Weltgesundheitsorganisation: Wieso die WHO Softdrinks besteuern will

Weltgesundheitsorganisation: Wieso die WHO Softdrinks besteuern will

, aktualisiert 13. Oktober 2016, 09:15 Uhr
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Die WHO empfiehlt Sondersteuern auf zuckerhaltige Getränke

von Jana Reiblein

Schokolade, Bonbons, Cola: Die Gier nach Süßem wird uns zum Verhängnis. Immer mehr Menschen sind schon als Kinder zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jetzt eine Sondersteuer auf Softdrinks. Warum eigentlich?

Zu viel Zucker macht krank: Die Zahl übergewichtiger oder gar fettleibiger Kinder in aller Welt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Aus dicken Kindern werden oft dicke Erwachsene mit Krankheiten wie Diabetes und Karies. Das wiederum belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesundheitssysteme.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will im Kampf gegen Fettleibigkeit und den damit verbundenen Krankheiten nun beim Geldbeutel ansetzen: Die Gesundheitsexperten empfahlen anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am Dienstag allen Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer zu belegen. Damit sie wirkt, sollte sie mindestens 20 Prozent betragen.

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Bei der WHO ist man überzeugt, den Konsum durch diese Steuer zu bremsen - dadurch würden weniger Menschen an Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes oder Karies leiden, so die Experten. Der Empfehlung ging eine Untersuchung von Steuerexperten voraus. Die Auswertung von Fallstudien aus mehreren Ländern zeigte, dass eine spürbare Zuckersteuer auf Softdrinks am besten hilft, die Quote übergewichtiger Menschen zu senken. Laut der Studie führte die zehnprozentige Steuer auf zuckrige Getränke, die die Regierung in Mexiko 2014 einführte, zu einer Minderung des Konsums um sechs Prozent.

Was ist Diabetes

  • Definition

    Der Diabetes mellitus, kurz Diabetes oder auch Zuckerkrankheit, umschreibt eine Gruppe von Stoffwechselkrankheiten. Er ist gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, die mit der Zeit zu schweren Folgeerkrankungen führen kann. Man unterscheidet Typ 1 und Typ 2 Diabetiker. Zudem gibt es den Schwangerschaftsdiabetes. Weitere Informationen für Betroffene gibt es hier.

  • Typ 1 Diabetes

    Der Typ 1 Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin, da die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Betroffene müssen daher täglich Insulin spritzen und mindestens viermal am Tag den Blutzuckerspiegel messen. Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar. Etwa 5 bis 10 Prozent der Diabetiker sind Typ 1 Diabetiker.

  • Typ 2 Diabetes

    Bei Typ 2 Diabetes kann der Körper das Insulin nur schlecht nutzen, beziehungsweise springt nur vermindert auf das Insulin an. Auslöser der Krankheit sind starkes Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. 90 Prozent der Betroffenen weltweit sind Typ 2 Diabetiker.

Die Steuer sei besonders wirksam, wenn sie den Preis der Softdrinks um 20 Prozent und mehr anhebe. „Wenn Regierungen Produkte wie zuckerhaltige Getränke stärker besteuern, können sie Leiden reduzieren und Leben retten“, sagte Douglas Bettcher, Direktor der WHO-Abteilung für die Vorbeugung von nichtansteckenden Krankheiten. „Zudem können sie die Kosten für das Gesundheitswesen verringern und ihm zugleich mehr Geld zur Verfügung stellen.“

2015 waren nach WHO-Daten weltweit 42 Millionen Kinder unter fünf Jahren übergewichtig oder fettleibig. Dies entspreche einer Steigerung um elf Prozent innerhalb von 15 Jahren. Für Deutschland rechnet die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) mit 1,8 Millionen übergewichtigen oder fettleibigen Schulkindern bis zum Jahr 2025.

Die Zahl der Diabeteskranken sei von 108 Millionen im Jahr 1980 auf 422 Millionen im Jahr 2014 gestiegen. Allein in Deutschland wächst die Zahl der Erkrankungen laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft jährlich um 300.000. Das treibt die Kosten für das Gesundheitssystem in die Höhe: 35 Milliarden Euro fallen pro Jahr für Behandlung, Pflege, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung von Diabetikern an – nur in Deutschland.

Was weltweit die höchsten Gesundheitskosten verursacht

Die WHO empfiehlt schon seit vergangenem Jahr, dass höchstens fünf Prozent der täglichen Kalorienzufuhr aus Zucker bestehen sollte. Das entspricht etwa 25 Gramm Zucker am Tag und ist mit einem Glas Cola schon ausgeschöpft. Auch das zeigt, warum die Gesundheitsexperten den Fokus auf Softdrinks richten: Mit ihnen hat man blitzschnell seine Extraportion Zucker schon ohne Nachtisch verputzt. Von dieser Maximalmenge sind die Deutschen weit entfernt. Sie essen im Schnitt 35 Kilogramm Zucker pro Jahr - das entspricht rund 96 Gramm täglich.

Doch warum ausgerechnet eine Sondersteuer auf Softdrinks – und nicht auf Schokoriegel, Fruchtgummi oder verzuckerte Frühstücksflocken? Das hat vielfältige Gründe. Der WHO-Verantwortliche für gesunde Ernährung, Francesco Branca, erklärt: "Wenn man etwas trinkt, ist die Hungerkontrolle inaktiv. Dadurch neigt man dazu, zu viele Kalorien zu sich zu nehmen."

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