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Weißblech im Test Blechdose gegen Geheimdienst – wer gewinnt?

Quelle: imago images

Der Chemieriese Evonik macht es vor. Jetzt wollen auch andere Unternehmen nachziehen. Welche Blechdose sich am besten zur Spionageabwehr eignet.

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In den Vorstandsetagen der größten deutschen Unternehmen löste die Keksdose heftige Diskussionen aus. Reicht es wirklich aus, die Handys in eine Keksdose zu stecken und schon schirmt die Blechhülle wirkungsvoll gegen Spionageattacken aus China und Russland ab?

Der Chemie-Konzern Evonik setzt die Keksdose bereits im gesamten Unternehmen ein, wie die WirtschaftsWoche am Wochenende berichtete. Jetzt wollen auch andere Unternehmen nachziehen. Doch Vorsicht: Längst nicht jede Dose eignet sich zur Spionageabwehr.

Waschmittelblech gegen Keksfabrikant

Die WirtschaftsWoche hat getestet, welche Dosen perfekten Abschirmschutz bieten.  Es traten gegeneinander an:

Eine Designer-Kiste Original Dresdner Christstollen, eine Nostalgie-Packung des Vollwaschmittels Persil, eine in Form einer Uhr gestaltete Blechdose der Schokolade After Eight (hauchdünne Zartbitterschokolade mit Pfefferminzfüllung),eine Familienkiste Brandt-Markenzwieback, eine historisch anmutende Kaffeedose Tchibo Gold-Mocca (Ganze Bohne),eine Jubiläumsdose Dr. A. Oetker’s Puddingpulver, eine alte Kakao-Dose des holländischen Herstellers Droste sowie eine Frischhaltedose des schwedischen Knäckebrot-Fabrikanten Wasa.

Handy rein – Deckel drauf

Und dann geht der Eignungstest los: Handy rein, Deckel drauf – meist reichte eine Kontrollanruf von einem anderen Anschluss aus. Klingelt das Handy in der Dose, eignet sich die Dose nicht zur Spionageabwehr. Weil das Metall zu dünn ist oder der Deckel nicht hundertprozentig abschließt, dringen genug Funkwellen bis zum Handy durch.

Geheimdienste können – ohne dass der Nutzer dies merkt - dann weiterhin das Mikrofon im Handy von außen als Wanze scharf schalten und alle Gespräche im Raum belauschen. Fünf der acht getesteten Dosen bestanden diesen Test nicht. Insbesondere die nostalgisch anmutenden Nachbauten führender Markenhersteller wie Persil, Dr. Oetker und Tchibo fielen glatt durch.

Den Sprung auf das Siegertreppchen schafften dagegen nur drei Blechdosen. Statt eines Klingeln hört der Anrufer nur die Ansage: „Dieser Anrufer ist vorübergehend nicht erreichbar“. Bei manchen Geräten springt auch direkt die Mailbox an. Brandt-Markenzwieback, After Eight und die Kakao-Dose von Droste schirmten komplett von der Außenwelt ab. Sie eignen sich zur Spionageabwehr. Die Familienkiste von Brandt empfiehlt sich sogar für Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen. Dort passen bis zu 20 Geräte problemlos hinein.

Weißblech dämpft Strahlung

Das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht die Blechdose durchaus als geeignetes Mittel zur Spionageabwehr. „Eine verschlossene Blechdose kann das Abhörrisiko mindern“, heißt in einer offiziellen Stellungnahme des BSI. „Denn Weißblech dämpft die elektromagnetische Strahlung.“

Je nach Stärke des verwendeten Blechs könne das Handy nicht von außen erreicht und ferngesteuert werden. Eine rund verschlossene Weißblechdose wirke in diesem Fall wie ein Faradayscher Käfig. Noch wirkungsvoller sei es aber, das Handy gar nicht erst mit in den Besprechungsraum zu nehmen.

Sperrgebiet für Handys

Noch strenger geht die Bonner BSI-Zentrale gegen Handys vor. Die Sicherheitsbehörde hat die Mitnahme von Handys ganz verboten. Alle Besucher müssen ihre Geräte am Empfang abgeben. Dort werden sie in Schließfächern aufbewahrt.

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