Trump fordert Lockerungen: Aktienoptionen sind das Problem, nicht Berichtspflichten

Die jüngste Forderung des US-Präsidenten Donald Trump ist zur Abwechslung mal eine, die auch vielen deutschen Familienunternehmern locker von den Lippen gehen dürfte. In China schaue man mit einer Perspektive von „50 oder 100 Jahren auf das Management einer Firma, während wir unsere Firmen auf Quartalsbasis führen“, so Trump in einem Post bei „Truth Social“. Kurz danach kündigte er dann an, das Problem lösen zu wollen: Die quartalsmäßigen Berichtspflichten sollen gelockert werden.
Abgesehen davon, dass der Vergleich mit China in die Irre führt, trifft der Grundansatz ein Credo vieler Managementexperten. Auf Dauer erfolgreiche Unternehmen denken langfristig, nicht an die Optimierung der nächsten Quartalsabrechnung. Auch Familienunternehmer lassen kaum einen Anlass aus, zu betonen, wie wichtig es für ihren Erfolg sei, nicht in Quartalen denken zu müssen.
So weit, so unstrittig. Deutlich komplizierter aber ist die Antwort auf die Frage, worin die wahren Ursachen für kurzfristiges Managerdenken liegen – und wo eine Veränderung ansetzen müsste.
Dass es allein mit der nun von Trump erwogenen Anpassung nicht getan sein dürfte, zeigt schon der Vergleich zwischen Europa und den USA. Trump nämlich fordert von der Regulierungsbehörde SEC nur, sie solle die Taktung der zu veröffentlichenden Gewinnberichte („earning reports“) lockern, diese statt viermal im Jahr nur noch zweimal im Jahr einfordern – genau so oft, wie es in Europa Pflicht ist, wo die Anforderungen an Quartalsberichte deutlich geringer sind und es dennoch keinen Mangel an kurzfristig denkenden Managern gibt.
Kein Transparenzproblem
Um dieses Problem wirklich in den Griff zu bekommen, müsste eine Änderung wohl an ganz anderer Stelle ansetzen. Die Unternehmenswelt nämlich hat kein Transparenzproblem, sondern ein Anreizproblem. Nicht die Tatsache, dass sie alle drei Monate berichten müssen, wie ihre Geschäfte so laufen, verleitet manche Manager dazu, Gewinne in der Gegenwart zu optimieren und dafür die Zukunft zu opfern. Das zeigen weitsichtige Vertreter ihres Fachs wie das Ehepaar Sahin an der Spitze von Biontech, das es ganz locker hinbekommt, in sehr langen Fristen zu denken – und den Anlegern trotzdem regelmäßig verrät, wie die Dinge gerade so stehen.
Das eigentliche Problem sind eher die Gehaltspläne der Top-Manager. Auch wenn sie inzwischen oft über längere Zeiträume gestaffelt sind, so beinhalten diese noch viel zu oft kurzfristig auszahlbare Aktienoptionen oder an den Börsenkurs gekoppelte Lohnbestandteile. Die aber machen es für Manager erst attraktiv, Investoren mit tollen Dividenden, teuren Aktienrückkaufprogrammen und kunstvoll zusammengedrechselten Gewinnen zu begeistern – und dafür die Investitionen in die Zukunft schleifen zu lassen.
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