Anlegeralphabet: Börse - über Mythen, Missverständnisse und Perfektion
Auf dem Parkett der Börse in Frankfurt am Main: Kurstafeln, Monitore und Aktienhändler.
Foto: dpaDas Wort Börse gehört zu den etablierten Alltagsbegriffen, trotzdem oder gerade deswegen sind einige Missverständnisse mit dem Begriff verbunden. Für frisch gebackene Anleger und solche, die es werden wollen, macht es Sinn, sich den manchmal missverstandenen Begriff anhand der Aufgaben klar zu machen, die Börsen für Aktionäre erfüllen oder erfüllen sollen.
Wer Aktien besitzt, ist auf Börsen angewiesen. Sie sind die zentralen Märkte und Handelsplätze nicht nur für Aktien, sondern auch für andere Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen und natürlich für Währungen oder Rohstoffe. Wir bleiben hier mal bei der Aktie. Gäbe es keine Börsen, gäbe es auch keine Aktien im eigentlichen Sinne. Ohne Börsen sind Aktien nichts anderes als sperrige und schwer verkäufliche Anteile an einer Kapitalgesellschaft, vergleichbar mit dem Anteil eines Firmengründers an seinem Start-up oder den Beteiligungen der Erben einer weit verzweigten Unternehmerdynastie an einem über Generationen gewachsenen großen Familienunternehmen.
Erst die Notierung einer Aktie an einer leistungsfähigen Börse macht die Unternehmensanteile zu jederzeit verkäuflichen und ebenso leicht erhältlichen Wertpapieren. Aktien sind damit fast so liquide wie Bargeld. Fast. In der ersten Folge unseres Anlagealphabets, A wie Aktie, ging es bereits um den Sachwertcharakter und den Eigentumswert von Aktien. Aber welchen Preis hat dieser Wert? Genau diese für Aktionäre zentrale Frage wird an der Börse beantwortet, Tag für Tag, Stunde für Stunde, ja sogar minuten- oder sekundengenau.
Im Alltag entscheidend für den Wert einer Aktie ist die Frage, wie viel man hier und heute bekommt, wenn man seine Anteilsscheine verkauft. Weil Investoren und Anleger sich verständlicherweise so brennend dafür interessieren, was ihre Aktien oder anderen Papiere wert sind, wurden die Börsen erfunden. Die erste entstand Anfang des 15. Jahrhunderts in der belgischen Handelsstadt Brügge. Zurückführen lässt sich das Wort auf den antiken Ausdruck für den persönlichen Lederbeutel, in dem die alten Griechen und Römer ihr Geld mit sich herumschleppten.
Nicht nur Aktien werden an Börsen gehandelt, sondern wie gesagt auch andere Wertpapiere sowie Währungen und Rohstoffe. Diese Vermögenswerte eignen sich hervorragend für den Handel an der Börse. Das liegt an der Standardisierung, die zum Beispiel Aktien eines Unternehmens zu leicht austauschbaren und damit problemlos tauschbaren Gütern macht. Finanzwissenschaftler bezeichnen diese Eigenschaft etwas hochtrabend als Fungibilität. Die Gleichartigkeit und Austauschbarkeit von Aktien ist neben ihrem schon erwähnten Sachwertcharakter eine weitere mindestens ebenso wichtige Eigenschaft von Aktien. Sie ist Voraussetzung für einen funktionierenden Börsenhandel.
