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Marc FaberDie Freiheit des Dr. Doom

Im thailändischen Chiang Mai hat sich der berühmte Investor eine Fantasie-Villa bauen lassen. Besuch bei einem Schwarzseher, der niemals mit der Masse geht.Philipp Mattheis 11.02.2015 - 06:00 Uhr

Investor Marc Faber hat sich seinen Traum Thailand verwirklicht.

Foto: Egill Bjarki für WirtschaftsWoche

Es gibt zwei Möglichkeiten, Dr. Doom („Doktor Weltuntergang“) in seiner thailändischen Wahlheimat Chiang Mai zu treffen. Man kann sich zwischen 18 und 20 Uhr in eine kleine Bar namens Linda’s setzen und dort neben deutschen Motorradfahrern, einarmigen Berufsalkoholikern und grazilen Mädchen in ultraknappen Neon-Kleidern auf ihn warten.

Oder man kann ihn in seiner roten Fantasie-Villa besuchen. Der Weg dorthin führt an Villen vorbei an das Ufer des Ping. Der Fluss fließt durch Chiang Mai, eine 135.000-Einwohner-Stadt im Norden Thailands. Wir sind eine halbe Stunde zu spät, unser Fahrer hat den Weg trotz Fabers Beschreibung nicht gleich gefunden.

Hunde bellen. Ein Thai mit Gartenschlauch in der Hand winkt lächelnd vom Grundstück: Man solle ruhig eintreten. Das ist Kun Gi, der Gärtner, Butler und Hundehüter Fabers. Vor der Flügeltür des Hauses verneigen sich zwei groteske Holzfiguren in Mao-Anzügen. Faber sitzt im Schein einer Schreibtischlampe am Ende eines dunklen Saals, vor einer Bücherwand. Die verbliebenen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Hier sitzt er, umgeben von meterhohen Bücherwänden. Die Stehlampe beleuchtete früher eine Straße in Thailand, um das schwere Holzportal kleben unzählige Mao-Badges.

Foto: Darren Soh

Dieser Teil des Hauses wirkt wie eine Kathedrale. Die Treppen führen zu Schlafzimmer, Bad und Galerie. Faber wollte kein Geländer, entwarf auf Drängen des Architekten ein chinesisch inspiriertes Eisenmodell.

Foto: Darren Soh

Stühle, Kommoden, Lampen, Kunst – Faber hat Exponate aus halb Asien zusammengetragen. japanische Möbel zieren die Halbetagen. Der Tontopf stammt aus Vietnam.

Foto: Darren Soh

In Fabers Badezimmer hängen chinesische Akte.

Foto: Darren Soh

Blick aus dem Schlafzimmer in die Halle der ersten Etage: Die Deckenlampe wurde nach einem Entwurf von Marc Fabers Ehefrau Supatra gefertigt, sie ist mit Monsterfliegen besetzt. Die beiden über mehrere Etagen laufenden Holzsäulen sind Teak-Baumstämme, gut 20 Meter hoch.

Foto: Darren Soh

Die schwindelerregend steile Wendeltreppe führt in einen Aussichtsturm, von wo aus der Hausherr bei Lust und Laune ganz Chiang Mai überblicken kann.

Foto: Darren Soh

Faber fragt: „Ist euer Fahrer ein Vollidiot?“

Er grummelt, man möge die Schuhe ausziehen und sich dann umschauen, er habe noch eine E-Mail zu schreiben.

Kassandra des Finanzsystems

Marc Faber ist Fondsmanager, Buchautor und vor allem eine Art Kassandra des globalen Finanzsystems. Er hat vor den großen Crashs der letzten 30 Jahre gewarnt: dem Börsencrash 1987, dem Ende des Japan-Booms 1990 und der Asien-Krise 1997. Beim vierten Crash, dem Platzen der Dotcom-Blase 2000, war er zwei Jahre zu früh dran, was er einmal als „schwarzen Fleck seiner Karriere“ bezeichnete.

All das hat ihm den Beinamen „Dr. Doom“ eingebracht. Unermüdlich fliegt er um die Welt, hält Vorträge, besucht Aufsichtsratssitzungen und gibt Interviews, in denen er vor Blasen und Börsencrashs warnt. Sein Rat ist gefragt, er wird weltweit respektiert. In dem berühmten Roundtable des WirtschaftsWoche-Partnermagazins „Barron’s“ streitet Faber, der 300 Millionen Dollar managt, auf Augenhöhe mit Kalibern wie Bill Gross, der einmal mehrere Hundert Milliarden Dollar verantwortete. Faber sieht die Welt jetzt auf den ultimativen Kollaps zusteuern.

Kunst und viele Bücher

Fabers Villa ist Denkmal, Bürogebäude, Privatmuseum und Alterssitz in einem. Sie hat die Ausmaße und Wirkmächtigkeit einer Kathedrale. Zwei Säulen aus Teakholz stützen das 25 Meter hohe Gebäude. In der Mitte steht eine hölzerne Tafel, umringt von 14 Stühlen, auf der drei Dutzend Mao-Büsten aus weißem Porzellan aufgebahrt sind. Zwei hölzerne Treppen schrauben sich um eine zimmerhohe Buddha-Statue herum in das nächste Stockwerk. Der Einrichtungsstil ist eklektisch: eine Mixtur aus asiatischer Tradition, Zeitgeschichte und persönlichen Erinnerungen. Wer sich auf der Toilette im Erdgeschoss erleichtert, tut das auf einem hölzernen Thron im Louis-quatorze-Stil. Die Bücherwände sind meterhoch, darin die Klassiker der Nationalökonomie: Werke von Adam Smith, John Stuart Mill, aber auch Milton Friedman. Um an die oberen Exemplare heranzukommen, braucht man eine Leiter.

