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Aktienhändler verfolgen die Entwicklung des Dax in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Riedls Dax-RadarDas sind die neuen Favoriten für den nächsten Kursschub

Für Bonds und Börsen wird die Europäische Zentralbank immer mehr zur Stütze. Günstige Aktien für den nächsten Anstieg stehen auch schon am Start. Eine Kolumne.Anton Riedl 06.06.2025 - 13:16 Uhr

Die jüngste Senkung der Leitzinsen auf zwei Prozent, mittlerweile der achte Zinsrückgang, kommt für die Märkte wie erwartet. Doch es gibt zwei Tendenzen in den jüngsten Statements der Europäischen Zentralbank, die aufhorchen lassen.

Zum einen nimmt die EZB die Inflationserwartungen zurück. Auch wenn der starke Euro und niedrigere Ölpreise dabei eine wichtige Rolle spielen, kommt das den Märkten zugute. Zum anderen spricht EZB-Chefin Christine Lagarde davon, dass die aktuelle Zinssenkung Europa näher ans Ende eines geldpolitischen Zyklus bringe, in dem die Notenbank auf verschiedene externe Schocks reagiert habe. In dieser Bemerkung steckt zwar eine Verlangsamung der bisherigen Abwärtsdynamik der Zinsen, nicht aber automatisch das Ende dieses Prozesses.

Die Bondmärkte reagieren dennoch erst einmal verstimmt. Noch vor dem Zinsentscheid war es zu einem Rückgang der zehnjährigen Bundrenditen auf 2,48 Prozent gekommen. Nach dem Statement von Lagarde ging es in einem Sprung auf 2,59 Prozent hoch. Das ist ein deutliches Zeichen einer Enttäuschung. Auch im Dax kommt es zu einem kurzen Absacker.

Die EZB erhält sich weitere geldpolitische Optionen

Doch weder für Anleihen noch für Aktien stellt die jüngste Linie der EZB eine Belastung dar. Im Gegenteil: Sollte die EZB bei der nächsten Sitzung im Juli erst einmal eine Pause in ihrem Senkungsprozess einlegen, hat sie für die Monate danach umso mehr geldpolitische Optionen. Zugleich bestätigt sie damit die jüngste, noch vage Erholung der europäischen Wirtschaft. Beides passt gut zur robusten Tendenz an den Aktienmärkten.

Auch die Irritation an den Bondmärkten dürfte sich wieder legen. Mit 2,6 Prozent liegen die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen derzeit in der Mitte der Schwankungen, die sich seit Ende 2022 zwischen 2,0 und 3,0 Prozent abspielen. Diese Mittellage kennzeichnet im Grunde einen ausgeglichenen Markt, der insgesamt durchaus widerstandsfähig ist. Solange die zehnjährigen Renditen um diese Mitte schwanken – also etwa im Bereich 2,2 bis 2,7 Prozent – ist das ein gutes Umfeld für die Wertpapiermärkte.

Plötzlich Favoriten: Commerzbank und Deutsche Bank

Im Dax setzt sich nach der EZB-Entscheidung die jüngste Schwankungsphase zwischen 23.500 bis 24.500 Punkten fort. Im Gegensatz zu den US-Börsen, die noch nicht einmal die Topkursen vom Frühjahr wieder erreicht haben, hat sich an der Stärke des Dax seit Monaten nichts geändert.

Dass zuletzt weniger beachtete deutsche Indizes wie TecDax, HDax und CDax ebenfalls in neues Terrain vorgestoßen sind, bestätigt die Robustheit des Aktienmarkts hierzulande. Für immer mehr Einzelwerte gibt es positive Signale.

Mit 28 Euro markiert die Commerzbank ein neues Hoch. Die jüngsten Zahlen zum ersten Quartal waren gut: Die Kosten sind rückläufig, die Kapitalkraft hoch, der Nettogewinn legte zuletzt zweistellig zu. Die im Vergleich zur Deutschen Bank erhöhte Gewinnbewertung ist vor allem auf das ungebrochene Interesse der italienischen Unicredit an einer Übernahme zurückzuführen. Beide Dax-Banken, die Deutsche wie die Commerzbank, zählen zu den Trendwerten, in denen weiteres Potenzial steckt.

