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  3. Nutella: Wie die Nuss-Nougat-Creme Ferrero zum Welterfolg verhalf

Heute ist Nutella fast in allen Ländern weltweit verfügbar. Die größte Nutella-Fabrik liegt in der Normandie

Foto: imago images

NutellaWie die Supercrema italiana Ferrero zum weltweiten Erfolg verhalf

Mit Nuss-Nougat-Creme wurde das Piemonteser Familienunternehmen zum Weltkonzern. Die Idee entstand aus einem Mangel heraus.Nora Sonnabend 09.03.2025 - 15:09 Uhr

Kakao ist knapp. Das lässt nicht nur heute Schokoladenpreise in die Höhe schießen, sondern war auch schon im 19. Jahrhundert so, speziell: als die Napoleonischen Kriege den Handel in Europa erschwerten. In der norditalienischen Region Piemont kamen Chocolatiers daher auf die Idee, Kakao mit Haselnüssen – an denen es in der Region nicht mangelt – zu strecken. Ihre Kreation nannten sie Gianduja-Schokolade, benannt nach einer Figur im Karneval.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Kakaomangel. Pietro Ferrero, Konditor in der piemontesischen Stadt Alba, entwickelte die Spezialität weiter. Er mischte gemahlene Haselnüsse mit Zucker, Fett und ein bisschen Kakao und schuf Giandujot, auch Pasta Gianduja genannt: eine schnittfeste Paste, die die Italiener in Scheiben auf ihr Brot legten.

Mit Giandujot und der daraus entwickelten Supercrema fing alles an. Später hieß der Aufstrich Nutella

Foto: Presse

1949 starb Pietro überraschend. Bruder Giovanni und Sohn Michele übernahmen die Unternehmensführung. Wenig später kam Michele auf die Idee, dass es doch viel einfacher wäre, die Schokolade in weicher Form aufs Brot zu streichen. Deswegen tüftelte er eine Rezeptur aus, mit der sie auch bei Kälte cremig bleibt. Die Supercrema war geboren. Dank Michele – und auch dank Francesco Rivella. Der Lebensmittelchemiker ist kürzlich im Alter von 97 Jahren gestorben. Rivella galt als Michele Ferreros rechte Hand und war auch an der Entwicklung von Produkten wie Mon chéri und Kinder Schokolade beteiligt.

Francesco Rivella starb am 18.02.2025

Foto: Rotary Club Alba

1964 wurde das Wort Super in Markennamen in Italien per Gesetz verboten, um irreführende Werbung zu vermeiden. Deshalb musste die Supercrema umbenannt werden. Ferrero taufte die Nuss-Nougat-Creme Nutella, eine Wortschöpfung aus dem englischen „nut“ (Nuss) und der italienischen Verniedlichungsform -ella. Der süße Aufstrich wurde schnell beliebt und schon ab 1965 in den noch heute bekannten bauchigen Gläsern mit weißem Etikett und rotem Schriftzug in Deutschland verkauft. Danach wurden weitere Märkte im Ausland erschlossen, zum Beispiel Frankreich und 1978 auch Australien. Die Deutschen gehören bis heute zu den größten Nutella-Liebhabern, es heißt, sie verspeisten pro Kopf pro Jahr etwa ein Kilogramm der Creme.

Den Durchbruch zum Weltkonzern hat Ferrero wohl vor allem dem Gespür von Gründersohn Michele zu verdanken. Er forcierte die Expansion, setzte auf Massenproduktion und effektives Marketing. Und achtete darauf, Produkte auf die Vorlieben ihrer Zielländer zuzuschneiden: So überzeugte er die Amerikaner mit TicTacs und die deutschen Konsumenten mit Kinder Schokolade. Inzwischen ist Ferrero der drittgrößte Süßwarenhersteller der Welt – immer noch in Familienhand. Aktuell hat Giovanni Ferrero, Enkel des Erfinders Pietro, als Konzernchef das Sagen. Laut Forbes ist er der reichste Mann Italiens.


Dieser Artikel erscheint in unserer Reihe WiWo History.

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