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WeltgesundheitsorganisationWieso die WHO Softdrinks besteuern will

Schokolade, Bonbons, Cola: Die Gier nach Süßem wird uns zum Verhängnis. Immer mehr Menschen sind schon als Kinder zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jetzt eine Sondersteuer auf Softdrinks. Warum eigentlich?Jana Reiblein 13.10.2016 - 09:15 Uhr aktualisiert

Die WHO empfiehlt Sondersteuern auf zuckerhaltige Getränke

Foto: dpa

Zu viel Zucker macht krank: Die Zahl übergewichtiger oder gar fettleibiger Kinder in aller Welt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Aus dicken Kindern werden oft dicke Erwachsene mit Krankheiten wie Diabetes und Karies. Das wiederum belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesundheitssysteme.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will im Kampf gegen Fettleibigkeit und den damit verbundenen Krankheiten nun beim Geldbeutel ansetzen: Die Gesundheitsexperten empfahlen anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am Dienstag allen Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer zu belegen. Damit sie wirkt, sollte sie mindestens 20 Prozent betragen.

Bei der WHO ist man überzeugt, den Konsum durch diese Steuer zu bremsen - dadurch würden weniger Menschen an Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes oder Karies leiden, so die Experten. Der Empfehlung ging eine Untersuchung von Steuerexperten voraus. Die Auswertung von Fallstudien aus mehreren Ländern zeigte, dass eine spürbare Zuckersteuer auf Softdrinks am besten hilft, die Quote übergewichtiger Menschen zu senken. Laut der Studie führte die zehnprozentige Steuer auf zuckrige Getränke, die die Regierung in Mexiko 2014 einführte, zu einer Minderung des Konsums um sechs Prozent.

Was ist Diabetes
Der Diabetes mellitus, kurz Diabetes oder auch Zuckerkrankheit, umschreibt eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten. Er ist gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, die mit der Zeit zu schweren Folgeerkrankungen führen kann. Man unterscheidet Typ 1 und Typ 2 Diabetiker. Zudem gibt es den Schwangerschaftsdiabetes. Weitere Informationen für Betroffene gibt es hier.
Der Typ 1 Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin, da die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Betroffene müssen daher täglich Insulin spritzen und mindestens viermal am Tag den Blutzuckerspiegel messen. Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. Etwa 5 bis 10 Prozent der Diabetiker sind Typ 1 Diabetiker.
Bei Typ 2 Diabetes kann der Körper das Insulin nur schlecht nutzen, beziehungsweise springt nur vermindert auf das Insulin an. Auslöser der Krankheit sind starkes Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. 90 Prozent der Betroffenen weltweit sind Typ 2 Diabetiker.

Die Steuer sei besonders wirksam, wenn sie den Preis der Softdrinks um 20 Prozent und mehr anhebe. „Wenn Regierungen Produkte wie zuckerhaltige Getränke stärker besteuern, können sie Leiden reduzieren und Leben retten“, sagte Douglas Bettcher, Direktor der WHO-Abteilung für die Vorbeugung von nichtansteckenden Krankheiten. „Zudem können sie die Kosten für das Gesundheitswesen verringern und ihm zugleich mehr Geld zur Verfügung stellen.“

2015 waren nach WHO-Daten weltweit 42 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig oder fettleibig. Dies entspreche einer Steigerung um elf Prozent innerhalb von 15 Jahren. Für Deutschland rechnet die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) mit 1,8 Millionen übergewichtigen oder fettleibigen Schulkindern bis zum Jahr 2025.

Die Zahl der Diabeteskranken sei von 108 Millionen im Jahr 1980 auf 422 Millionen im Jahr 2014 gestiegen. Allein in Deutschland wächst die Zahl der Erkrankungen laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft jährlich um 300.000. Das treibt die Kosten für das Gesundheitssystem in die Höhe: 35 Milliarden Euro fallen pro Jahr für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung von Diabetikern an – nur in Deutschland.