Geldanlage Propagandakunst

An den Wänden hängen Hunderte Propagandaposter aus der Mao-Zeit. Sie zeigen Arbeiter beim Dreschen von Getreide oder beim Schmelzen von Stahl. Faber kaufte sie 1976 nach dem Tod Mao Tse- tungs, zusammen mit Tausenden anderen Stücken. Nicht, weil er den Diktator bewundert, sondern, weil er mit einem Wertanstieg der Propagandakunst rechnete. Heute besitzt er die wahrscheinlich größte Sammlung an Mao-Memorabilien auf der Welt, nach der Kommunistischen Partei Chinas.

Der internationale Kunstmarkt wächst
Nach einem vorübergehenden Einbruch im Zuge der Finanzkrise wächst der internationale Kunstmarkt wieder gewaltig. Gleichzeitig hat sich der Handel globalisiert. Vermögende aus China, Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten treiben die Preisspirale kräftig an - in einer Branche, deren Geschäfte jahrzehntelang auf die USA und Europa konzentriert waren.
Das Londoner Auktionshaus Christie's vermeldet seit 2010 kontinuierliche Umsatzsteigerungen. Während die Einnahmen 2009 um 35 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar (2,4 Mrd Euro) einbrachen, erzielte Christie's im vergangenen Jahr mit 7,1 Milliarden Dollar (plus 14 Prozent) den höchsten Erlös seiner Geschichte.
Auch beim Konkurrenten Sotheby's geht es seit 2010 mit Ausnahme eines kleinen Aussetzers 2012 wieder bergauf. 2009 hatten die Gesamteinnahmen noch bei 2,8 Milliarden Dollar gelegen, fast die Hälfte weniger als 2008. Im vergangenen Jahr setzte das Auktionshaus dann mehr um als je zuvor: Der Umsatz stieg auf 6,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt den jungen Faber in Hongkong, oberkörperfrei, breit, selbstbewusst, mit Sonnenbrille und Wind im schon schütteren Haar. Vor ihm eine schöne junge Thailänderin, seine Frau Supatra, mit der er seit über 30 Jahren verheiratet ist.

Hinter einer hölzernen Flügeltür liegt ein Schlafsaal, in dessen Mitte ein Teakholz-Bett steht. An das Zimmer schließen zwei Badezimmer an, inklusive frei stehender Messing-Badewanne. Die letzte Wendeltreppe führt zum Aussichtsturm. Vom höchsten Punkt des Hauses in 25 Meter Höhe blickt man auf einen Banyan-Baum und den Fluss. Ein Gecko quakt.

Voraussetzungen für werthaltiges Sammeln
Unter vermögenden Sammlern sind insbesondere Kunstwerke, Oldtimer, Goldmünzen oder Porzellan beliebt. Aber auch eine Sammlung edler und seltener Weine, Whiskys oder Teddybären kann sich langfristig auszahlen. Wichtig ist eine dauerhaft große Sammlerszene, umfassende Verfügbarkeit von Informationen und transparente Preise. Entscheidend ist die Chance, wirklich seltene und besondere Stücke im Fachhandel, auf Fachmessen oder Auktionen aufzuspüren. In engen und intransparenten Sammelgebieten ist das Risiko groß, zu viel zu bezahlen.
Gerade unter dem Aspekt Werterhalt und -steigerung ist es elementar, sich in seinem Sammelgebiet hervorragend auszukennen. Ohne eine gewisse Leidenschaft für das Sammelobjekt ist das kaum erreichbar. Teilweise empfiehlt sich sogar die Mitgliedschaft in einem Fachverein, zum Beispiel die Numismatikvereine für Münzsammler.
Der Erfolg einer Geldanlage in Sachwerte steht und fällt mit dem Einkaufpreis. Zwar ist immer wieder von ungewöhnlichen Flohmarktschnäppchen zu hören, in der Praxis sind sie aber höchst unwahrscheinlich. Besser zum Ziel gelangt, wer die Preise für gleichwertige Sammelobjekte kennt, viel vergleicht und hart verhandelt. „Einige Händler scheuen sich nicht, den Preis um 50 oder 100 Prozent zu erhöhen. Sie müssen realistisch kalkulieren und durch Vergleiche einen vernünftigen Preis ermitteln“, sagt Gerald Pilz, Autor des Buches „Ungewöhnliche Wertanlagen“.
Praktisch in allen Sammelgebieten ist der Kauf beim Fachhändler, auf Fachmessen oder bei renommierten Auktionshäusern dringend zu empfehlen. Auf Flohmärkten oder Online-Auktionen besteht ein hohes Risiko, lediglich eine Fälschung zu erstehen. Selbst Oldtimer-Ersatzteile, Porzellan oder Überraschungsei-Figuren sind als Fälschungen in Umlauf. Besonders teure Stücke verlangen zudem nach einem Gutachten oder Echtheitszertifikat.
Manche Sammelgebiete verursachen hohe laufende Kosten. Oldtimer etwa müssen auch mal gefahren und immer wieder gewartet werden. Münzen oder Briefmarken können ein Bankschließfach oder eine zusätzliche Versicherung nötig machen. Bonsai-Bäume können sogar nur vom Fachmann werterhaltend gepflegt werden.
Wertsteigerungen für Raritäten gibt es nicht über Nacht. Viele Sammelobjekte sollten deshalb mindestens zehn Jahre oder länger in Besitz bleiben. Das empfiehlt sich vor allem für Sammelgebiete, in denen das Angebot mit der Zeit immer knapper wird. Zum Beispiel werden auch seltene Weine oder Whiskys von Liebhabern immer wieder geleert, das Angebot somit knapper.
Anleger müssen damit rechnen, dass sich Sammelobjekte nicht schnell zu Geld machen lassen, wenn ein angemessener Preis erzielt werden soll. Wer es mit dem Verkauf eilig hat, wird Einbußen hinnehmen müssen.

