WiWo History Durchbruch: Selbst ist der Kunde – wie Ikea den Durchbruch schaffte
Wer zu Ikea fährt, kommt selten nur mit dem zurück, was er ursprünglich auf dem Einkaufszettel notiert hat. Meist landen noch Servietten und Kerzen im Wagen, und für viele ist ein Besuch ohne Hotdog am Ausgang nicht komplett.
Mit solchen Kleinigkeiten machte Ikea-Gründer Ingvar Kamprad schon als Siebenjähriger Geschäfte: Er radelte nach Stockholm, besorgte billige Streichhölzer und verkaufte sie teurer an die Nachbarn. Bei Ikea bot er zunächst Produkte wie Stifte, Portemonnaies und Bilderrahmen an.
Der 1926 geborene Kamprad gründete das Unternehmen im Alter von 17 Jahren mit einem Startkapital von umgerechnet 30 Euro. Das Wort Ikea setzt sich aus den Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens, des elterlichen Bauernhofs (Elmtaryd) und des nahe gelegenen Dorfs Aggunaryd im schwedischen Småland zusammen.
Zwei Jahre nach der Gründung begann Kamprad, Waren zu versenden. 1948 nahm er Möbel ins Sortiment auf – zunächst noch fertig zusammengebaut. Ein paar Jahre nach der Eröffnung des ersten Ikea-Ausstellungsraumes wurde ihm klar, dass Kunden Möbel vor dem Kauf gerne persönlich anschauen und dann direkt mitnehmen möchten. Billy-Regal-Schöpfer Gillis Lundgren soll ihn auf die entscheidende Idee gebracht haben, Selbstmontagebausätze anzubieten.
Besonders in Deutschland begeistert das Konzept bis heute: Im wichtigsten Markt des Unternehmens eröffnete am 17. Oktober 1974 das erste Einrichtungshaus in Echingen bei München. Bald darauf gehörten hierzulande in vielen Wohnzimmern Billy-Regale und Lack-Beistelltische zum Standardinventar. Manche Ikea-Möbel aus den 1950er- bis 1970er-Jahren werden heute sehr viel teurer als zum Originalpreis verkauft.
Den Kultstatus verlor Ikea auch nicht, als bekannt wurde, dass Ingvar Kamprad früher mit Nationalsozialisten sympathisiert hatte. Er entschuldigte sich öffentlich dafür. Auch Skandale wie die Bespitzelung von Mitarbeitern sowie Greenwashing-Vorwürfe konnten dem Image des Schweden augenscheinlich nicht nachhaltig schaden.
1986 zog sich der Patriarch aus der operativen Führung zurück und beriet noch 27 Jahre im Konzern, den er inzwischen geteilt, steueroptimiert und in verschiedenen Stiftungen und Holdings geparkt hatte. 2018 starb Kamprad mit 81 Jahren. Ikea bietet weiter eine große, vergleichsweise günstige Produktpalette an. Der Konzern setzte 2023 mehr als 44 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 220.000 Mitarbeiter.