Platz 27: Aktien Nigeria
Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 26: Ghana
Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 25: Aktien Ägypten
Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 24: Aktien China
Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 23: Britisches Pfund
Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 22: Mexikanischer Peso
Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 21: Sparbuch
Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 20: Aktien Euro-Zone
Der Euro Stoxx 50 Index für die 50 wichtigsten Werte im Euro-Raum hat in diesem Jahr enttäuscht. Seine massiven Verluste von über zwölf Prozent zur Jahresmitte hat er zwar wieder aufgeholt. Dennoch wurden aus zu Jahresbeginn 100.000 in den Index investierten Euro lediglich 100.770 Euro und damit nicht sehr viel mehr als auf dem Sparbuch. Am schlechtesten in ganz Europa schnitt die portugiesische Börse ab. Das Land zittert um die letzte verbliebene solide Bonitätsnote von der kleinen Ratingagentur DBRS. Portugals Leit-Aktienindex PSI 20 verlor in diesem Jahr mehr als elf Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 19: Deutsche Staatsanleihen
Die deutlichen Schwankungen bei Aktien und die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) ließen Investoren weltweit zu deutschen Bundesanleihen greifen. Die Folge: Am 14. Juni fiel selbst die Rendite der viel beachteten deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erstmals unter null Prozent. im Juli sackte sie auf bis zu minus 0,22 Prozent ab. Seither sind zwar die Kurse gerade von Bundesanleihen mit mittlerer bis längerer Laufzeit zwar wieder etwas gefallen und die Renditen im Umkehrschluss gestiegen. Dennoch: Wer direkt im Januar für 100.000 Euro deutsche Bundesanleihen in allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.070 Euro auf dem Konto.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz: 18: US-Dollar
Der US-Dollar hat seit der Wahl von Donald Trump einen wahren Höhenflug. Mit dem Wahlsieg Trumps warfen Investoren ihre Skepsis über Bord und setzen darauf, dass der als unberechenbar geltende Amerikaner mit seiner Mischung aus Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben die US-Konjunktur kräftig ankurbeln wird. Auf Jahressicht stieg der Dollar zum Euro um 4,11 Prozent. Aus 100.000 in den Greenback investierten Euro wurden so 104.110 Euro. Außerdem steigert der Dollar-Anstieg die Erträge von allen Anlagen, die in Dollar nominiert sind.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 17: US-Staatsanleihen
Seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind amerikanische Staatsanleihen nicht mehr in Mode. Investoren fürchten einen Anstieg der Inflation, wenn der neue US-Präsident die Konjunktur über Infrastrukturausgaben ankurbelt, weil in den USA schon jetzt nahezu Vollbeschäftigung herrscht. Zudem hat der gestiegene Ölpreis schon seit dem Sommer die Inflationserwartungen steigen lassen. Außerdem warten Investoren auf weitere Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed. US-Staatsanleihen haben ihre zeitweise deutlichen Kursgewinne deshalb mehr als komplett abgegeben. Da die US-Treasuries aber zumindest noch etwas Zinsen bringen, lag der Gesamtertrag für US-Anleger aus Zinseinnahmen und Kursverlusten 2016 bei einem knappen halben Prozent. Euro-Anlegern spielte dagegen der Anstieg des Dollars zum Euro in die Hände. Wer im Januar für 100.000 Euro US-Staatsanleihen mit allen Laufzeiten kaufte, hat jetzt 104.170 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 16: Aktien Japan
Auch Japans Aktienindex Nikkei 225 hat sich beeindruckend vom über 18-prozentigen Verlust des ersten Halbjahres erholt. In japanischen und in japanischen Yen notierte der Index auf Jahressicht gerechnet 0,4 Prozent im Plus. Dazu trägt die Notenbank bei, die nicht nur japanische Staatsanleihen, sondern auch japanische Aktien kauft. Gleichzeitig hoffen auch die Japaner auf einen „Donald Trump light“ und setzen darauf, dass der US-Präsident weniger protektionistisch handeln wird als angedroht. Der japanische Yen verlor jedoch nach der Trump Wahl deutlich gegenüber dem Dollar und liegt auch gegenüber dem Euro seit Beginn des Jahres „nur“ noch sechs Prozent im Plus. Mitte des Jahres waren es noch fast 14 Prozent. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Nikkei 225 investiert hat, kann sich über einen Gewinn von 6.250 Euro freuen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz: 15: Aktien Deutschland
