Wohnungsbau: Dieser Bauturbo hat Ladehemmungen

Wäre der Wohnungsbau in Deutschland ein Auto, dann fährt es derzeit mit Schrittgeschwindigkeit. Das Ziel, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen, ist bei diesem Tempo weit entfernt. Das soll jetzt der Bauturbo ändern, den die neue Bauministerin Verena Hubertz zünden will. Das Bundeskabinett hat ihn an diesem Mittwoch auf den Weg gebracht.
Der Bauturbo soll den lahmen Neubau beschleunigen. Doch was bisher darüber bekannt ist, macht wenig Hoffnung.
In einem Interview mit dem Sender ntv zählte Hubertz vor allem alte Rezepte auf, die schon bisher wenig wirkten. Der als Wundermittel gepriesene Bautyp E beispielsweise, der Bauen deutlich günstiger machen soll, spielt bisher in der Praxis kaum eine Rolle. Bauherren trauen sich kaum, von den deutschen DIN-Normen abzuweichen.
Es ist auch unklar, welchen überflüssigen „Schnickschnack“ Hubertz bei neu gebauten Wohnungen erkannt haben will. Gerade weil die Baukosten so hoch sind, wird der Neubau von größeren Wohngebäuden durchrationalisiert. Mit den persönlichen Vorlieben von privaten Eigentümern, die ein Einfamilienhaus bauen, hat das nichts zu tun.
Baugrundstücke sind oft zu teuer. Das räumt die Bauministerin ein. Erbbaurechte sollen laut Hubertz Abhilfe schaffen. Dieses Mittel gibt es schon lange und es wird hauptsächlich von Bund, Ländern und Kommunen genutzt. Da die öffentliche Hand meist klamm ist, steigt der Erbbauzins. Auch dieser Weg zu mehr Wohnungen wird also für Bauherren immer kostspieliger. Eine echte Entlastung bringt das Erbbaurecht daher nicht.
Zielführender ist der Vorstoß von Hubertz, mehr bestehende Gebäude aufzustocken oder Wohnquartiere zu verdichten. Dafür sollen neue Bebauungspläne binnen zwei Monaten fertig sein. Bisher dauert das meist mehrere Jahre. Wie die Kommunen das mit unterbesetzten Baubehörden schaffen sollen, lässt die Bauministerin offen. Ebenso unklar ist, wie die Gemeinden mit dem Widerstand von Anwohnern gegen eine Nachverdichtung umgehen sollen.
Der Bund liefert mit dem Bauturbo viel Hoffnungswert, den hauptsächlich die Kommunen einlösen müssen. Es ist absehbar, dass die Gemeinden dafür Gelder bei der Bauministerin einfordern werden. Ob bei all den Projekten, die die Bundesregierung finanzieren will, noch Mittel übrig bleiben, ist fraglich.
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