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Aktie auf JahreshochBayer erhält im Glyphosat-Streit Unterstützung von US-Regierung

Im Streit um Risiken des Unkrautmittels hat Bayer Hilfe von der US-Regierung bekommen. Der Supreme Court soll den Fall prüfen. Anleger bewerten das positiv. 02.12.2025 - 11:49 Uhr
Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen. Foto: Oliver Berg/dpa

Neue Hoffnung für Bayer im milliardenschweren Rechtsstreit um mögliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat: Die US-Regierung hat dem Obersten Gerichtshof des Landes empfohlen, ein Berufungsverfahren des Pharma- und Agrarkonzerns anzunehmen. Die Unterstützung durch den Solicitor General, den Vertreter der Regierung vor dem Supreme Court, gilt als entscheidender Schritt für Bayer, um tausende Klagen abzuwenden.

An der Börse sorgte die Nachricht für einen Kurssprung. Die Bayer-Aktie legte um fast 15 Prozent auf 35 Euro zu und war damit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

„Die Entscheidung ist ein wichtiger Meilenstein für Bayer auf dem Weg, die Glyphosat-Risiken zu reduzieren“, sagte Fondsmanager Markus Manns von Union Investment der Nachrichtenagentur Reuters.

Für Bayer steht viel auf dem Spiel: Eine Annahme des Falls durch den Supreme Court und eine Entscheidung zugunsten des Unternehmens könnten Rechtssicherheit schaffen und die Gefahr weiterer Klagen weitgehend ausräumen. Im Kern geht es um die Frage, ob Bundesrecht Klagen nach einzelstaatlichem Recht ausschließt. Der Konzern verweist darauf, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und entsprechende Warnhinweise auf den Etiketten untersagt. „In den USA muss jetzt juristisch klargestellt werden, dass Unternehmen nicht auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten bestraft werden können, wenn sie sich an Kennzeichnungsvorgaben des US-Bundesrechts halten“, forderte Bayer.

Vorstandschef Bill Anderson wertete die Entscheidung als „wichtigen Schritt und eine gute Nachricht für die Landwirte in den USA, die regulatorische Klarheit benötigen“. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Rechtsstreitigkeiten – die das Unternehmen seit Jahren schwer belasten – bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Bis Anfang Januar erwartet Bayer eine Entscheidung des Gerichts über die Annahme des Falls, ein Urteil wäre damit bis zum Sommer kommenden Jahres möglich. Für Bayer ist es bereits der dritte Anlauf vor dem Supreme Court. Zwei vorherige Versuche scheiterten 2022 – einer davon, nachdem die damalige US-Regierung von einer Annahme abriet. Nun rechnet sich der Leverkusener Konzern bessere Chancen aus, da es widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten gibt.

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Gerichtserfolg wäre Befreiungsschlag

Ein Erfolg vor dem Supreme Court würde die Risiken für Bayer deutlich reduzieren, wenn auch nicht alle Klagen sofort beenden, erklärte Fondsmanager Manns. Künftige Klagen würden jedoch deutlich erschwert. Zudem sei zu erwarten, dass viele Kläger dann eine außergerichtliche Einigung zu für Bayer günstigeren Bedingungen annehmen würden. Die Klagewelle hatte sich Bayer 2018 mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des amerikanischen Glyphosatentwicklers Monsanto ins Haus geholt. Bayer argumentiert seit jeher, dass jahrzehntelange Studien die Sicherheit von Glyphosat belegen.

In dem aktuellen Fall geht es um das Urteil eines Gerichts im Bundesstaat Missouri, das dem Kläger John Durnell eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zusprach. Durnell leidet an Non-Hodgkin-Lymphom, das er auf den Einsatz des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup von Bayer zurückführte. Die Zahl der offenen Glyphosat-Klagen in den USA stieg zuletzt auf 65.000 von zuvor 61.000 Fällen.

Der Vertreter der US-Regierung, Solicitor General D. John Sauer, erklärte, die Umweltbehörde EPA habe wiederholt festgestellt, dass Glyphosat für Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend sei. Wenn Gerichte in den Bundesstaaten nun gegenteilige Urteile fällten, untergrabe dies die wissenschaftliche Einschätzung der zuständigen Bundesbehörde. Bayers Vorstoß wird auch von wirtschaftsnahen Gruppen wie der US-Handelskammer unterstützt. Diese argumentieren, dass die Haftung von Bayer auch viele andere Unternehmen, die sich an Bundesrecht halten, Klagen aussetzen würde.