Was EU-weit die höchsten Gesundheitskosten verursacht
Atemwegserkrankungen: 55,0 Milliarden EuroQuelle: http://www.fdiworldental.org/media/77552/complete_oh_atlas.pdf
Alzheimer: 71,1 Milliarden Euro
Zahn-Krankheiten: 79,0 Milliarden Euro
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 105,0 Milliarden Euro
Diabetes: 137,0 Milliarden Euro

Die WHO empfiehlt schon seit vergangenem Jahr, dass höchstens fünf Prozent der täglichen Kalorienzufuhr aus Zucker bestehen sollte. Das entspricht etwa 25 Gramm Zucker am Tag und ist mit einem Glas Cola schon ausgeschöpft. Auch das zeigt, warum die Gesundheitsexperten den Fokus auf Softdrinks richten: Mit ihnen hat man blitzschnell seine Extraportion Zucker schon ohne Nachtisch verputzt. Von dieser Maximalmenge sind die Deutschen weit entfernt. Sie essen im Schnitt 35 Kilogramm Zucker pro Jahr - das entspricht rund 96 Gramm täglich.

Doch warum ausgerechnet eine Sondersteuer auf Softdrinks – und nicht auf Schokoriegel, Fruchtgummi oder verzuckerte Frühstücksflocken? Das hat vielfältige Gründe. Der WHO-Verantwortliche für gesunde Ernährung, Francesco Branca, erklärt: "Wenn man etwas trinkt, ist die Hungerkontrolle inaktiv. Dadurch neigt man dazu, zu viele Kalorien zu sich zu nehmen."

Cola

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Folgen übermäßigen Zuckerkonsums und empfiehlt etwa für einen gesunden Erwachsenen, die tägliche Zufuhr auf rund 25 Gramm zu beschränken. In einer 330 Milliliter Flasche Cola stecken immerhin neun Teelöffel Zucker, was in etwa 36 Gramm entspricht - das Limit wäre mit einer kleinen Flasche Coca-Cola also schon gesprengt. Ein Blick auf weitere Kalorienbomben:

Foto: REUTERS

Ketchup

Gerade in der Grillsaison fließt Ketchup literweise. Zu Steak, Pute und Grillwürstchen gibt es oft eine ordentliche Portion, aber auch zu Pommes oder Fischstäbchen gehört Ketchup für viele dazu. Zwar enthält die Soße so gut wie kein Fett, dafür aber ganze elf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm - ein Figur-Killer.

Foto: dpa

Wurst

Der komplette Verzicht ist bestimmt nicht notwendig, aber wer etwas auf seine Ernährung achtet, sollte überlegen, zu welchem Fleisch er greift. Besonders Wurstprodukte können die Kalorienzahl eines Tages deutlich in die Höhe treiben. Als Beispiel: Eine Snackwurst, "Rucksackwurst" oder auch Landjäger genannt, kommt bei 100 Gramm schon auf rund 457 Kilokalorien.

Foto: dpa

Gummibärchen

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, Gummibärchen seien gar nicht so tückisch für die Figur. Dabei steckt eine Menge Zucker in den Bärchen. Und auch Zucker wird im Körper in Fett umgebaut und so in den unschönen Speckrollen gespeichert, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen können.

Foto: dpa/dpaweb

Fruchtsaft

Viel trinken ist gesund - aber nicht jedes Getränk hält schlank. Fruchtsäfte zum Beispiel: Ein Glas Apfelsaft enthält genau so viele Kalorien wie ein Glas Cola. Daher sollte man den Saft lieber mit Wasser mischen.

Foto: CLARK/obs

Milch

Auch Vollmilch gilt durch den hohen Fettgehalt als flüssiger Dickmacher. Bei 3,5 Prozent Fettgehalt liegen 100 Milliliter bei 64 Kilokalorien. Gleichzeitig enthält das Getränk viel Kalzium und Eiweiß, das ist wichtig für Knochen und Muskelaufbau. Um darauf nicht verzichten zu müssen, können Diäthaltende die entrahmte Version oder Buttermilch trinken. Die entrahmte Milch hat nur noch 36 Kilokalorien auf 100 Milliliter. Dabei muss man aber bedenken: So nimmt man auch kaum noch fettlösliche Vitamine A, D und E auf.