Faber kaufte das Grundstück im Jahr 2000 mit seiner thailändischen Frau. 8000 Quadratmeter inklusive eines alten Thaihauses, in dem er heute wohnt. Drei Jahre dauerte der Bau der roten Villa, dann verließ Faber seine Wahlheimat Hongkong und bezog sein neues Zuhause in Chiang Mai.

In Hongkong hat er heute noch ein kleines Büro mit zwei Mitarbeitern, die sich hauptsächlich um seinen Newsletter, den „Gloom, Boom & Doom Report“, kurz GBDR, kümmern. In der Januar-Ausgabe heißt es: Indem die Regierungen die freie Marktwirtschaft und den reinen Kapitalismus unterdrücken, sei „ein größtenteils sozialistisch geplantes und faschistisches System entstanden, das die oberen 0,01 Prozent begünstigt, während die Mehrheit der Bevölkerung verarmt“.

"The Trend is your friend"

"Der Trend ist dein Freund" gehört wohl in die Kategorie der irreführenden Börsenweisheiten. Denn es animiert Anleger dazu, einem Aufwärts- oder Abwärtstrend durch Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren zu folgen, blendet dabei aber aus, das Trends endlich sind und auch jäh kippen können. Das Problem: Die Gefahr ist hoch, dass der Anleger zu spät auf den fahrenden Zug aufspringt und er bis zu der Erkenntnis, dass sich der Freund "Trend" von einem abgewendet hat, hohe Verluste eingefahren hat. Gerade in turbulenten Börsenzeiten wie in den vergangenen Jahren wechseln Trends sehr häufig und sehr schnell.

Quelle: "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen", von Jessica Schwarzer (Handelsblatt), erschienen im Börsenbuchverlag im Dezember 2013, sowie eigene Recherchen.

Foto: dpa

"Sell in may and go away"

Eine weit verbreitete Börsenweisheit, die die Entscheidung zu kaufen oder zu verkaufen anhand des Kalenders propagiert. Doch leider hält sich die Kursentwicklung an der Börse nicht an Termine. Zwar nimmt der Handel in den Sommermonaten oftmals ab und im Herbst wieder zu, doch gibt es in der Historie auch reichlich Gegenbeispiele. Etwa den Mai 2013, als der deutsche Hauptindex Dax seine Rekordjagd begann und nur in diesem einen Monat um sechs Prozent zulegte. Letztlich ist es nicht das Datum, sondern die erwartete Wirtschaftslage, die über Auf und Ab an der Börse entscheidet.

Foto: Fotolia

"Timing ist alles"

Jeder möchte Aktien gerne kaufen, wenn die Kurse auf dem Tiefpunkt sind, und verkaufen, wenn sie ihren Zenit erreichen. Das Problem: Wann Hoch- oder Tiefpunkt erreicht wurden, wissen Anleger erst im Nachhinein. Denn leider klingelt kein Wecker, wenn die Kauf- und Verkaufskurse optimal sind. Nicht einmal Profis gelingt das perfekte Timing ohne eine große Portion Glück - aber sie erkennen, wann eine Aktie günstig bewertet oder schon zu teuer ist und verfolgen meist eine langfristige Strategie. Wer aber versucht, immer in die Kurstäler und -spitzen zu handeln, generiert hohe Handelsgebühren, die viel von der Rendite aufzehren. Hier gilt eher der Börsenspruch: "Durch eine verpasste Gelegenheit ist noch niemand arm geworden." Gleiches gilt für Gewinnmitnahmen bevor der Kurs seinen Gipfel erklommen hat.

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"Beim Denken ans Vermögen, leidet oft das Denkvermögen"

Diesen Spruch gibt es auch in vereinfachter Form: Gier frisst Hirn. Zwar neigt die Psyche des Menschen dazu, sich die eigenen Fehler schönzureden und wer allzu gierig ist, schlägt leicht über die Stränge oder geht allzu vollmundigen Versprechen oder gar Betrügern auf den Leim. Aber im Grunde ist diese Erkenntnis nutzlos, denn schließlich kann sich kein Anleger seiner Psyche entziehen. Der einzige Rat der daraus folgt, sollte für Anleger an der Börse eigentlich eine banale Selbstverständlichkeit sein: Bewerten Sie die Fakten so objektiv wie möglich und verlassen Sie sich nicht einfach auf ihr Bauchgefühl. Das weiß aber jeder Anleger, der schon einmal zulangte, an einem Wertpapier festgehalten und dadurch schmerzliche Verluste gemacht hat.

Foto: dpa

"Buy on bad news, sell on good news"

Grundsätzlich ist es ja richtig: Gibt es zu einer Aktie schlechte Nachrichten, fällt in der Regel der Kurs, und das Papier kann billig gekauft werden. Aber häufig sind bei Unternehmen in Schwierigkeiten ganze Serien schlechter Nachrichten zu beobachten, so dass die Kurse immer noch tiefer fallen. Woher sollen Anleger auch wissen, ob es nicht noch schlimmer kommt? Umgekehrt gilt das ebenso: Es gibt Unternehmen, die regelmäßig mit ihren Ergebnissen die Markterwartungen übertreffen. Wer gleich bei der ersten positiven Überraschung verkauft, verpasst womöglich das Beste. Beispiele dafür waren in der Vergangenheit etwa Werte wie Apple oder Google. Was die Zukunft aber bringt, kann kein Anleger wissen.

