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ÖkostromVerlogen, verschätzt, verkalkuliert

Die Pleite der Windparkfirma Prokon steht nicht allein. Die hohen garantierten Einspeisevergütungen haben auch anderswo Abzocker, Schönfärber und überforderte Unternehmer angelockt.Mario Brück 06.02.2014 - 06:02 Uhr

Wie garantierte EEG-Vergütungen Abzocker anlocken.

Foto: dpa

Gemächlich drehen sich die 14 Windräder in der kalten Winterbrise. Und doch sorgen die Mühlen im Schwarzwald entlang der B 294 zwischen Pforzheim im Nordosten und Freudenstadt im Süden für reichlich Wirbel.

Im Februar 2006 wurde der Windpark Nordschwarzwald nach heftigem Widerstand der Bürger vor Ort und nach kritischer Prüfung durch den Petitionsausschuss des baden-württembergischen Landtags genehmigt. Der Betreiber, die Windenergiefirma Breeze Two Energy aus Darmstadt, investierte rund 40 Millionen Euro. Die Projektentwickler gingen von einer jährlichen Strommenge von rund 60 Millionen Kilowattstunden aus. Damit, so stand es in den bunten Werbeflyern, könne der Strombedarf von 20 000 Haushalten gedeckt werden. Im Oktober 2007 wurde das Mühlenfeld auf knapp 900 Meter Höhe eröffnet. Tanja Gönner (CDU), seinerzeit Umweltministerin in Baden-Württemberg, feierte die Anlage als Leuchtturmprojekt für die Nutzung der Windenergie im Musterländle.

Solarworld

Der Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015.

Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben.

Foto: dpa

Nordex

Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent.

Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen.

Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen.

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Solarworld

Die Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn.

Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird.

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SMA Solar

Schlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten.

Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben.

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Sunways

Beim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück.

Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen.
Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet.

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S.A.G. Solarstrom AG

Die Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen.

Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland.

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Prokon

Der Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik.

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Meyer Burger

Beim Schweizer Maschinenhersteller stieg der Verlust 2013 um knapp 50 Prozent auf 163 Millionen Franken - trotz Kostensenkungen um rund 100 Millionen Franken. Der Umsatz sank um zwei Drittel auf 203 Millionen Franken. Allerdings freuen sich die Schweizer über die gute Auftragslage: Insgesamt stieg der Eingang um 29 Prozent auf 288 Millionen Franken. In den ersten beiden Monaten 2014 holte Meyer Burger Aufträge über 42 Millionen Franken herein. Im Laufe des Jahres rechnet die Firma mit zusätzlichen Aufträgen für Modernisierung und den Ausbau von Produktionskapazitäten bei Kunden. Bereits 2013 habe sich die Kapazitätsauslastung bei großen Solarzellen-Herstellern wieder deutlich verbessert. Zudem bestehe eine gute Pipeline an langfristigen Großprojekten in neuen Märkten, "von denen das eine oder andere Projekt zu einem Vertragsabschluss gelangen kann". Kurzfristig will die Firma durch die Platzierung von 4,8 Millionen Aktien zu neuem Geld kommen.

Foto: Screenshot

Solarwatt

Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus schimpft über die Pläne zur Reform des EEG: "Wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne eins zu eins umsetzt, wird der Markt für Eigenstrom-Verbrauch zerstört." Gabriel will auch Besitzer von Solaranlagen, die ihren Strom hauptsächlich selbst verbrauchen, an der EEG-Umlage beteiligen. Bisher waren sie von der Abgabe für erneuerbare Energien befreit. Solarwatt hatte sich nach der Fast-Pleite strategisch neu ausgerichtet. Statt der Produktion von Modulen stehen nun Systeme im Fokus, mit denen Hausbesitzer ihren Energiebedarf durch selbsterzeugten Strom decken können - an der Ausrichtung soll sich nichts ändern. Der mittelständische Hersteller von kristallinen Solarmodulen hat 2012 den Sprung aus der Insolvenz heraus geschafft, doch rund läuft es noch nicht. Die Zahl der Mitarbeiter soll in den kommenden Monaten auf deutlich unter 200 sinken. Nach der Insolvenz hatten bereits knapp hundert der 435 Mitarbeiter gehen müssen. Der Umsatz werde 2013 bei nur 60 bis 70 Millionen Euro liegen, gut 20 Millionen weniger als noch im Frühjahr angenommen. Ein "schwarze Null" werde man erst 2014 erreichen - ein Jahr später als geplant. BMW-Erbe Stefan Quandt ist mit einem Anteil von 90 Prozent Ankeraktionär der Dresdener.

Foto: dpa

Solon

Paukenschlag beim Solarmodul-Hersteller Solon: Der indisch-arabische Investor Microsol macht die Zentrale der Solarfirma in Berlin zum 30. April dicht. Der Sitz wechselt in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Dort wird schon der Großteil der Module gefertigt. Damit verlieren am Standort Adlershof 230 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Standortleiter Lars Podlowski sicherte ihnen eine geordnete Schließung zu. „Kein Mensch soll auch nur einen Euro verlieren“, sagt er in einer Pressekonferenz am 7. März. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat sollten am gleichen Tag beginnen, eine Transfergesellschaft schloss Podlowski aus.

Nach der Insolvenz von Solon war Microsol im März 2012 eingestiegen. Erklärte Absicht war es damals, in Berlin weiter Module für den deutschen und europäischen Markt zu bauen. Offenkundig waren aber die Produktionskosten in Deutschland angesichts des hart umkämpften Weltmarkts für Solarzellen zu hoch.

