Kupferpreis: Der Kupfer-Crash zeigt das Ausmaß des Zoll-Problems

Wumms! So ungefähr hätte es am Mittwoch geklungen, wenn Börsenpreise beim Fallen ein Geräusch machen würden. Der Kupferpreis stürzte am Mittwochnachmittag binnen einer halben Stunde fast 18 Prozent ab. Es war der steilste Sturz in der Börsengeschichte des Rohstoffs.
Schuld war, mal wieder, Donald Trump. Der US-Präsident hatte am Mittwoch Zölle in Höhe von 50 Prozent auf Kupfer bekräftigt, effektiv ab 1. August. Das allerdings war es nicht, was den Preis crashen ließ. Grund für den Einbruch war vielmehr, dass Trump im selben Atemzug Ausnahmen für bestimmte Kupferprodukte ankündigte.
Raffinierte Vormaterialien wie Kupferkathoden, Kupfererze und ‑konzentrate sind vom neuen 50‑Prozent-Zoll explizit ausgenommen. Darüber hinaus soll ein Viertel des in den USA recycelten hochwertigen Kupferschrotts, der üblicherweise in den Export geht, künftig im Inland verbleiben.
Für die US-Industrie ist das eine angenehme Überraschung. Die Vereinigten Staaten decken rund die Hälfte ihres Bedarfs an raffiniertem Kupfer über Importe. Für US-Unternehmen, die Kupfer verbauen, wird es also nicht so teuer wie gedacht. Und das Exportverbot für einen Teil des Kupferschrotts soll die heimische Industrie stärken und Investitionsanreize bieten.
Unangenehm war die Überraschung dagegen für Händler und Spekulanten. Sie konnten in den vergangenen Wochen, seit der ersten Ankündigung der Kupferzölle, mit den sprunghaft gestiegenen Preisunterschieden zwischen den Rohstoffbörsen in London und New York viel Geld verdienen. Damit ist es nun vorerst wieder vorbei.
Langfristig zählen andere Faktoren
Das Chaos am Kupfermarkt verdeutlicht die Dimension des Zoll-Problems für die Börsen. In Zukunft dürften sich durch die Zölle bei manchen Gütern und Rohstoffen immer wieder deutliche Preisunterschiede zwischen einzelnen Märkten auftun. Und wenn es für die USA zu teuer wird, ändert Trump einfach die Regeln. Verlässlichkeit? Fehlanzeige.
Der Kupferpreis dürfte auf kurze Sicht weiterhin stark schwanken. Das Exportverbot für einen Teil des Kupferschrotts bedeutet de facto, dass diese Mengen dem Markt entzogen werden – denn noch fehlt es in den USA an Schmelzkapazitäten. Diese müssen erst geschaffen werden.
Auf lange Sicht ist Trumps Zollpolitik allerdings nicht der wichtigste Einflussfaktor am Kupfermarkt. Es sind vielmehr die Energiewende, der Trend zur E-Mobilität und der Boom künstlicher Intelligenz (KI), die den Kupferpreis langfristig treiben dürften. Das Metall wird sowohl für E-Autos als auch für Windräder und KI-Rechenzentren benötigt. So dramatisch der Crash am Mittwoch auch wirkte: Letztlich war er genauso übertrieben wie das kurzzeitige Rekordhoch des Kupferpreises wenige Wochen zuvor.
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