Foto: AP

"Geben Sie mir eine gute Regierung, und wir haben eine gesunde Börse."

Der Satz stammt vom ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank Hermann Josef Abs (†1994), rechts im Bild. Der Ausspruch ist bekannt, aber heute nur von geringem Gehalt. Beispiel China: Das dortige Wirtschaftswunder fand trotz eines totalitären kommunistischen Regimes seinen Niederschlag an den Börsen. Was heißt also eine "gute" Regierung? Die jüngsten Wahlen in der Bundesrepublik etwa haben die Frankfurter Börse kaum beeinflusst, weil kein grundsätzlicher Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik zu erwarten war. Eine neue Regierung, die keine neuen Impulse verspricht, hindert die Börse aber nicht daran, Rekordhöhen zu erreichen. Der Spruch stimmt lediglich im historischen Kontext.

Foto: Picture-Alliance/dpa

"Ein Spekulant der auf fallende Kurse setzt, gräbt eine Grube, in die andere hineinfallen."

Hintergrund ist, dass zum Beispiel Hedgefonds Aktien verkaufen können, die sie gar nicht besitzen. Geschieht das in großer Menge, fallen die Kurse und der Spekulant kann die Aktien günstiger kaufen, um seine Verkaufsposition auszugleichen - und erzielt so einen Spekulationsgewinn auf Kosten der anderen Aktionäre. Die Erkenntnis hilft einem Privatanleger jedoch wenig, denn mit seinen kleinen Handelspositionen ist er dem Auf und Ab durch derlei Kursmanipulationen zunächst ausgeliefert. Ist der Kurssturz jedoch nicht durch fundamentale Daten wie Umsatz, Gewinn oder Cash-Flow eines Unternehmens untermauert, dürfte sich eine so heruntergeprügelte Aktie in der Folge wieder erholen. Anleger können die Schwächephase also aussitzen.

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"An der Börse kann man nur 100 Prozent verlieren, aber 1.000 Prozent gewinnen."

Frank Lehmann, der ehemalige Börsenberichterstatter der ARD, verstand es, die Börse dem Publikum mit einfachen Worten und auf unterhaltsame Weise näher zu bringen. Mitunter waren seine Sätze jedoch allzu zugespitzt. Denn wer "nur" alles verloren verloren hat, dürfte die Nase von der Börse gestrichen voll haben. Die Verzehnfachung des Investments ist zwar möglich, aber auch eher eine Ausnahmeerscheinung. Was dem Satz aber unzweifelhaft innewohnt, ist vielmehr, das hohe Risiken auch mit großen Chancen einhergehen. Des Risikos sollten sich Anleger dabei aber immer bewusst sein - und an der Börse nur Geld investieren, auf dass sie schlimmstenfalls verzichten können.

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"Börsensignale sind wie Musik, man benötigt eine Antenne um sie aufzufangen, um dann den Rhythmus zu erkennen."

Mit musikalischem Verständnis kommt man an der Börse nicht weit, nicht einmal bei den Aktien von Konzertveranstaltern oder Tickethändlern. Der Ausspruch ist genauso gefährlich, wie das Festhalten an einem Trend oder das Vertrauen auf das Bauchgefühl. An Börsen wird auf die wirtschaftliche Zukunft von Unternehmen gewettet - und die einzigen Anker dafür sind die Börsenbewertung, die Geschäftszahlen, die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die mehr oder minder fundierten Erwartungen zur Zukunft. All das müssen Aktionäre berücksichtigen - sonst spielt die Musik ohne sie oder endet jäh.

Foto: dpa

"Man kann auch durch Zufall die richtigen Entscheidungen treffen."

Der Satz ist zweifellos richtig. Da sich der Zufall jedoch nicht planen lässt, ist der Satz eher nutzlos. Sollte damit gemeint sein, dass sich Anleger bei ihren Anlageentscheidungen vom Zufall leiten lassen können, ist der Spruch sogar gefährlich. Es stimmt zwar, dass eine zufällige Auswahl von Wertpapieren in Versuchen mit Affen ähnlich erfolgreich war, wie die gezielte Auswahl durch gestandene Fondsmanager. Langfristig zahlt sich jedoch die gezielte Auswahl von Wertpapieren aus, weil Verluste möglichst vermieden werden. Schließlich investieren Anleger in Unternehmen, die Geld verdienen wollen. Ein Spiel am Roulettetisch kann hohe Gewinne bescheren - ein Investment ist es jedoch nicht. Und am Ende gewinnt immer das Casino.

Foto: dpa

250.000 US-Dollar bezahlte Faber damals für das Grundstück, weitere 300.000 kostete der Bau des Hauses. Ein Schnäppchen, sagt er. Eigentümer sind heute seine Frau und seine Tochter, Ausländer dürfen in Thailand keinen Grund erwerben. Meistens ist er allein hier. Seine Tochter hat ein Café in Luang Prapang, einer kleinen Stadt in Laos; seine Frau lebt mittlerweile in Bangkok. Ihr wurde das Alleinsein zu viel – 80 Prozent seiner Zeit ist Faber auf Reisen.

Melancholischer Globetrotter

Auf Thailändisch bestellt Faber bei Kun Gi Dosenbier.

„Ich möchte das Reisen etwas reduzieren, es wird anstrengender im Alter“, sagt Faber. Er spricht Deutsch im gemächlichen und beruhigendem Schweizer Akzent. Melancholisch stimmt ihn die Tatsache, dass es ihm heute schwerer falle, bis fünf Uhr morgens durch Bars und Clubs zu ziehen und am nächsten Tag normal zu arbeiten – Faber wird jetzt im Februar 69.