Foto: dpa/dpaweb

Centrosolar

Für die Aktionäre der insolventen Solarfirma sieht es düster aus. Da kein Eigenkapital mehr vorhanden ist, steht ihnen auch nichts mehr zu, wie Centrosolar am 28. Februar 2014 mitteilte. Für die Gläubiger der 50-Millionen-Euro-Anleihe sieht der vom Gläubigerausschuss genehmigte Insolvenzplan dagegen vor, sie über einen Tausch ihrer Ansprüche in Aktien zumindest teilweise zu entschädigen. Für nominal je 1000 Euro Anleihe sollen sie acht junge Aktien erhalten. Zudem sollen ihnen wie auch den Finanzgläubigern und Mitarbeitern bei der geplanten Barkapitalerhöhung Aktien zum Bezug angeboten werden. Die Anleihegläubiger müssen dem Insolvenzplan auf der Versammlung am 18. März zustimmen.
Gläubiger und Aktionäre hatten im Frühjahr 2013 einem Kapital- und Schuldenschnitt zugestimmt. Mehr als 250 Stellen und damit ein Viertel der Arbeitsplätze wurden gestrichen. Das reichte jedoch nicht aus, um die ehemalige Tochter des Klimatechnik-Spezialisten Centrotec auf gesunde Füße zu stellen. Der mit 100 Millionen Euro verschuldete Solaranlagenbauer musste im Herbst unter den Schutzschirm flüchten. Betroffen sind die Holding, die AG und die Centrosolar Sonnenstromfabrik. Nicht betroffen sind dagegen die Töchter Renusol und die Grundstücksverwaltung GmbH, die beide verkauft werden sollen. Allein das US-Geschäft soll übrig bleiben. Dieser Markt verspreche Wachstum, ist sich das Management sicher.

Foto: Presse

Windwärts

Nach dem Windenergie-Unternehmen Prokon hat auch nun auch ein niedersächsischer Windkraft-Projektierer Insolvenz angemeldet. Windwärts sammelte ebenso wie Prokon bei Privatpersonen Geld für den Bau von Windanlagen ein, allerdings in deutlich kleineren Dimensionen. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Römermann haben rund 1600 Inhaber von Genussrechten etwa 18,9 Millionen Euro investiert. Römermann sagte, er sei aber vorsichtig optimistisch, was die Zukunft des Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern angehe. Grund für den Insolvenzantrag sind nach Angaben von Römermann Verzögerungen bei diversen Projekten, die eigentlich im vergangenen Jahr abgeschlossen werden sollten. So hätten Naturschützer in der Nähe einer geplanten Anlage das Nest eines Roten Milans entdeckt, dadurch habe es monatelange Verzögerungen gegeben. In einem anderen Fall sei eine Anlage unter einer Überflugstrecke der Bundeswehr geplant gewesen, die aber aus Gründen der militärischen Geheimhaltung in keiner Karte verzeichnet gewesen sei.

Foto: dpa

Boschs Solarsparte Aleo Solar

Eine Investorengruppe aus Asien kauft Großteile des Solarmodulherstellers. Für die meisten Beschäftigten ist das eine schlechte Nachricht: Nur 200 der zuletzt rund 730 Mitarbeiter haben eine Zukunft bei Aleo. Der seit 2009 mehrheitlich zur Bosch-Gruppe zählende Solarspezialist zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter monatelange Negativnachrichten: Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren und war von der Insolvenz bedroht. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Weg für die Pläne freimachen, einen Termin für das Treffen gibt es noch nicht. Außerdem steht der Deal noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung der Wettbewerbshüter.
Das Käuferkonsortium stammt aus der Solarbranche und sitzt in Taiwan, Japan und Hong Kong. Die neuen Besitzer wollen den Kauf über eine GmbH mit Sitz in Hamburg abwickeln, die sie als Investoren mit 13,5 Millionen Euro Eigenkapital ausstatten. Aleo muss für den Kauf drauflegen: Den Angaben zufolge fließt für die Produktionsstätte in Prenzlau inklusive Anlagevermögen, Vorräten, gewerblichen Schutzrechten und Anteilen an einem Tochterunternehmen nur ein symbolischer Euro. Aleo dagegen überweist zehn Millionen Euro an die neuen Besitzer. Der Noch-Mehrheitsaktionär Bosch stützt Aleo zum Abschluss mit 31 Millionen Euro. Der unverkaufte Rest des Unternehmens soll aufgelöst werden.

Foto: AP

Conergy

Die neuen Eigentümer Kawa Solar Holdings rechnet bereits in diesem Jahr wieder mit einem Gewinn bei Conergy. Kawa hatte Conergy mit deren globalen Service-Vertriebsaktivitäten im Oktober 2013 übernommen. Seither sind die Conergy Deutschland GmbH und die Conergy Services GmbH - ebenso wie die Einheiten in Großbritannien, Italien und Australien - Teil des US-Konzerns. 350 Arbeitsplätze sollten gesichert werden. Conergy hatte am 5. Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Kawa sitzt in Florida und verwaltet ein Volumen von 500 Millionen US-Dollar und will unter anderem in Solarprojekte investieren. An den Töchtern Mounting Systems und der SolarModule GmbH hatte Kawa kein Interesse.

2012 erwirtschaftete Conergy bei 473,5 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit der US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Am 10.12.2013 ging Conergy von der Börse.

Foto: dapd

IBC Solar

Einer der größten deutschen Händler von Solaranlagen muss erstmals selbst Personal abbauen. 83 der 286 Mitarbeiter des Solarpioniers aus dem fränkischen Bad Staffelstein müssen gehen. Sie werden von einer Transfergesellschaft aufgenommen. Weltweit beschäftigt der Mittelständler 400 Mitarbeiter. 2011 macht IBC noch einen Umsatz von rund 810 Milliarden Euro, 2012 waren es nur noch 580 Millionen, 2013 brach das Geschäft auf 300 Millionen ein. Obwohl es im Jahr 2013 gelungen war, den Marktanteil in Deutschland von sieben auf elf Prozent zu steigern, hat das Unternehmen das Jahr zum ersten Mal in der Unternehmensgschichte mit einem operativen Verlust abgeschlossen. Mit einer Eigenkapitalquote von rund 80 Prozent ist IBC für den Umbau aus eigener Kraft aber gut gerüstet. Nächstes Jahr will Chef Udo Mörstedt wieder profitabel wirtschaften. Dazu will er das Geschäft im privaten und gewerblichen Eigenverbrauch ankurbeln und stärker internationalisieren. Die Entwicklung und Vermarktung von solaren Großprojekten will Möhrstedt beispielsweise in Japan und Chile ausbauen und die Kernkompetenz in Eigenverbrauchs- und Speichersystemen in internationale Märkte übertragen. Der Auslandsanteil am Umsatz soll bis 2016 auf 45 Prozent steigen.