Der Jahressschlussrally sei Dank. Nachdem der deutsche Leitindex Dax bis Mitte Februar um fast ein Fünftel eingebrochen war, fürchteten Anleger Schlimmes. Der Dax berappelte sich zwar wieder, schaffte es aber erst Anfang des Monats deutlich über den Schlussstand des Vorjahres. Unter dem Strich hat der Dax so im vergangenen Jahr 6,87 Prozent gewonnen. Aus 100.000 Euro wurden so 106.780 Euro. Interessant: Selbst wenn man die im Dax enthaltenden Dividenden herausrechnet kommt der Index auf ein reines Kursplus von zumindest 3,7 Prozent und schlägt somit den als reinen Kursindex berechneten Euro Stoxx 50 deutlich.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 14: Euro-Unternehmensanleihen schwacher Bonität
Mit auf Euro lautenden Anleihen von Unternehmen, denen die Ratingagenturen nur eine schwache Bonität zubilligen konnten Anleger 2016 deutlich mehr verdienen als mit sicheren Bundesanleihen. Die Erträge aus den Kursgewinnen und den höheren Zinseinnahmen der sogenannten Junk-Bonds (Ramschanleihen) summieren sich im Schnitt auf 9,07 Prozent. Aus 100.000 investierten Euro wurden so 109.070 Euro. Anfang des Jahres gerieten wegen des schwachen Ölpreises zwar US-Junkbonds unter Druck. Das belastete auch die Euro-Papiere. Doch die Lage hat sich beruhigt – außerdem greifen im Niedrigzinsumfeld immer mehr Investoren zu Anleihen mit höheren Zinsen. Dazu kommt: Da die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität kauft, drängt sie Anleger förmlich dazu auf andere Bonds auszuweichen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 13: Magere Schweine
Nicht nur Öl, Industrierohstoffe, Metalle und Agrarrohstoffe können Anlegern an Terminbörsen handeln sondern auch landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelten Terminkontrakte auf Nutztiere. Besonders auffällig erholte sich dabei 2016 der im Vorjahr deutlich gefallene Preis für Magere Schweine. Da gleichzeitig der Dollar stieg, machten Investoren, die an der Chicagoer Terminbörse 100.000 Euro investierten, einen Gewinn von 11.000 Euro. Die Preise für Mastvieh und Lebendrinder fielen dagegen deutlich.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 12: Gold
Nach einer fünfjährigen Talfahrt glänzte Gold im Jahr 2016 wieder. Das gelbe Metall war zwar in Dollar gerechnet mit einem Plus von rund acht Prozent nicht der Top-Performer unter den Rohstoffen. Aus 100.000 investierten Euro wurden aber letztlich 112.040 Euro. Bis zum Sommer war der Goldpreis in Dollar gerechnet sogar um knapp 30 Prozent geklettert. Nach den US-Wahlen schmolzen die Gewinne aber ab Die Aussichten auf eine starke US-Wirtschaft unter Trump und auf drei weitere Zinsschritte der US-Notenbank Fed im Jahr 2017 ließen den Dollar klettern und den Goldpreis fallen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 11: Aktien Schwellenländer
Die Aktien der Schwellenländer haben gemessen am Dollar-Index MSCI Emerging Markets im Jahr 2016 8,5 Prozent zugelegt. Damit erholten sie sich zumindest zum Teil von ihrem Absturz des Vorjahres – wobei die Spreizung zwischen den einzelnen Emerging Markets groß ist. Wer jedoch 100.000 Euro in den MSCI Emerging Markets oder einen entsprechenden börsengehandelten Indexfonds investiert, machte – ohne Transaktionskosten – dank Index- und Dollar-Anstieg einen Gewinn von 12.710 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 10: Anleihen Schwellenländer
Wie die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität profitierten auch die Anleihen von Schwellenländern von der verzweifelten Suche der Investoren nach höheren Zinseinnahmen. Die zuletzt gestiegenen Kapitalmarktzinsen – sprich Anleiherenditen – in den USA belasteten zwar gerade die auf Dollar lautenden Anleihen der Schwellenländer. Dennoch: Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in einen auf Dollar-Emerging-Market Bonds lautende Anleihen investierte, kann sich jetzt über ein auf 113.200 Euro gewachsenes Depot freuen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 9: Aktien USA
Auch die US-Börsen stürzten bis Februar im Sog der Angst um die Entwicklung in China und den fallenden Ölpreis ab. Sie erholten sich aber wesentlich deutlicher als ihre europäischen Pendants. Und mit der Wahl von Donald Trump starteten die US-Börsen noch einmal richtig durch – auch wenn der Dow Jones Index die Rekord-Marke von 20.000 Punkten knapp verpasste. „Die Rally ist davon getrieben, dass es endlich einen Wechsel in Washington gibt“, sagt Ted Weisberg, Chef und Gründer von Seaport Securities an der Wall Street. In Dollar gerechnet hat der Dow im vergangenen Jahr gut 13 Prozent gewonnen – in Euro gerechnet waren es 16,14 Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: REUTERSPlatz 8: Silber
Der kleine Bruder des Goldpreises hat Gold im vergangenen Jahr deutlich geschlagen. In Dollar gerechnet stieg der Silberpreis um rund 15 Prozent, in Euro sind es sogar 18,56 Prozent. Dabei profitiert Silber davon, dass es auch als Industriemetall gilt. Und die waren 2016 wegen der insgesamt doch weltweit etwas besseren Konjunktur gefragt. Aus 100.000 in Silber angelegten Euro wurden 118.560 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: WirtschaftsWochePlatz 7: Zucker
Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 ebenfalls deutlich gestiegen – am deutlichsten der für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 6: Aktien Russland
Die russische Börse hat schwere Turbulenzen hinter sich. Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich aber sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. In Rubel gerechnet stieg der Micex in diesem Jahr unter dem Strich um rund Prozent, die Aufwertung des Rubels gegenüber dem Euro machte aus 100.000 in Russland angelegten Euro sogar 152.950 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 5: Öl
Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. Ende 2016 beschloss die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dann tatsächlich ab 2017 weniger Öl zu fördern. Das verhalf dem Ölpreis zuletzt auf einen Stand von knapp 54 Dollar. Das machte aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro am Jahresende 161.080 Euro.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 4: Zink
Auch Zink kann hübsch verarbeitet werden, gilt aber vor allem als Industriemetall und war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Rund die Hälfte allen Zinks wird für Korrosionsschutz verwendet. Zusätzlich wird Zink unter anderem in Batterien oder für Gussformen verwendet. Einer der Gründe für die Hausse ist das anhaltende globale Defizit. So erwartet der Verband der Blei-und Zinkbranche, dass das Angebot auch 2017 hinter der Nachfrage zurückbleiben wird. Im vergangenen Jahr stieg der Zinkpreis in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3: Aktien Kasachstan
Gerade mal neun Werte sind im kasachischen Leitindex Kase notiert – doch die hatten es 2016 in sich. Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Dabei gilt generell das die Werte an kleinen illiquiden Börsen deutlich stärker schwanken als an großen Märkten. Im vergangenen Jahr sprach das Pendel dabei für die Anleger: Wer 100.000 Euro in den Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent. Dabei entfiel ein mit anderen Ländern vergleichsweise geringer Teil auf die Aufwertung der Landeswährung.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: dpaPlatz 2: Aktien Peru
Für Investoren war die Wahl ein Traum: Pablo Kuczynski, der im Sommer gewählte Präsident Perus, ein ehemaliger Wall Street Banker und gilt als liberal und wirtschaftsfreundlich. Die Börse in Peru begann schon vor Wochen vor der Wahl zu feiern. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Der Index stieg im vergangenen Jahr um 59 Prozent. Die Aufwertung des Sols gegenüber dem Euro machte daraus bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren. Das zeigt wie riskant Einzelwetten auf Schwellenländer sind.
Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten
Foto: REUTERSPlatz 1: Aktien Brasilien
Der brasilianische Aktienmarkt war 2016 kaum zu bremsen. Auch er startete zwar mit den Weltbörsen schwach, startete dann aber richtig durch. Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff die Aktienkurse nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Sei es drum – in der Landeswährung gerechnet stieg Brasiliens Leitindex Bovespa um 39 Prozent. Noch deutlicher wertete die Landeswährung Real auf – auch wenn sie seit den US-Präsidentschaftswahlen wieder etwas verloren hat. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.
Foto: dpa
Im Alltag hat sich ungeachtet dessen der Begriff „Börse“ auch für Marktplätze etabliert, die eigentlich keine Börsen sind, weil auf ihnen hochgradig individuelle und schwer durchschaubare Waren und Dienste angeboten und gehandelt werden. Beispiele sind Wohnungsbörsen, Gebrauchtwagenbörsen aber auch Karrierebörsen und Singlebörsen. Viele Irrtümer der klassischen ökonomischen Theorie rühren daher, dass Wissenschaftler die Eigenschaften von Börsen gedanklich auch auf andere Marktformen übertragen haben, selbst wenn das nicht zur Realität passte. Aber das ist ein anderes Thema und wird hier allein deshalb erwähnt, weil Börsen – und nur echte Börsen – der von der klassischen ökonomischen Theorie geprägten Vorstellung eines perfekten Marktes sehr nahe kommen.
Aber noch einmal kurz zurück zu den Autos, Wohnungen oder Häusern. Sie sind eben keine standardisierten und gleichartigen Waren, für die sich einheitliche Preise festlegen ließen. Immobilien sind Einzelanfertigungen, darüber hinaus entscheidet die immer unterschiedliche Lage über einen wesentlichen Teil des Werts, was Besichtigungen vor Ort unvermeidbar macht. Auch bei mobilen und in Serie hergestellten Gütern wie Gebrauchtwagen können Käufer sich erst nach gründlicher Inspektion ein halbwegs verlässliches Urteil über den Wert bilden.