"The Wolf of Wall Street"

Auf den letzten Drücker bringt Martin Scorsese nach Weihnachten daher noch den Wall-Street-Thriller „The Wolf of Wall Street“ in die Kinos. Am 16. Januar läuft das dreistündige Epos über Betrug, Geiz und Exzesse an der Wall Street an. Leonardo DiCaprio spielt den US-Börsenmakler Jordan Belfort, der wegen illegaler Finanzgeschäfte in den 90er Jahren fast zwei Jahre hinter Gittern verbrachte.

Der Film reiht sich ein in eine lange Historie von Filmen über Gier und Geld...

Foto: Screenshot

Trading Places (dt. Glücksritter, 1983)

An der Börse in Chicago gehen zwei ultrareiche Broker eine Wette ein: Ein reicher Händler aus gutem Hause soll zu einem armen Obdachlosen verwandelt werden, und ein armer Obdachloser in einen reichen Händler. Der Wetteinsatz: ein Dollar. Die zwei Opfer rächen sich.

Das reiche Opfer sagt Sätze wie: “Denke immer groß, denke positive, zeige nie ein Zeichen von Schwäche. Gehe immer an die Gurgel. Kauf billig, und verkaufe teuer. Angst? Das ist das Problem der Anderen!” Eddie Murphy, Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis machen diesen Streifen zu einem perfekten 80er-Jahre-Abend.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Oceans Trilogie (2001-2007)

Kasinos ausrauben macht Spaß. Dabei auch noch eine gute Figur machen – das hat der Regisseur Steven Soderbergh mit seiner glänzenden Trilogie immer wieder aufs Neue inszeniert. Das Publikum bedankte sich artig bei ihm und füllte die Kinos und die Kasse von Soderbergh, der damit seine Independent-Filme drehte.

Foto: WirtschaftsWoche

21 (2008)

Etwas ernster geht es in diesem Film zu: Studenten vom Massachusetts Institute of Technology wenden mathematische Strategien an, mit denen sie mit Blackjack in Kasinos weltweit ganze Millionengewinne einheimsen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Foto: PR

Ri$iko - Der schnellste Weg zum Reichtum (2000)

Ben Affleck spielt hier Jim Young, der direkt nach der Uni bei einem Börsenbroker anheuert. Gewissenhaft und schnell arbeitet sich Young ein. Bald beherrscht er die Kunst des Verkaufens so gut, dass er aufpassen muss, nicht auch seine Mutter zu verkaufen.

Foto: PR

Casino (1995)

„Ein Kasino zu betreiben, ist wie ein Banküberfall, aber ohne das die Bullerei anrückt. Las Vegas wäscht mich von meinen Sünden frei. Es ist wie eine Moral-Waschanlage“ sagt Ace Rothstein (Robert de Niro). Er und Nicky Santoro (unvergesslich: Joe Pesci) sitzen am Ruder des Tangiers, ein fiktives Kasino in Las Vegas. Beide kommen aus der Mafia-Unterwelt, Rothstein macht Wetten, Santoro kümmert sich um das schmutzige Geschäft. Beide kennen sich in ihrem Metier wie keine Zweiten aus. Erzählt wird: Aufstieg und Fall einer skrupellosen Mafiatruppe, die in Las Vegas einfällt, um im Kasino-Geschäft Fuß zu fassen. Nur in wenigen Streifen kann man so gut verfolgen, was Geld bedeutet und was Geld mit den Menschen anstellt. Die Szenen in „Casino“ sind garniert mit Sätzen wie: „Es hätte alles perfekt sein können. Ace hatte mich, Nicky Santoro, der auf seinen Arsch aufgepasst hat. Er hielt Ginger, die Frau, die er liebte, in seinen Armen. Am Ende haben wir es alle verschissen.“

Es ist vielleicht der beste Film von Martin Scorsese. Viele kritisieren den Regisseur dafür, er hätte mit diesem Film gleich den Vorgänger „Goodfellas“ nochmal gedreht. Auch wenn der Vorwurf stimmen sollte: Es gibt nur wenige Filmemacher, denen solche eine Chuzpe gelingt.

Foto: WirtschaftsWoche

Der große Crash - Margin Call (2011)

Ein Risikomanager wird aus einer großen Bank gefeuert. Sein vermeintliches Vergehen: Er hat herausgefunden, dass die Aktienpapiere nichts wert sind und dass die Bank sofort Pleite gehen könnte, wenn es geringe Marktbewegungen geben könnte. In 24 Stunden muss die Bank gerettet werden. Ein sehr gut besetzter Film (Kevin Spacey, Demi Moore,..), der den Beginn der Finanzkrise am besten seziert.

Foto: PR

Die Verurteilten (1994)

Eigentlich ist der Streifen ein Gefängnisfilm. Doch hintergründig geht es vor allem um das Gelingen riskanter Unternehmungen: Andy Dufresne ist wegen Mord an seiner Frau und ihrem Liebhaber zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Film spielt in den 1940er Jahren, Dufresne ist von Beruf Banker; vielleicht einer, wie es ihn nur früher gegeben hat. In absoluter Hingabe arbeitet der Banker einen minutiösen Plan aus, um den Ausbruch zu versuchen. Tim Robbins spielt die Hauptrolle, an der man sich gut abschauen kann, wie wichtig es ist, nachhaltigen langfristigen Erfolg zu planen.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Firma (1993)

Mitch McDeere beginnt seine vielversprechende Karriere bei einer kleinen, aber sehr erfolgreichen Anwaltskanzlei. Das Geschäft läuft gut und Mitch kommt immer später nach Hause, sein Aktenberg auf dem Schreibtisch im Büro wächst und wächst. An dem Erfolg der Firma kann nicht alles koscher sein, denn irgendwann schöpft McDeere (Tom Cruise) Verdacht, als er herausfindet, dass einige seiner Vorgänger auf mysteriöse Weise gestorben sind. Seine Ehefrau sitzt derweil daheim und wünscht sich die Zeiten zurück, als sie weniger Geld hatten, aber mehr Zeit miteinander verbringen konnten.

