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  4. Japan: Unsicherheit, Inflationssorgen und ein wackeliger Anleihemarkt

JapanEine wilde Woche für Japan

Die Unsicherheit ist in Japan auch eine Woche nach der Oberhauswahl groß, hinzu kommen Inflationssorgen und Handelsstreit. Der Anleihemarkt sendet Warnsignale.Saskia Littmann, Michelle Jura 25.07.2025 - 16:14 Uhr
Japans Bondmarkt bereitet Anlegern Sorgen. Foto: AP

In Japan geht eine Woche des Zitterns zu Ende. Was bleibt: eine verlorene Wahl, ein Zolldeal mit US-Präsident Donald Trump und – das ist für Anleger sicher am wichtigsten – viel Unsicherheit darüber, wie es mit den Renditen japanischer Staatsanleihen weitergeht.

Doch von Anfang an: Am 20. Juli haben die Japaner die Hälfte der Sitze im Oberhaus, einer der zwei Kammern des Parlaments, neu gewählt. Dabei hat die regierende Koalition aus der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Ministerpräsident Shigeru Ishiba und ihr kleiner Koalitionspartner, die neobuddhistisch orientierte Partei Kōmeitō, die Mehrheit verloren.

Die jüngste Niederlage stellt die Regierungskoalition auf wackelige Beine. Am 27. Oktober 2024 hatte sie bereits die Mehrheit im Unterhaus verloren. Damit kann sie nun keine Vorhaben mehr alleine beschließen. Für die seit Jahrzehnten fast ununterbrochen regierende LDP ist das eine echte Neuheit: Seit ihrer Gründung im Jahr 1955 hat sie das erste Mal in beiden Kammern die Mehrheit verloren.

Rücktritt, oder nicht?

Kein Wunder, dass sich Japans Medien geradezu überschlugen. Während Ministerpräsident Ishiba kurz nach der Wahl noch erklärte, weiterregieren zu wollen, berichtete die japanische Zeitung „Yomiuri“ am Mittwoch, er gebe im Juli seinen Rücktritt bekannt. Im Land waren Forderungen nach einem entsprechenden Schritt laut geworden. Doch noch am selben Tag dementierte Ishiba die Berichte und bezeichnete sie als „völlig unbegründet“.

Am selben Tag verkündete US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social einen Zolldeal mit Japan. Statt 25 Prozent ab dem 1. August sollen nun gegenseitige Zölle in Höhe von 15 Prozent gelten. Japan musste dafür 550 Milliarden Dollar an Investitionen garantieren und muss seinen Markt für US-Importe von Fahrzeugen und landwirtschaftlichen Produkten öffnen.

Zollabkommen mit Japan

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Die japanischen Aktienmärkte reagierten auf den Deal mit Erleichterung. Der japanische Leitindex Nikkei 225 hat seitdem rund vier Prozent zugelegt. Japanische Autowerte wie Toyota und Honda stiegen rund zehn Prozent. An den europäischen Märkten sorgte kurz darauf ein Bericht der „Financial Times“ für Aufsehen, in dem es hieß, der Japan-Deal könnte als Blaupause für ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und den USA dienen.

Ist also alles wieder gut in Japan? Ist die politische Unsicherheit ebenso überwunden wie das Schlimmste im Handelsstreit? Der japanische Anleihemarkt deutet darauf hin, dass dem nicht so ist. Im Gegenteil: Japan könnten weitere Turbulenzen bevorstehen – mit Folgen für Anleger im Rest der Welt.

Renditeanstieg als Warnsignal

Nach der Einigung im Zollstreit legten die Renditen japanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit sprunghaft zu, auf rund 1,6 Prozent. Auf diesem erhöhten Niveau pendeln sie seitdem. Kurz vor der Oberhauswahl waren bereits die Renditen für Japan-Bonds mit längeren Laufzeiten auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten geklettert. Das betraf insbesondere Papiere mit einer Restlaufzeit von 30 oder 40 Jahren. Aus Sorge vor politischer Unsicherheit trennten sich offenbar Investoren von ihren Bonds. Papiere mit 30 Jahren Restlaufzeit rentierten zuletzt mit mehr als drei Prozent.

Für Japans Wirtschaft ist der Renditeanstieg gefährlich. Bisher konnte die Regierung die hohe Schuldenquote – sie liegt bei mehr als 230 Prozent der Wirtschaftsleistung – gut refinanzieren, weil die Zinsen niedrig waren. Nun, da die japanische Notenbank die Zinsen Anfang des Jahres zum ersten Mal seit 17 Jahren angehoben hat und Investoren offenbar an der Schuldentragfähigkeit Japans zweifeln, wird es für Japans Regierung schwieriger, ihre Schulden zu refinanzieren.

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Die Stunde der „Anleihewächter“, der sogenannten Bond Vigilantes, hat geschlagen. Mit Anleiheverkäufen wollen sie Japan zu mehr Haushaltsdisziplin zwingen. Das spricht dafür, dass die Renditen auch mittelfristig auf erhöhtem Niveau bleiben dürften.

Dass Käufer skeptisch sind, zeigte sich auch bei den jüngsten Anleiheauktionen. Vor allem langlaufende Bonds stießen auf eine sehr verhaltene Nachfrage. Japans Schatzmeister erwägen deshalb bereits, weniger Langläufer auszugeben. Dieses Phänomen ist auch in anderen hoch verschuldeten Volkswirtschaften zu beobachten, etwa in den USA.

Hinzu kommt, dass der Anteil ausländischer Investoren in Japan zugenommen hat. Das wiederum liegt daran, dass die heimische Notenbank Bank of Japan (BoJ) immer weniger Bonds kauft und als verlässlicher Käufer ausfällt.

Eine Gefahr für die Börsen

Die steigenden Renditen sind ein Risiko für die globalen Finanzmärkte. Japaner gehören zu den wichtigsten Gläubigern mehrerer anderer Volkswirtschaften, etwa den USA. Steigen daheim die Renditen, könnten sie in großem Stil US-Papiere verkaufen und das Kapital lieber in Japan anlegen.

Ein weiteres Risiko ist der sogenannte Carry Trade. Dabei verschulden sich Investoren günstig in Yen und spekulieren mit dem Geld in Dollar und anderen Währungen. Wertet der Yen auf, funktioniert das Kalkül nicht mehr. Carry Trades im Yen werden dann rückabgewickelt, es kann zu einer Art Kettenreaktion kommen.

Genau das war im August 2024 zu beobachten. An den internationalen Finanzmärkten kam es daraufhin zu Turbulenzen. Zuletzt hat der Yen zwar gegenüber dem Dollar wieder leicht nachgegeben. Aber die Zinspolitik der BoJ bleibt ein Risiko: Hebt Japans Notenbank die Zinsen weiter an, könnte der Yen wieder aufwerten.

Zwar kann sich Japan wegen seiner hohen Schulden eigentlich keine höheren Zinsen leisten. Auf der anderen Seite gilt die anziehende Inflation im Land als ein Faktor für das desaströse Wahlergebnis der LDP, und gegen Inflation helfen: Zinsanhebungen. Es sieht nicht danach aus, als würde in Japan bald wieder Ruhe einkehren.

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