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Autos stehen auf dem Hof eines VW-Händlers in den USA. Bei VW läuft es nicht –die Börse reagiert verhalten Foto: picture alliance/dpa

Riedls Dax-RadarWenn der Zoll-Krimi gut ausgeht, gibt es neue Kaufsignale

Trotz Unsicherheit über US-Zölle und gemischter Unternehmenszahlen behaupten sich die Börsen. Diese Stärke ist für die nächsten Wochen ein gutes Zeichen. Eine Kolumne.Anton Riedl 25.07.2025 - 13:01 Uhr

Kaum eine Aktie im Dax steht so im Mittelpunkt mehrerer Krisen wie die Volkswagen. Wegen hoher US-Zölle und Restrukturierungsmaßnahmen stagnierte der Umsatz des Autobauers im ersten Halbjahr, das operative Ergebnis ging um ein Drittel zurück. Dazu werden die Ziele für dieses Jahr gekappt: Von einem leichten Wachstum, wie bisher geplant, gehen die Wolfsburger nicht mehr aus. Die operative Rendite, ohnehin der zentrale Schwachpunkt von VW, dürfte mit vier bis fünf Prozent vom Umsatz noch etwas niedriger als bisher ausfallen.

Die Börse reagiert verhalten: Die am Vortag auf 95 Euro gestiegenen Vorzugsanteile geben kurzfristig in den Bereich von 92 bis 93 Euro nach, einen Ausverkauf gibt es aber nicht. Den Kursen kommt zugute, dass die Erwartungen an VW schon bisher ziemlich gedämpft waren. Zudem notiert die Aktie zwei Drittel unter ihrem Spitzenniveau von 2021. In den Kursen steckt also schon reichlich Skepsis.

Und nicht alles im jüngsten Zahlenbericht ist schlecht. Der Absatz ist mit 4,4 Millionen Fahrzeugen um ein halbes Prozent gestiegen. In der Elektromobilität baut VW seine führende Position in Europa weiter aus, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Nettoliquidität im Autogeschäft ist zwar zurückgegangen, weist mit 28,4 Milliarden Euro aber weiterhin ein solides Niveau auf. Und das Eigenkapital in der Bilanz hat sich mit 198 Milliarden Euro seit Jahresanfang sogar um 1,3 Milliarden Euro erhöht. Geht es nach diesen Substanzzahlen, ist VW alles andere als ein Krisenunternehmen.

Mühsame Wette auf Kursboden bei Volkswagen

Bei diesem gemischten Bild dürfte VW-Aktien weiterhin eine schwierige Stabilisierung bevorstehen. Seit Anfang des Jahres schwanken die Kurse der im Dax notierten Vorzugsanteile zwischen 80 und 110 Euro. Die schwächer als erwarteten Zahlen könnten die Aktie an der 200-Tagelinie, die derzeit bei 95 Euro verläuft, noch einmal nach unten drücken. Kurzfristig wäre es gut, wenn dabei das Niveau 85 bis 87 Euro hält.

Entscheidend für Volkswagen und die anderen großen Exporteure im Dax wird nun mehr denn je die Frage, wie es mit den US-Zöllen weitergeht. Als vor kurzem Hoffnungen aufkamen, zwischen den USA und der EU könnte es ähnlich wie mit Japan verträgliche Abmachungen geben, schossen die Aktien aus den von Zöllen betroffenen Branchen nach oben. Ob allerdings auch die EU mit vergleichbar niedrigen Zöllen von 15 Prozent rechnen kann, ist bei der von US-Präsident Donald Trump vor Kurzem genannten Bandbreite von 15 bis 50 Prozent für die Börsen eine offene Frage.

Dabei zeigen die betroffenen Dax-Aktien ein differenziertes Bild. So sind unter den Fahrzeugwerten BMW und Continental in ihrer Stabilisierung schon fortgeschritten. Bei Continental beflügelt der Konzernumbau die Kurse, bei BMW ist im zweiten Quartal der Absatz um 0,4 Prozent gestiegen. Aktien von Mercedes-Benz hingegen – hier kam es im zweiten Quartal zu einem deutlichen Absatzrückgang von neun Prozent – müssten erst in die Zone von 55 bis 60 Euro vordringen, um ihre Absturzgefahr zu bannen. Stabiler ist Daimler Truck, hier setzt die Börse nach einem geplanten Stellenabbau auf höhere Rentabilität.

Überflieger Deutsche Bank, Einstiegsgelegenheit bei SAP

Von Zollfragen unberührt erzielt die Deutsche Bank im ersten Halbjahr mit 3,7 Milliarden Euro ein überraschend starkes Nettoergebnis. Der Bank kommt nicht nur das Ertragswachstum, vor allem im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung, zugute; die Nettorechnung profitiert zudem von der Auflösung von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten.

Nach dem starken ersten Halbjahr könnte 2025 nun ein Reingewinn im Bereich um sechs Milliarden Euro in Reichweite sein. Bei der Aktie ist nach dem zuletzt starken Kursanstieg ein kurzer Rücksetzer absehbar. Mittelfristig sollten die moderate Bewertung, die Aussicht auf Rückkäufe und steigende Dividenden einen Anstieg auf über 30 Euro möglich machen.

Eingebremst wurde zuletzt SAP. Dabei war das Halbjahresergebnis mit 3,5 Milliarden Euro Nettogewinn sehr gut. Das zentrale Cloudgeschäft legt nachhaltig um weit mehr als 20 Prozent zu, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Zwischen 240 und 250 Euro könnte die Aktie in den nächsten Wochen wieder Tritt fassen und von da aus ihre langfristige Aufwärtsbewegung fortsetzen.

Fazit für den Dax: Kommt es bei der in Kürze anstehenden Entscheidung über die US-Zölle zu einer verträglichen Vereinbarung mit der EU, könnte für europäische Aktien daraus eine Initialzündung werden. So zeigt sich besonders im Stoxx-600-Index, in dem neben dem breiten EU-Markt auch britische und Schweizer Papiere stecken, eine vielversprechende Ausgangslage: Seit Monaten hält sich der Stoxx 600 über seinem letztjährigen Hoch von 525 Punkten. Sollte ein Anstieg über 560 Punkte gelingen, wäre dies ein wichtiges Kaufsignal.

Auch die US-Börsen sehen robust aus. Bei den Technologiewerten des Nasdaq liegt zwar angesichts der weit gestiegenen Kurse eine Verschnaufpause in der Luft. Doch selbst wenn der Nasdaq-100-Index dabei noch einmal bis auf 22.000 Zähler nachgäbe, wäre das nur eine Korrektur im großen Aufwärtstrend. Von einer drohenden großen Topbildung bei US-Hightechs kann aktuell keine Rede sein. Und selbst im Klassiker-Index Dow Jones, der noch kein nachhaltig neues Hoch geschafft hat, wäre bis auf 43.000 Punkten genug Spielraum für eine kurze Korrektur, nach der sich dann der große Aufwärtstrend fortsetzen könnte.

Im Dax liegt die kritische Marke zunächst um 23.000 Punkte. Solange die Indexkurve sich trotz Zollturbulenzen und gemischter Unternehmenszahlen über dem Juni-Tief hält, ist die mittelfristige Aufwärtstendenz intakt. Die nächste Unterstützung besteht dann erst im Bereich knapp über 22.000 Punkten. Immerhin: Selbst bei einem deutlicheren Absacker – das hat die starke Erholung im Frühjahr gezeigt – könnte die seit 2022 bestehende positive Markttendenz weiter bestehen bleiben.

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