Foto: dpa

Fisch

Fisch ist eigentlich auf jedem Diätplan enthalten. Die Meeresbewohner gelten als besonders fettarm und jodhaltig. Es gibt aber auch besonders fetthaltige Fische. Wer auf die Linie achten muss, sollte sich bei Thunfisch, Lachs, Matjes oder frittierten Calamares zurückhalten. Diese Speisen bestehen zu 13 bis 20 Prozent aus Fett. Deutlich kalorienärmer ist zum Beispiel eine Portion gegrillte Scampis.

Foto: dapd

Salatdressing

Wer abnehmen will, greift in der Regel zu Salat und frischem Gemüse. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass die Dickmacher nicht im Salat, sondern im Dressing lauern. Statt einer Fertigmischung, die oft viel Zucker enthält, sollten Genießer ihr Dressing lieber selbst machen und dabei pro Person nicht mehr als einen Esslöffel Öl verwenden.

Foto: dpa/dpaweb

Marzipan

Ob als Kartoffel, Schweinchen oder Brot: Marzipan gehört zu den schwerwiegendsten Süßigkeiten, wenn es einmal im Magen gelandet ist. Rund 495 Kilokalorien kommen bei 100 Gramm zusammen. Kein Wunder: Die Süßware besteht üblicherweise aus Marzipanrohmasse, die sich aus gemahlenen Mandeln und Zucker zusammensetzt.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Käse

Vor allem aufgrund seines hohen Fettgehalts gehört auch Käse zu den Kalorienbomben in deutschen Kühlschränken. Spitzenreiter ist der Parmesan. Der italienische Hartkäse aus Kuhmilch, der zumeist zur Würzung verwendet wird, kommt auf rund 440 Kalorien pro 100 Gramm. Zum Vergleich: Ein junger Gouda enthält noch mehr Wasser und kommt so "nur" auf rund 326 Kilokalorien.

Foto: dpa

Nüsse

Sie sind lecker, gesund, aber enthalten auch sehr viele Kalorien: Nüsse. Wer sich auf Kokosnussraspel stürzt, sollte mit 611 Kilokalorien pro 100 Gramm rechnen, Mandeln kommen auf 570 und die heftigsten Kalorienbomben unter den Nüssen sind die Walnüsse mit 654 Kilokalorien. Dadurch zählt auch das allseits beliebte "Studentenfutter" zu den Dickmachern: 484 Kilokalorien pro 100 Gramm sind es hier durchschnittlich.

Foto: Fotolia

Kerne

Ähnlich wie bei Nüssen sollten Sie während einer Diät mit Kernen und Saaten vorsichtig sein, denn sie enthalten viel Fett. Sonnenblumenkerne beispielsweise kommen auf 584 Kilokalorien pro 100 Gramm. Zu beachten ist aber, dass sie auch wertvolle ungesättigte Fettsäuren enthalten, die für unseren Körper unverzichtbar sind. Also lieber ein Löffel Kerne über den Salat, als dick Butter auf dem Brot.

Foto: Fotolia

Fette

Die Klassiker unter den Dickmachern, die jedem bekannt sein dürften, sind Butter und Margarine. Bei beiden liegt der Kilokalorienwert pro 100 Gramm über 700: Während man mit 100 Gramm Butter im Schnitt 741 Kilokalorien zu sich nimmt, sind es bei Margarine 710.

Foto: dpa/dpaweb

Süßes aufs Brot

Nuss-Nougat-Creme und Erdnussbutter versüßen uns das Frühstück. Bei beiden sind Genießer aber nicht vor einer enormen Kalorienzufuhr gefeit. Nuss-Nougat-Creme kommt bei 100 Gramm durchschnittlich auf 522 Kilokalorien, die Erdnussbutter sogar auf 598 Kilokalorien.

Foto: Fotolia

Gebäck

Das Krümelmonster liebt Kekse - ebenso wie viele Menschen. Allerdings gehören sie ebenfalls zu den größten Kalorienbomben. Vor allem Butterkekse mit 480 und Vollkornkekse mit 471 Kilokalorien pro 100 Gramm fördern das Hüftgold. Aber andere Backerzeugnisse sind noch schlimmer: Waffeln können bis zu 554 Kilokalorien pro 100 Gramm beinhalten und wer sich zum Frühstück ein Croissant gönnt, liegt locker bei über 500 Kilokalorien.