Foto: Screenshot

Bosch

Damit hat die Krise der Solarbranche Bosch bisher einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt. Im vergangenen Jahr seien nochmals 1,3 Milliarden Euro an Belastungen durch die defizitäre Photovoltaik angefallen. Von 2008 bis 2012 hatte Bosch bereits 2,4 Milliarden Euro verbrannt. Die starke Konkurrenz aus China und Überkapazitäten hatten die Preise für Solartechnik in Deutschland rapide sinken lassen und etliche Unternehmen in die Pleite getrieben.
Die Stuttgarter hatten im Frühjahr 2013 den Ausstieg aus der Photovoltaik beschlossen und im Herbst den Verkauf der Solarmodulfertigung in Arnstadt an Solarworld angekündigt...

Foto: dpa

Bosch Solar Engery - Solarworld

Solarworld ist neuer Besitzer des Thüringer Solarwerk des Industriekonzerns Bosch. Im März 2014 soll die Produktion anlaufen. Das Bonner Unternehmen von Frank Asbeck steckt selbst mitten in der Sanierung. Solarworld übernehme am Standort Arnstadt eine Zellfertigung mit einer Produktionskapazität von 700 Megawatt (MW) und eine Modulfertigung mit 200 MW sowie insgesamt 800 der 1600 Mitarbeiter. Zum Kaufpreis machte Solarworld keine Angaben, erklärte aber, der Kauf werde die Finanzmittel nicht reduzieren. Insider hatten berichtet, Asbeck erhalte sogar eine Art Mitgift von bis zu 130 Millionen Euro von Bosch.
Bosch-Chef Volkmar Denner hatte die unter Bosch Solar Energy firmierende Sparte mit 3000 Mitarbeitern im Frühjahr 2013 auf die Verkaufsliste gesetzt. Bosch hatte 530 Millionen Euro in den Standort investiert.

Foto: dpa

Windpark-Entwickler Windreich saniert sich nicht mehr in Eigenregie. Jetzt geht das Unternehmen in eine geregelte Insolvenz. Das Unternehmen hatte am 9. September 2013 Insolvenz angemeldet. Gründer und Firmenchef Willi Balz (Foto) legte die Geschäftsführung nieder. Sein Nachfolger Werner Heer, zuvor Berater der Gesellschaft, verliert nun seinen operativen Einfluss, die Geschäfte führt ab der Eröffnung des Verfahrens Sachwalter Holger Blümle. Windreichs prekäre finanzielle Lage beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation - unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.
Windreichs Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Mehr über die Windreich-Pleite lesen Sie hier: Balz-Nachfolger muss retten, was zu retten ist.

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Bard

Der angeschlagene Offshore-Pionier stellt den Betrieb ein. Wegen fehlender Aufträge will die Unternehmensgruppe im Januar 250 Beschäftigten kündigen. Weitere 300 Mitarbeiter sollen von der neuen Gesellschaft Offshore Wind Solutions (OWS) im ostfriesischen Emden übernommen werden, wie Bard am 20. November mitteilte. Die Neugründung OWS solle Betrieb und Service des größten deutschen Offshore-Windparks Bard Offshore 1 (hier im Bild) sowie Schiffe und Gebäude der Bard-Gruppe übernehmen. Das Projekt mit 80 Anlagen rund 100 Kilometer nördlich von Borkum war Ende August eröffnet worden. Die Leistung von 400 Megawatt entspricht rechnerisch dem Jahresstrombedarf von mehr als 400.000 Haushalten. Mit weit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten wurde er jedoch deutlich teurer als geplant. Bard hatte zudem mit technischen Schwierigkeiten beim Bau und mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Die Eröffnung wurde um mehrere Jahre verschoben.
Zuletzt hatte das Unternehmen gut 800 Millionen Euro Schulden in der Bilanz. Die Suche nach Investoren blieb erfolglos. Mit dem Stocken der Energiewende hatte Bard wegen fehlender Anschlussaufträge bereits im Sommer 2012 Teilverkäufe von Unternehmensteilen angekündigt. Danach wurde die Rotorblattfertigung eingestellt. Im Juni kam dort auch die Herstellung von Maschinenhäusern für Offshore-Windkraftanlagen zum Erliegen. In Cuxhaven wurde zudem die Produktion von Stahlkonstruktionen für Offshore-Windparks geschlossen.

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Vestas

Nach harter Sanierung und mehreren Gewinnwarnungen peilt Vestas eine höhere Rentabilität für das Gesamtjahr an. Zuversicht versprühte, dass sich der Betriebsgewinn (Ebit) im dritten Quartal auf 67 Millionen Euro mehr als verfünffachte. Wegen neuerlicher Abschreibungen bleibt im dritten Quartal aber ein Minus von 87 Millionen Euro. Der seit Ende August 2013 amtierende Chef Anders Runevad wertet die Zahlen als gute Grundlage für die Trendwende. Der Auftragseingang habe sich auf fast 1,5 Milliarden Euro vervierfacht. Der Umsatz sank im letzten Quartal allerdings um 27 Prozent, Vestas bekommt die sinkenden Einspeisevergütungen zu spüren. Die Umsatzprognose für 2013 bleibt bei 5,5 Milliarden Euro. Seit Ende 2011 fielen beim Windradbauer fast 5500 Jobs weg. Bis Ende 2013 will Runevad maximal noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigen.

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Suntech

Lichtblick für den angeschlagenen chinesischen Solarmodul-Hersteller Suntech Power Holdings: Eine Investmentfirma der Heimatprovinz hat eine Finanzspritze von umgerechnet knapp 110 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Es gebe eine entsprechende Absichtserklärung von Wuxi Guolian Development.
Suntech, einst größter Solarmodul-Hersteller der Welt, hatte im März 2013 Konkurs angemeldet. Die chinesischen Hersteller, die die meisten ihrer Produkte exportieren, leiden unter den höheren Importzöllen der USA und der EU. Diese waren erhöht worden, weil China seine Produktion subventioniert haben soll. Diese Subventionen hatten die Expansion der Branche in den vergangenen zehn Jahren unterstützt und Hunderte kleiner Unternehmen entstehen lassen, die den Markt überschwemmten und die Preise drückten.

