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Riedls Dax-RadarDrei Krisen entscheiden über das Schicksal der Börsen

Mit extremen Kursschwankungen geht es in die nächste Runde im Kampf um den Trend. Der Dax steht dabei vor tiefgreifenden Problemen – und der Hoffnung auf die Notenbank. Eine Kolumne.Anton Riedl 11.04.2025 - 12:43 Uhr
Crash, Dollar und Rohstoffe: Die tiefe Vertrauenskrise an den Märkten Foto: Imago Images

Mit einem atemberaubenden Kursfeuerwerk haben die Aktienmärkte die Nachricht quittiert, dass Donald Trump bei seiner Zollpolitik erst einmal einen Rückzieher macht. Die sich schon vorher anbahnende Stabilisierung an den Börsen wurde damit enorm beschleunigt, in Dow Jones und Nasdaq überschlugen sich die Gewinne. Der Dax, einen Tag zuvor noch bis auf 18.800 Punkte durchgerutscht, katapultierte sich in wenigen Stunden auf bis zu 21.500 Zählern. Die Hoffnung auf eine V-Erholung macht die Runde: Dass, ähnlich wie im Coronacrash 2020, die Verluste an den Börsen so schnell wieder aufgeholt werden könnten, wie sie entstanden sind.

Indes, was sich derzeit an den Finanzmärkten abspielt, sieht nicht einfach nur wie ein Unfall der Aktienindizes aus. Massive Verwerfungen zeichnen sich ab, deren Folgen erheblich sein können. Im Kern geht es dabei um drei Krisenfelder.

Erstes Problem: Die Weltwährung Dollar stürzt ab. In nur etwas mehr als einem Tag ist der Dollarindex DXY, in dem der Greenback gegenüber den wichtigen Weltwährungen berechnet wird, um drei Prozent absackt. Mit einem Stand von 100 Punkten hat der DXY wieder das Tiefstniveau der Jahre 2023 bis 2024 erreicht. Eine kurze Erholung von hier aus ist gut möglich. Doch sollte dieser Dreh scheitern, könnte der Dollar schnell bis auf das nächste Tiefenniveau durchsacken, das 2021 bei 90 Punkten lag. Ein solcher Kollaps hätte empfindliche Rückwirkungen auf das Weltfinanzsystem. Die hohe Stärke, die der Euro gegenüber der US-Währung hat, signalisiert für die nächsten Wochen keine Erholung des Greenbacks. Die Krisenwährung Schweizer Franken ist gegenüber dem Dollar mittlerweile sogar auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen.

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Zweites Problem: Der US-Anleihemarkt droht zu kippen. Noch in der ersten Reaktion auf den Aktiencrash sah es so aus, als ob US-Staatsanleihen die großen Gewinner der Börsenturbulenzen seien. Mit dem Rutsch der Renditen unter die jüngsten mittelfristigen Tiefs bei 4,15 Prozent ging es auch zunächst planmäßig bis auf 3,90 Prozent nach unten. Nächstes Ziel wäre das Tief bei 3,60 Prozent gewesen. Doch der Vertrauensverlust nach Trumps Zollpolitik, vor allem der Streit mit dem großen Rivalen China, setzt die Kurse von US-Anleihen so massiv unter Druck, dass die Renditen aus dem Stand auf bisher 4,5 Prozent nach oben gedreht haben. Die enorme Abwärtsdynamik der Anleihekurse, die durch Zollkrieg und Dollar-Schwäche intensiviert wird, hat mittlerweile den seit Januar bestehenden Erholungstrend der Bonds beendet. Ein Anstieg der Renditen auf bis zu 4,8 Prozent ist kurzfristig gut möglich. Und sollten die Renditen mittelfristig über das 2023er-Hoch bei 5,0 Prozent hinausklettern, könnte dies eine neue Phase des Zinsanstiegs einleiten – ähnlich wie in dem für die Finanzwirtschaft sehr kritischen Jahr 2022.

Drittes Problem: Die Rohstoffmärkte signalisieren ernste Konjunkturgefahren. Mit einem Rückgang von 75 Dollar auf 58 Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent in nicht einmal zwei Wochen kam es am Ölmarkt zu einem gefährlichen Verkaufssignal. Erstmals seit vier Jahren wurde die wichtige Preisuntergrenze bei 70 Dollar verletzt. Gleichzeitig verlor der Preis für Kupfer binnen weniger Tage fast ein Fünftel seines Werts. Aluminium und Eisenerz stehen ebenso unter Druck wie die Rohstoffwährung Australdollar. Selbst Silber, Edel- und Industriemetall zugleich, hält sich nur mühsam. Allein das Krisenmetall Gold zieht in einer ungebrochenen Hausse nach oben. Dieser Mix signalisiert: Konjunktur kritisch, Krise akut.

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Selbst Apple und Microsoft geraten unter Druck

Die Mischung aus globalen Währungsturbulenzen, Krise am US-Anleihemarkt und einem möglichen Abrutschen der fragilen Konjunktur birgt für die Aktienmärkte enorme Gefahren. Die Schwäche bisheriger Topwerte zeigt dies unmissverständlich: Selbst die Aktien von Apple und Microsoft, die erfolgreichsten Cashmaschinen weltweit, erleiden die größten Kursverluste seit Corona. Die Notierungen beider Aktien haben umfangreiche obere Top-Bildungen abgeschlossen. So etwas lässt sich nicht in einigen Tagen wieder ausbügeln.