Foto: WirtschaftsWoche

Zwei glorreiche Halunken (1966)

Ein Italo-Western, ein Sergio-Leone-Western, ein großartiger Film, der mit seinem internationalen Titel eigentlich richtig seine inhärente Spannung ausdrückt: The Good, the Bad and the Ugly. Der deutsche Name ist daher ein Anschlag auf den guten Geschmack, wie er nur von der hiesigen Filmübersetzung verübt werden kann - allein, weil er in diesem Fall schon die gesamte Pointe offenlegt.

Im dritten Teil der Dollar-Trilogie (gemeinsam mit „Für eine Handvoll Dollar“, „Für ein paar Dollar mehr“) schlagen sich drei Kopfgeldjäger während des amerikanischen Bürgerkriegs um die geklaute Regimentskasse der Südstaatenarmee im Wert von 200.000 Dollar. Zwei bleiben am Ende übrig. Doch es stellt sich wie in fast allen Leone-Filmen die Frage: Wohin mit so viel Geld, wenn man nur von Wüstensand und kahlen Steinen umgeben ist? In Leones Werken kann man mit dem Geld, das man sich schwer erkämpft hat, nichts anfangen. Es ist nur Zweck an sich.

Foto: WirtschaftsWoche

Wall Street (1987)

In wenigen Filmen wird das Spekulationsgeschäft an der Börse so real dargestellt wie in „Wall Street“. Gordon Gecko nimmt einen jungen ambitionierten Broker unter seine Fittiche. Diesen versucht Gecko mit folgenden Sätzen in das Brokergeschäft einzuweisen: „Die reichsten ein Prozent dieses Landes besitzen die Hälfte unseres Reichtum, fünf Billionen Dollar. Ein Drittel davon kommt von harter Arbeit, zwei Drittel von Erbschaften, und was Zins und Zinseszins für die Witwen und idiotischen Söhne so abwerfen. Und natürlich von dem was ich tue: Aktien- und Immobilienspekulation“.  

Die Rolle des Gordon Geckos steht dem Schauspieler Michael Douglas wie angenäht. Es ist vielleicht seine beste Rolle.

Der zweite Teil „Wall Street: Geld schläft nicht“ kam gerade pünktlich zur Finanzkrise 2010 heraus. Er war leider nur halb so gut. Allein schon deshalb, weil irgendjemand in Hollywood es für eine gute Idee hielt, den Transformers-Schauspieler Shia Labeouf mit in die Handlung aufzunehmen.

1997 schlüpfte Douglas in „The Game“ wieder in die Rolle eines sehr reichen Mannes. An dem Geburtstag des Protagonisten steht sein Bruder vor dem Problem: Was kann ich jemanden, der alles hat, überhaupt schenken? So viel sei schon verraten: Der Bruder legt sich mächtig ins Zeug.

Foto: PR

Der Kollaps des Systems

Sein Lieblingsthema ist der Kollaps des Systems, herbeigeführt durch die Gelddruckerei der Notenbanken, die er verantwortungslos nennt, und die damit verbundene „Asset-Inflation“, die ständige Wertzunahme von Immobilien und Aktien. Anstatt die Wirtschaft zu stimulieren, fließe das Geld in Vermögenswerte. „Ich selbst habe davon profitiert“, sagt er. „Aber junge Leute haben es heute viel schwerer. Reiche kommen immer besser durch die Inflation.“ Durch die Niedrigzinsen finde eine schleichende Enteignung von Sparern statt. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich. Es gebe mehr Arme, die auf Sozialleistungen angewiesen seien. Hinzu kämen Millionen von Einwanderern, die sich auf Kosten des Gemeinwesens durchfüttern ließen. So wachse der Staat immer weiter, während die soziale Kohäsion verloren geht. Ein Teufelskreis, den dumme Politiker und Notenbanker verantworteten.

Fabers Welt ist die der Tüchtigen, Freien und Mutigen. Er beklagt die sinkenden Reallöhne in der westlichen Welt – doch der Schlüssel zu Gerechtigkeit und Gleichheit ist für ihn nicht mehr Umverteilung, sondern weniger. Ein großer Staat mache die Menschen faul. Für Sozialleistungen können auch Philanthropen sorgen. Ja, er spendet einen Teil seines Vermögens für eine Nichtregierungsorganisation, die sich um Kinder in Asien kümmert. Kun Gi bringt nochmals Dosenbier.

Es begann bei der White Weld Company

Fabers Karriere begann Anfang der Siebziger bei der US-Investment-Firma White Weld Company. Nachdem er 24-jährig in Wirtschaftswissenschaften promoviert hatte, zog der Sohn eines Zürcher Chirurgen erst nach New York und 1973 nach Hongkong. „Nach Asien zu gehen war wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung meines Lebens“, sagt er. Es war eine Wette auf die Zukunft, denn damals war die Öffnung Chinas noch nicht abzusehen. Erst Anfang der Achtziger begannen auf dem Festland die marktwirtschaftlichen Reformen, und erst Mitte der Neunziger nahm das Wirtschaftswachstum an Fahrt auf.

