Sound-Design: Der Motor muss brummen, brummen, brummen

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Sound-Design: Der Motor muss brummen, brummen, brummen

von Meike Lorenzen

Unsere Autos werden immer leiser. Doch zu leise Autos kommen beim Kunden nicht gut an. Geräusche vermitteln Fahrspaß und Qualität. Über ploppende Türen und die Macht röhrender Abgasanlagen.

Stellen Sie sich vor, Sie steigen in ihren Wagen, schlagen die Tür zu, schnallen sich an, stecken den Schlüssel ins Schloss und lassen den Motor an. Und jetzt stellen Sie sich vor, das Ganze liefe geräuschlos ab. Kein satter Ton gibt zu verstehen, dass die Tür wirklich zu ist, kein Motorengeräusch brummt los und vermittelt das Gefühl von Fahrspaß, und kein Blinker tickt im Takt mit der Leuchtlampe. Wären Sie nicht konstant besorgt, dass mit dem Fahrzeug etwas nicht in Ordnung ist?

Etwa 400 Schallquellen gibt es heutzutage in Autos, die viel mehr Computern oder Fahrzeugen ähneln. Jeder Sound dieser Schallquellen muss bestimmt werden. Gleichzeitig machen neue Elektroantriebe und Hybridmotoren Wagen zum Teil leiser als für das Geschäft gut ist. Dabei brauchen Autofahrer ein akustisches Feedback von ihrem Wagen. Darüber wie BMW, VW, Mercedes, Toyota, Porsche und Co. klingen müssen, entscheiden hunderte Sounddesigner bei den großen deutschen Automobilherstellern. Sie sind wahre Klangarchitekten und komponieren Geräuschkulissen aus Blinkern, Türen, Motoren und anderen Quellen in den Fahrzeugen.

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Tobias Beitz leitet bei Daimler ein Team von Sounddesignern. Quelle: Presse

Tobias Beitz leitet bei Daimler ein Team von Sounddesignern.

Bild: Presse

Bei Daimler leitet Tobias Beitz (40) ein Team, das sich ausschließlich mit dem Geräuschdesign und der Qualität bestehender Geräusche in Mercedes-Fahrzeugen beschäftigen. Elektrotechniker, Maschinenbauer, Musiker, Psychologen arbeiten hier mit ihm zusammen. „Eine konkrete Ausbildung für den Beruf gibt es nicht“, sagt Beitz. „Jeder bringt aus seinem Themenbereich Know-how mit, das entsprechend zum Einsatz kommt.“ Und das Zusammenspiel der einzelnen Experten ist entscheidend, denn die Sounddesigner sind von der ersten Konzeption bis zur Produktabnahme in jeden Produktionsschritt involviert.

Die Arbeit der Psychologen

So kennen die Psychologen die Kunden und wissen, welche Sounds am Markt ankommen. „Wir holen uns auch die Rückmeldung der Kunden, welche Sounds ihnen wie gut gefallen haben. Vor allem greifen wir aber auf jahrelange Tradition und entsprechende Erfahrungswerte zurück“, sagt Beitz.

Bernhard Pfäfflin leitet das Porsche-Team, dass sich um den Sound in den Traditionswagen kümmert. Quelle: Presse

Bernhard Pfäfflin leitet das Porsche-Team, dass sich um den Sound in den Traditionswagen kümmert.

Bild: Presse

Ganz ähnlich funktioniert das auch bei Porsche, wo Bernhard Pfäfflin (46) die 120 Mitarbeiter starke Abteilung für Schwingungstechnik und Akustik leitet. „Jede Baureihe bei Porsche hat ihren eigenen Sound, der auch zur Marke passt“, sagt er. „Man soll den Wagen am Motorengeräusch erkennen.“ Doch während der klassische Mercedes-Fahrer den leisen Fahrkomfort wünscht, setzt Porsche gemeinhin auf sportliche Sounds. „Der Sound soll auch Fahrfreude beim Kunden auslösen“, weiß Pfäfflin. Der Motor einer Limousine wie der C-Klasse klingt eben anders, als der eines Porsche 911.

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2 Kommentare zu Sound-Design: Der Motor muss brummen, brummen, brummen

  • In einem nervigen Brumm Brumm sitzt ja auch meistens ein Kleinzipfliger Kasperl, der sonst nicht auffällt.

    Rigan - München

  • Wenn Daimler 120 (!) Leute für Sounddesign beschäftigt und ich deren Gehälter hochrechne, wird es mir schummrig, denn diese Gehälter der überflüssigsten aller am Bau eines Autos beteiligten Menschen fließen ja auch in die VK-Preise der Autos mit ein.

    Bei meinem alten Strich-8 war garantiert noch kein Sounddesigner beschäftigt, da fällt die Tür auch heute noch ohne Zuziehhilfe mit einem satten "WAMM" ins Schloss - weil sie so gut konstruiert ist. Das hungrige "Wlaff" der heutigen Mercedes-Türen ist im Vergleich dazu wie der Klang einer Blockflöte zu einem Orchester. Diesen "echten" Klang kriegen die heute auch mit viel Sounddesign nicht hin, zumal auch die ganze Optik und Haptik nicht mehr stimmt: Beim Strich-8 SIEHT man ein Zapfenschloss aus Voll-Metall, beim W212 nur noch einen Bügel und in der Tür eine Klaue aus Plastik in einem Blech-Stanzteil. Plastik klingt eben nach Plastik.

    Man hat einen Plastikgriff mit metallähnlicher Applikation in der Hand, für den es beim Zubehörhandel Überzieher aus Chrom gibt. Beim Strich-8 ist es ein verchromtes, massives Stück Druckguss. Deshalb funktioniert das auch noch nach 40 Jahren annähernd wie am ersten Tag.

    Vermutlich sind die ganzen Sounds sowieso nur für den Tag des Verkaufs konzipiert, denn auch die dollsten Sounds nützen sich durch Gewöhnung ab. Für mich ist der Türen-Klang des Strich-8 auch normal - mir fällt der Kontrast immer nur auf, wenn ich mal in einem neuen Auto mitfahren muß.

    Wenn die ganzen Errungenschaften aus Plastik nun dazu führen würden, daß die Autos federleicht wären, könnte man das als automobilen Fortschritt gelten lassen, aber dem ist nicht so. Ein W212 wiegt selbst mit der sparsamsten Motorisierung schon 150 kg mehr als der Strich-8. Was wiegt? Die ausufernde Elektrik, die Mechanik, die hohe Leistungen zu verkraften hat, die mit Dämm-Material vollgestopfte Karosse, die Glasflächen... Auf der Strecke bleibt die Qualität beim Essentiellen, die zum Fahren von A nach B notwendig ist.

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