Rüstungsindustrie: Rüstungsboom hält Rheinmetall auf Rekordkurs
Rheinmetall eilt wegen des internationalen Rüstungsbooms weiter von Rekord zu Rekord. Umsatz und Gewinn stiegen im ersten Halbjahr, wie der Düsseldorfer Konzern am Donnerstag mitteilte. Nur im zivilen Geschäft für die Autoindustrie läuft es nicht rund. Über einen Verkauf der Sparte will Konzernchef Armin Papperger bis zum Jahresende Klarheit schaffen. Die Jahresprognose bestätigten die Düsseldorfer.
„Rheinmetall ist erfolgreich auf seinem Weg, ein globaler Rüstungschampion zu werden“, sagte Konzernchef Papperger. „Unsere Auftragsbücher sind voll und werden sich in Zukunft weiter füllen.“ Der Umsatz legte im Halbjahr um 24 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu, das Geschäft rund um Munition erreichte dabei einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro.
Rheinmetall-Aktie gibt nach
Rheinmetall will in Kürze in Niedersachsen die größte Munitionsfabrik Europas einweihen. Das operative Ergebnis stieg im Konzern um 18 Prozent auf 475 Millionen Euro.
Der Rüstungskonzern sorgte mit einem Kursrutsch von zwischenzeitlich sechs Prozent für Aufsehen. Analysten zeigen sich gelassen. „Die Aktie könnte nach den Zahlen zwar zeitweise unter Druck geraten“, schreiben die Experten der Privatbank Berenberg. „Die langfristigen Aussichten bleiben jedoch stark, da das Rüstungsgeschäft künftig deutlich mehr Aufträge erhalten dürfte.“
Aufgrund des schwierigen zivilen Geschäfts und der Aufwendungen für den Produktionsstart am Standort Weeze sank die operative Ergebnismarge indes auf Konzernebene im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht auf 10,0 Prozent. In den Orderbüchern summierten sich Aufträge mit einem Rekordstand von 63 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr rechnet Rheinmetall dann mit milliardenschweren Bestellungen der Bundeswehr.
Nach der Bundestagswahl im Februar und der folgenden Regierungsbildung werde „die Auftragsvergabe in Deutschland erst deutlich verspätet im zweiten Halbjahr anlaufen. Im vierten Quartal werde es voraussichtlich ‚einen starken Auftragseingang‘ geben“, hieß es in einer Präsentation.
Der russische Überfall auf die Ukraine hat für die westliche Rüstungsindustrie die Wende gebracht. Die Branche wird dringend für die Stärkung der Streitkräfte gebraucht. Zusätzliche Dynamik gewinnt die Industrie durch höhere Rüstungsausgaben der Nato-Staaten. Rheinmetall setzt auf Bündnisse mit anderen Rüstungsunternehmen, um den Boom bewältigen zu können.
Gemeinsam mit der italienischen Leonardo wollen die Düsseldorfer in einem Gemeinschaftsunternehmen Panzer bauen. Sie verhandeln zudem exklusiv mit Leonardo über die Übernahme des Geschäfts mit Militärlastwagen von Iveco. Leonardo hatte jüngst den Kauf des militärischen Geschäfts von Iveco angekündigt. Zudem kooperiert Rheinmetall mit dem US-Riesen Lockheed Martin und baut mit ihm in Weeze in Nordrhein-Westfalen Flugzeugteile.
Einzige Krisensparte im Rheinmetall-Reich ist der zivile Bereich Power Systems, der die Automobilindustrie beliefert. Hier brach das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 24 Millionen Euro ein. Papperger hat die Sparte zum Verkauf gestellt, Gespräche mit Interessenten laufen. Bis Jahresende strebt er nun eine Entscheidung an, hieß es in der Präsentation.