Parallel arbeitet der Konzern gemeinsam mit Landwirtschaftsverbänden an politischen Initiativen für mehr Rechtssicherheit bei der Kennzeichnung glyphosathaltiger Produkte. Für die Beilegung von Klagen hat Bayer bereits rund zehn Milliarden Dollar gezahlt, die Rückstellungen für Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten lagen zuletzt bei knapp sieben Milliarden Euro. Im Ringen um ein Ende der Causa Glyphosat schließt Anderson auch einen Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Herbizid in den USA nicht aus. Der Verkauf an US-Privatkunden wurde bereits 2023 gestoppt, da sie die überwiegende Mehrheit der Kläger stellten.

Vorstandschef Bill Anderson begrüßte die Entwicklung. „Die Unterstützung der US-Regierung ist ein wichtiger Schritt und eine gute Nachricht für die Landwirte in den USA, die regulatorische Klarheit benötigen.“ Diese Rechtsfrage habe erhebliche Bedeutung, weil die falsche Anwendung von Bundesrecht die Verfügbarkeit von innovativen Lösungen für Landwirte sowie Investitionen in die US-Wirtschaft grundsätzlich gefährde. Anderson hatte zuletzt mehrfach bekräftigt, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant eindämmen zu wollen.

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Für Bayer ist es bereits der dritte Anlauf vor dem Supreme Court. Zwei vorherige Versuche scheiterten 2022 – einer davon, nachdem die damalige US-Regierung von einer Annahme abgeraten hatte. Nun rechnet sich Bayer bessere Chancen aus, da es widersprüchliche Urteile von Bundesberufungsgerichten gibt. Der Konzern verweist darauf, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend klassifiziert und entsprechende Warnhinweise untersagt. „In den USA muss jetzt juristisch klargestellt werden, dass Unternehmen nicht auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten bestraft werden können, wenn sie sich an Kennzeichnungsvorgaben des US-Bundesrechts halten.“

Konkret geht es um das Urteil eines Gerichts im Bundesstaat Missouri, das dem Kläger John Durnell ursprünglich eine Entschädigung von 1,25 Millionen Dollar zugesprochen hatte. Durnell leidet an Non-Hodgkin-Lymphom, das er auf den Einsatz des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup von Bayer zurückführte. Bayer hatte im April die Prüfung des Falls beim Supreme Court beantragt.

Die Zahl der offenen Glyphosat-Klagen in den USA stieg zuletzt auf 65.000 von zuvor 61.000 Fällen. Die Klagewelle hatte sich der Leverkusener Konzern mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme des amerikanischen Glyphosatentwicklers Monsanto 2018 ins Haus geholt. Bayer argumentiert seit jeher, dass jahrzehntelange Studien die Sicherheit von Glyphosat belegen.

Der Vertreter der US-Regierung, Solicitor General D. John Sauer, erklärte, die Umweltbehörde EPA habe wiederholt festgestellt, dass Glyphosat für Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend sei und daher Roundup-Etiketten ohne Warnhinweis genehmigt. Wenn Gerichte in den Bundesstaaten nun gegenteilige Urteile fällten, untergrabe dies die wissenschaftliche Einschätzung der zuständigen Bundesbehörde. Bayers Vorstoß wird auch von wirtschaftsnahen Verbänden wie der US-Handelskammer unterstützt. Diese argumentieren, dass die Haftung von Bayer auch viele andere Unternehmen, die sich an Bundesrecht halten, Klagen aussetzen würde.

Für die Beilegung von Klagen hat Bayer bereits rund zehn Milliarden Dollar gezahlt, die Rückstellungen für Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten lagen zuletzt bei knapp sieben Milliarden Euro. Im Ringen um ein Ende der Causa Glyphosat schließt Anderson auch einen Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Herbizid in den USA nicht aus. Der Verkauf an US-Privatkunden wurde bereits 2023 gestoppt, da sie die überwiegende Mehrheit der Kläger stellten.

rtr
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