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KarriereWoran Jobsuchende das für sie passende Unternehmen erkennen

Wer flott aufsteigen will, braucht nicht zwingend die Stelle im Konzern – sondern dort, wo es wirklich passt. Diese Punkte helfen bei der Suche.Kevin Gallant 18.11.2025 - 09:26 Uhr
„Der Fit zwischen Unternehmen und Beschäftigten ist aus meiner Sicht der wichtigste Faktor“, sagt Karriereberaterin Kathrin Schweizer. Foto: IMAGO/Westend61

International bekannte Namen, schwindelerregende Umsätze: Für viele Arbeitnehmer sind große Konzerne der Wunscharbeitsplatz. Denn oft verheißen die Stellen vergleichsweise hohe Gehälter und Bonuszahlungen. Dazu gibt es rasante Aufstiegsmöglichkeiten.

„Für bestimmte Namen von Arbeitgebern im Lebenslauf machen viele Menschen viele Dinge, aber der Grundsatz ‚höher, schneller, weiter‘ ist nicht immer der richtige“, sagt die Wirtschaftspsychologin und Karriereberaterin Kathrin Schweizer. Sie hatte schon einige Fälle, in denen Klienten zu den ganz Großen wollten – und enttäuscht wurden. Das schürt Unzufriedenheit.

Die ist unter deutschen Arbeitnehmern ohnehin relativ hoch, das zeigen etwa die Ergebnisse einer Umfrage der Unternehmensberatung EY aus dem Juli. Demnach bezeichnet sich aktuell nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten als uneingeschränkt zufrieden, wenn es um die eigene Arbeitssituation geht.

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Und wer bei seiner Arbeit nicht zufrieden ist, zeigt weniger Leistung. Das lässt sich auch in Deutschland beobachten. Der sprichwörtliche „Dienst nach Vorschrift“ hat in Deutschland einer Studie zufolge zuletzt deutlich zugenommen: Emotionale Bindung, Loyalität und Vertrauen in die finanzielle Zukunft des Arbeitgebers sind eingebrochen, zeigten Wissenschaftler des Instituts Gallup im Gallup Engagement Index 2024. Nur noch die nötigsten Aufgaben erledigten der Studie zufolge mehr als drei Viertel der Arbeitnehmer. 2023 waren es noch 67 Prozent.

Zwischen beiden Parteien muss es passen

Das erschwert den Aufstieg im Job. „Wenn die Motivation sinkt und man lange genug unzufrieden ist, wird das auch nach außen sichtbar, der Chef bekommt es irgendwann mit und so sinken die Aufstiegschancen“, sagt Schweizer.

Die Unzufriedenheit führe zudem oft zu emotionaler Erschöpfung: „Man fährt auf die Arbeit und fragt sich, wie man das alles schaffen soll“, erläutert sie. „Viele, mit denen ich gearbeitet habe, haben große Ängste, gehen mitunter seit Jahren durch ein tiefes Tal, aber haben das auch zu spät erkannt – bei manchen führt das zu Burnouts, ganze Familien leiden darunter.“

Um dem vorzubeugen, ist es laut Schweizer wichtig, das richtige Unternehmen für sich zu finden – egal ob Konzern oder Mittelständler. „Der Fit zwischen Unternehmen und Beschäftigten ist der wichtigste Faktor. Dafür müssten die Menschen allerdings erst einmal selbst herausfinden, welche Bedürfnisse und Werte ihnen wichtig sind und welche sie selbst mitbringen – das kommt in unserer heutigen Arbeitswelt viel zu kurz“, erklärt die Wirtschaftspsychologin.

Dass es zwischen beiden Parteien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit passen sollte, weiß auch Marc Berg, CEO von Statista. Vor seiner Zeit bei dem Statistikdienstleister arbeitete Berg etwa bei der Otto-Gruppe und Klarna. Und dem Versicherungskonzern Allianz. „Dort gab es erfolgreiche, aber auch starre Strukturen. Dort habe ich mich unwohl gefühlt und irgendwann gemerkt: Das bin ich gar nicht und hier kann ich nicht erfolgreich sein“, erzählt Berg im Chefgespräch-Podcast der WirtschaftsWoche.

