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Was wurde aus...?Die Froschkönige – wie die Samwer-Brüder mit Jamba erfolgreich wurden

Viele Eltern sind Anfang der 2000er-Jahre genervt von Jamba-Klingeltönen fürs Handy. Kinder und Jugendliche dagegen sind begeistert – und bereichern drei berühmte Gründer-Brüder.Nora Sonnabend 17.08.2024 - 10:35 Uhr

Eltern brauchen in den Nullerjahren starke Nerven. Wenn ihre pubertierenden Kinder nicht gerade mit dem Heimcomputer im Internet surfen oder stundenlang über das Festnetz mit Freunden sprechen, erfüllt oft der Geräuschteppich des Musikfernsehens die Wohnung. Und weil Handy-Klingeltöne damals ein Statussymbol sind, läuft auf MTV und Viva bis zu 150 Mal am Tag Werbung für Jamba.

Und die sieht so aus: 3-D-animierte Cartoon-Wesen tanzen und singen mit quietschender Stimme, darunter die sogenannte Partybiene und der Crazy Frog. Die einen nervt es. Die anderen fühlen sich animiert, eine SMS an die Nummer 33333 zu schicken, um einen Klingelton zu kaufen – und schließen dabei oft gleich ein Abo auf weitere Töne ab. Die einen, das sind meist Eltern. Die anderen Teenies.

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Zwar können Käufer das Abo durch eine weitere Textnachricht gleich wieder kündigen, in den offiziellen FAQ des Unternehmens ist davon aber zunächst keine Rede. Eine lukrative Masche. Jamba soll damals mehr Geld für Fernsehwerbung ausgegeben haben als Konzerne wie McDonald’s, Beiersdorf und Unilever.

Auch außerhalb Deutschlands kommen die schrillen Spots, die vom Kleingedruckten ablenken, nicht gut an: „Save our children from this ringtone rip-off“ („Rettet unsere Kinder vor dieser Klingelton-Abzocke“) titelt die britische „The Mail on Sunday“ 2005. Im selben Jahr lässt die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten in Deutschland verlauten, dass 53 von ihr untersuchte Werbeeinspieler für Klingeltöne nicht hätten gesendet werden dürfen, weil sie den Regeln des Jugendmedienschutzes widersprechen. Kritisiert werden „Überschreitungen der maximal zulässigen Werbezeit“ sowie „direkte Kaufappelle an Kinder und Jugendliche“.

Gegründet haben den Klingeltonanbieter 2000 die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander, unter anderem mit debitel und MediaSaturn. Es handelt sich um das erste mobile Portal in Deutschland, bei dem die Käufer über ihre Telefonrechnung bezahlen. Jamba arbeitet mit mehr als einem Dutzend Netzbetreibern europaweit zusammen und expandiert bald auch nach Nordamerika. 2004 kauft der US-Kommunikationskonzern Verisign das Unternehmen. Bis 2008 erwirbt US-Medienmogul Rupert Murdoch alle Anteile. Zu diesem Zeitpunkt arbeiten rund 850 Menschen für Jamba.

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Doch die Entwicklung von kleinen Handys zu großen Smartphones mit Apps und Touchscreen konterkariert das Geschäftsmodell im Laufe der Jahre. 2011 verkauft Murdoch an die Jesta Group, 2014 erfolgt eine Übernahme durch Freenet. Die Samwer-Brüder sind da längst ausgestiegen. Marc und Oliver führen die Geschäfte nur bis Ende 2005 und verabschieden sich früh. Sie haben das Unternehmen aufgepumpt, verkauft, gut verdient. Das schlechte Image von Jamba schadet ihnen nicht. Die Samwers gründen Rocket Internet und betätigen sich sehr rege als Risikokapitalgeber für Start-ups wie den Onlinehändler Zalando.

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Dieser Artikel erscheint in unserer Reihe WiWo History.

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