Innovationsforscherin Weissenberger-Eibl: "Industrienationen brauchen Innovationen"

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InterviewInnovationsforscherin Weissenberger-Eibl: "Industrienationen brauchen Innovationen"

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Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl leitet das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

von Kathrin Grannemann

Stetig überfluten uns die Hersteller von Smartphones, Tablets und Laptops mit neuen Geräten, die angeblich besser sind als der Vorgänger. Aber worum geht es bei Innovationen eigentlich? Und warum sind sie für Wirtschaft und Forschung so wichtig?

WirtschaftsWoche: Frau Weissenberger-Eibl, was macht für Sie eine Innovation aus?

Weissenberger-Eibl: Prinzipiell macht zunächst einmal nur die Kommerzialisierung einer Erfindung eine Innovation überhaupt zur Innovation. Sobald eine Erfindung am Markt angekommen ist, ist dieser allerdings zumeist relativ gut darin zu entscheiden, ob eine Erfindung tatsächlich gebraucht wird oder nicht. Das zeigt sich daran, ob sich die Innovation am Ende durchsetzt beziehungsweise ob sie einen Markt generiert.

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Aber es gibt doch auch Innovationen, die sich nicht durchsetzen.

Ja, sie werden zumindest zum aktuellen Zeitpunkt vom Konsumenten nicht nachgefragt und damit auch nicht „gebraucht“. Konsumenten sind hierbei jedoch eher zum kleineren Teil Privatpersonen, sondern meist die Wirtschaft, das heißt die Unternehmen selbst. Der Markt per se braucht in diesem Sinne keine Innovationen. Innovationen generieren erst einen Markt.

Warum müssen denn ständig neue Technologien her?

Dafür müssen wir beachten, wie Innovationen entstehen. Sie können von staatlicher beziehungsweise gesellschaftlicher Seite her angestoßen werden - durch Förderprogramme, Investitionen in bestimmte zukunftsweisende Technologien oder ähnliches. Es geht hier meistens um die Technologien, für welche auch ein tatsächlicher Bedarf gesehen wird. Zum anderen entstehen Innovationen durch Forschung und Entwicklung in Unternehmen. Diese sind zunächst einmal gewinnorientiert.

Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl

  • Kurzvita

    Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl leitet das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und ist Inhaberin des Lehrstuhls „Innovations- und TechnologieManagement am Institut für Entrepreneurship, TechnologieManagement und Innovation (ENTECHNON) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie studierte Bekleidungstechnik und Betriebswirtschaftslehre und promovierte und habilitierte sich an der Technischen Universität München. Weissenberger-Eibl arbeitet zu Entstehungsbedingungen von Innovationen und deren Auswirkungen. Schwerpunkte ihrer Forschung bilden dabei das Management von Innovationen und Technologien, Roadmapping, die strategische Technologie-Vorausschau und -Planung, Unternehmensnetzwerke sowie Wissensmanagement.

Das heißt, dass vor allem der finanzielle Nutzen im Vordergrund steht?

Es ist davon auszugehen, dass nur dann in Forschung und Entwicklung für Technologien investiert wird, wenn für diese auch später ein Markt gesehen wird. Ein Markt, auf dem neue Produkte verkauft werden können. Das heißt nicht unbedingt, dass neue Technologien immer etwas „radikal Neues“ darstellen. Häufig sind neue Technologien Verbesserungen bereits existierender Technologien, zum Beispiel zur Steigerung der Effizienz.

An welches Produkt denken Sie?

Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung von der Schallplatte zur DVD oder weiter zur Blu-Ray, wobei das Grundprinzip noch immer erhalten geblieben ist, sich die zugrundeliegende Technologie jedoch verbessert hat. Ob eine immer schnellere Technologieentwicklung und damit auch Effizienzsteigerung immer zu wünschenswerten Ergebnissen führt, ist allerdings eine andere Frage.

Wie viel Innovation ist nötig, um die Wirtschaft aufrechterhalten zu können?

Es ist klar, dass Innovationen die wirtschaftliche Lage eines Landes zunächst einmal positiv beeinflussen. Innovative Produkte müssen sich einem Technologiewettbewerb stellen. Außerdem muss geprüft werden, ob es jemanden mit einer vergleichbaren Technologie gibt - oder ob die Technologie besser als die des Konkurrenten. Gibt es keine vergleichbare Technologie, ist das Unternehmen Alleinanbieter und hat alle Vorteile einer Monopolstellung, zumindest kurzfristig. Gibt es jedoch Wettbewerber mit vergleichbaren Technologien, muss sichergestellt werden, dass die eigene Technologie die bessere ist, um am Markt zu bestehen.

Was passiert, wenn Innovation an ihre Grenzen stößt?

Hat eine Technologie einen gewissen Sättigungsgrad erreicht und ist sie ist prinzipiell nicht mehr verbesserbar, verwandelt sich dieser Technologiewettbewerb in einen Preiswettbewerb. Wer die gleiche Technologie zum günstigsten Preis herstellen kann, kann sich am Markt durchsetzen. Ein Unternehmen, das einen Preiswettbewerb nicht gewinnen kann, muss innovativ sein. Dies lässt sich auf Volkswirtschaften übertragen. Industrienationen, die häufig Schwierigkeiten mit Preiswettbewerben haben, brauchen daher ein gewisses Maß an Innovationen, um die Wirtschaft aufrechterhalten zu können. Wo genau dieser Punkt liegt, ist allerdings sehr schwer zu bestimmen und sicherlich von Land zu Land sehr unterschiedlich.

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Und wie innovationsfähig ist die deutsche Wirtschaft?

In unserer Untersuchung „Innovationsindikator“ vergleichen wir die Innovationsleistung von fast 30 Volkswirtschaften weltweit. Dabei konnten wir feststellen, dass sich die deutsche Wirtschaft hinsichtlich ihrer Innovationskraft im internationalen Vergleich verbessern konnte. Sie gehört zu den innovativsten weltweit und steht hinter Singapur und der Schweiz an dritter Stelle. Trotzdem reicht diese Stärke nicht aus, um Deutschland in der Gesamtauswertung nach vorne zu bringen, wo wir nach wie vor im Ranking den sechsten Platz belegen.

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