Turnaround bei FMC, Continental am Start

Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care hat mit dem Anstieg über 48 Euro den seit 2018 laufenden langfristigen Abwärtstrend erreicht. Nachdem FMC aus dem Fresenius-Verbund als Finanzbeteiligung ausgegliedert wurde, läuft die Erholung besser als vielfach befürchtet. Vor allem auf dem wichtigen US-Markt haben sich die Zahlen zuletzt stabilisiert.

Zugute kommt FMC seine starke Position bei der häuslichen Dialyse, die auch Präsident Donald Trump aus Kostengründen befürwortet. Kurzfristig könnten FMC-Aktien zwischen 48 und 55 Euro erst einmal Luft holen. Gelingt dann in den nächsten Monaten der Anstieg über 55 Euro, wäre dies ein wichtiges Signal für eine neue, langfristige Aufwärtsbewegung.

Hochspannung bei Continental. Mit 77 Euro hat die Aktie die Kursspitzen seit Frühjahr 2022 erreicht. Hintergrund ist die Aufspaltung des Konzerns, vor allem der für September geplante Börsengang der Autozuliefersparte Aumovio sowie der spätere Verkauf des industriellen Gummigeschäfts ContiTech.

Entscheidend für den Erfolg der Aktie ist, dass ein gesamter Jahresumsatz von mehr als 40 Milliarden Euro an der Börsen noch immer nur mit 15 Milliarden Euro bewertet wird. Ein Anstieg über das Kursniveau 77 bis 80 Euro wäre ein Kaufsignal.

Adidas angehoben, Hoffnung für Bayer

Sportartikler Adidas bekommt von Standard & Poor's ein auf A angehobenes Rating. Eine solche Note bezieht sich zwar zuallererst auf die finanzielle Stärke des Unternehmens, ist aber auch ein Hinweis auf die operative Erholung. Und da kann Adidas solche Nachrichten gut gebrauchen, denn das Unternehmen ist einer der Leidtragenden der aktuellen Zolldiskussion.

S&P sieht dabei die weitere Erholung von Adidas nicht gefährdet. Wichtiger sind die weltweit führende Position auf dem Sportartikelmarkt, die Aussicht auf höhere Gewinne und stärkere Finanzen. Kurstechnisch sind Adidas-Aktien allerdings noch nicht aus dem Schneider. Solange der Anstieg über 230 Euro nicht gelingt, dürfte sich die mit dem Zoll-Crash eingeleitete Zitterpartie fortsetzen.

Eine wichtige Medikamentenzulassung und eine Kaufempfehlung der renommierten US-Bank Goldman Sachs verhalfen der Aktie von Bayer über das Niveau von 25 Euro.

Entscheidend für die Kurswende dürfte die Weiterentwicklung der Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter Glyphosat werden. Goldman rechnet hier mit einem weiteren Kurspotenzial von 10 bis 25 Prozent, wenn sich der Oberste Gerichtshof in den USA dieses Themas annehmen sollte. Der Anstieg über 25 Euro ist für diese heißeste Wette im Dax eine vielversprechende Indikation.

Fazit für den Dax: Die Zinsen in der EU werden von der EZB planmäßig zurückgeführt, die Inflation ist erst einmal besiegt, die Konjunktur trotz geopolitischer Krisen und handelspolitischer Turbulenzen auf vorsichtigem Wachstumskurs, von Unternehmensseite gibt es mehr positive als negative Nachrichten. Die Aufwärtsentwicklung im Dax ist damit durchaus untermauert und es ist kein Wunder, dass kurzfristige Rückschläge immer wieder gekauft werden.

Unverwundbar ist der Dax dabei natürlich nicht. Neue Rückschläge im Zollstreit mit den USA, eine Eskalation im Ukrainekrieg oder im Verhältnis USA zu China könnten zu empfindlichen Einbrüchen führen. Doch das bisherige Ausmaß dieser Krisen haben die Märkte verarbeitet. Und das heißt: Sollte es hier sogar zu einer Entspannung kommen, könnte für die Börsen daraus sogar ein neuer Treibsatz entstehen.

Kurzfristig dürften sich im Dax die Schwankungen zwischen 23.500 bis 24.500 Punkten fortsetzen. Für die große, seit Sommer 2022 laufende Hausse ist es wichtig, dass der Aktienmarkt in den nächsten Monaten mindestens das Niveau 20.000 bis 21.000 Punkte hält. Dafür sollte der Dax stark genug sein.

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