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Handelsstreit„Vorzieheffekt“ im Zollkrieg: Chinas Exporte steigen im März kräftig an

Kurz vor der Eskalation im Handelsstreit mit den USA sind die chinesischen Ausfuhren noch einmal deutlich gestiegen. Dafür gibt es einen plausiblen Grund. 14.04.2025 - 12:32 Uhr
Lastwagen stehen vor einem Containerterminal in der ostchinesischen Provinz Jiangsu Schlange. Foto: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa

Vor der Eskalation im Handelskrieg haben die chinesischen Exporteure ihre Lieferungen in alle Welt stark gesteigert. Die Ausfuhr von Waren wuchs im März um 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Zollbehörde in Peking am Montag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 4,4 Prozent gerechnet. Schon seit einigen Monaten haben Vorzieheffekte wegen des sich bereits damals abzeichnenden Zoll-Konflikts mit den USA die chinesischen Exporte kräftig angeschoben. Zum Vergleich: Im Zeitraum Januar/Februar – der wegen des chinesischen Neujahresfestes zusammen ausgewiesen wird – gab es lediglich ein Plus von 2,3 Prozent.

„Der März dürfte für viele Firmen der finale Aufruf gewesen sein, sich vor der erwarteten US-Zolleskalation noch mit chinesischen Gütern einzudecken“, erklärte Analyst Sandro Pannagl von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das große Exportplus. Die Exporte verzeichneten in fast allen Regionen der Welt hohe einstellige bis niedrige zweistellige Wachstumsraten. „Das Vorziehen von Exporten blieb stark – stärker als wir erwartet hatten“, sagte auch Analyst Xu Tianchen von Economist Intelligence. US-Präsident Donald Trump hat am 4. Februar einen Sonderzoll von zehn Prozent auf alle Lieferungen aus der Volksrepublik erhoben, der im März um weitere zehn Prozent erhöht wurde.

Das kräftige Exportwachstum im März lässt darauf schließen, dass chinesische Unternehmen diese Zölle verkraften konnten. Zudem deuten Daten darauf hin, dass Waren womöglich in Südostasien umgeladen wurden, um den Zöllen zu entgehen. Im April hat Trump den Zoll auf chinesische Waren schließlich bis auf 145 Prozent heraufgesetzt, worauf China mit Zöllen von 125 Prozent auf US-Waren reagierte.

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Dass die chinesischen Exporte in die USA im vergangenen Monat dennoch um neun Prozent gewachsen seien, zeigt Pannagl zufolge die Probleme von Trumps abrupter Handelspolitik. „Denn in vielen Fällen gibt es zu den aus China importierten Produkten kurzfristig keine beziehungsweise keine preislich akzeptablen Alternativen“, sagte der LBBW-Experte.

Chinas Importe sanken im März um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Rückgang fiel damit mehr als doppelt so stark aus wie von Ökonomen vorausgesagt. Schon zu Jahresbeginn waren die Einfuhren um 8,4 Prozent gefallen.

„Anweisungen an Importeure“

Die Rohstoffimporte aus den USA könnten bereits durch den Handelsstreit der beiden weltgrößten Volkswirtschaften beeinträchtigt worden sein. Die gesamten Sojabohnenimporte brachen im März um 36,8 Prozent ein. Damit fiel die Menge für einen März so niedrig aus wie seit 2008 nicht mehr. „Das liegt wohl daran, dass die staatlichen Importeure bereits die Anweisung erhalten haben, die Einfuhren einzustellen“, sagte Ökonom Xu mit Blick auf das US-Geschäft.

Chinas Handelsüberschuss summierte sich im März auf 102,64 Milliarden Dollar. Allein mit den USA wurde im ersten Quartal ein Überschuss von 76,6 Milliarden Dollar erzielt, nach 70,2 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Trump hat seine Zollpolitik immer wieder mit Verweis auf das hohe Handelsdefizit seines Landes erklärt.

Die Welthandelsorganisation (WTO) warnte, der Handelsstreit zwischen China und den USA könne den Warenverkehr zwischen Staaten um bis zu 80 Prozent einschränken und das globale Wachstum stark beeinträchtigen. Die US-Großbank Goldman Sachs senkte vorige Woche ihre Prognosen für das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 4,5 Prozent auf 4,0 Prozent. Die chinesische Regierung strebt ein Wachstum von rund fünf Prozent an.

rtr
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