Foto: dpa

Knabberzeug

Ganz vorne mit dabei sind Chips. Wer zu 100 Gramm Kartoffelchips greift, kann sich im Schnitt weitere 536 Kilokalorien auf die Tagesliste schreiben. Bei Erdnussflips sind es mit 530 Kilokalorien kaum weniger.

Foto: Fotolia

Schokolade

Niemanden dürfte es wundern, dass auch die Schokolade zu den größten Dickmachern zählt. Dabei gilt die bekannte Regel: Je dunkler die Schokolade, desto weniger Kalorien. Trotzdem gehört nicht nur die Milchschokolade mit durchschnittlich 537 Kilokalorien pro 100 Gramm zu den Kalorienbomben schlechthin, sondern auch die Zartbitterschokolade. Denn sie liefert mit 100 Gramm Genuss auch satte 497 Kilokalorien.

Foto: dapd
Wieviel Zucker steckt in...
In dem Schokoriegel (18 Gramm) stecken rund sechs Gramm Zucker.
In einem Riegel (58 Gramm) stecken rund 39 Gramm Zucker.
20 Gramm der Schokocreme enthalten rund 12 Gramm Zucker.
200 Milliliter Apfelsaft enthalten 20 Gramm Zucker.
200 Milliliter Cola enthalten etwa 18 Gramm Zucker.
200 Milliliter Milch enthalten 10 Gramm Zucker.
Eine Portion (50 Gramm) dieses Kinderprodukts enthält 7,6 Gramm Zucker.
Zwiebelsuppe aus der Tüte von Maggi enthält laut Hersteller 24 Gramm Zucker auf 100 Gramm der trockenen Zubereitung. Fertig gekocht entspricht das bei einer Portion von 250 Millilitern 3,3 Gramm Zucker.

Ein weiteres Problem der süßen Getränke: Sie fördern die Gewöhnung an den Geschmacksreiz "süß". Das Phänomen gibt es auch bei Salz. Die Reizschwelle für die Geschmacksempfindung steigt nach und nach an. Wer also von Kindesbeinen an die Extraportion Zucker gewöhnt ist, braucht nach und nach stärkere süß-Reize, erklärt Karsten Müssig, stellvertretender Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ). Dadurch essen Menschen im Laufe des Lebens immer mehr Zucker.

Scharfes Essen verlängert das Leben
Ob Chili-Schoten, getrocknete Chilis oder Chili-Pulver: In vielen Küchen dieser Welt sind die Scharfmacher nicht wegzudenken. Das in verschiedenen Paprika-Arten vorkommende Capsaicin ruft einen Hitze- und Schärfereiz hervor. Diverse Studien deuten darauf hin, dass Capsaicin neben der Schärfe auch noch andere Effekte erzielt. Es soll Krebs entgegenwirken und den Herzkreislauf in Takt halten. Auch eine groß angelegte chinesische Studie kam zu diesem Schluss. Demnach war das Risiko zu sterben für diejenigen, die häufig scharf essen, während des siebenjährigen Untersuchungszeitraums um 14 Prozent gesunken. Daraus zu schließen, dass scharfes Essen zwangsläufig das Leben verlängert, ist aber nicht angebracht. Es könnte genauso gut sein, dass diejenigen, die gerne scharf essen, einfach eine bessere Konstitution haben. Oder durch das scharfe Essen mehr trinken und dieser Umstand für die gesundheitsfördernde Wirkung verantwortlich ist.

Foto: REUTERS

Nur Bitterschokolade ist gesund

Wissenschaftler berichten im Fachblatt „Heart“, dass Menschen, die viel Schokolade essen, ein geringeres Risiko für Herzkreislauferkrankungen aufweisen. Demnach sinkt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen um elf Prozent, die Gefahr für einen Schlaganfall sinkt sogar noch stärker. Die herzschützende Wirkung gilt dabei nicht nur für Bitterschokolade, die einen besonders hohen Kakaoanteil aufweist und deswegen als besonders gesund gilt: Die Forscher haben 21.000 Briten untersucht, die wie wir in Deutschland vor allem helle Schokolade mit einem niedrigen Kakaogehalt bevorzugen.

