Alaska-Gipfel zwischen Trump und Putin: Weltbühne für ein mageres Ergebnis
Am Ende stehen sie da in Alaska, Seite an Seite vor der Weltöffentlichkeit. Um ein Uhr nachts deutscher Zeit. Die Flaggen der USA und Russlands nebeneinander montiert, vor einer blauen Leinwand mit dem fett gedruckten Spruch „Pursuing Peace“ im Hintergrund – den „Frieden anstrebend“. Wladimir Putin und Donald Trump. Im Publikum die prominentesten Minister ihrer Regierungen: Sergei Lawrow, Marco Rubio, Pete Hegseth. Was für eine Bühne.
Es geht den beiden Staatsoberhäuptern um Geschäftsbeziehungen, die sie wieder aufnehmen wollen. Es geht um die gemeinsame Geschichte des russisch-amerikanischen Verhältnisses und um die Besonderheiten Alaskas für beide Staaten. Das heißt: Es geht um schlicht nichts von dem, was seit einer Woche für die Welt von Relevanz ist. Was für eine No-Show.
Rund 25 Minuten dauert der Auftritt. US-Präsident Trump und Russlands Machthaber Putin treten nach drei Stunden wesentlich früher vor die Presse als geplant. Nachfragen sind nicht zugelassen. Und inhaltlich sagen weder Putin noch Trump etwas Substanzielles: weder zum Stand ihrer Verhandlungen über den Krieg in der Ukraine noch zu möglichen Fortschritten bei einem Waffenstillstand. Ein Ende der Feindseligkeiten? Fehlanzeige.
Trump lenkt ein, dass „wir nicht in allen Punkten geschafft haben, was wir wollten“. Und beteuert, dass „wir das noch erreichen können“. Putin wiederum lobt den US-Präsidenten für dessen Willen, einen Frieden in der Ukraine anzustreben. Und gibt vor: „Wir stehen natürlich für die Sicherheit Europas, auch die Sicherheit der Ukraine muss gewährleistet sein.“ Was das bedeuten soll? Unklar. Und trotzdem fordert Putin, dass die europäischen Länder nicht versuchen dürften, „diesen Fortschritt zu torpedieren“.
Kein greifbares Ergebnis in Alaska
Beide Seiten betonen dann noch die Möglichkeiten von gegenseitigen Geschäftsbeziehungen. Sie erklären aber zu keinem Zeitpunkt, wie es denn jetzt eigentlich gemeinsam weitergehen soll. Und das war es dann auch schon. Was viele Beobachterinnen und Beobachter erwartet haben, ist eingetreten: Der Alaska-Gipfel hat erst einmal kein greifbares Ergebnis geliefert.
Im Positiven bedeutet das: Die Sorge in Paris, London und Berlin der vergangenen Woche, dass der US-Präsident sich spontan auf einen Deal mit Putin einlassen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Auf der Militärbasis Elmendorf-Richardson in Anchorage gab es offensichtlich weder eine unilaterale Einigung über die Zukunft der Ukraine noch einen Deal, der sich zulasten Europas auswirken könnte. Das deutete sich schon zu Beginn des Treffens an, als klar wurde, dass sich Putin und Trump nicht wie ursprünglich geplant unter vier Augen unterhalten würden. Jetzt könnte in den europäischen Hauptstädten durchaus Erleichterung herrschen. Das schlimmste Szenario ist ausgeblieben. Der Status quo bleibt erstmal bestehen.
Man könnte es aber auch negativer sehen: Trump war ebenso offensichtlich nicht gewillt, mit Druck jene Punkte durchzusetzen, welche die Europäer und die Ukraine ihm bei einer gemeinsamen Videokonferenz diese Woche für das Treffen mit auf den Weg gegeben hatten: dass die Ukraine mit am Verhandlungstisch sitzen müsse, dass die Waffen erst einmal schweigen müssen, dass die Ukraine selbst über territoriale Fragen entscheidet und Sicherheitsgarantien Teil einer jeden Lösung sein müssen. Russland greift weiter an. „Es gibt keinen Deal“, so Trump auf der Bühne, „bis es einen Deal gibt“.
Vielleicht ist hinter den Kulissen ja mehr passiert. Denn Trump und Putin versichern bei ihrem Auftritt „große Fortschritte“, die Trump direkt im Anschluss dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dann den Europäern kommunizieren wolle. So war es am Mittwoch in einem Telefonat vereinbart worden. Einen echten Durchbruch hätte der selbst ernannte Dealmaker Trump aber wohl persönlich auf offener Bühne kommunizieren wollen, hätte es ihn denn tatsächlich gegeben.
Am Ende steht damit ein mageres Ergebnis, das zuvor viel Stress verursacht hatte. Immerhin war der ukrainische Präsident sogar extra nach Berlin gereist, um das Schlimmste zu verhindern. Und auf Trump einzureden.
Es war ein kleiner Coup für Bundeskanzler Friedrich Merz, der das Ganze kurzfristig organisiert hatte. Die Bilder gingen um die Welt: wie er Selenskyj auf dem Hubschrauberlandeplatz am Kanzleramt in Empfang nahm, wie er mit ihm scherzte, den Arm um seine Schulter legte, ihn an sich heranzog. Die Ukraine ganz in der Mitte Europas. Und für Europa sprach an diesem Mittwoch: Merz.
Gemeinsam mit Selenskyj und anderen wichtigen europäischen Staats- und Regierungschefs telefonierte der Kanzler mit Trump, um ihm die Schmerzpunkte klarzumachen. Merz und Co. hatten nach dem Gespräch mit dem US-Präsidenten sogar vorsichtig Hoffnung geschöpft, dass in Anchorage ein erster Schritt zu einer Waffenruhe gelingen könnte. Sie müssen nun gemeinsam mit Selenskyj einen Weg finden, mit der unverändert wenig hoffnungsvollen Situation umzugehen.
Denn die Lage in der Ukraine ist unverändert dramatisch. Putins ununterbrochene Angriffe auf Kiew töten Zivilisten. Die Soldaten an der Front sind erschöpft. Überall im Land wächst der Wunsch, den Krieg mit Verhandlungen beenden zu können. Wie die aussehen könnten? Das bleibt auch nach dieser Woche der Aufregung ein Mysterium.
Nach drei Stunden Turbo-Gipfel hinterlässt vor allem einer einen bleibenden Eindruck: Putin wollte ein persönliches Treffen mit dem US-Präsidenten. Er wollte gegenseitige Anerkennung, gemeinsame Bilder und eine Bühne, um seine angeblichen Friedensbemühungen kundzutun. All das hat er bekommen. Und musste nichts dafür geben.
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