Handelsabkommen: Zolldeal? Schön – jetzt müssen Anleger aber genau hinsehen

Die USA und die Europäische Union haben sich im Handelsstreit geeinigt. Alles andere wäre für die europäischen Börsen ein Schock gewesen: Anleger hatten bereits eingepreist, dass in letzter Minute irgendeine Art von Deal zustande kommen würde.
Ende vergangener Woche hatten die Gerüchte über eine bevorstehende Einigung die Aktienkurse getrieben, vor allem Autowerte zählten zu den Gewinnern.
Jetzt, da der Deal tatsächlich da ist – wenn auch nicht verschriftlicht und mit vielen Unsicherheiten behaftet –, ist von Euphorie wenig zu spüren. Der Dax ist verhalten in die Woche gestartet. Die Erleichterung weicht offenbar einem nüchterneren Blick auf die Lage. Und die ist gar nicht mal so gut.
Mit 15 Prozent Einfuhrzoll auf die meisten EU-Güter kommt es zwar nicht so schlimm, wie es hätte kommen können. Aber zwischen „nicht so schlimm“ und „gut“ gibt es dann doch einen Unterschied. Die Zölle werden die Wirtschaft belasten, und sie werden die Inflation in die Höhe treiben. Für die Börsen sind das keine rosigen Aussichten.
Donald Trumps Zoll-Pingpong hat die Märkte zuletzt so sehr in Atem gehalten, dass jede Nachricht die Kurse bewegte. Spätestens jetzt, da die Lage etwas übersichtlicher geworden ist, sollten Anleger den Blick auf die makroökonomischen Daten richten. Wann und wie stark machen sich die Zölle in den Inflationsdaten bemerkbar? Was tun die Notenbanken? Wie massiv belasten die Zölle die Wirtschaft in Europa und, ja, natürlich auch in den USA?
Das größte Hemmnis für einen weiteren Aufwärtstrend an den Börsen sei jetzt beseitigt, liest man an vielen Stellen. Auf kurze Sicht mag das stimmen. Auf lange Sicht lässt sich daran ein großes Fragezeichen schreiben.
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