Selbst wenn es sich um die gleichen Modelle des gleichen Baujahrs handelt, gibt es bei bereits gefahrenen Autos je nach Zustand deutliche Qualitätsunterschiede. Ganz zu schweigen von potenziellen neuen Mitarbeitern, Arbeitgebern oder Lebenspartnern, die der Volksmund auch kurzerhand für börsengängig erklärt hat, gipfelnd in den irreführenden Marketingbegriffen der „Jobbörse“ oder der Singlebörse. Doch überall dort sind – anders als bei Aktien – gründliche Auseinandersetzungen mit jedem Einzelfall und jedem Einzelobjekt nötig.
Für lange Qualitätsprüfungen ist an der Börse keine Zeit. Börsen sind daher die Marktplätze für standardisierte Waren, deren Beschaffenheit keiner speziellen Diskussion mehr bedarf. Steht der Preis für ein Fass Erdöl einer bestimmten Sorte fest, kann er problemlos für alle anderen Standardfässer dieser Ölsorte gelten. Und der Preis für eine Siemens-Aktie gilt automatisch für alle anderen Aktien dieses Technologieunternehmens.
Das ist für Aktionäre von Bedeutung, weil sich die Kurse ihrer Aktien ständig ändern, auch wenn so gut wie nie das gesamte Aktienkapital eines Unternehmens auf einmal den Besitzer wechselt. Es sei denn, ein Großinvestor will die Mehrheit der Aktien an einem Unternehmen übernehmen. Dann aber gelten andere Regeln als beim normalen Börsenhandel und der Investor muss ein förmliches Übernahmeangebot unterbreiten, dass dann für alle Altaktionäre gilt. Normalerweise werden dagegen Tag für Tag kleinere Aktienpakete gehandelt, wobei der je Aktie gezahlte Preis immer für alle anderen Aktien desselben Unternehmens gilt – auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht den Besitzer gewechselt haben.
Aktien
Der Absturz der „Volksaktie“ Telekom und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende haben viele Kleinanleger nachhaltig verschreckt. Zwar erhöhte sich die Zahl der Besitzer von Aktien und/oder Aktienfondsanteilen in Deutschland im vergangenen Jahr um 560.000 auf gut neun Millionen. Das ist der höchste Stand seit 2012. Dennoch sind nur 14 Prozent der über 14-Jährigen am Aktienmarkt engagiert - und damit deutlich weniger als in anderen Ländern. Nach Bundesbank-Zahlen machten Aktien zum Ende des zweiten Quartals 2016 gerade einmal ein Zehntel (540,7 Milliarden Euro) der 5401 Milliarden Euro Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland aus.
Foto: FotoliaBargeld und Bankeinlagen
Bargeld und Einlagen bei Banken sind nach den Bundesbank-Zahlen mit gut 2128 Milliarden Euro nach wie vor der größte Posten des Geldvermögens der privaten Haushalte. Tagesgeldkonten als Parkplatz für Liquidität stehen nach wie vor hoch im Kurs, obwohl sie kaum noch Zinsen abwerfen.
Foto: FotoliaBausparen
Die Deutschen sind eifrige Bausparer. Nach Zahlen des Verbands der Privaten Bausparkassen gab es 2015 knapp 30 Millionen Bausparverträge in Deutschland. Damit komme auf jeden zweiten Haushalt mindestens ein Vertrag. 2,7 Millionen Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen. Allerdings versuchen etliche Bausparkassen Kunden loszuwerden, die noch besonders hochverzinste Altverträge haben.
Foto: FotoliaGold
Privatleute in Deutschland besitzen mittlerweile die Rekordmenge von 8672 Tonnen des Edelmetalls - davon gut die Hälfte (4705 Tonnen) in Form von Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. Diese Zahlen haben Forscher der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank zusammengetragen. Von 2014 bis 2016 wuchs der Goldschatz der Privathaushalte demnach um 477 Tonnen. Wert zum Zeitpunkt der Studie im August 2016: 375 Milliarden Euro. Drei Viertel (2014: 67 Prozent) der erwachsenen Bundesbürger besitzen der Studie zufolge Gold in Form von Schmuck, Barren, Münzen oder Wertpapieren.