Vor allem die ungewohnte Schwäche von Apple zeigt, wie wichtig für das Unternehmen nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Herstellung seines Kernprodukts iPhone die globale Arbeitsteilung ist, die mit Trumps Zollpolitik fundamental infrage gestellt wird. Ob in den USA Nike oder Deckers Outdoor, im Dax Adidas oder Volkswagen – Unternehmen, die bei Absatz und Produktion auf globale Arbeitsteilung und Märkte angewiesen sind, sind die großen Verlierer dieser Mehrfachkrise.

Wichtige Unterstützung für die Börsen kommt jetzt von der EZB

Am 17. April steht die nächste Sitzung der Europäischen Notenbank (EZB) auf dem Plan. Wegen der hohen Konjunkturunsicherheit und dem Aufwertungsdruck für den Euro sind von da an mehrere Zinssenkungen wahrscheinlich. Die Renditen für Bundesanleihen, die im Gegensatz zu den US-Renditen seit Anfang März weiter rückläufig sind, deuten dies schon an. Für die Aktienmärkte in Europa wäre dies eine wichtige Unterstützung.

Dennoch zeigt gerade der jüngste, tiefe Fall des Europa-Index Euro Stoxx 50, der im Zoll-Crash wie ein Stein unter die entscheidende Zone um 5100 Punkte gekracht ist, wie angeschlagen nun auch die europäischen Aktienmärkte jetzt sind: Die gesamte Rally von Dezember bis Februar, in der die europäischen Börsen ihre stärkste Performance seit Jahren geliefert haben, hat sich durch den Rutsch unter 5100 in Luft aufgelöst.

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Um an das alte, positive Szenario vom europäischen Eigenleben wieder anzuknüpfen, müsste der Euro Stoxx binnen weniger Tage wieder über 5100 Punkte kommen, dieses Terrain dann in einem Rücksetzer verteidigen, um dann die bisherigen Höhen anzulaufen und zu übertreffen. Selbst bei mächtiger Flankierung durch die EZB dürfte ein solcher Kraftakt schwer werden.

Der Dax profitiert von der Aussicht auf enorme Investitionen

Der massive Anstieg des Angstbarometers VDax, der Run auf Gold und Schweizer Franken, die Turbulenzen im Dollar, bei US-Anleihen und die Schwächesignale von Top-Unternehmen wie Apple und Microsoft sprechen dafür, dass es sich bei den aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten nicht nur um eine Korrektur, sondern um einen tiefgreifenden Einschnitt handelt.

Von den 40 Aktien im Dax verlaufen bei 24 Einzelwerten die aktuellen Kurse zum Teil weit unter ihrer jeweiligen 200-Tagelinie. Das ist ein Zeichen einer tiefgehenden Marktschwäche. Auf der anderen Seite gibt es 16 Einzelwerte, die sich trotz Krise relativ gut halten:

Das sind zunächst die Finanzwerte Allianz, Münchener Rück, Hannover Rück, Deutsche Bank und Commerzbank sowie die Deutsche Börse AG. Sie profitieren von der Nachfrage nach Absicherung, von den in den vergangenen Jahren aufgebauten finanziellen Reserven, sowie von den Chancen, die sich durch die umfangreichen Investitionsvorhaben in Europa ergeben.

Die Hoffnung darauf schlägt sich ebenfalls in stabilen Kursen der Energiewerte (E.On, RWE, Siemens Energy), der Deutschen Telekom, Heidelberg Materials und natürlich bei Rüster Rheinmetall nieder. Fresenius und FMC sind klassische Defensivwerte, die wenig mit der allgemeinen Konjunktur zu tun haben; Zalando profitiert von einem Konzernumbauprogramm. Insgesamt führt die relative Stabilität dieser 16 Aktien dazu, dass der Dax trotz globaler Turbulenzen zu den stärksten Indizes weltweit gehört.

Fazit für den Dax: Im weiten Bereich der Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage, die derzeit bei knapp 20.000 Punkten verläuft, kam es zur ersten Stabilisierung. Vor allem die Aussicht auf Zinssenkungen der EZB könnte die Kurse dabei wieder auf über 21.000 hinaus beflügeln. Dass die Aktienmärkte den Krisenmix aus Dollar-Schwäche, Bondabsturz und vager Konjunktur nach einer Woche schwacher Kurse aber schon abgearbeitet haben, ist wenig wahrscheinlich.

So wie der Dax im März mehrmals seine Höhen anlief, um dann erst nach unten zu drehen, dürfte auch jetzt bei der Stabilisierung ein mehrmaliger Test der Tiefen notwendig sein. Im positiven Fall könnte dies noch einmal im Bereich 19.000 bis 20.000 Punkten stattfinden. Gelingt das nicht, könnte es zum Test des seit 2020 bestehenden Aufwärtstrends kommen. Der wird im Mai bei gut 17.000 Punkten verlaufen.

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