Versicherungsvergleich: Der beste Schutz bei Berufsunfähigkeit
Psychische Leiden wie Burn-out oder Depressionen, schwere Unfälle, Krebs, aber auch Rückenleiden, Arthrose und Gelenkprobleme – es kann jeden treffen. Die Statistik ist erschreckend: Jeder Vierte wird im Laufe des Arbeitslebens mindestens einmal berufsunfähig. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Wenn das Gehalt ausbleibt, weil gesundheitlich nichts mehr geht, wird es finanziell oft eng. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet Schutz.
Berufsunfähig zu sein bedeutet, dass der oder die Versicherte den Beruf mindestens zu 50 Prozent nicht mehr ausüben kann – und das voraussichtlich mindestens sechs Monate lang. Genau da springt die Versicherung ein und zahlt die vereinbarte monatliche Rente bis zum versicherten Endalter. Experten sind sich einig, dass sie zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt gehört. „Grundsätzlich ist eine BU für jeden sinnvoll, der den Verlust seiner Arbeitskraft durch Krankheit absichern möchte, also für jeden, bei dem die Arbeitskraft der finanzielle Motor ist“, betont Sandra Klug, Abteilungsleiterin Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Hamburg.
Es ergibt durchaus Sinn, schon sehr früh über eine solche Police nachzudenken. „Schon für Schüler und Auszubildende kann eine Absicherung sinnvoll sein“, so Klug. Meistens gelte: je jünger, desto gesünder der Mensch und günstiger die Versicherung. „Auch wenn geplant ist, einen risikoreichen Beruf zu ergreifen, der nicht oder nur schwer versicherbar ist, ist eine frühzeitige Absicherung sinnvoll.“
Die besten Tarife für drei Musterfälle
Welche Policen bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und was kostet ein sehr guter Versicherungsschutz? Einen Überblick liefert das exklusive Ranking des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) und der WirtschaftsWoche. Analysiert wurden drei Musterfälle: Ein 22-jähriger Student mit einem jährlichen Einkommen von 12.000 Euro versichert eine Rente von 1.000 Euro. Ebenso hoch ist die versicherte Rente, für die sich ein 18-jähriger Schüler entscheidet. Ein 45-jähriger Manager mit einem Jahresgehalt von 250.000 Euro versichert eine monatliche Rente von 5.000 Euro.
In den Musterfällen wurde die Berufsunfähigkeitsversicherung mit und ohne Arbeitsunfähigkeitsklausel berechnet. Diese Klausel bedeutet eine große Erleichterung bei der Beweislast. Ist der Versicherte von einem Facharzt seit sechs Monaten krankgeschrieben, zahlt der Versicherer grundsätzlich ohne eigene Prüfung – und das je nach Police für 18 bis 36 Monate. Parallel dazu kann die Prüfung der Berufsunfähigkeit laufen. Ohne diese Klausel muss die Berufsunfähigkeit erst geprüft werden, vorher fließt kein Geld. Etwa drei Monate dauert das Beschaffen und Prüfen der Unterlagen, so der Gesamtverband der Versicherer (GDV).
Günstige Beiträge für Schüler und Studenten
Der Student kann zwischen 19 sehr guten Policen ohne Arbeitsunfähigkeitsklausel wählen. Am besten schneidet die Baloise ab, hier liegt der monatliche Beitrag bei 27,58 Euro. Etwas teurer ist die zweitplatzierte R+V mit 28,55 Euro. Auf den Plätzen folgen Allianz, Axa, DBV und LV 1871. Entscheidet er sich für eine Versicherung mit Arbeitsunfähigkeitsklausel, hat er 16 Versicherungen zur Auswahl. Die Beiträge sind dann etwas höher als ohne die Klausel. Die Top-Police kommt ebenfalls aus dem Hause Baloise und hat einen monatlichen Beitrag von 29,49 Euro.
Der Schüler kann zwischen 21 ausgezeichneten Policen ohne Arbeitsunfähigkeitsklausel und 19 sehr guten Policen mit dieser Klausel auswählen. Die besten Versicherungen kommen jeweils von LV 1871 und Baloise. Für Studenten und Schüler ist die Police aufgrund ihres Alters und der geringeren Rente vergleichsweise günstig.
Der Manager hat die Wahl zwischen 20 ausgezeichneten Tarifen ohne Arbeitsunfähigkeitsklausel. Am besten schneidet die R+V ab, gefolgt von Allianz, LV 1871, AKS Flex Swiss Life, Axa, Baloise, Condor, DBV und Gothaer. Der monatliche Zahlbetrag liegt bei der R+V bei 189,16 Euro. Mit 308,15 Euro sind die Axa und die DBV am teuersten der ausgezeichneten Policen. Besonders günstig mit Beiträgen von knapp über 160 Euro sind AKS Flex Swiss Life, KlinikRente Swiss Life, MetallRente Swiss Life und Swiss Life. Entscheidet der 45-Jährige sich für eine Police mit Arbeitsunfähigkeitsklausel, kann er aus 13 ausgezeichneten Versicherungen auswählen. Am besten schneiden Allianz, LV 1871 und R+V ab.
Das Beispiel des Managers zeigt, dass die BU eine relativ teure Versicherung ist. Die genannten Beiträge sind Nettobeiträge. Sie könnten aber bis zum Maximalbetrag, dem sogenannten Bruttobeitrag, ansteigen. Entscheidend sind die Überschüsse des Versicherers. Versicherte sollten auf eine ausreichende Rentenhöhe achten. Maximal können 60 Prozent des Bruttogehaltes abgesichert werden.
Auf die Nachversicherungsgarantie achten
Verbraucherschützer empfehlen Policen mit einer Nachversicherungsgarantie. Versicherte können dann bei besonderen Ereignissen wie etwa einem Karrieresprung mit deutlichem Gehaltsanstieg oder privaten Veränderungen wie Hochzeit oder Familiengründung ohne weitere Gesundheitsprüfung ihre versicherte BU-Rente erhöhen. „Wer früh abschließt, wird noch nicht das Einkommen absichern, das er in späteren Jahren möglicherweise verdient“, sagt Marco Dehner, BU-Experte vom Analysehaus Morgen & Morgen. „Zielgruppen wie Schüler, Azubis und Berufseinsteiger rücken verstärkt in den Fokus der Versicherer. Vor diesem Hintergrund gewinnen flexible Nachversicherungsoptionen weiter an Bedeutung, insbesondere bei Vertragsabschlüssen in jungen Jahren.“
In Deutschland besitzt übrigens nur jeder zweite abhängig Beschäftigte diesen finanziellen Schutz beim Verlust der Arbeitskraft. Das hat eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Hannoverschen Lebensversicherung ergeben. Als größtes Hemmnis gaben die mehr als 1000 Befragten zwischen 18 und 67 Jahren die Kosten für die Policen an.
Wer früh über eine solche Versicherung nachdenkt, kann diese Kosten deutlich senken. „Die BU ist eine komplexe Versicherung, die nicht im Verbund mit einer kapitalbildenden Versicherung abgeschlossen werden sollte“, sagt Verbraucherschützerin Klug. Interessierte sollten sich unbedingt beraten lassen.