Foto: FotoliaImmobilien
Die niedrigen Hypothekenzinsen heizen die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen an. In den ersten neun Monaten 2016 wurden so viele Wohnungen genehmigt wie seit 1999 nicht mehr. Auch viele Investoren spekulieren auf weitere Preissteigerungen und investieren in „Betongold“. Noch sieht die Bundesbank keine gefährlichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt. Allerdings verlocken die niedrigen Zinsen auch zum Schuldenmachen. Die Bundesbank warnt vor einem Schock bei steigenden Zinsen: „Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen.“
Foto: FotoliaLebensversicherungen
91 Millionen Lebensversicherungsverträge zählte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Ende vergangenen Jahres bundesweit. Damit hat rein rechnerisch jeder Bundesbürger mindestens eine Lebensversicherung - ein Altersvorsorge-Klassiker. Doch neue Verträge sind schon lange nicht mehr so attraktiv verzinst wie noch um die Jahrtausendwende.
Foto: dpaSparbuch
Das gute alte Sparbuch hat seinen Reiz bei den sicherheitsorientierten Deutschen trotz aktuell mickriger Zinsen keineswegs verloren. 44 Millionen Sparkonten zählten allein die seinerzeit 413 Sparkassen bundesweit zum Jahresende 2015. Gut 603 Milliarden Euro hatten die privaten Haushalte im 2. Quartal 2016 nach jüngsten Bundesbank-Zahlen als Spareinlagen und Sparbriefe angelegt.
Foto: Fotolia
Für Privatanleger ist diese Erkenntnis wichtig, denn sie können mit ihren Käufen und Verkäufen nie den Börsenkurs bewegen und müssen ihn daher als Datum hinnehmen. Bei großen Aktienpaketen von Profiinvestoren ist das anders. Werfen sie ihre Anteile auf den Markt oder steigen sie in großem Stil ein, reagieren die Börsen manchmal deutlich, weil Angebot und Nachfrage ein neues Gleichgewicht suchen müssen.
Aufgrund ihrer Marktmacht lassen sich Großinvestoren mitunter zu opportunistischen Käufen und Verkäufen hinreißen. Die Börsenregeln können solche für Normalaktionäre schädliche Verhaltensweisen eindämmen aber nicht komplett verhindern.
Die Standardisierung der an der Börse gehandelten Papiere und Waren ist also eine unverzichtbare Voraussetzung für einen funktionierenden Handel. Aber das reicht noch nicht, um Börsen zu zuverlässigen Märkten zu machen. Dafür unverzichtbar sind verbindliche Regeln, die für faires und transparentes Verhalten sorgen.
In jedem Land gelten daher Börsengesetze, deren Einhaltung durch staatliche Aufsichtsbehörden überwacht wird. Deshalb spricht man auch vom amtlichen Handel. Börsengesetze und Börsenaufsicht sind keine behördliche Schikane für freie Märkte. Im Gegenteil. Verbindliche Regeln sorgen erst dafür, dass an Börsen die Transparenz herrscht, die sie zu freien Märkten machen sollen.
Beispiel dafür ist das Verbot des Insiderhandels. Solche Verbote sollen verhindern, dass Mitarbeiter oder Manager ihren Wissensvorsprung über interne Vorgänge und die Lage des Unternehmens missbrauchen, um sich mit privaten Käufen oder Verkäufen die Taschen voll zu machen. Auch Kleinanleger und Minderheitsaktionäre genießen besonderen Schutz durch den Gesetzgeber. Gesetze und Aufsichtsbehörden können Insiderhandel oder andere opportunistische Verhaltensweisen an den Börsen natürlich nie komplett verhindern.
Wichtige Industrie- und Handelsnationen haben in der Regel auch wichtige Börsenstandorte. Die bedeutendsten Börsen sitzen in New York, Tokio, London, Hongkong, Paris und Frankfurt. Als die ersten Börsen aufkamen und eine unmittelbare Kommunikation zwischen Handelspartnern nur am gleichen Ort möglich war, brauchten Börsen einen Ort, an dem der Handel stattfinden konnte. Im Zeitalter digitaler Kommunikation wird die Ortsgebundenheit von Börsen nach und nach überflüssig. Längst findet der Handel nicht mehr auf dem Parkett statt. Die alten Handelssäle der traditionellen Börsenstandorte verwandeln sich mehr und mehr in Museen und Touristenattraktionen.
