US-Finanzinvestor: Zolleskalation hat Blackrock-Chef Larry Fink aus der Bahn geworfen
Die von US-Präsident Donald Trump vergangene Woche gegen viele Länder verhängten Strafzölle hatten Larry Fink, Chef des US-Vermögensverwalters Blackrock, überrascht.
„Die weitreichenden US-Zollankündigungen haben alles übertroffen, was ich mir in meinen 49 Jahren in der Finanzbranche hätte vorstellen können“, sagte Fink am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Anfang April hatte der US-Präsident die höchsten Zölle seit einem Jahrhundert verkündet und damit weltweit einen Ausverkauf an den Märkten ausgelöst. Am 3. und 4. April verzeichnete der S&P 500 Index den stärksten zweitägigen Einbruch seit dem Ausbruch der Pandemie im März 2020.
„Hier geht es nicht um ‚Wall Street‘ gegen ‚Main Street‘“, sagte Fink. Die Redewendung meint in der Regel, dass es entgegengesetzte Interessen zwischen den großen Finanzinstitutionen in New York (Wall Street) und den Bedürfnissen des ländlichen Amerikas (Main Street) gibt. Doch die Börsenentwicklung treffe eben nicht nur Großinvestoren. „Der Marktabschwung wirkt sich auf die Altersvorsorge von Millionen von Menschen aus.“
Die USA stünden entweder kurz vor einer Rezession oder befänden sich bereits in einer solchen, ergänzte Fink in einem Fernsehinterview. Die Reaktion der Kurse zehnjähriger US-Staatsanleihen auf Trumps Zölle habe ihn schockiert.
Trump hatte am Mittwoch einen teilweisen Rückzieher gemacht und eine 90-tägige Pause der „reziproken“ Zölle für Dutzende Länder verkündet. Stattdessen gelten für die meisten Länder pauschal zehn Prozent Zoll. China sieht sich indes weiter mit einem horrenden Zoll von mittlerweile 145 Prozent konfrontiert.
Kurzfristig dominieren laut Fink Inflationsdruck und Ängste die Kundengespräche. Die Anleger haben bei BlackRock im April ein Allzeithoch von etwa 950 Milliarden Dollar auf täglich verfügbaren Konten angelegt, das in Aktien, Anleihen oder andere Dinge investiert werden könne, so Fink.
„Auf kurze Sicht ist unsere Wirtschaft gefährdet“, sagte Fink. Künstliche Intelligenz und die steigende Nachfrage nach Infrastruktur böten aber „transformative Investitionsmöglichkeiten“.
Fink stellte auch in Aussicht, dass Anleger in Zukunft mehr Geld in Europa anlegen könnten.
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