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Je mehr Vitamine, desto besser

Das Motto "viel hilft viel" ist in Sachen Vitaminen nicht nur sinnlos, sondern auch gefährlich. Vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K kann es zu einer Überdosierung und auf lange Sicht zu unerwünschten Nebenwirkungen und Gesundheitsschäden kommen. Studien zur Krebsprävention durch Vitamintabletten belegen immer wieder (so auch aktuell ein Paper des University of Colorado Cancer Center), dass die Zufuhr künstlicher Vitamine nicht nur keinerlei vorbeugenden Effekt hat, sondern im Gegenteil sogar das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen kann.

Forscher mussten Studien in der Vergangenheit sogar vorzeitig abbrechen, weil in der Gruppe der Probanden, die Vitaminpräparate zuführten, mehr Menschen an Krebs erkrankten und starben. In der SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) wurde 2008 die Gabe von Vitamin E und Selen untersucht. An der Studie nahmen 35.000 gesunde Männer teil. Es zeigte sich, dass in der Vitamin-E-Gruppe mehr Männer an Prostatakrebs erkrankten, als in der Kontrollgruppe. In der Selen-Gruppe stieg das Diabetesrisiko.

In der CARET-Studie (Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial) zeigte sich bereits 1996, dass eine erhöhte Vitamin-A-Zufuhr bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko deutlich erhöhte, anstatt, wie man annahm, vor Tumoren zu schützen.

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Brot macht dick und ist ungesund

Gerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink.

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"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke Linie

Die Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht.

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Kartoffeln machen dick

Wer meint, Kartoffeln seien ein richtiger Dickmacher, der ist einem Ernährungsirrtum aufgesessen. Die Erdäpfel selbst machen nämlich nicht dick, sondern die Zusätze, die bei der Zubereitung hinzukommen, wie etwa Fett. So hat eine Portion gekochte Kartoffeln 105 Kalorien, während Pommes frites bereits 369 Kalorien haben.

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Öko-Lebensmittel sind gesünder

Essen mit dem Biosiegel ist nicht unbedingt gesünder, wie eine aktuelle Studie ergeben hat. Laut einer Analyse der Stanford University, die in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht wurde, sind biologische Lebensmittel kaum oder gar nicht nährstoffreicher. Ebenso sollen sie ein kaum geringeres Gesundheitsrisiko bergen.

Lediglich das Risiko, dass Obst und Gemüse Pflanzenschutzmittel beinhalten, sinkt damit. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch die Wissenschaftlerin Dena M. Bravata. Weder Vitamingehalt noch Krankheitserreger waren in dem einen oder anderen – Bio oder nicht – zu einem höheren Teil vorhanden.

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Alkoholgenuss ist schädlich

Nicht immer. Wer Alkohol in Maßen trinkt, lebt womöglich gar gesünder. Das sagen jedenfalls verschiedene Wissenschaftler. Grund dafür: Ein gemäßigter Alkoholkonsum kann das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen verringern, indem er die Gefäße vor Ablagerungen schützt und das Blut dünner macht. Deshalb sollen Menschen mit einem moderaten Alkoholkonsum ein um 20 Prozent geringeres Risiko haben, an solchen Erkrankungen zu sterben, als Abstinenzler. Was „moderat“ genau bedeutet, bleibt dabei ungeklärt.

Foto: dpa/dpaweb

Kochen zerstört Nährstoffe

Ein klares Jein: Beim Kochen können bestimmte Nährstoffe zerstört werden. Das ist richtig. So werden im Kochtopf Vitamine abgebaut und wasserlösliche Substanzen ausgelaugt. Allerdings sind andererseits auch einige Nährstoffe nur durch Garen für den Körper verfügbar.

