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BayerJobabbau im Agrargeschäft – von der Zukunftshoffnung zum Problemfall

Es ist eine Zäsur: Erstmals schließt Bayer einen deutschen Standort. Weltweit könnten weitere Maßnahmen folgen – auch beim Unkrautvernichter Glyphosat.Jürgen Salz 13.05.2025 - 11:35 Uhr
Der Unkrautvernichter Glyphosat steht in der Kritik. Doch die Prozesse in den USA sind nicht das einzige Problem von Bayer. Foto: dpa

Hunderte Arbeitsplätze in Frankfurt und Dormagen – dort, wo Bayer Anlagen zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln betreibt – werden bis Ende 2028 künftig wegfallen. Der Standort Frankfurt mit 500 Arbeitsplätzen soll ganz geschlossen, einige Teile verkauft werden.  Erstmals schließt Bayer damit ein Werk in Deutschland.

Damit nicht genug: In der Agrarsparte, die etwa die Hälfte des Bayer-Konzernumsatzes ausmacht, dürften weltweit noch weitere Einschnitte bevorstehen. Das Geschäft, auf das die Leverkusener einst – mit dem Zukauf des US-Konzerns Monsanto – so große Zukunftshoffnungen setzten, schwächelt seit Jahren. Im ersten Quartal 2025 ging der Agrar-Umsatz um drei Prozent zurück, das Betriebsergebnis (Ebitda) reduzierte sich um mehr als zwanzig Prozent.

Anderswo läuft es besser

Zwar leiden auch andere Unternehmen wie die chinesisch-schweizerische Syngenta oder Corteva aus den USA unter der schwachen Nachfrage aus der Landwirtschaft oder der zunehmenden Billig-Konkurrenz aus Asien. Allerdings sind bei Syngenta – im Gegensatz zu Bayer – bereits Erholungstendenzen sichtbar: Dort legte das Betriebsergebnis (Ebitda) im ersten Quartal um 18 Prozent zu. Bei Bayer kommen noch einige spezifische Probleme hinzu: Die US-Zulassung für das Pflanzenschutzmittels Dicamba ruht, da der Wirkstoff auch Nachbarbestände befällt. Bei Movento gegen Insektenbefall ist die Genehmigung ausgelaufen.

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Dagegen hat Bayer für sein Agrargeschäft einen Fünf-Jahres Plan zur Steigerung der Produktivität aufgestellt: Bis 2029 strebt Bayer ein „über dem Markt liegendes Wachstum“ im Agrargeschäft an – mit einer Umsatzsteigerung von mehr als 3,5 Milliarden Euro durch Innovationen. CEO Bill Anderson kündigte vor Wochen bereits „Maßnahmen bei Produktportfolio sowie Forschung und Entwicklung, Produktion, Vertrieb und globalen Funktionen“ an.

Bayer denkt inzwischen sogar darüber nach, seinen Unkrautvernichter Glyphosat in den USA vom Markt zu nehmen – vor allem, um den bereits jahrelangen Rechtsstreit in den USA zu beenden, der Bayer bereits viele Milliarden für juristische Vergleiche gekostet hat. Zudem leidet auch Glyphosat unter schwacher Nachfrage und zunehmender Billigkonkurrenz.

„Eine Zäsur in der 162-jährigen Geschichte“

Die erste Maßnahme aus dem Fünf-Jahres-Plan, der Abbau von Arbeitsplätzen in Frankfurt und Dormagen, wird von Arbeitnehmervertretern heftig kritisiert. Aus Sicht von Heike Hausfeld, Vorsitzende des Bayer-Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, steht die Schließung dem gemeinsamen Bekenntnis von Unternehmensleitung und Arbeitnehmern entgegen, den Heimatstandort Deutschland zu stärken. Francesco Grioli, Mitglied im Vorstand der Chemie-Gewerkschaft IG BCE und ebenfalls Bayer-Aufsichtsrat, kritisierte: „Diese Schließungspläne sind eine Zäsur in der 162-jährigen Konzerngeschichte und stehen im Widerspruch zum erklärten Bayer-Bekenntnis zum Heimatstandort Deutschland. Hier soll ein moderner, zukunftsfähiger Standort abgewickelt werden – und das, obwohl er gerade erst bedeutende Aufträge akquiriert hat und mit seinen Forschungsergebnissen maßgeblich zum nachhaltigen Unternehmenserfolg beiträgt. Das ist inakzeptabel.“

Immerhin konnten die anderen Bereiche, Pharma und rezeptfreie Arzneimittel, im ersten Quartal etwas mehr Freude vermitteln als das Agrargeschäft. Insgesamt fiel die Bayer-Bilanz für das erste Quartal 2025 jedoch eher ernüchternd aus: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stagnierte der Umsatz bei 13,7 Milliarden Euro; das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen sank um sieben Prozent auf etwa vier Milliarden Euro. Die Aktie legte im frühen Handel um etwa zehn Prozent zu, da die Gewinne über den Erwartungen lagen.

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