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Leben mit AktienMoody’s und S&P Global: Das haben Aktien von Ratingagenturen zu bieten

Mit ihren Ratings bewegen S&P und Moody’s Milliarden Dollar an den Märkten. Bei ihrem sonstigen Geschäft unterscheiden sie sich aber deutlich.Michelle Jura 24.05.2025 - 09:15 Uhr aktualisiert
Moody's und S&P Global sind mehr als nur Ratingagenturen. Foto: DPA (l), BLOOMBERG NEWS (r)

Es wirkte wie eine bloße Formalie: Nach Fitch und S&P Global hat diese Woche auch die Ratingagentur Moody’s den USA die Top-Bonitätsnote AAA aberkannt. Die Anleihemärkte waren über dieses neuerliche Misstrauensvotum allerdings nicht gerade glücklich.

Ratingagenturen bewegen mit ihren Einschätzungen eine Menge Geld. Ihre Noten gelten als Signal für die wirtschaftliche Stabilität ganzer Länder und werden vor allem von institutionellen Investoren genau beobachtet.

Die drei großen US-Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch haben Macht. Viel Macht. Ihr Geschäft geht teils weit über die Vergabe von Bonitätsnoten an Staaten und Unternehmen hinaus. Wollen Anleger von dieser Machtfülle profitieren, können sie das auf Umwegen tun: Zwei der drei Rating-Riesen sind börsennotiert. Aber was können ihre Aktien?

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Gemeinsamkeiten und Unterschiede

S&P Global ist seit 1929 an der New Yorker Börse gelistet, allerdings erst seit 2016 unter dem aktuellen Namen und Börsenkürzel SPGI. Moody’s ging im Jahr 2000 in New York aufs Parkett, als Spin-off der damaligen Mutter Dun & Bradstreet. Fitch gehört zu 100 Prozent dem US-Medienkonzern Hearst Communications und ist nicht börsennotiert.

S&P und Moody’s werden zwar oft in eine Schublade gesteckt, sind jedoch in wesentlichen Punkten unterschiedlich aufgestellt. „Die Gemeinsamkeit von S&P und Moody’s ist das Credit-Rating-Modell. Moody’s ist darüber hinaus stark im Risk-Modelling, S&P im Indexgeschäft“, erklärt Christian W. Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, in der aktuellen Ausgabe des WirtschaftsWoche-Podcasts „Leben mit Aktien“.

Auch wenn Moody’s vor allem durch seine Ratings bekannt ist: 2024 machte das Unternehmen gerade einmal 54 Prozent seines Umsatzes in diesem Geschäftsbereich. Die restlichen 46 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf den Bereich Analytics. Dazu gehören die Forschung, das Datengeschäft, Cloud-basierte Abonnementgeschäfte sowie die Risikomodellierungen. Dort zählen zum Beispiel Banken, Versicherungen und staatliche Institutionen zu den Kunden von Moody’s.

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Auch wenn die zwei großen Geschäftsbereiche beinahe gleichviel zum Umsatz beitragen: Beim Gewinn zeigt sich ein großer Unterschied. Mit einer operativen Marge von rund 58 Prozent liegt das Rating-Segment deutlich vor den Analytics, wo die Marge nur rund 19 Prozent beträgt. Die operative Marge ist der Gewinn, der nach Abzug der Kosten vom Umsatz übrigbleibt. Das Geschäft mit den Ratings ist also hochprofitabel.

Profitieren vom ETF-Boom

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Konkurrenten S&P Global. Dort stammten 2024 rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus dem Rating-Segment, rund 32 Prozent aus dem Bereich Market Intelligence, also dem Geschäft mit Marktdaten. Mit seinen Ratings erzielte S&P wie auch Moody’s eine deutlich höhere Marge. Übertrumpft aber wurde das Rating-Geschäft vom dritten Standbein des Unternehmens: dem Geschäft mit Indizes.

Das Index-Segment steuerte zuletzt nur 11,3 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Moody’s erzielte damit aber eine operative Marge von satten 68 Prozent. Das Unternehmen profitiert hier stark vom Boom passiver Indexfonds: Seine Indizes wie der bekannte S&P 500 dienen als Basis für viele ETFs. Deren Anbieter wiederum müssen für die Nutzung der Indizes Lizenzgebühren zahlen.

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Der Aktienkurs von S&P ist in den vergangenen drei Jahren rund 50 Prozent gestiegen, der von Moody’s rund 62 Prozent. Zum Vergleich: Der Branchenindex S&P 500 Financials kletterte im selben Zeitraum rund 51 Prozent. Der Vergleich mit dem Branchenindex hinkt allerdings. S&P und Moody's sind durch ihr umfangreiches Datengeschäft nicht mit Banken und Zahlungsdienstleistern wie JP Morgan und Visa zu vergleichen, die ein hohes Gewicht im Index haben.

Sportlich bewertet

Die beiden Ratingagenturen, die eben keine reinen Ratingagenturen sind, würden eher wie Techunternehmen bewertet, sagt Röhl. Das spiegele sich auch in ihren Aktienkursen. Wer sich für die Aktien der beiden US-Riesen interessiert, sollte das im Hinterkopf behalten.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 35 für dieses Jahr sind die Aktien von Moody’s und S&P Global selbst für Techwerte teuer. Zum Vergleich: Der Tech-Riese Alphabet liegt mit einem KGV von unter 20 deutlich darunter, Apple mit 28 ebenfalls. Selbst Microsoft kommt nur auf einen Wert von 34. In den Aktienkursen der Ratingagenturen steckt also schon reichlich viel Fantasie.

Einer, der auf dem aktuellen Niveau eher nicht mehr zugreifen würde, ist der größte Aktionär von Moody’s: Warren Buffett. Mit seiner Holding Berkshire Hathaway ist er bereits seit dem Jahr 2000 an Bord. Auf dem aktuellen Niveau würde sich der Value-Investor, der klassischerweise nach unterbewerteten Aktien sucht, wohl fernhalten. „Von der Bewertung her ist Moody’s absolut keine typische Buffett-Aktie“, sagt Röhl.

Welchen Folgen das Moody’s-Downgrade für die USA hat, was Anleger dazu wissen müssen und wie sich Donald Trumps Feldzug gegen hohe Medikamentenpreise auf die Aktien von Novo Nordisk, UnitedHealth und IQVIA auswirkt, erfahren Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.

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