Auswirkungen der Zölle in China: Vermiest Trump den Chinesen die Freude am Essen?
Was haben amerikanisches Soja, chinesische Viehhalter und die traditionelle Küche Ostasiens gemeinsam? Ein Problem: den chinesisch-amerikanischen Zollkrieg. Während die Zollquoten beider Länder immer neue zuvor undenkbare Höhen erklimmen, könnten die Folgen bis auf den Esstisch vieler Chinesinnen und Chinesen durchschlagen.
Um das zu verstehen sollte man zunächst einen Blick in die Speisekarte eines einfachen chinesischen Restaurants oder eines traditionellen Kochbuchs werfen. Viele Gerichte enthalten Fleisch, oftmals Schweinefleisch. Daten der deutschen Außenhandelsagentur GTAI zufolge lag der Fleischkonsum pro Kopf in China 2022 bei 35 Kilogramm. Zwar liegt das Land damit noch hinter Deutschland mit 52 Kilogramm, bis 2026 soll diese Lücke aber geschlossen sein. Hochgerechnet auf das Milliardenvolk ist der Verbrauch auch jetzt bereits gigantisch: Er beläuft sich den Daten zufolge auf ein Drittel des weltweiten Konsums.
Während Rindfleisch zu einem großen Teil importiert wird, kommt das Schweinefleisch vorwiegend aus dem Land selbst. Insgesamt waren 2022 laut GTAI mehr als 500.000 Unternehmen in der Fleischindustrie Chinas tätig. Und nun wird es interessant: Als Futtermittel dient dort hauptsächlich Soja, unter anderem aus den USA. Laut dem amerikanischen Verband der Sojabauern (ASA) ist China der größte Absatzmarkt. Die effektive Zollrate lag ihren Berechnungen zufolge bereits am Mittwoch deutlich über 100 Prozent.
Welche Auswirkungen sind nun möglich? Aus Sicht des ING-Marktanalysten Lynn Song ist ein Dominoeffekt vom Tierfutter auf die Fleischproduktion und schlussendlich die Endkundenpreise für Schweinefleisch nicht ausgeschlossen. Dies hänge jedoch von mehreren Faktoren ab: „Zu berücksichtigen sind unter anderem die Dauer der Zölle, die Frage, ob die Landwirte auf andere landwirtschaftliche Erzeugnisse als Futtermittel umsteigen, Chinas eigene Produktion und strategische Reserven sowie die Verfügbarkeit alternativer Sojabohnenimporte, beispielsweise aus Brasilien.“
Blickt man in die jüngere Vergangenheit, gibt es jedoch ein warnendes Beispiel. Zwischen 2018 und 2020 – also während Trumps erster Amtszeit – gab es einen enormen Preisanstieg sowohl bei Soja- als auch Schweinefleisch. Auch hier hatte Trump die Zölle zwischen 2018 und 2019 fast verdoppelt. Song zufolge könnte das sowohl auf die Zölle als auch die Auswirkungen des Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest zurückzuführen sein. Er tippt auf Letzteres.
Schlussendlich könnte man aus Sicht des Analysten heute bisher nicht mit Sicherheit sagen, was passieren wird. Aufgrund des langen Verarbeitungswegs in der Fleischindustrie geht er aber ohnehin davon aus, dass die Chinesinnen und Chinesen einen Preisschock erst Ende 2026 oder gar Anfang 2027 tatsächlich auf dem Teller zu spüren bekommen würden: „Hoffentlich halten die Zölle nicht so lange an.“
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