MBA: Die besten MBA-Programme der Welt
GM-Chefin Mary Barra hat einen, JP-Morgan-CEO James Dimon hat einen, SAP-Boss Bill McDermott ebenfalls, genauso wie Microsofts oberster Manager Satya Nadella – einen Master of Business Administration, kurz MBA.
Dieses zusätzliche Managementstudium, das Berufstätigen den Weg in die Chefetage ebnen soll, scheint mit Blick auf die prominenten Beispiele ein Karrieregarant. Zu Recht, wenn man wie sie an den renommiertesten Business Schools der Welt studiert und keinen der vielen Schmalspur-MBA absolviert, die es mittlerweile gibt. „Das ist so, als würden Sie einen Rolls-Royce mit einem VW Golf vergleichen“, sagt Detlev Kran, Autor des jährlich erscheinenden „MBA-Guide“.
„In Harvard und Stanford unterrichten die Leute, deren Bücher an anderen Unis als Standardwerke gelesen werden.“ Auch Betreuungsverhältnis, Renommee und Qualität der Netzwerke spielen in einer anderen Liga. In legerer Atmosphäre treffen Studenten auf Bosse internationaler Konzerne, die in der Regel fleißig Kontakte zu ihrer Alma Mater pflegen. Der Austausch zwischen Nachwuchs und Top-Managern beim Dinner ist quasi in der MBA-Gebühr enthalten – inklusive einer Extraportion Vitamin B.
Im MBA-Ranking 2015 der „Financial Times“ belegen Harvard, die London Business School, Wharton, Stanford und Insead die ersten fünf Plätze. Zwar unterscheiden sich die Ranglisten je nach Jahr und Herausgeber, doch dass diese fünf zu den besten Schulen weltweit zählen, ist unbestritten. Wer hier studiert, muss ordentlich Zeit und Geld investieren, hat aber gute Aussichten auf ein höheres Gehalt, eine steile Karriere und vor allem Anerkennung. „Schon sich im harten Auswahlverfahren durchzusetzen ist eine Auszeichnung“, sagt Kran.
Bewerber brauchen "eisernen Willen"
Doch wer jetzt denkt, zu hoch seien die Anforderungen, zu durchschnittlich die eigene Qualifikation, sollte nicht direkt aufgeben. Denn die Chancen auf einen Platz in Stanford, Harvard und Co. stehen besser, als viele denken. Im jüngsten Harvard-Jahrgang erhielten zwölf Prozent der Bewerber eine Zulassung. Die London Business School nahm gar 16 Prozent auf. „Wer den eisernen Willen hat, aufzusteigen, und gute Referenzen mitbringt, hat realistische Chancen“, sagt Kran.
Vor allem Europäer haben an den US-Schulen beste Aussichten, denn im Gegensatz zu asiatischen Bewerbern sind sie rar und mit Blick auf eine ausgewogene Zusammensetzung der Klassen gern gesehen. Wer sich die hohen Studiengebühren leisten kann, ist eine andere Frage. Zwar bieten die Schulen Stipendien und Kredite an, doch diese decken meist nur einen Teil der Kosten und sind heiß begehrt.
Nach wie vielen Jahren der MBA-Absolvent die Ausgaben wieder drin hat, hängt stark von der Branche ab, in der er arbeitet. Die in der Regel gut verdienenden Banker haben laut einer Erhebung der Vergütungsplattform Emolument.com die Harvard-Gebühren nach vier Jahren durch entsprechend höhere Gehälter im Anschluss wieder dazuverdient. Noch besser hat es, wer den Abschluss auf Geheiß seines Arbeitgebers macht. Er bekommt ihn in der Regel finanziert. In einer Studie des Staufenbiel Instituts gaben 55 Prozent der deutschen MBA-Studenten an, von ihrem Arbeitgeber finanziell unterstützt zu werden.
Doch wie unterscheiden sich die Programme der Eliteschulen? Was kosten sie? Wie lange dauern die Programme? Und was kann ich mit dem MBA im Titel später verdienen? Eine Übersicht über die Top 5.
Die Mehrheit der beliebtesten europäischen Eliteschulen ist in Großbritannien (hier zu sehen die Oxford University). In den Top 50 des Rankings der Financial Times sind acht britische Managerschulen gelistet. Zwei davon fallen in die Kategorie Aufsteiger. So arbeitete sich beispielsweise die University of Oxford von Platz 27 im Jahr 2011 auf den 20. Platz der Beliebtheitsskala hoch. Auch die Warwick Business School hat sich gemacht: Von Rang 58 im Vorjahr ging es hoch auf Platz 27.
