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Vom Fliegerhorst Wunstorf sind am Donnerstagmorgen 13 Bundeswehrsoldaten nach Grönland gestartet. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Bundeswehr in GrönlandEin Hauch von Abschreckung

Dreizehn Soldaten schickt die Bundeswehr am Donnerstag auf die Reise nach Grönland. Kurz nach dem gescheiterten Krisen-Gespräch mit dem Weißen Haus. Was soll das?Max Biederbeck 15.01.2026 - 11:30 Uhr

Ab Freitag stehen Soldaten der Bundeswehr in Grönland. Zumindest einige davon. Und nur für einen kurzen Moment. Am frühen Donnerstagmorgen sind 13 Angehörige der Truppe mit Sack und Pack zunächst nach Dänemark aufgebrochen, einen Tag später geht es gemeinsam mit den Dänen weiter in die Hauptstadt Nuuk.

Dort sollen sie als „Erkundungsteam“ für einige Tage zusammen mit anderen Nationen die „Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge“ auskundschaften. Um Dänemark im Ernstfall zu unterstützen und die Sicherheit in der Region zu gewährleisten. So teilte es das Verteidigungsministerium am späten Mittwochabend mit. Und folgte damit offenbar prompt auf eine Einladung Dänemarks am selben Tag.

Eine spezielle Mission als Botschaft – und unmittelbar, nachdem ein Gipfel zwischen den USA und Dänemark am Mittwoch über die Grönlandfrage ohne Annäherung zu Ende gegangen ist. Donald Trump hegt weiter den aggressiven Wunsch, die Insel zu erobern, die eigentlich zum Königreich Dänemark gehört. Der US-Präsident schwadroniert von einer Bedrohung durch Russland und China. Erfindet offenbar sogar feindliche Kriegsschiffe vor der Küste, die laut internationaler Expertinnen überhaupt nicht existieren. Oder jedenfalls andernorts patrouillieren.

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Das Weiße Haus lässt sich dennoch nicht von der fixen Idee einer Übernahme abbringen. Von „fundamentalen“ Meinungsverschiedenheiten sprach am Mittwoch der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen nach seinem Treffen mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio.

Seit Tagen schon geistert in europäischen Hauptstädten die Idee über die Flure, Soldatinnen und Soldaten nach Grönland zu senden, um einen Angriff der eigentlich doch verbündeten USA irgendwie abzuschrecken. Frankreich schickte schon in der Nacht eine Einheit auf die Insel. „Weitere werden folgen“, ließ Emmanuel Macron auf X wissen. Bedeutungsschwerer Name der Operation: „Arctic Endurance.“ Zu Deutsch: Arktische Ausdauer.

Aber geht es hier wirklich um ein Säbelrasseln zwischen eigentlich Alliierten? Die Antwort: ein wenig.

Die 13 deutschen Soldaten dienen vor allem der Symbolik. Deutschland will den Vereinigten Staaten Bereitschaft zeigen, sicherheitspolitisch mehr zu leisten. Unterschwellig geht damit aber auch die Botschaft einher, dass die Übernahme von Grönland gegen den Willen der Grönländer und Dänen keine gute Idee ist. Und im Vergleich zum Blitzschlag gegen Venezuela deutlich höhere Kosten für Washington verursachen würde.

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„Wer mit rationalen Argumenten nicht weiterkommt, kann nur noch Kosten aufzeigen“, sagt Verteidigungsexpertin Claudia Major vom German Marshall Fund. Die Erkundung Grönlands? In diesem Sinne „der Versuch einer Abschreckung, der gleichzeitig eine weitere größere Eskalation innerhalb der Nato vermeiden soll.“ Ein Balanceakt, der Donald Trump nicht reizen, aber Folgen seines Handels aufzeigen will. Vielleicht sogar Möglichkeiten, seine Wünsche auch innerhalb des Bündnisses zu erfüllen.

„Man spielt hier mit Handlungsfähigkeit“, sagt Christian Mölling, Direktor der Denkfabrik „European Defense in the New Age“. Der Verteidigungsexperte beschreibt einen „hektischen Aktivismus“, der nebst Solidarität mit Dänemark dazu dient, Trumps angeblichen Sicherheitsbedenken zu begegnen. „Indem etwa die Möglichkeit einer deutschen Seeraumüberwachung vor Ort ausgelotet wird“, sagt Mölling.

Ob das alles nützen kann, entscheidet sich an den wahren Motiven der Amerikaner. Geht es der Trump-Regierung tatsächlich um Sicherheit und Ressourcen, sollte sich ein gemeinsamer Weg aufzeigen lassen. Geht es in Wahrheit aber nur noch um imperialistische Machtfantasien, könnte die Bundeswehr-Mission schnell verpuffen.

Eins ist bei alledem klar: Die Nato steht angesichts des US-Verhaltens vor einer Zerreißprobe und hat schon jetzt schweren Reputationsschaden genommen. Sollte Deutschland am Ende mehr Soldatinnen und Soldaten schicken müssen, wäre es ein bitterböses Zeichen für die Allianz.

Noch am Donnerstag steuerte Verteidigungsminister Boris Pistorius gegen, um Unsicherheiten zu vermeiden: „Russland und China nutzen die Arktis zunehmend militärisch“, stellte er klar. Damit alle noch einmal wissen, wer der eigentliche Gegner in der Region ist.

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