführt. In Deutschland ist das System in 52 Kliniken im Einsatz, in den USA an mehr als 1400.

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Mit Roboter kann auch der Einsatz von Düngemittel und Unkrautvernichtern in der Landwirtschaft reduziert werden. Der Abgrarroboter Bonirob von Bosch fährt über das Feld und kann dabei automatisch erkennen, welche Pflanze unter ihnen eine Nutzpflanze ist und was Unkraut. Die Roboter sind noch im Entwicklungsstadium, 2018 könnten sie kommerziell in den Markt kommen.

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An anderen Stellen sind Roboter in der Landwirtschaft bereits Realität. Nicht nur Felder werden automatisch gemäht, auch Kühe ohne menschliches Zutun gemolken.

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In der Produktion werden Roboter seit Jahren eingesetzt – allerdings meist für schwere Lasten und in abgesperrten Sicherheitskäfigen. Inzwischen holen die Hersteller die Roboter aus diesen Käfigen und lassen sie direkt mit den Menschen zusammenarbeiten. Im Bild ist der Kleinroboter YuMi (für You and Me) von ABB, der im vergangenen Jahr auf der Hannover Messe vorgestellt wurde. Die Schweizer sind aber nicht der einzige Anbieter von diesen sogenannten kollaboraitven Robotern.

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Auch Kuka hat einen solchen Roboter im Angebot, wenn auch „nur“ mit einem Arm. Beide Roboter eignen sich für kleinteilige Aufgaben, etwa bei der Smartphone-Montage oder wie hier im Bild auf dem VW-Messestand 2015, wo der Kuka-Roboter Lagerschalen in einen Motorblock einsetzt.

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Bislang kannte man Produktionsroboter eher so: Schwere, automatisierte Metallarbeiten am Fließband in einem Schutzkäfig. Die Roboter ermüden nicht und setzen auch noch den tausendsten Schweißpunkt so exakt wie den ersten. Eine moderne Autoproduktion, zumindest bei Volumenmodellen wie dem VW Golf im Bild, wäre ohne Roboter nicht mehr denkbar.

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Gewerkschafter Zitzelsberger ist bei den Jobs in der Fertigung allerdings noch relativ gelassen. „Die Gefahr, dass Jobs wegfallen, sehen wir vor allem in Verwaltungstätigkeiten – in der Buchhaltung beispielsweise“, sagt er. „Umgekehrt entstehen viele spannende Jobs durch neue Dienste.“

Das wichtigste Anliegen der Gewerkschafter ist die Frage, ob ungelernte Kräfte da noch mithalten können. Auch hier kann die Digitalisierung helfen, sagt Zitzelsberger: „Die Vermittlung der notwendigen Kenntnisse kann über Apps geschehen.“ Ein Beispiel sei die App „AppSist“. Sie soll sich auf den Wissensstand eines Mitarbeiters einstellen und die jeweils notwendigen Informationen zur Verfügung stellen. Für jeden Job muss sie programmiert werden. Noch ist sie ein Forschungsprojekt.

Breitband-Internet

Leistungsfähige Breitbandnetze für schnelles Internet seien eine „unbedingte Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum“, schreibt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bis 2018 will die Bundesregierung alle deutschen Haushalte mit schnellem Datenfluss versorgen – 50 Megabit pro Sekunde sollen für jeden Bundesbürger drin sein.

Der „State of the Internet Report“ des Technologie-Unternehmens Akamai zeigt jedoch: Bisher spielt Deutschland nicht gerade in der ersten Liga, was die Schnelligkeit des Internet anbelangt.

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Platz 25: Deutschland

Deutschland landet mit einer durchschnittlichen Downloadrate von 14,6 Mbit/s noch knapp unter den 25 Ländern mit dem schnellsten Internet. Während das Internet in den Städten ordentliche Geschwindigkeiten vorweisen kann, tropft es in vielen ländlichen Gebieten mit nicht einmal zwei Megabit aus der Leitung. In einer zweiten Statistik hat Akamai erfasst, wie viele der Anschlüsse es über die Marke von recht lahmen 4 Mbit/s schaffen – hier liegt Deutschland mit nur 89 Prozent der Anschlüsse auf Rang 33.