Foto: REUTERSAuch ein italienisches Institut schaffte es unter die Top 50: Die SDA Bocconi ist allerdings von Platz 28 auf Rang 42 abgestürzt.
Foto: ScreenshotBei der niederländischen Rotterdam School of Management der Erasmus University ging es dafür bergauf: Von Platz 36 auf 30.
Foto: ScreenshotEbenso vertreten ist eine französische Manager-Schmiede. Das HEC Paris belegt jetzt seit zwei Jahren den 18. Platz im Ranking der beliebtesten Business-Schools weltweit.
Foto: ScreenshotEinen Platz hochgerutscht ist das Schweizer Institut IMD. Von Platz 14 ging es auf die 13. Und damit kommt die Elite sehr nah an die Top Ten des Financial-Times-Rankings...
Foto: PressebildPlatz 10:
Den 10. Platz belegt die Hong Kong UST Business School in China. Im Vorjahr hatte das Institut noch den sechsten Rang inne.
Foto: ScreenshotPlatz 9:
Die Iese Business School in Spanien belegt zum zweiten Mal in Folge den neunten Platz der 100 beliebtesten Eliteschulen der Welt und...
Foto: PressebildPlatz 8:
...auch der achte Platz geht an eine spanische Universität. Die IE Business School verteidigte ebenfalls ihren Rang: Sowohl 2011 als auch 2012 galt sie als sehr beliebte Schule.
Foto: PressebildPlatz 7:
Erst auf dem siebten Rang taucht wieder eine amerikanische Uni auf. Das renommierte MIT hat sich von Platz neun auf Platz sieben gesteigert.
Foto: ScreenshotPlatz 6:
Für das Institut Insead mit Standorten in Frankreich und Singapur ging es in diesem Jahr zwei Plätze nach unten. Von Rang vier auf Rang sechs.
Foto: ScreenshotPlatz 5:
Die Columbia Business School aus den USA konnte sich dagegen um zwei Plätze verbessern.
Foto: ScreenshotPlatz 4:
Ganz knapp vor dem Treppchen steht die London Business School: Für sie ging es vom ersten Platz im letzten Jahr auf Rang vier.
Foto: Screenshot
Platz 3:
Die Bronzemedaille geht in die USA. Konkret an die Business School Wharton der University of Pennsylvania
Foto: APPlatz 2:
Silber gibt es für die amerikanische Harvard Business School. Für sie ging es einen Platz nach oben.
Foto: ReutersPlatz 1:
Den Platz mit der London Business School getauscht hat die Stanford Graduate School of Business aus den USA. Für die amerikanische Universität ging es von Platz vier direkt auf Platz eins.
Foto: dapd
Harvard Business School
Der Name versprüht das Gefühl von Ehrfurcht, Ansehen, Macht. Seit 1908 büffeln an der Harvard Business School in Boston hinter Backsteinfassaden und herrschaftlichen Eingangstüren Studenten für ihren MBA. Aktuell werden 28 der 500 nach Börsenwert größten Konzerne der Welt von einem Harvard-Alumnus geführt. Keine andere Business School kann das von sich behaupten.
Unter diesen Top-Managern ist auch ein Deutscher, der Vorstandsvorsitzende vom Gesundheitskonzern Fresenius, Ulf Schneider. Wie er haben die meisten Studenten des aktuellen Jahrgangs zuvor Wirtschaftswissenschaften studiert, gefolgt von Ingenieur- und Naturwissenschaften.
Beim international standardisierten Aufnahmetest, dem sogenannten Graduate Management Admission Test (kurz GMAT), der für die Zulassung zu den meisten MBA-Programmen Pflicht ist, schneiden die Harvard-Studenten überdurchschnittlich ab. Die derzeitigen Studenten erreichen im Mittel 730 von maximal 800 Punkten. Ein Top-Wert, der etwa auch für die anderen Eliteschulen gilt.
Wegen der hohen Studiengebühren erhalten aktuell 65 Prozent der Studenten finanzielle Unterstützung. Alleine 50 Prozent über Stipendien, die von betuchten Ehemaligen finanziert werden.
London Business School
„Ich wollte einen MBA in Europa machen, da ich meine Zukunft hier sehe“, sagt Stefan Thimm, Mitglied des aktuellen Jahrgangs an der London Business School. Vor allem ein Netzwerk mit Schwerpunkt auf dem alten Kontinent ist dem 27-jährigen Ingenieur wichtig. Klar, dass er sich bei der Nummer eins der europäischen MBA-Schulen beworben hat. Außerdem sagt ihm die Flexibilität zu, die die London Business School bietet. Die Studenten können zwischen einem 15-, 18- und 21-monatigem Programm wählen. „Der kürzeste Weg hat den Vorteil, dass sie schnell wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen“, sagt David Simpson, für die Zulassungen zum Programm zuständig.