Warum aber gibt es im digitalen Zeitalter immer noch separate Börsenstandorte und nicht eine große universelle Weltbörse? Das liegt zum einen an den unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften für den Börsenhandel und für Aktiengesellschaften in einzelnen Ländern. Selbst die Aktien international tätiger Unternehmen notieren daher längst nicht an allen großen Börsen der Welt.
Außerdem läuft zwar die Kommunikation zwischen Käufern und Verkäufern zu einem wichtigen Teil über digitale Kanäle. Doch die Entscheidung bei Aktiendeals fällen auch bei computergestützten Handelsstrategien am Ende meist immer noch Menschen, deren Kernarbeitszeiten sich nach den unterschiedlichen Zeitzonen der Erde richten. Diese Tatsache findet aktuell Ausdruck in dem politischen Gezerre, dass sich die Deutsche Börse und die Londoner Börse gerade um den Standort des nach ihrer geplanten Fusion entstehenden Konzerns liefern.
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Vom Börsenhandel selbst bekommen Privatanleger in der Regel nichts mit, weil die Geschäfte von professionellen Vermittlern ausgeführt werden. Zunächst sammelt die Bank, bei der Aktionäre ihre Depots verwalten lassen, alle Kauf- und Verkaufsaufträge ihrer Kunden. Die gibt sie dann - stark vereinfacht dargestellt - an die direkt an der Börse handelnden Makler oder Broker weiter, mit der Anweisung, die Aufträge möglichst zu den von den Aktionären gewünschten Preisen durchzuführen. Die Börsenmakler oder Broker handeln als Beauftragte und auf fremde Rechnung. Dafür kassieren sie eine Provision, die Teil der Transaktionskosten ist, die Anleger bei Börsengeschäften zahlen müssen.
Bei den Maklern gehen nun die Kauf- und Verkaufswünsche des Handelstages ein. Sie müssen dann Angebot und Nachfrage bei den gehandelten Wertpapieren ausbalancieren. Dafür müssen sie die unterschiedlichen Preis- und Mengenvorstellungen der Käufer und Verkäufer berücksichtigen. Sie unterscheiden zwischen dem Briefkurs, das ist der Kurs, zu dem Aktien angeboten werden und dem Geldkurs, zu dem Nachfrager gern eine gewünschte Menge einer bestimmten Aktie kaufen würden.
Die Makler versuchen unter Berücksichtigung der Wünsche ihrer Kunden, die größtmögliche Zahl von Wertpapieren an neue Besitzer zu vermitteln. Das ist ihr Job und dadurch kann auch ihre Provision steigen. Je stärker aber Angebot und Nachfrage sich unterscheiden, desto schwieriger wird es, die Vorstellungen der Käufer und Verkäufer zu berücksichtigen und alle Aufträge auszuführen. Wenn in einer solchen Situation der Handel weiter gehen soll, müssen die Aktionäre ihre Preiswünsche korrigieren. Ändern sie ihre Preisvorstellungen, steigen oder fallen die Kurse an den Börsen. So geht es zum Beispiel bergab, wenn bei schlechten Nachrichten aus einem Unternehmen viele Aktionäre ihre Aktien loswerden wollen, aber nur willige Abnehmer finden, wenn sie deutlich weniger verlangen als die Aktie vorher wert war.
Wenn dank sinnvoller Börsengesetze und einer wachsamen Aufsicht alles korrekt läuft, sind Börsen leistungsfähige Märkte, wahrscheinlich die leistungsfähigsten aller real existierenden Märkte. Das macht nicht gleich jede Aktie automatisch zu einem guten Produkt.
Allerdings reagieren die Börsenkurse, sprich die Preise für Aktien eines Unternehmens, dank des effizienten Börsenhandels sofort auf gute oder schlechte Nachrichten. Irrtümer bei der Bewertung einer neuen Nachricht sind nicht ausgeschlossen, auch die Börse kann irren. Sollte es aber Anlass zu einer Korrektur von Irrtümern geben, etwa wenn eine vermeintlich schlechte Nachricht sich hinterher als gar nicht so schlimm herausstellt wie anfangs befürchtet, passen sich die Kurse schnell an die geänderte Lageeinschätzung an.
Börsen sind also nicht allwissend, aber sie können ihre Fehler korrigieren und aus ihnen lernen.