Foto: REUTERS

Wirsol-Gruppe

Der baden-württembergische Projektierer Wirsol hat am 24. Oktober in Karlsruhe einen Insolvenzantrag erstellt. Davon betroffen sind Wirsol Solar, Wirsol Deutschland und Wirsol Solar System. Nicht betroffen sind die Windsparte, das Privatkundengeschäft und die Gesellschaft für technische Betriebsführung. Das Unternehmen, dass 2012 rund 292 Millionen Euro umsetzte und rund 17 Millionen Euro Gewinn (Ebit) machte, möchte sich mit einer Planinsolvenz retten. Eine Sanierung in Eigenregie im so genannten Schutzschirmverfahren scheiterte am Widerstand der Banken. Wirsol tut sich als Mittelständler sehr schwer den schrumpfenden Markt in Deutschland durch Aufträge im Ausland zu kompensieren. Man versuche es in Großbritannien, Japan und Brasilien, doch zur Großoffensive fehlt das nötige Kleingeld. Wirsol ist jetzt auf der Suche nach Investoren. Wie viele der 300 Arbeitspläne im Rahmen der Planinsolvenz erhalten werden können, ist noch unklar.

Foto: Screenshot

Centrotherm

Nur wenige Monate nach dem aufgehobenen Insolvenzverfahren (Juni 2013) meldet der Anlagenbauer neue Probleme. Die Geschäfte der Schwaben laufen schlechter als erwartet. Die im Insolvenzplan avisierten Ziele seien nicht zu halten, teilte die für die Solar- und Halbleiterindustrie produzierende Firma aus Blaubeuren mit. Der Plan sah einen operativen Gewinn (Ebitda) von jeweils 37 Millionen Euro für 2014 und 2015 vor und einen Überschuss von 23 Millionen Euro. Der von Marktforschungsinstituten prognostizierte "signifikante Anstieg" des globalen Solarmarktes habe sich bisher nicht eingestellt. Der Vorstand übt sich indes in Zuversicht und hofft auf eine deutliche Belebung, die eine Rückkehr in die Gewinnzone im kommenden Jahr ermöglicht.
Centrotherm flüchtete im Juli 2012 in ein Schutzschirmverfahren, das nach dem neuen Insolvenzrecht eine schnelle Sanierung in eigener Regie erlaubt und unter anderem den Tausch von Schulden in Eigenkapital. Im Zuge dessen verloren die Altaktionäre, darunter die Gründerfamilie Hartung mit ihren ehemals rund 50 Prozent, den größten Teil ihrer Anteile. Die Verwaltungsgesellschaft Sol Futura hält inzwischen 80 Prozent an Centrotherm und die Familie zehn Prozent. Die restlichen Anteile sind in Streubesitz. Im Zuge der Sanierung besann sich die Firma auf ihr ursprüngliches Geschäft und nimmt statt der Solarindustrie nun zunehmend die Halbleiterindustrie ins Visier. Ende Oktober will das Management über die Entwicklung im dritten Quartal berichten. Von ehemals 1900 Arbeitsplätzen blieben 900 übrig. Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro.

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Das Systemhaus Donauer Solartechnik in Gilching bei München hat Insolvenz angemeldet. Wie in einer Pressemitteilung des Unternehmens zu lesen ist, gibt Donauer der Gemeinde Gilching eine Mitschuld am Scheitern der Rettungspläne. Monatelang habe man an einer Firmenfusion mit einem starken Partner gearbeitet, die Parteien waren sich bereits einig. Notwendig zur Fusion sei die Veräußerung einer Firmenimmobilie in Gilching gewesen, um die Liquidität für das laufende Geschäft zu erhalten. Dieser konnte nur mit Zustimmung der Gemeinde erfolgen. Der Gemeinderat konnte sich bis zum Stichtag jedoch zu keiner Zustimmung durchringen. Somit bleibt dem Fachgroßhändler mit seinen 90 Mitarbeitern nur der Gang in die Insolvenz. Gesellschafter Rudolf Donauer: "Eine Schadensersatzklage wird angestrebt, aber das rettet nicht mehr den Verlust von vielen Arbeitsplätzen. Mir fehlen die Worte zu einem derart unprofessionellen politischen Verhalten seitens der Gemeinde.“

Foto: Screenshot

RWE

Der Essener Energiekonzern macht bei seinen Sparanstrengungen auch bei der Ökosparte nicht halt. Wie „Der Spiegel“ berichtet will Chef Peter Terium die Konzern-Tochter Innogy massiv verkleinern. So soll Terium Investitionen in die Anlagen in Nord- und Ostsee-Windparks erheblich zurückfahren und neue Anlagen nur noch mit Partnern bauen wollen. Spezialschiffe für den Bau von Offshore-Windparks sollen den Informationen zufolge verkauft werden. Das Unternehmen wollte sich dazu bisher nicht äußern.

Foto: dpa

Der Projektierer Gehrlicher Solar AG meldet Zahlungsunfähigkeit und ist damit das erste Opfer der Antidumping-Zölle gegen chinesische Importe in Europa. Das Unternehmen hat am 5. Juli 2013 beim Amtsgericht München die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Agence France Presse.

Schuld an der Situation sind die Anti-Dumpingzölle, die die EU gegen chinesische Importeure verhängt hat. Also genau jene, die auf Druck der von Solarworld-Chef Frank Asbeck ins Leben gerufener Initiative, von der Kommission erlassen wurden, um die europäische Solarzellenindustrie zu schützen. Gehrlicher verbaute chinesische Module.

Die Hausbank hat den Darlehensvertrag nicht verlängert, weil das Unternehmen aufgrund der neuen Bedingungen die im Geschäftsplan formulierten Ziele nicht mehr erreichen könne - sprich voraussichtlich nun deutlich teurere Module einkaufen muss und damit mit weniger Gewinn rechnen kann. Gehrlicher ist seit 1994 am Markt und plant, finanziert und baut vom Hauptsitz in Deutschland aus weltweit Solaranlagen.

Foto: Screenshot

Roth & Rau

Verluste halbiert: Der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Sachsen kündigte im Februar 2012 ein Restrukturierungsprogramm an. Mehrere Hundert Arbeitsplätze im In- und Ausland fielen weg, Tochtergesellschaften wurden verkauft. Bis zur Bekanntgabe der Sparmaßnahmen arbeiteten bei Roth & Rau knapp 1400 Menschen, zum Jahresende 2012 waren es nur noch 900. Betroffen waren die Standorte in Hohenstein-Ernstthal, wo 15 Prozent der 420 Stellen gestrichen wurden. Roth & Rau gehört seit Februar 2011 zur Schweizer Meyer Burger-Gruppe. 2012 setzen die Sachsen 154 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 208 Millionen Euro. Die Verluste (Ebit) belaufen sich auf 40 Millionen Euro - nach 106 Millionen Euro im Jahr 2011. Die Richtung stimmt.