Wer aber wie Ingenieur Thimm noch einen Auslandsaufenthalt dranhängen oder ein zusätzliches Praktikum absolvieren möchte, kann sich bis zu einem halben Jahr mehr Zeit lassen. Thimm geht im Februar für drei Monate an die Hongkong-Universität für Wissenschaft und Technologie, eine der mehr als 30 Partnerschulen der London Business School. Im zweiten Jahr ist es auch möglich, in Teilzeit zu arbeiten. Interessant für all diejenigen, die nicht auf eigene Faust, sondern gesponsert von ihrem Arbeitgeber das Programm antreten. Vor allem die großen Beratungshäuser wie McKinsey oder Bain schicken ihre Mitarbeiter gerne nach London.
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The Wharton School
Im Jahr 1881 vom Industriellen Joseph Wharton an der Universität von Pennsylvania gegründet, ist die nach ihm benannte Schule eine der ältesten Business Schools der Welt. Und noch einen weiteren Superlativ nennt sie ihr Eigen: das größte Alumni-Netzwerk mit 93 000 Absolventen aus 153 Ländern. Derzeit kommt etwa ein Drittel der Wharton-Studenten aus dem Ausland, 71 Nationen sind vertreten. Ein wichtiges Argument auch für die großen Konzerne, die MBA-Absolventen von den Eliteschulen rekrutieren, wie zum Beispiel die Beratung Accenture.
„Wir suchen Internationalität und Diversität“, sagt Karen Quanborough, bei Accenture für Nachwuchsakquise zuständig. Doch die großen Beratungen suchen in Pennsylvania nicht nur nach neuen Mitarbeitern, sie schicken auch vielversprechende Talente dorthin und finanzieren ihnen den MBA. Besonders interessant, da die Wharton School für ihren ausgezeichneten Finanzschwerpunkt bekannt ist.
Stanford Graduate School of Business
Traditionell sind an der kalifornischen Business School besonders viele Geistes- und Sozialwissenschaftler eingeschrieben. Fast die Hälfte des aktuellen Jahrgangs hat einen solchen Uniabschluss. Ungewöhnlich, sind doch meist Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure die dominanten Gruppen in Managementprogrammen. Die Stanford Graduate School of Business hat 2006 als eine der ersten Eliteschulen die Graduate Record Examination als Äquivalent zum GMAT eingeführt. Der ebenfalls standardisierte Test richtet sich an jüngere Bewerber und gilt für Geisteswissenschaftler als einfacher. Sicherlich ein Grund, warum Stanford bei den Exoten so beliebt ist. Außerdem hat sich durch die Nähe zum Silicon Valley über die Jahre ein starker Bezug zur Start-up-Szene entwickelt. Stanford bietet gezielt Kurse an, die sich an potenzielle Gründer richten. Zum Beispiel: von der Idee bis zur Produkteinführung oder Marktanalysen für Gründer. Aus der Absolventenklasse 2014 machten sich 17 Prozent nach dem Abschluss selbstständig. Im Gegensatz dazu wurden nur neun Prozent von ihrem Arbeitgeber an die Stanford Graduate School geschickt.
Insead
In Fontainebleau, rund 70 Kilometer südlich von Paris, eröffnete Insead 1960 den ersten Campus. Bis heute sind zwei hinzugekommen, in Singapur und Abu Dhabi. Die MBA-Programme können in Frankreich oder Singapur absolviert werden. Wer will, kann einige Monate am jeweils anderen Campus studieren. Abu Dhabi kommt allenfalls für einen mehrwöchigen Aufenthalt infrage, um Einblicke in diese aufstrebende Wirtschaftsregion zu erhalten.
Trotz dieser Abwechslung ist das Programm mit zehn Monaten extrem kompakt. „Die hohe Taktzahl bereitet die Studenten gut auf ihre zukünftige Rolle als Führungskräfte vor“, sagt Virginie Fougea, bei Insead zuständig für die Zulassung zum MBA-Programm. Das wissen auch Arbeitgeber zu schätzen: Zwölf Prozent der Studenten bekommen den MBA von einem Unternehmen finanziert. Weitere 19 Prozent erhalten ein Stipendium von Insead selbst oder den engagierten Alumni.
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