Thailand in Zahlen
Thailand hat 1932 die absolute Monarchie abgeschafft. In der parlamentarischen Demokratie ist der König aber weiter Staatsoberhaupt. Seit 1932 hat die Armee 18 mal geputscht, zuletzt 2006. Das Land in Zahlen:Einwohner: 64 Millionen (etwa 21. größtes Land der Welt)
Bruttoinlandsprodukt (BIP): 484 Milliarden Euro (etwa 25. Stelle)
BIP pro Kopf: 7540 Euro (etwa 120. Stelle)
Wirtschaft: 43 Prozent Industrie, 44 Prozent Dienstleistungen, 12 Prozent Landwirtschaft
Alphabetisierungsrate: 94 Prozent
Armut: von 2007 bis 2011 von 21 Prozent auf 13 Prozent reduziert
Religion: 94 Prozent Buddhisten
Korruptionsindex: Rang 102 von 177 Ländern (2012: Rang 88)
Bangkok: Acht bis zehn Millionen Einwohner, erbringt ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung, Pro-Kopf-Einkommen dreimal so hoch wie nationaler Durchschnitt
Deutschland ist wichtigster Handelspartner Thailands in der EU, 600 deutsche Firmen in Thailand

1978 wechselt Faber zu Drexel Burnham Lambert, die bis Ende der Achtziger zur fünftgrößten Investmentbank der USA heranwächst. „Unser Job war es, amerikanische Obligationen an reiche Asiaten zu verkaufen.“ Faber leitet das Asien-Geschäft. Es ist die Zeit des Wall-Street-Fiebers. Eine Woche vor dem 19. Oktober 1987 warnt Faber seine Kunden vor einem bevorstehenden Crash. Aus Faber wird Dr. Doom.

Drexel Burnham Lambert geht Ende der Achtzigerjahre pleite: Ein Händler der Firma, der sogenannte „Junk Bond King“ Michael Milken, wird des Insiderhandels überführt. Milken war eines der Vorbilder für den von Michael Douglas verkörperten Spekulanten Gordon Gekko in dem Oliver-Stone-Film „Wall Street“.

Marc Faber

"Junge Leute tun mir ehrlich leid"

von Philipp Mattheis

Faber aber hat in der Zwischenzeit genug Kontakte gesammelt. 1990 macht er sich mit einem Fonds selbstständig – zu seinen Kunden gehören reiche Asiaten. Die heute 300 Millionen Dollar im Fonds reichen ihm, Neukunden nimmt er nicht mehr auf. Faber beginnt, den „Gloom, Boom & Doom Report“ herauszugeben. Der 20 Seiten umfassende Report erscheint monatlich und kostet zwischen 300 und 1500 US-Dollar im Jahr. Wie viele Abonnenten er hat, darüber schweigt er. Faber liebt Alltagsbeobachtungen, anhand derer er auf größere wirtschaftliche Zusammenhänge schließt. Inspiration dafür finde er in einfachen Bars wie Linda’s, wo er jeden Abend in Chiang Mai verbringt.

So kommen Gold-Anleger durch das Zinstal
Gold bringt keine Zinsen, je niedriger der Realzins, desto attraktiver, weil Anleger mit Alternativanlagen zu Gold auch nichts verdienen
Gold als Versicherung für schwierige (Währungs-)Phasen beimischen
Gold wird, gemessen an Alternativanlagen (insbesondere Zinsanlagen), weniger attraktivVersicherungsfunktion wird auch in Zeiten steigender Zinsen benötigt
Physisches Gold halten, möglicherweise in Übergangsphasen, um Nerven zu schonen, mit Zertifikaten absichernBei starkem Zinsanstieg zu Spekulationszwecken gehaltene Goldfonds und -zertifikate verkaufen
Bietet Schutz vor Turbulenzen des Währungssystems, etwas physisches Gold sollte in jedem Zinsszenario gehalten werden

Dr. Dooms Ruhm steigt weiter, als 1997, nur wenige Wochen nach dem Beginn der Asien-Krise, sein erstes Buch erscheint, in dem er die Ursachen der Krise aufzeigt.

Faber wettert gegen die globale Finanzelite gleichermaßen wie gegen vermeintliche Sozialschmarotzer. Er bewundert Fleiß, Mut und handwerkliches Können. Anstatt bei Großbanken und Versicherungen anzuheuern, rät er: „Gehen Sie als Handwerker in Schwellenländer. Dort können Sie viel Geld mit Ihren Fähigkeiten verdienen.“ Faber ist begeisterter Motorradfahrer. „Das sind sensible Maschinen“, sagt er. „Ich würde viel Geld bezahlen, wenn mir das jemand zuverlässig reparieren kann.“

Von libertär bis konservativ

Und er pflegt einen gewissen gesellschaftlichen Konservativismus. Der kann hart klingen. Faber raucht und antwortet auf die Frage: „Was soll denn zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern ohne qualifizierte Berufsausbildung tun?" mit dem Satz: „Sie hätte die Kinder nicht bekommen sollen“ – und „Ungleichheit wird es immer geben.“

Fabers Eltern gehörten zur gehobenen Mittelschicht. Seine Großväter waren Ingenieur und Architekt, sein Vater ein bekannter Chirurg in Zürich. „Das waren anerkannte Leute, und es hat uns nie an etwas gemangelt“, sagt er. Sie waren erfolgreich, nur so frei wie er waren sie nicht. „Am Ende kann man doch nichts von all dem hier mitnehmen.“ Seine Hand macht einen Bogen und deutet auf die Mahagoni-Tafel, die Mao-Büsten, die Buddha-Statue. Kun Gi bringt noch ein Bier.

