Nvidia und AMD: Vor dem Schulhof-Rüpel aus dem Weißen Haus ist niemand sicher

Nvidia und AMD wollen der US-Regierung 15 Prozent der Einnahmen überlassen, die sie mit dem Verkauf von KI-Chips in China machen. Das berichten zunächst US-Medien übereinstimmend; inzwischen bestätigte ein US-Regierungsvertreter den Vorgang.
Diese Nachricht muss man sacken lassen. Die US-Regierung beteiligt sich künftig an ausländischen Geschäften zweier US-Konzerne. Das gab es wohl noch nie in den USA. Auch aus anderen westlichen Marktwirtschaften ist so etwas nicht bekannt.
Was die US-Regierung da vorhat, ist so, als würde die deutsche Bundesregierung 15 Prozent von jedem Auto bekommen, das BMW in seinem US-Werk baut und nach China exportiert. Einfach so. Weil Kanzler Friedrich Merz es so will. Weil Deutschland das Geld braucht. Und weil BMW sich nicht wehren kann.
Lesen Sie auch: 100 Tage Kanzler – und 59 Prozent Enttäuschte
Der Deal zwischen Trump und Nvidia sei bemerkenswert, schreibt die „New York Times“, weil die US-Regierung damit „praktisch ein Geschäftspartner Nvidias in China“ werde. Es wäre schon schlimm genug, wenn es so wäre – wenn die US-Regierung plötzlich zum Partner eines US-Konzerns gemacht würde. Denn Marktwirtschaft ist das nicht.
Es ist aber noch schlimmer: Mangels Freiwilligkeit handelt es sich nicht um Partnerschaften, sondern um Zwangsehen. Trump will – und die anderen müssen.
Bei Trump ist nichts sicher
In einer Zeit, in der die US-Regierung fast jeden Tag haarsträubende Eingriffe in die Wirtschaft und den Welthandel verkündet, wird diese Attacke – gefühlt – achselzuckend hingenommen. Manche Analysten bejubeln die Einigung sogar, denn sie könnte endlich Klarheit für die Chiphersteller bringen und gefährlichere Sanktionen Trumps abwenden.
Könnte sie? Was ist, wenn die fetten Schecks der Chiphersteller der US-Regierung künftig Lust auf mehr machen? Wenn die Regierung Geld braucht, weil die Wirtschaft aufgrund teurer Importe immer mehr in die Knie geht, wenn die Inflation die Wähler immer wütender macht? Dann könnten aus 15 Prozent schnell 20 und dann 25 Prozent werden.
Bei Trump ist nichts sicher – nur, dass er ein Schulhof-Rüpel ist. Heute wollen er und seine Schläger das Geld, morgen die Turnschuhe, dann die Jacke. Vor den Schutzgeld-Erpressern aus dem Weißen Haus ist niemand mehr sicher, sie können immer und überall auftauchen. Grenzen kennen sie keine – es geht einfach nur ums Abkassieren. Die Folgen scheinen sie nicht zu interessieren.
Das belegt der Deal mit den Chipherstellern. Denn die Chip-Geschäfte, mit denen sich die US-Regierung die Taschen füllen will, könnten dem chinesischen Militär helfen, die USA zu überholen. Peking dürfte das gefallen. „Was kommt als Nächstes“, fragt Liza Tobin, die US-Präsident Donald Trump früher in Fragen der nationalen Sicherheit beraten hat, „eine Erlaubnis für Lockheed Martin, F-35-Kampfflugzeuge nach China zu verkaufen, für 15 Prozent Kommission?“
Ja, was kommt als Nächstes? Donald Trump hat im Wahlkampf gesagt: „Ich möchte, dass aus deutschen Autoherstellern amerikanische Hersteller werden.“ Wird Trump demnächst eine 15-prozentige Beteiligung am US-Geschäft von VW, BMW und Mercedes verlangen? Oder einfach direkt die US-Töchter der deutschen Konzerne verstaatlichen? Wer weiß.
Alle deutschen Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr US-Geschäft auszubauen, um Zölle zu umgehen, sollen aber später nicht sagen, sie seien nicht gewarnt worden.
Wer im Mafia-Dorf ein Restaurant eröffnet, muss sich nicht wundern, wenn alsbald die Schutzgeld-Erpresser in der Tür stehen.
Lesen Sie auch: Warum der Intel-Chef nicht zu halten ist