Foto: ZB

Alfasolar

Der norddeutsche Modulhersteller hat am 24. April die vorläufige Insolvenz beantragt. Alfasolar ist seit zwanzig Jahren am Markt und beschäftigt rund100 Mitarbeiter. Die Produktionsanlage in Hannover hat eine Gesamtkapazität von 40 Megawatt - damit zählt das Unternehmen zu den kleinen Modulherstellern. Der Mittelständler kann wie viele andere Unternehmen der Branche dem Preisverfall nicht länger standhalten. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen jedoch vorläufig weiter. Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Foto: Screenshot

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.

Foto: dpa

Der insolvente Solzellenhersteller Sovello stoppt die Produktion und kündigt allen 1000 Mitarbeitern. „Die finanzielle Lage des Unternehmens macht diesen Schritt leider erforderlich“, sagte Insolvenzverwalter Luca F. Flöther. Das Unternehmen das zum "Solar Valley" in Bitterfeld-Wolfen zählte, hatte im Mai Insolvenz angemeldet. Die geplante Sanierung in Eigenverwaltung platzte Ende Juli. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Sovello noch 200 Millionen Euro Umsatz. Der Solarbetrieb ist aus einem Gemeinschaftsunternehmen der Branchenfirmen Evergreen Solar, Q-Cells und REC ASA hervorgegangen und gehört seit 2010 dem Beteiligungsfonds Ventizz Capital.

Foto: dpa

Der insolvente ostfriesische Offshore-Zulieferer Siag Nordseewerke in Emden wird zum Februar durch den saarländischen Stahlbauer DSD Steel übernommen. Das teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am 17. Januar nach Gesprächen mit dem Investor, der Landesbank NordLB und dem Alteigentümer Siag mit. „Es wurde heute ein Eckpunktepapier mit einer grundsätzlichen Einigung erstellt“, sagte Bode. Damit können 240 von rund 750 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Weiteren 150 Siag-Beschäftigten will ThyssenKrupp Arbeitsplätze anbieten. Das Unternehmen war früher Besitzer der Nordseewerke.

Die Siag Nordseewerke stellen Fundamente für Windkraftanlagen her. 2010 hatte das Unternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus dem rheinland-pfälzischen Dernbach die frühere traditionsreiche Schiffswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seitdem wurde das Emder Unternehmen zu einem Windkraft-Zulieferer umgebaut. Nun fehlen Folgeaufträge, weil der Boom der Offshore-Branche insgesamt ins Stocken gerät, da es Schwierigkeiten bei der Anbindung der Windparks auf hoher See an das Netz an Land gibt.

Foto: dpa

Deutlich besser steht das ebenfalls insolvente Photovoltaik-Unternehmen Sunstrom aus Dresden da. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg konnte das Unternehmen gerettet werden, die ehemaligen Geschäftsführer Reiner Matthees und Stephan Riedel haben die GmbH gekauft und wollen das Unternehmen mittels einer sogenannten übertragenden Insolvenz sanieren. Die 64 Beschäftigten der Sunstrom GmbH werden von der neuen Gesellschaft MR Sunstrom GmbH übernommen.

Die Solarwatt-Tochter Sunstrom hatte im Juli Insolvenz angemeldet.

Foto: Screenshot

Q-Cells

Am 3. April stellte Q-Cells beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag. Seither haben 100 der ehemals knapp 1300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der ostdeutsche Solarzellenhersteller schrieb 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro. Vorstandsvorsitzender Nedim Cen rang monatelang mit Gläubigern und Anlegern um ein Sanierungskonzept. Im August 2012 folgte die Überraschung: Der koreanische Mischkonzern Hanwha kauft Q-Cells. Mit der Übernahme des Q-Cells Werks in Malaysia könnte Hanhwa Antidumping-Zölle der US-Behörden auf chinesische Produkte umgehen. Hanwha will bis 2020 einer der führenden Anbieter im Photovoltaik-Markt werden. Mit 53 Tochterunternehmen gehört er zu den größten Industriekonglomeraten Südkoreas.

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Inventux

Im Mai 2012 muss der Berliner Solarzellenhersteller Insolvenz anmelden. Das Unternehme war seit 2008 am Markt und beschäftigte 200 Mitarbeiter. Von den einst rund 200 Mitarbeitern wurden 100 übernommen. 70 wechselten in eine Transfergesellschaft, die für neue Beschäftigungschancen sorgen soll. Im August wurde Inventux durch zwei südamerikanische Unternehmen übernommen.

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Odersun

Ende März muss der Modulhersteller Odersun aus Frankfurt Oder seine Pleite bekanntgeben. Zum 1. Juni hat das Unternehmen den Betrieb ein gestellt. Alle 260 Mitarbeiter müssen sich einen neue Stelle suchen.

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Solarhybrid

Das 2008 an die Börse gegangene Unternehmen teilte Mitte März 2012 mit, dass man beim Amtsgericht Arnsberg wegen Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt habe. Solarhybrid ist auf den Bau von großen Solarstrom-Kraftwerken spezialisiert. Das Unternehmen selbst hatte im Oktober 2011 noch Optimismus verbreitet und Zuwächse für 2012 in Aussicht gestellt. Zudem schrieb das Unternehmen in den ersten neun Monaten schwarze Zahlen. Offenbar hat es sich aber bei der Finanzierung von Großprojekten übernommen. Das Unternehmen wird abgewickelt.

Foto: Solarhybrid AG

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Siag Schaaf

Der Windkraft-Zulieferer hat am 19. März Antrag auf Insolvenz gestellt. Das zuständige Amtsgericht Montabaur teilte mit, davon sei nicht nur die AG betroffen, es seien auch einige Anträge für Tochterfirmen gestellt worden. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, war zunächst unklar. Die Offshore-Windkraftbranche leidet unter Problemen bei der Anbindung von Anlagen im Meer ans Stromnetz. Siag beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 1800 Menschen in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika. Die AG war aus dem Stahlbau hervorgegangen. Vor drei Jahren hatte Siag Schaaf von Thyssen-Krupp die Nordseewerke in Emden gekauft, um dort Produkte für Offshore-Windanlagen zu fertigen.