Fabers Ansichten klingen mal sozialrevolutionär, mal libertär, mal erzkonservativ. In seinem Januar-Report rät er jungen Leuten: „Gehen Sie zur Schule. Beenden Sie die Schule, lernen Sie etwas. Arbeiten Sie einige Jahre im Beruf, klettern Sie nach oben. Heiraten Sie, lernen Sie, Verantwortung zu übernehmen, und dann bekommen Sie Kinder.“ Was tatsächlich passiert: „Die Leute beenden die Schule nicht, arbeiten nicht, heiraten nicht – aber bekommen Kinder. Falsche Reihenfolge.“

Er selbst bezeichnet sich als „Contrarian“, als einen Querdenker, der immer gegen den Mainstream argumentiert. In seiner Idealwelt ist der Staat auf ein Minimum geschrumpft. Das höchste Gut ist die Freiheit des Einzelnen, der erst ungegängelt seine Fähigkeiten voll entfaltet.

Eigentlich sei er am besten in Montana aufgehoben, dem amerikanischen Bundesstaat der Ultra-Libertären, Anarchisten und Eigenbrötler. Doch auch in Thailand ist sein Traum verwirklicht – wenn schon nicht strukturell, dann immerhin faktisch. „Solange man hier zahlt und niemandem auf die Füße tritt, lassen sie einen in Ruhe“, sagt er. Als Ausländer mit Geld könne man hier quasi frei von staatlicher Kontrolle und gesellschaftlichen Zwängen leben. Das Gefährlichste am Leben in Thailand? „Der Straßenverkehr.“ Wenn Faber lacht, bekommt sein Gesicht einen weichen, schelmischen Ausdruck. Jährlich sterben 26.000 Menschen auf Thailands Straßen, acht Mal so viele wie in Deutschland, oft, weil die Fahrer betrunken sind. Kampagnen nützen wenig. Wer von der Polizei angehalten wird, zahlt Schmiergeld und fährt weiter.

Vor allem aber begeistern ihn die thailändischen Frauen. Er hat seine liberale Einstellung zu käuflichem Sex nie geheim gehalten. Eines seiner ersten Bücher widmete er „all den wundervollen Damen, deren Namen besser verschwiegen wird“. Um Währungsgefälle zu veranschaulichen, nutzt er auch mal die Preise der Prostituierten in verschiedenen Ländern oder beklagt den Preisanstieg auf dem Straßenstrich in Zürich. „Was soll ich mich verstellen?“, fragt er. „Meine Kunden schätzen mich, weil ich ihr Geld vermehre, nicht, weil ich politisch korrekt bin.“

Lieber einfache Spelunke als teure Luxusbar

Gegen sechs Uhr bricht Faber auf. Er setzt sich auf seine gelbe Suzuki und fährt in die Stadt zu Linda’s Bar. In Chiang Mai gibt es, anders als in Pattaya oder Bangkok, kein großes Rotlicht-Viertel. Die Loi Kro ist die einzige Straße der Stadt, in der sich ausländische Männer und thailändische Frauen treffen. Der Besitzer des Ladens, ein Schweizer, lehnt in der Ecke auf einem Barhocker und begrüßt seinen Stammgast.

Ein einarmiger Deutscher lacht scheppernd. Der habe sich in seiner Heimat einmal vor den Zug geschmissen, erzählt Faber, aber überlebt. „Seitdem er in Thailand ist, geht es ihm blendend“, lacht Faber. Später kommen zwei völlig aufgelöste deutsche Motorradfahrer in ärmellosen schwarzen Shirts. Ein Club-Bruder der beiden hat sich am Nachmittag mit dem Motorrad fast tot gefahren. Jetzt liegt er mit gebrochener Hüfte auf Morphium in einem Hotelzimmer. Im Krankenhaus wollte er nicht bleiben. Der Jüngere der beiden schwärmt von Schutzengeln, die ihn vor dem Tod bewahrt haben. Der Ältere sitzt später mit Tränen in den Augen vor einem Whiskey Cola. Ein junges Mädchen streichelt ihm den Kopf.

Ein Ire kommt an den Tisch, der Küchen-Utensilien in China einkauft und in der Welt verkauft. „Fuck the English!“, ruft Faber ihm zu, und als der Ire geht, verabschieden sie sich wie alte Freunde. Manche der Gäste hier wissen, wer er sei. Zumindest hätten sie eine Ahnung, dass er viel Geld habe. Doch das spiele keine Rolle. Faber sagt, er schätze einfache Spelunken voller Leben mehr als teure Luxusbars.

Übermorgen fliegt Faber mit Zwischenstopp in Hongkong nach New York zu einer Aufsichtsratssitzung, anschließend nach London und wieder zurück nach Thailand. Nächste Woche dann Kanada und Deutschland. Er wird wieder Vorträge halten über die Unverantwortlichkeit der Notenbanken, wird vor Hyperinflation warnen, zum Goldkauf raten und die schlechten Aussichten der jungen Generation sowie die sinkenden Reallöhne beklagen. Vom ultimativen Zusammenbruch, der die „Grundfesten unserer kapitalistischen Gesellschaft in Brand setzen wird“, wird er sprechen. Wer ihm zuhört, wird den Eindruck nicht los, die Welt werde von den Geißeln der Menschheit – Staat und Notenbanken – in den Abgrund getrieben. Faber ärgert sich über so viel Dummheit der politischen Klasse. Und doch muss man sich Dr. Doom als einen glücklichen Menschen vorstellen:

„Wenn ich Pessimist wäre, würde ich doch nicht in Thailand Motorrad fahren.“ Dann setzt sich Faber auf seine gelbe Suzuki und donnert durch die warme Nacht, zurück in seine Fantasie-Villa.

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