Anmerkung: Die Datenübertragungsrate wird in Megabit pro Sekunde (Mbit/s) gemessen. Ein Megabit entspricht einer Million Bit.

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Platz 10: Niederlande

Unsere niederländischen Nachbarn surfen deutlich schneller: Akamai weißt für die Niederlande 17,6 Megabit pro Sekunde aus.

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Platz 9: Japan

Japan ist hochtechnisiert und verfügt über schnelles Internet mit 19,6 Mbit/s. Doch das Wachstum hat sich verlangsamt, andere Länder sind vorbei gezogen: Vor wenigen Jahren lag Japan in diesem Ranking noch auf Rang 3.

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Platz 8: Singapur

In Singapur ist vieles möglich, wenn die Herrscher es wollen. In Sachen Internetgeschwindigkeit hat die Boom-Metropole stark ausgebaut und kommt jetzt auf 20,2 Mbit/s – 45 Prozent schneller als im Vorjahr.

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Platz 7: Finnland

Die finnische Bevölkerung surft im Durchschnitt mit einer Downloadrate von 20,6 Megabit pro Sekunde.

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Platz 6: Dänemark

Flächenmäßig kleine Länder haben es beim Ausbau der Netz-Infrastruktur leichter. Vor wenigen Jahren war Dänemark noch nicht einmal unter den besten zehn Ländern – jetzt haben sich unsere nördlichen Nachbarn mit 20,7 Mbit/s in den Top Ten festgesetzt.

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Platz 5: Schweiz

Unter die Top 5 der Länder mit dem schnellsten Internet hat es die Schweiz geschafft: Die durchschnittliche Downloadrate beträgt 21,2 Megabit in der Sekunde.

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Platz 4: Hong Kong

Hong Kong verfehlt eine Podest-Platzierung knapp. In der Sonderverwaltungszone Chinas kann man mit durchschnittlich 21,9 Megabit pro Sekunde surfen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Geschwindigkeit des Internet in Hong Kong um 31 Prozent erhöht.

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Platz 3: Schweden

Schweden hat sich über die Jahre bis auf das Podium vorgearbeitet: Akamai weist für das skandinavische Königreich eine Geschwindigkeit von 22,8 Mbit/s aus.

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.Platz 2: Norwegen

Wie gut die Skandinavier insgesamt in Sachen Internetgeschwindigkeit aufgestellt sind, zeigt nach den guten Platzierungen von Finnland, Dänemark und Schweden auch der zweite Platz von Norwegen. Dort liegt die durchschnittliche Downloadrate bei 23,6 Megabit pro Sekunde.

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Platz 1: Südkorea

Südkorea führt mit einer Datenrate von 26,1 Megabit pro Sekunde die Liste der Länder mit dem schnellsten Internet an. Das ist ein deutlicher Vorsprung zu Norwegen. Doch es gibt für Südkorea auch Schatten in der Statistik: Im Vergleich zum Vorjahr ist das Internet um 2,4 Prozent langsamer geworden – damit hat Südkorea als einziges Land in den Top Ten kein Tempo hinzugewonnen.

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Unruhe in der Belegschaft spürt Sicherheitsexperte Vetter deshalb noch nicht. Ein Grund könnte sein, dass noch längst nicht alle möglichen Tätigkeiten an Roboter übergeben wurden. Manuelle Tätigkeiten seien in den Beispielszenarien zu 20 Prozent automatisiert. „20 Prozent sind also von Robotern übernommen. Man hätte auch alles den Robotern überlassen können.“

Die menschenleere Fabrik sieht Vetter deshalb noch nicht. „Überall, wo man kreativ reagieren muss, zum Beispiel bei der Planung und Entscheidungen, sind wir von künstlicher Intelligenz noch meilenweit entfernt.“

dpa
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