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Inflation in der Euro-ZoneNur noch 2,3 Prozent Inflation im Euroraum

Eurostat korrigierte frühere Schätzungen zur Inflation nach unten. Auch im Dienstleistungsbereich ebbt die Verteuerung leicht ab. 19.03.2025 - 13:28 Uhr
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main Foto: Boris Roessler/dpa

Die Inflation in der Euro-Zone flaut etwas stärker ab als ursprünglich erwartet. Im Februar nahmen die Verbraucherpreise in der 20-Länder-Gemeinschaft nur noch um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Es korrigierte damit eine frühere Schätzung von 2,4 Prozent nach unten. Im Januar hatte die Teuerungsrate noch bei 2,5 Prozent gelegen. Der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit Mitte 2024 einen Lockerungskurs verfolgt und seitdem schon sechsmal die Zinsen gesenkt hat, kommt die Entwicklung gelegen. Sie strebt 2,0 Prozent Inflation als Idealwert für die Euro-Zone an, was mit den revidierten Zahlen jetzt noch näher gerückt ist.

„Unter normalen Umständen wäre eine Inflationsrate von 2,3 Prozent für die EZB ausreichend, um angesichts des schwachen Wachstums am Zinssenkungskurs ohne Weiteres festzuhalten“, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. Das Niveau der Unsicherheit sei jedoch ungewöhnlich hoch, sodass einige EZB-Mitglieder Zweifel angemeldet hätten, ob man einfach so weitermachen könne. „Gut möglich, dass die EZB-Gangart sich von nun an deutlich verlangsamt“, meint der Experte. Am Finanzmarkt wird aktuell die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung im April mit rund 60 Prozent taxiert.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Die Revision der ersten Inflationsschätzung hatte sich abgezeichnet, nachdem bereits in Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euroraum, die nach einheitlichen europäischen Standards berechnete Teuerungsrate für Februar von 2,8 auf 2,6 Prozent nach unten korrigiert worden war. Die höchste Inflation unter den Euro-Ländern wies Estland mit einer Rate von 5,1 Prozent auf, die niedrigste Frankreich mit 0,9 Prozent.

PREISSCHUB BEI DIENSTLEISTUNGEN EBBT LEICHT AB

Dienstleistungen, die zuletzt die Inflation besonders anheizten, verteuerten sich im Februar nicht mehr ganz so stark wie noch im Januar. Deren Preise stiegen um 3,7 Prozent nach 3,9 Prozent im Januar. Die Energiepreise nahmen nur noch um 0,2 Prozent zu nach einem Anstieg von 1,9 Prozent im Januar. Lebensmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich um 2,7 Prozent nach zuletzt 2,3 Prozent. Die Kerninflation, bei der die schwankungsreichen Preise für Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausgeklammert werden, schwächte sich leicht auf 2,6 Prozent ab von zuvor 2,7 Prozent. Die EZB verfolgt dieses Inflationsmaß genau, da es ihr wichtige Anhaltspunkte liefert für die zugrunde liegenden Inflationstrends.

Die Euro-Notenbank wird auf ihrer Sitzung am 17. April wieder über die Zinsen entscheiden. Bis dahin werden ihr auch die Daten zur Inflationsentwicklung im März vorliegen. Der EZB macht momentan die gestiegene Unsicherheit im internationalen Handel zu schaffen, ausgelöst durch die schwer berechenbare Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte sich daher nach der jüngsten Zinssitzung im März bei Aussagen zum künftigen Kurs zurückgehalten und bekräftigt, die Notenbank werde datenabhängig vorgehen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Mit Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann war kürzlich ein erster Euro-Wächter vorgeprescht, der eine Zinspause im April für sinnvoll hält.

rtr
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