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Solon

Im Dezember 2011 meldete der Solarmodulhersteller Solon Insolvenz an. Der arabische Solarzellen-Produzent Microsol kauft das Berliner Unternehmen Anfang März 2012. Microsol übernimmt das Solon-Werk in Berlin, die Markenrechte sowie Forschung und Entwicklung. 433 der 471 Arbeitsplätzen sollen erhalten bleiben. Solon war mit 400 Millionen Euro verschuldet.

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Solar Millennium

Kurz vor Weihnachten 2011 stellt der fränkische Solar-Projektentwickler Antrag auf Insolvenz. Seither sucht Insolvenzverwalter Volker Böhm nach Investoren. Das US-Geschäft geht im Februar 2012 an den Konkurrenten Solarhybrid, weitere Beteiligungen schlägt Böhm im Laufe des Jahres los. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Dazu gehören auch 16.000 Anleihen-Besitzer. Unterdessen prüft Böhm weiter, ob Manager für Investitionen in den USA über 80 Millionen Euro haftbar gemacht werden können. Wegen der komplizierten Konzernstruktur der Mittelfranken werde das aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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Soltecture

Das Berliner Unternehmen musste im Mai 2012 Insolvenz anmelden. Noch läuft die Investorensuche

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Spuren in die Karibik

Von wegen Leuchtturmprojekt – alles nur Wunschdenken, die Realität sieht erschreckend aus. Die Anlagen produzieren nur 60 Prozent des geplanten Stroms, die durchschnittliche Auslastung seit Inbetriebnahme liegt bei 16 Prozent. Nach einer Studie des Deutschen Windenergie-Instituts in Wilhelmshaven beginnt die Wirtschaftlichkeit großer Windkraftanlagen bei 23 Prozent Auslastung oder 2000 Stunden unter voller Leistung.

Der Betreiber Breeze Two Energy GmbH & Co. KG, dessen Spuren sich auf den Cayman Inseln verlieren, ist laut Jahresabschluss 2011 bilanziell überschuldet, weil auch viele andere der insgesamt 35 Breeze-Two-Parks in Deutschland und Frankreich die erhofften Erträge nicht bringen. Mittlerweile ist die deutsche Tochter des französischen Windstromerzeugers Theolia eingestiegen.

Nord-Süd-Gefälle: Installierte Leistung der Windkraftanlagen in Deutschland. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Finanzielle Probleme bei Windparks sind keine Ausnahme – im windarmen Süddeutschland vermutlich sogar die Regel. Und Breeze Two befindet sich in schlechter Gesellschaft. Der Bankrott des Windparkfinanzierers und -betreibers Prokon ist nur der krasseste Fall misslungener Investments in erneuerbare Energien, allen voran in Windkraftanlagen. Wie viel Geld die Zehntausenden von Prokon-Anlegern von ihren rund 1,4 Milliarden Euro Einlagen wiedersehen werden, steht in den Sternen. Wenn überhaupt, wird es nur ein Bruchteil sein.

Die Gründe, weshalb Windstromerzeuger Not leiden oder scheitern, obwohl sie für ihren Strom 20 Jahre lang garantierte Preise von rund neun Cent pro Kilowatt erhalten, derzeit gut doppelt so viel wie für Strom an der Börse, sind vielfältig: politische Entscheidungen, Fondsgesellschaften mit überhöhten Renditeversprechungen, unternehmerische Fehlentscheidungen, anfällige Technik, falsche Windprognosen.

Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz.

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Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von Windparks

Der Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden.

Foto: dpa

China – bessere Nutzung von Abwärme

Abwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie.

Foto: REUTERS

Shanghai – bessere Transformatoren

Jetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren.

Foto: dpa

Schweden – mehr Wärmepumpen

Eine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen.

Foto: "Tourismusverband Westschweden

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

USA – Stromnachfrage besser steuern

Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken.

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Los Angeles – LED-Straßenbeleuchtung

International hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden.

Foto: Presse

Österreich – mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mehr Elektrobusse

Im Jahr 2009 lag der ÖPNV-Anteil in Berlin bei 29 Prozent, in München bei 26 Prozent. In Wien dagegen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Würde man den ÖPNV-Anteil in Berlin, Hamburg, München und Köln analog zu Wien auf 35 Prozent steigern, würde parallel dazu der Pkw-Verkehr zurückgehen. Da der öffentliche Nahverkehr geringere CO2-Emissionen erzeugt als Pkw, würde dies zu einem Rückgang der CO2-Emissionen führen.

Wien pilotiert aktuell außerdem den Einsatz von Elektrobussen. In Deutschland werden die Busflotten momentan nahezu komplett mit Diesel betrieben. Bei einer Erneuerungsrate von 8 Prozent pro Jahr würden bis 2020 mehr als 2.000 Elektrobusse auf deutschen Straßen fahren. Nach dem für 2020 erwarteten Strommix aus grünen und konventionellen Kraftwerken, würde dies zu weniger CO2-Emissionen führen, denn dann würden E-Busse deutlich sauberer fahren als Dieselbusse.

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China – Fahrerassistenzsysteme in U-Bahnen

In Deutschland gibt es in vier Städten U-Bahnen, insgesamt sind 1.500 Züge im Einsatz. Sie verbrauchen 0,7 TWh Strom. Fahrerassistenzsysteme können den Verbrauch senken. Sie optimieren den Energieverbrauch von U-Bahn-Zügen durch Steuerung der Türen, der Stopps sowie der Fahrten zwischen den U-Bahnhöfen. In China werden alle neuen U-Bahnen mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Gegenüber einer konventionellen U-Bahn-Steuerung verbrauchen die U-Bahnen so 15 % weniger Strom.

Foto: REUTERS

Mexiko – Abwrackprämie für Haushaltsgeräte

Ein neuer Kühlschrank der aktuell höchsten Effizienzklasse verbraucht 150 kWh pro Jahr und damit circa 30 % weniger als ein durchschnittlicher, zehn Jahre alter Kühlschrank. Mexiko hat 2009 ein Anreizsystem für den Austausch von "Weißer Ware" aufgelegt . Ziel war es, Kühlschränke, die älter als zehn Jahre waren, durch neue Geräte zu ersetzen. Bedingung war, dass die Neugeräte den mexikanischen Effizienzstandard um mindestens 5 % überbieten mussten. Das Anreizsystem bot Barauszahlungen und Subventionen von Finanzierungslösungen sowie zusätzliche Leistungen für den Abtransport und das Recycling der Altgeräte. Im Rahmen des Programms haben seit 2009 1,5 Millionen Haushalte ihre alten Kühlschränke ersetzt. Dadurch konnte die durchschnittliche Stromnachfrage pro Haushalt um 7 % reduziert werden.