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„Es bringt nichts, sich zu verstellen. Man verbringt mitunter viel Zeit in einem Job. Wenn man eine Maske aufsetzt und sich verbiegt, ist man nicht lange leistungsfähig“, sagt der Statista-Chef. „Das fordert zu viel Energie und Konzentration.“

Die Selbstreflexion als erster Schritt

Um das zu umgehen, rät Karriereberaterin Schweizer erst einmal zur Selbstreflexion. Was will ich, welche Werte vertrete ich? Diese Gedanken für sich zu ordnen, sei wichtig. „Eine erste grobe Orientierung können auch Persönlichkeitstests bieten, zum Beispiel der Myers-Briggs-Test“, sagt sie.

Schweizer rät davon ab, sich ohne Vorbereitung auf ähnliche Stellen bei anderen Unternehmen zu bewerben. Der Schuss gehe zu oft nach hinten los. Vielmehr empfiehlt sie tiefe Recherche. Schon im Wording der Stellenausschreibungen lasse sich viel darüber herauslesen, wie ein Unternehmen tickt. „So kann man eine erste Bauchentscheidung treffen, ob man bei diesem Arbeitgeber überhaupt noch genauer hinsehen will“, sagt sie.

Auch die gängigen Job-Bewertungsportale helfen. „Manche Kommentare dort sind sicherlich überzogen oder beschönigt, aber wenn die zehnte Person schreibt, dass die Führungsebene reihenweise Fehlentscheidungen trifft oder die Stimmung im Keller ist, sollte man vorsichtig sein“, erklärt Schweizer. Genau nützlich kann LinkedIn sein: „Dort lässt sich oft nachschauen, wie das Team aussieht, in dem eine Stelle frei ist. Wie also geben sich die Teammitglieder dort, was posten sie?“, sagt die Karriereberaterin.

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Die Suche nach dem richtigen Match endet nicht mit dem Abschicken der Bewerbung. Wie das Unternehmen direkt kommuniziert, erfährt man nämlich erst dann. Und daraus lasse sich einiges ableiten. „Kriegt man etwa eine Rückmeldung über den Eingang der Bewerbung? Oder einen Hinweis darauf, wann eine Antwort kommen soll? Wie sieht das Wording generell aus?“, gibt Schweizer zu bedenken.

Insider-Tipp: Das Toilettenpapier überprüfen

Nächster Schritt: die Bewerbungsgespräche. „Ich rate oft dazu, schon etwas früher zum Termin zu erscheinen und in der Nähe des Empfangs genau zu beobachten, wie sich die Beschäftigten dort verhalten“, erläutert die Karriereberaterin. Wie geben sie sich? Unterhalten sie sich? Wie ist die Stimmung? Sind die Türen der Büros offen oder geschlossen? Und wie kommunizieren höhergestellte Personen mit den Beschäftigten am Empfang, den Sekretärinnen und Assistenten? „Diese Feinheiten verraten sehr früh viel darüber, ob die Unternehmenskultur zum Bewerber passt“, sagt Schweizer.

Sie hat noch einen weiteren Insider-Tipp parat: „Es lohnt sich, die Toilette zu checken. Ist das Toilettenpapier ein-, zwei- oder sogar vierlagig? Es hört sich komisch an, aber ich weiß aus meiner Erfahrung als Personalerin, dass hier immer zuerst gespart wird, wenn der Fokus im Unternehmen eher auf Kosteneinsparungen liegt.“

Im Bewerbungsgespräch angekommen, hilft es außerdem, den Spieß umzudrehen, sagt die Karriereberaterin. „Typische Personaler-Fragen kann man als Bewerber auch selbst stellen. Zum Beispiel, warum genau das Gegenüber denn gerne beim jeweiligen Unternehmen arbeitet“, erklärt sie.

Mittelständler suchen händeringend Nachfolger

Doch wo sich nach geglücktem Bewerbungsprozess beim passenden Unternehmen nun die besseren Aufstiegschancen einstellen, lässt sich laut Schweizer nicht verallgemeinern. „Natürlich gibt es im Konzern öfter die Möglichkeit, international zu arbeiten und so aufzusteigen, aber dafür sind die Strukturen oft starrer“, sagt sie. „Da sind die kleinen und mittleren Unternehmen anders, hier hat man etwa erheblich schneller die Möglichkeit, sichtbar zu werden – und der Führungsebene aufzufallen.“

Das Potenzial, bei einem Mittelständler nach ganz oben aufzusteigen, ist jedenfalls da. Die Babyboomer-Generation verabschiedet sich zunehmend in den Ruhestand, darunter auch viele Geschäftsführer und Unternehmensinhaber. Viele der Mittelständler suchen seit Jahren händeringend eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Laut einer Auswertung der Wirtschaftsauskunft Creditreform sind knapp 40 Prozent der Betriebe potenziell reif für die Übergabe.

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