Auch nicht zu vergessen: Durch das Erhitzen bestimmter Lebensmittel werden Keime und ungünstige Stoffe auch unschädlich gemacht. Nur auf Rohkost zu setzen, ist deshalb auch falsch: Diese ist nämlich schwer verdaulich. Das Ergebnis: Wer viel Rohkost ist, könnte irgendwann viel unverdaute Nahrung im Darm lagern. Verdauungsstörungen, schmerzhafte Blähungen und Durchfälle sind dann die Folgen. Also: Zur Abwechslung weiterhin auch mal gekochtes Gemüse kann also nicht schaden.

Foto: dpa

Margarine ist besser als Butter

Butter ist schon seit Langem als Cholesterin-Bombe verschrien. Der Vorwurf: Cholesterin und gesättigte Fettsäuren sollen Herzkreislauf-Erkrankungen begünstigen. Fakt ist aber: Butter ist ein natürliches Lebensmittel. Das Gemisch besteht aus allen nur erdenklichen Fettsäuren. Außerdem kann Butter sogar in gewissem Maß gut fürs Herz sein: Sie kann den Anteil an herzschützendem Cholesterin im Körper verstärken.

Foto: dpa/dpaweb

Frisches Gemüse ist besser als Tiefgekühltes

Diese Aussage stimmt eindeutig nicht. Tiefkühlkost kann unter Umständen sogar gesünder sein als frische Lebensmittel. Das Gemüse, das im Tiefkühlfach landet, wird oft frisch vom Feld schockgefroren. Dadurch bleiben viele Vitamine erhalten, die licht-, luft- und wärmeempfindlich sind. Bei frischem Gemüse kann es hingegen vorkommen, dass es Tage lang in Kisten im Supermarktregal liegt und dadurch einen Großteil seines Vitamingehalts einbüßt.

Damit ist häufig genau das Gegenteil der Fall: Tiefkühlgemüse ist manchmal sogar besser als frisches Gemüse.

Foto: AP

Der Mensch braucht kein Fleisch

Eine der meistdiskutierten Fragen: Ein großes Gehirn braucht Fleisch, sagt etwa der Biologe und Naturhistoriker Josef Reichholf. Beim Aufbau sei es notwendig, die entsprechenden Proteine und die flüchtigen Fettsäuren zu haben, die die Gehirnmasse bilden. Und dafür sei Fleischgenuss notwendig. Hätten wir früher kein Fleisch gegessen, hätten wir uns nie von den Affen unterschieden, so Reichholf und deshalb sei der Fleischverzehr für eine gute Hirntätigkeit notwendig.

Stimmt nicht, sagt hingegen Helmut Oberritter, der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Ein Erwachsener könne sich ohne Schwierigkeiten fleischlos ernähren, wenn er stattdessen für eine vollwertige Ernährung auf Milchprodukte, Eier und Fisch setze. Auch eine Londoner Studie sowie eine Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zeigten bereits, dass sich Menschen fleischlos ernähren könnten ohne negative Auswirkungen – eher sogar mit positiven Auswirkungen wie etwa niedrigere Blutdruck- und Blutfettwerte oder eine aktivere Niere. Die Forschung bleibt also geteilter Meinung.

Foto: dpa

Spinat und Pilze darf man nicht aufwärmen

Es ist nicht falsch, dass gerade Pilze und Spinat giftige Stoffe bilden können, wenn sie eine lange Zeit im Warmen stehen. Deshalb sollte jeder Champignons-Fan schon vorsichtig sein. Bewahrt man das Pilz- oder Spinatgericht aber vor dem Aufwärmen im Kühlschrank auf, ist ein zügiges Aufwärmen unbedenklich. Also ruhig einen zweiten Tag Spinat-Lasagne.

Foto: Fotolia

Fett ist ungesund

Fett ist nicht gleich Fett. Deshalb ist diese Verallgemeinerung falsch. Olivenöl beispielsweise kann bei regelmäßigem Genuss die Konzentration an LDL-Cholesterin im Blut senken. Außerdem liefert lebensnotwendige Fettsäuren und sorgt dafür, dass bestimmte fettlösliche Vitamine aus der Nahrung überhaupt erst aufgenommen werden können.

Sämtliche Langzeitstudien zeigen zudem, dass Menschen, die viel Milch und Milchprodukte konsumieren, überwiegend eine niedrige Herz-Kreislaufsterblichkeit aufweisen – niedriger als diejenigen, die weniger davon essen.