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Spanien – höhere Energieeffizienz

Elektrische Antriebe verbrauchten in der deutschen Industrie im Jahr 2010 etwa 85 TWh Strom. Die Energieeffizienz der derzeit eingesetzten Antriebssysteme könnte verbessert werden. Madrid setzt etwa für die Wasserversorgung drehzahlvariable Pumpen ein, nach zwei Jahren amortisierten sich die Kosten. Im Jahr 2020 könnte der industrielle Stromverbrauch in Deutschland um circa 6 TWh reduziert werden, wenn alle Antriebe ausgetauscht würden, deren Anschaffung sich nach maximal drei Jahren rechnet.

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In Deutschland wird das Potenzial neuer Antriebe in Industrieanlagen noch nicht ausgeschöpft, so die Studie. Das Umrüsten im laufenden Betrieb sei zum Teil schwierig, in manchen Betrieben gebe es nur wenig Transparenz bezüglich realisierbarer Einsparungen und bei längeren Amortisationszeiten fehlt häufig die Bereitschaft der Entscheider, Kapital zu binden. Hier könnten Ansätze wie das Energiespar-Contracting helfen: Die Investitionen werden von einem Dienstleister finanziert und über die erfolgten Einsparungen beglichen, die zwischen Dienstleister und Besitzer aufgeteilt werden. Ähnliche Ansätze sind auch bei energetischen Gebäudesanierungen möglich und erleichtern dort die Überwindung der Investitionsschwelle.

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Die Energiewende und der Sand im Getriebe
Der Netzausbau ist weit hinter dem Plan zurück. Die Betreiber der teuren Offshore-Windsparks in Nord- und Ostsee sind verärgert, dass es immer neue Verzögerungen gibt, beim Energiesparen gibt es kaum Fortschritte, die Debatte über die Ökostromförderung entwickelt sich zum Dauerbrenner - die Liste ließe sich fortsetzen. Die Regierung muss an zahlreichen Stellschrauben drehen, ein abgestimmtes Konzept ist in vielen Bereichen aber noch nicht erkennbar.
Der Ausbau der erneuerbaren Energie liegt nicht nur im Plan, er übertrifft sogar die Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2012 machte Ökostrom erstmals mehr als 25 Prozent am deutschen Strommix aus, insgesamt wurden knapp 68 Milliarden Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Die Windkraft hat mit 9,2 Prozent den größten Anteil, vor der Bioenergie mit 5,7 Prozent. Der Anteil der Solarenergie hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt und liegt nun mit 5,3 Prozent auf dem dritten Platz, vor der Wasserkraft mit vier Prozent.
Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teuer werden. Wenn mehr Ökostrom produziert wird, steigt auch die Umlage zur Förderung der Energie aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, die über den Strompreis gezahlt wird. Diese ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und liegt aktuell bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt rund 125 Euro Zusatzkosten pro Jahr. Der Aufschlag dürfte sich nun deutlich erhöhen. Spekuliert wird bereits über einen Anstieg auf 5,3 Cent zum Jahreswechsel, was die Kosten für einen Durchschnittshaushalt auf 185 Euro hochtreiben würde.
Das ist noch offen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnt immer wieder, dass hohe Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Er fordert deshalb eine Reform der Förderung. Die Regierung hat jedoch erst 2011 eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die Anfang 2012 in Kraft trat und bei der Solarförderung nochmals verändert wurde. Außerdem ist der Strompreis viel stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Umweltschützer halten mangelhaftes Energiesparen und pauschale Befreiungen für die stromintensive Industrie für die eigentlichen Preistreiber.
Neben dem Ausbau der Windkraftanlagen an Land gilt der Ausbau der Offshore-Windenergie, also der Windkraftanlagen im Meer, als wichtiger Pfeiler der Energiewende. Bis zum Jahr 2020 sollen vor den Küsten Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 10 000 Megawatt zur deutschen Stromerzeugung beitragen. Das sind ungefähr 2000 Windkraftwerke. Gegenwärtig arbeiten in der Nordsee aber erst 28 Anlagen mit 140 Megawatt Leistung. Dazu kommen noch 21 kleinere Windkraftwerke in der Ostsee - macht zusammen gerade einmal 180 bis 190 Megawatt.
Das größte Problem ist nach wie vor die Anbindung der Anlagen in Nord- und Ostsee an das Festlands-Stromnetz. Zudem reichen die Leitungen an Land nicht für den Weitertransport des Windstroms in den Süden Deutschlands. Die Stromerzeuger sehen wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss inzwischen die ganze Energiewende in Gefahr. Sie verlangen dringend Klarheit, wer dafür haftet, wenn die Windparks stehen, aber nicht ans Netz gehen können. Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) haben vorgeschlagen, dass die Verbraucher die Kosten für Verzögerungen über den Strompreis mittragen sollen. Rösler hofft auf eine endgültige Regelung noch im Sommer.
Für die Energiewende werden laut Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie. Die Netzbetreiber haben einen Entwurf für einen Netzentwicklungsplan vorgelegt, bis Mitte August soll eine zweite Version fertig sein. Die Bundesnetzagentur verlangt nun, der Ausbau müsse viel schneller gehen. Rösler fordert deshalb bereits, vorübergehend Umweltstandards außer Kraft zu setzen, so dass zum Beispiel bei Klagen gegen den Bau von Leitungen eine Gerichtsinstanz ausreicht.

So wird der Ertrag von Windkraftanlagen maßgeblich von der tatsächlichen Windleistung bestimmt. Grund für die eklatanten Mindererträge im Windpark Nordschwarzwald wie auch bei vielen anderen Windparks ist unter anderem die über Jahre systematische Überschätzung des Windertragspotenzials. Bis Ende 2011 rechnete die Branche mit dem sogenannten BDB-Index, der – wie sich später zeigte – gegenüber den tatsächlichen meteorologischen Verhältnissen deutlich überhöht war. Viele Parks konnten daher an ihren Standorten die Prognosen nie und nimmer erreichen. Der Index wurde daher von den BDB-Datenbankbetreibern in Abstimmung mit dem Windgutachterbeirat des Bundesverbandes Windenergie mehrmals nach unten korrigiert, zuletzt im Dezember 2011.

