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Nato-OstflankeGroßmanöver Russlands und der Nato angelaufen

Nach dem Eindringen russischer Drohnen in Polen richtet sich der Blick auf die Landstreitkräfte. Auf beiden Seiten der östlichen Nato-Außengrenze wird militärisch geübt. 12.09.2025 - 15:31 Uhr
Kampfübung von Russland und Belarus auf dem Truppenübungsplatz Mulino in der Region Nischni Nowgorod. Foto: Vadim Savitskiy/Russian Defense

Inmitten der Spannungen nach dem Eindringen russischer Drohnen sind auf beiden Seiten der Nato-Außengrenze im Baltikum Militärmanöver angelaufen. Während Russland und Belarus ihr gemeinsames Großmanöver Sapad 2025 („Westen 2025“) starteten, lief in Litauen die Übungsserie Quadriga mit wesentlicher Beteiligung der Bundeswehr.

Generalinspekteur Carsten Breuer betonte am Rande eines Besuchs bei Bundeswehrsoldaten in Litauen die Entschlossenheit Deutschlands zum Schutz der Nato-Partner. „Die jüngste Verletzung des polnischen Luftraums durch Russland hat wieder gezeigt, wie wichtig unser Engagement ist. Unser Beitrag zur Verteidigung der Nato-Ostflanke ist verlässlich – wir sind bereit, jeden Zentimeter des Bündnisgebiets zu schützen“, sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur.

Zugleich gab es aber keine Anzeichen dafür, dass die praktisch zeitgleichen Übungen auf Zwischenfälle zusteuern. Nach Angaben von Litauens Präsident Gitanas Nauseda deutete nichts auf eine unmittelbar bevorstehende Aggression gegen sein Land hin. Das Risiko des Eindringens von Drohnen, Luftraumverletzungen oder andere Provokationen könne jedoch nicht ausgeschlossen werden. „Wir haben Maßnahmen ergriffen und es liegen keine Informationen vor, die darauf hindeuten, dass diese Übungen für eine Aggression gegen Litauen genutzt werden könnten“, sagte er.

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Geübt wird der verstärkende Aufmarsch im Spannungsfall

Im Kernübungszeitraum von August bis September beteiligen sich rund 8.000 Soldatinnen und Soldaten aus 14 Nato-Staaten an der Manöverserie „Quadriga 2025“, zu der unter dem Namen „Grand Eagle“ auch eine Übung zur Verlegung von Soldaten und Material zu Land, zu See und in der Luft nach Litauen gehört. An der Teilübung „Grand Eagle“ nehmen etwa 2.000 Soldaten und 1.000 Fahrzeuge der Bundeswehr teil. Wesentliche Kräfte stellt die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“.

Moskau hat zur Zahl der eingesetzten Soldaten und Truppenverbände bei Sapad keine offiziellen Angaben gemacht. Nach westlichen Schätzungen sind insgesamt etwa 30.000 Soldaten involviert, davon etwa 8.000 Soldaten auf belarussischem Boden.

Aus Minsk hieß es zuletzt, dass der Umfang des Manövers verringert und Teile der Übungen ins Landesinnere verlegt würden, um die Spannungen mit den westlichen Nachbarländern zu senken. Beim Manöver soll aber auch die Mittelstreckenrakete Oreschnik getestet werden, die potenziell Atomsprengköpfe tragen kann.

Im Vergleich zu früheren Übungen ist das Sapad-Manöver diesmal relativ klein. 2021 nahmen rund 200.000 Soldaten an der Übung teil. Die anschließend in den westlichen Landesteilen Russlands und in Belarus verbliebenen Truppenteile starteten im Februar 2022 dann den Angriff auf die Ukraine.

Manöverlage: Beide Seiten beobachten sich genau

Der Inspekteur des Deutschen Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, hatte am Mittwoch in Berlin gesagt, das Manöver Sapad werde genau beobachtet. Mit Provokationen müsse immer gerechnet werden. Im Februar und März habe die Militärübung – also der Informationsstand über die Vorbereitungen – jedoch „noch viel bedrohlicher ausgesehen“. Dies habe sich auch relativiert, weil Russland Anstrengungen im Ukraine-Krieg unternehme.

Brigadegeneral David Markus, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, sagte am Rande eines Übungsabschnitts im litauischen Panevezys der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte keine Zwischenfälle, habe aber die Freigabe für „Drohnenabwehrmaßnahmen“ erteilt.

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Zum Manöver Sapad sagte er: „Das erhöht die Wachsamkeit einerseits unserer Leute, aber auch das Bewusstsein dafür, dass das hier nicht um ein Spiel geht, sondern den bitteren Ernst, nämlich die Verteidigung unserer Werte.“

Generalmajor Jörg See, Kommandeur der 10. Panzerdivision der Bundeswehr, sagte dort: „Wir wissen, dass die andere Seite auf uns schaut, aber das gehört auch dazu.“ Die Übung der Bundeswehr sei ein Beitrag, glaubwürdig abzuschrecken und verteidigen zu können.

Diplomatischer Protest in Berlin

Als Reaktion auf die Verletzungen des polnischen Luftraums durch russische Drohnen hat das Auswärtige Amt unterdessen den russischen Botschafter einbestellt. Das Agieren des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei „gefährlich“ und „inakzeptabel“, teilte das Ministerium auf der Plattform X zur Begründung mit. Die Einbestellung eines Botschafters gilt als deutliche Form des diplomatischen Protests. Auch Frankreich bestellte den russischen Botschafter ein.

Die Luftwaffe hat ihre Beteiligung an dem wegen Luftraumverletzungen verstärkten Schutz der polnischen Nato-Außengrenze begonnen. Die Einsatzbereitschaft sei am Vorabend hergestellt worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Auf dem Fliegerhorst in Rostock-Laage seien nun zwei Alarmrotten bereit, um sich an bewaffneten Schutzflügen über Polen zu beteiligen.

Das Verteidigungsministerium erklärte dazu, die Eurofighter der Alarmrotten würden in der Nato-Kommandostruktur geführt. Über den Kommandostrang werde dann bei der Nato mit deutscher Beteiligung der Einsatzbefehl ausgelöst. Er sagte zu den Piloten der Alarmrotten: „Die sind rund die Uhr in ihren Fliegerkombis vor Ort und sind innerhalb von wenigen Minuten in der Luft, wenn auf den Knopf gedrückt wird.“

dpa
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