Microsoft: Die vielen Fehler des Steve Ballmer

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Microsoft: Die vielen Fehler des Steve Ballmer

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Steve Ballmer gibt Gas, wenn er spricht. Seine laute, bullige Art das Markenzeichen des ehemaligen Microsoft-Chefs.

von Meike Lorenzen

Nach seinem Rückzug vom Microsoft-Chefposten gibt sich der bullige Ballmer reumütig. Immer häufiger gesteht er öffentlich Fehlentscheidungen ein.

Es ist eine späte Einsicht, mit der der ehemalige Microsoft-Chef Steve Ballmer bei einer Podiumsdiskussion an der Saïd Business School im britischen Oxford um die Ecke kommt. Wenn er die vergangenen zehn Jahre noch einmal wiederholen könnte, würde er in seiner Rolle als Microsoft-Chef vieles anders machen. Vor allem den schlechten Stand im Smartphone-Segment sieht Ballmer heute kritisch.

Dabei war er es, der Apple für sein iPhone damals regelrecht verspottet hatte. Als man ihn damals im Interview nach dem neuen Superhandy fragte, lachte er affektiert los und sagte: „500 Dollar? Das ist das teuerste Telefon der Welt. Und es spricht nicht einmal Geschäftskunden an, weil es keine Tastatur hat.“ Nein, war er damals überzeugt. Das iPhone würde sich nicht gut verkaufen. Und Microsoft habe seine ganz eigene Strategie mit eigener Windows-Software.

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Am Ende lachte der inzwischen verstorbene Apple-Chef Steve Jobs. Mit dem iPhone revolutionierte er den Mobilfunkmarkt und legte mit dem iPad wenige Jahre später gleich das nächste Gadget nach, dass unser Nutzerverhalten grundlegend verändern sollte. Microsoft wurde vom mobilen Trend regelrecht überrannt. Steve Ballmers fatale Fehleinschätzung des Marktes dürfte dafür grundlegend verantwortlich sein. Hätte Microsoft – wie es Samsung in rasantem Tempo getan hat – geschickt kopiert und mit guter Software eigene Produkte kreiert, könnte das Unternehmen in Sachen Hardware heute deutlich besser dastehen.

Gerade die Bedeutung der gemeinsamen Vermarktung von Hardware und Software habe Microsoft zu spät erkannt, sagte Ballmer in Oxford zum wiederholten Male. Das wolle das Unternehmen aus Redmond nun mit dem Kauf der Smartphone-Sparte des finnischen Unternehmens Nokia wieder gut machen. Inwieweit der Plan aufgeht, bleibt abzuwarten. Zwar haben die Finnen mit ihrer Lumia-Reihe ein beeindruckendes Smartphone auf den Markt gebracht, doch von den Apple- und Samsung-Erfolgen ist der Konzern weit weg. Sogar LG verkauft weltweit mehr Smartphones als Nokia.

Schon vor Ende vergangenen Jahres schlug Steve Ballmer bei ZDNet entschuldigende Töne an. Selbstkritisch sagte er, dass das Betriebssystem Windows Vista der größte Fehler seines Lebens gewesen sei. Es hatte fünf bis sechs Jahre gedauert, ehe Windows Vista überhaupt in den Verkauf ging. Und dann war das Produkt trotz der langen Entwicklungszeit voller Fehler. Ausbügeln konnte Microsoft diese erst wieder mit dem hochgelobten Windows 7, das derzeit durch das umstrittene Windows 8 abgelöst wird.

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Laut Ballmer habe Microsoft mit Vista wertvolle Ressourcen verschwendet, die gerade im mobilen Segment dringend benötigt worden wären.

Die späte Einsicht Ballmers irritiert ebenso wie die Art, mit der er die Selbstkritik anbringt. Schließlich war Ballmer 14 Jahre lang bei Microsoft am Ruder. Er hatte alle Möglichkeiten die Geschicke des Unternehmens in die mobile Richtung zu lenken. Mit gewohnt lauter, bulliger Stimme und aufgebauschten, überzogenen Gesten spricht er einen Monat nach seinem Abtreten vom Chefposten in Oxford. Er sitzt in einem Sessel, springt zwischendurch auf und gibt den Abgeklärten, den Erfahrenen und den Verkäufer. All das ist er. Sein Geschäft beherrschte der enge Freund Bill Gates wie kaum ein anderer.

Doch ob das die Errungenschaften sind, für die man ihn in Erinnerung behalten wird, ist fraglich. Trotz all der Reue.  

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