Zahlungsmittel: Jeder Zweite hat weniger als 50 Euro Bargeld bei sich
Es ist ein Novum: Die Debitkarte ist zum ersten Mal das bevorzugte Zahlungsmittel der Deutschen. Das zeigen die Ergebnisse des Payment Monitors von Visa, den das Unternehmen mit den Marktforschern von Forsa erstellt hat.
38 Prozent der Befragten zahlen am liebsten mit der Karte, 27 Prozent mit Bargeld und 23 Prozent mit dem Smartphone. In der repräsentativen Online-Befragung hat Forsa rund 1800 Menschen befragt. Parallel schrumpft die Bargeldmenge im Portemonnaie: Jeder Zweite trägt weniger als 50 Euro bei sich, und 44 Prozent nutzen Bargeld nur noch für Fälle, in denen digital nicht gezahlt werden kann.
Mit 87 Prozent unterstützt die Mehrheit der Befragten außerdem die Pläne der Bundesregierung, überall neben Bargeld mindestens eine weitere, digitale Bezahlmethode vorzuschreiben. Darüber hinaus wünschen sich 71 Prozent, überall mit Karte oder Smartphone zahlen zu können.
Laut der Umfrage meidet ein Fünftel mittlerweile sogar Geschäfte, die ausschließlich Bargeld akzeptieren. In der Gruppe unter 35 Jahren sind es sogar 31 Prozent. „Das Bezahlverhalten in Deutschland verändert sich, die Menschen erwarten Wahlfreiheit und digitale Bezahloptionen“, sagt Albrecht Kiel, Zentraleuropa-Chef bei Visa. „Für Händler ist das eine klare Handlungsaufforderung, digitale Zahlungen überall anzubieten.“
Zwar nehmen die Befragten wahr, dass digitales Bezahlen auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist, die Verbreitung ist allerdings noch vergleichsweise gering. Demnach gebe es in Deutschland 18 Bezahlterminals pro 1000 Einwohner – in Polen etwa aber schon doppelt so viele.
Digitale Brieftasche der EU trifft auf Zustimmung
Außerdem zeigt die Studie, dass sich das Smartphone als feste Größe unter den Bezahlmethoden etabliert hat. Fast ein Viertel bevorzugt mittlerweile diese Art, zu zahlen – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Fast ein Drittel nutzt das Smartphone immerhin gelegentlich zum Bezahlen, doppelt so viele wie 2020.
Auch hier sind es vor allem die Jüngeren, die diesen Trend befeuern: Bei der Gen Z sind es 42 Prozent, die am liebsten mit dem Smartphone zahlen. Bargeld hingegen ist nur für 18 Prozent das Mittel der Wahl.
Gefragt wurde ebenso, wie die Verbraucher zu der von der EU geplanten digitalen Brieftasche stehen. Die „European Digital Identity Wallet“ (EUDI-Wallet) soll EU-Bürgern eine elektronische Identität bieten und den Zugang zu Online-Diensten vereinfachen. Dadurch soll es etwa möglich werden, seine Identität sowohl online als auch offline zu authentifizieren und elektronisch rechtsgültige Signaturen zu geben. In dem digitalen Speicher können außerdem wichtige Dokumente wie Personalausweis, Führerschein und Krankenkassenkarte direkt auf dem Smartphone abgelegt und europaweit genutzt werden.
Mehr als die Hälfte der Befragten würde diese nutzen, darunter jeder Zweite zur Zahlungsfreigabe und etwa zwei Drittel zur digitalen Identifizierung.
Nach EU-Recht muss bis Ende 2026 jeder EU-Mitgliedstaat eine Wallet für digitale Ausweise bereitstellen. In Deutschland ist ein stufenweiser Ausbau des Funktionsumfangs ab Anfang 2027 geplant.
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