Auswirken konnte sich die Revision aber erst auf die neueren Anlagen. „Alle Beteiligten haben ihre Lektion gelernt. Gerade in den Mittelgebirgslagen haben sich die Prognosen erheblich verbessert“, sagt Joachim Binotsch, Geschäftsführer beim technischen Dienstleiter BBB Umwelttechnik in Gelsenkirchen.

Ein weiteres Problem, unter dem insbesondere die älteren Windräder leiden, sind hohe Wartungskosten. Denn die Rotoren drehen sich keineswegs störungsfrei. Die meisten Fonds mussten weitaus höhere Reparaturkosten stemmen als geplant. Der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand der Windräder ist bisweilen mehr als 50 Prozent höher als vorgesehen. Erst in jüngerer Zeit sinken die Kosten, weil die Windmühlenbauer inzwischen langfristige Wartungsverträge anbieten.

Überschätzung der unternehmerischen Fähigkeiten und Unterschätzung der technischen Herausforderungen zwangen dagegen den deutsch-russischen Investor Arngolt Bekker mit seiner Offshore-Windfirma Bard in Emden in die Knie. Deutschlands Pionier für Rotoren auf hoher See hatte rund 90 Kilometer nördlich der Insel Borkum mit Bard Offshore 1 zwar den ersten kommerziellen Meereswindpark in die Nordsee gesetzt, war mit diesem Vorzeigeprojekt jedoch gnadenlos überfordert.

Schwierige Löschung von Windrad-Bränden

Die schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein).

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Tiefflughöhe steigt

Die Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern.

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Dieselverbrauch durch Windräder

Viele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“.

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Stromschläge für Feuerwehrleute

Solarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen.

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Störende Schatten

Windräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt.

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Gestörte Navigation

Auf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren.

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Windrad-Lärm

Windräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird.

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Bard verkalkulierte sich völlig. Statt der geplanten zwei Milliarden Euro verschlang der geplante Park mit seinen 80 Windmühlen rund drei Milliarden Euro. Das Management bekam die technischen Probleme beim Verankern von Fundamenten in 40 Meter Wassertiefe und den Transport von Turbinen über fast 100 Kilometer auf offener See nicht in den Griff. Stürme und schlechtes Wetter, eigentlich nichts Ungewöhnliches draußen auf dem Meer, verzögerten den Bau zusätzlich.

Ausgeblutete Parks

Auch die Vermarktung misslang bei Bard 1. Bekker fand keinen Käufer für den Windpark. Die Pläne, weitere Offshore-Parks zu errichten und dann weiterzuverkaufen, scheiterten ebenfalls. Nun sollen die Bard-Gesellschaften in Emden und Bremen bis Mitte 2014 stillgelegt werden. Rund 300 Mitarbeitern droht die Kündigung.

Steht Abzocke bei den Anlegern im Vordergrund, stehen die Chancen für den wirtschaftlichen Erfolg von Windparks besonders schlecht. „Anbieter rechnen ihre Erträge schön und genehmigen sich für ihre Dienstleistungen kräftige Vergütungen“, sagt Christian Herz, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Ökofair mit Sitz in Berlin und Mettmann bei Düsseldorf, der seit 2007 das Management von Windparks anbietet.

Energiewende

Grünstrom vom Meer

Die 15 aussichtsreichsten Windparkprojekte vor Deutschlands Küsten.

So stellen Fondsgesellschaften Kosten für Serviceverträge in Rechnung, obwohl die Gewährleistung der Anlagenbauer noch greift. Grundstücke werden billig eingekauft, aber teuer an die Fondsgesellschaft verpachtet. Manager gewähren sich Zusatzvergütungen für normale Geschäftsführertätigkeiten, oder es fließen Kick-back-Zahlungen bei der Auftragsvergabe, die den Gewinn für alle beteiligten Unternehmen erhöhen, nur nicht für die Anleger. So kommen locker Zusatzkosten in Höhe von 5 bis 30 Prozent zustande, die die Rendite wegfressen beziehungsweise den Windparkbetrieb finanziell ausbluten.

Damit reihen sich viele Windfonds bei hochspekulativen Schiffs-, Film- oder Immobilienfonds ein, die schon Milliarden Euro Anlegerkapital vernichtet haben. „Wer in Windparks investieren will“, rät Herz deshalb, „sollte dies nicht bei den großen Emissionshäusern tun, sondern in Bürgerwindparks oder Genossenschaften einsteigen.“

Anders stellt sich die Lage bei den Solarparks dar. Zwar ist der Niedergang der deutschen Solarmodulhersteller, die verwöhnt von der großzügigen Einspeisevergütung den Wettbewerb aus China verschliefen, mittlerweile Legende. Zudem gelten Solarparks wirtschaftlich als stabiler, weil die Technik simpler ist.

Politischer Todesstoss

Doch auch die Jünger der Sonne sind nicht vor unternehmerischen Fehlschlägen gefeit. Das zeigt der Fall des Freiburger Solarkraftwerksbauers S.A.G. Solarstrom, der im Dezember Insolvenz anmelden musste. Die Situation bei den Breisgauern hatte sich seit Herbst dramatisch verschlechtert, weil sie nicht für genügend Liquidität und ausreichend Eigenkapital gesorgt hatten. Mittelzuflüsse aus dem Verkauf mehrerer Solarparks in Deutschland und Italien waren für November und Dezember fest eingeplant – kamen aber nicht. Und die Banken weigerten sich, die Löcher zu stopfen. Insgesamt fehlte eine Summe von über 20 Millionen Euro

Ein Opfer politischer Beschlüsse wurde der Solarkraftwerksbauer Gehrlicher Solar im bayrischen Dornach. Vorstandschef Klaus Gehrlicher musste im Herbst Insolvenz anmelden, als die Banken einen Kredit in Höhe von mehr als 85 Millionen Euro fällig stellten. Für Gehrlicher war das gleichbedeutend mit dem Aus, weil sich zur gleichen Zeit ein entscheidender Punkt im Geschäftsmodell geändert hatte: Die EU hatte Strafzölle auf Solarmodule aus China eingeführt, die Gehrlicher verbaute.

„Durch die Einführung der Strafzölle auf chinesische Module und die daraus resultierende Verschlechterung der Marktbedingungen in Europa“, teilte das Unternehmen offiziell mit, sei es nun nicht mehr in der Lage, den Kreditvertrag zu erfüllen.

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