Foto: dpa

Für gesunde Menschen gibt es keine klare Zufuhrgrenze von Zucker, bei der man sagen könnte: "Ab hier macht er krank". Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Deutsche Diabetes Gesellschaft geben lediglich Richtlinien für Diabetes-Patienten aus. Ob der reichliche Genuss von zuckerhaltigen Lebensmitteln zu Diabetes führt, ist unter Forschern noch immer umstritten. Mediziner gehen aktuell davon aus, dass gesüßte Getränke das Risiko indirekt erhöhen, weil sie leicht zu Übergewicht führen. Die überschüssigen Kalorien werden an besonders ungünstigen Körperstellen, nämlich im Bauchbereich und in der Leber abgelagert. Dadurch wird die Insulinwirkung im Körper abgeschwächt - ein wichtiger Mechanismus bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes, erklärt Müssig.

Doch nicht nur die hohe Zufuhr von Kalorien durch Softdrinks ist problematisch. Zusätzlich enthalten sie meist sehr viel Fruktose, die eine besonders starke Süßkraft hat. Diese Zuckerart führt, wie Studien nahelegen, vermutlich auch direkt zu einer Insulinresistenz. "In experimentellen Ansätzen zeigte sich, dass eine kurzfristig hohe Fruktose-Belastung zu einer verminderten Wirkung des Insulins im menschlichen Körper führt", erläutert Müssig.

Ernährung

Die Zuckertricks der Lebensmittelindustrie

von Susanne Kutter

Das grundlegende Problem bleibt, dass die meisten Menschen sich einfach zu kalorienhaltig ernähren - sei es nun durch zu viel Zucker oder zu viel Fett. Kritik am WHO-Vorstoß der Zuckersteuer kommt von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, die es als reine "Symbolpolitik" sieht: „Eine Strafsteuer allein auf Softdrinks ist nicht geeignet, um ein komplexes gesellschaftliches Problem wie Übergewicht zu lösen.“ Auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) reagierte ablehnend: Eine Zuckersteuer ändere nichts, sagte er. Er begründete seine Aussage damit, Deutschland habe bereits bis Anfang der Neunzigerjahre eine Zuckersteuer gehabt, die aber nichts am Konsum geändert habe. Die Regierung arbeite stattdessen daran, den Gehalt von Zucker, Fett und Salz in Fertiglebensmitteln zu senken.

Unterstützung für den Vorstoß der WHO kommt von der Verbraucherorganisation Foodwatch: "Bundesernährungsminister Schmidt sollte endlich auf die WHO hören", erklärte Oliver Huizinga von Foodwatch in Berlin. Auch die Experten, die sich in der DANK zusammengeschlossen haben, fordern seit Langem eine Zuckersteuer und nennen zwei Beispiele für den möglichen Erfolg einer solchen Maßnahme: Zum einen die Tabaksteuererhöhungen in Deutschland. Durch sie konnte der Anteil der rauchenden Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren halbiert werden. Zum anderen die Einführung einer Steuer auf Alkopops. Die alkoholhaltigen Limo-Mischgetränke verschwanden nach der Einführung der Alkopop-Steuer nahezu vom Markt.

Allerdings: der gesamte Alkoholkonsum der Jugendlichen ging durch die Maßnahme nicht zurück - sie suchten sich einfach andere Getränke als Ausweichmöglichkeit. Und den rückläufigen Tabakkonsum unter Jugendlichen allein höheren Preisen zuzuschreiben, scheint zu kurz gedacht - gesundheitliche Aufklärung und der Imageverlust des Glimmstängels dürften ihr Übriges beigetragen haben. Ob eine Zuckersteuer auf Limo und Co. in Deutschland also der richtige Weg wäre, den ungesunden Lebenswandel vieler Menschen nachhaltig zu ändern, scheint zweifelhaft. Schließlich bieten Chips, Schweinshaxe und Bewegungsmangel noch genügend andere Möglichkeiten, die eigene Gesundheit zu ruinieren.

Mit Material von dpa


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