Anarcho-Kapitalismus: Freiheit statt Demokratie
Anarcho-kapitalistische Ökonomen fordern Freiheit statt Demokratie.
Foto: Getty ImagesWer den Staat abschaffen, das Papiergeld durch Gold und die Demokratie durch eine Privatrechtsgesellschaft ersetzen will, wird von seinen Zeitgenossen im günstigsten Fall als skurriler Häretiker, im ungünstigsten Fall als subversiver Radikalinski betrachtet. Mitte September trafen sich mehr als 100 Vertreter dieser Spezies im türkischen Hafenstädtchen Bodrum. Sie folgten einer Einladung der Property and Freedom Society (PFS), einem Zusammenschluss libertärer Denker, Unternehmer und Wissenschaftler, die der deutsche Ökonom und Sozialphilosoph Hans-Hermann Hoppe vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat.
Hoppe ist Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mit seinen radikalen und kompromisslosen Schriften ist er der wohl wichtigste Vordenker des anarcho-kapitalistischen Libertarismus der Gegenwart - einer Denkschule, die den Staat ablehnt und im Privateigentum die wichtigste Voraussetzung für eine freie und friedliche Gesellschaft sieht. Vom ökonomischen Mainstream wird Hoppe wegen seiner kompromisslosen Haltung geschnitten, in libertären Kreisen hingegen genießt er Kultstatus.
Kompromissloser intellektueller Radikalismus
Die von ihm gegründete PFS macht sich für das Privateigentum, die Vertragsfreiheit, den Freihandel und den Frieden stark. Imperialismus, Militarismus und Egalitarismus lehnen die libertären Denker hingegen entschieden ab. Damit schwimmen sie gegen den etatistischen Zeitgeist, der in staatlichen Eingriffen die Lösung für nahezu alle Probleme sieht. Hoppe ist es gelungen, unter dem Dach der PFS eine wachsende und über alle Kontinente vernetzte Gemeinschaft aufzubauen, die sich einmal im Jahr in Bodrum zum Gedankenaustausch trifft. Ohne falsche Rücksicht auf politische Korrektheit wird an der türkischen Küste über Wege zu einer freien Gesellschaft diskutiert. „Die PFS steht für einen kompromisslosen intellektuellen Radikalismus, der Privateigentum und Freiheit verteidigt“, sagt Hoppe.
Die Offenheit, mit der die Probleme der etatistischen Gesellschaft diskutiert werden, dürfte die meisten Normalo-Zeitgenossen ins Staunen versetzen. So ging der US-Ökonom Thomas DiLorenzo, Professor an der Loyola Universität von Maryland, bei dem diesjährigen Treffen in Bodrum mit dem wirtschaftlichen und politischen Dominanzstreben der USA hart ins Gericht. Die Amerikaner glaubten, sie seien das von Gott auserwählte Volk und fühlten sich daher berufen, anderen Nationen ihre Lebensweise und Staatsform zu diktieren, kritisierte DiLorenzo. Dieses Machtstreben habe weltweit große Schäden angerichtet. Die Flüchtlingsströme nach Europa seien beredtes Zeugnis der Malaise. „Amerika hat im Nahen Osten ein Machtvakuum herbeigebombt, in dem sich nun der Islamische Staat ausbreitet“, kritisierte DiLorenzo.
"Kriege sind eine gigantische Verschwendung von Ressourcen"
Den unerschütterlichen Glauben der Amerikaner an die eigene Überlegenheit führte DiLorenzo auf die Puritaner zurück, die im 17ten Jahrhundert die Neuenglandstaaten besiedelten. Deren Prädestinationslehre präge bis heute das Selbstverständnis der politischen Klasse Amerikas. Die Militärindustrie habe das geschickt für ihre Zwecke genutzt. „Die Machthaber aus den Neuenglandstaaten und die Militärindustrie sind eng miteinander verbunden“, sagte DiLorenzo. Amerika habe sich daher immer wieder in ausländische Konflikte eingemischt, häufig nach dem Motto: Tut was wir sagen, oder wir bringen Euch die Demokratie. Für Amerikas Wirtschaft sei das fatal. „Kriege sind eine gigantische Verschwendung von Ressourcen“, so DiLorenzo.
Hoppe gab zu bedenken, dass der Flüchtlingsstrom nach Europa Amerika durchaus gelegen komme. „Wenn man wie Amerika die Welt beherrschen will, muss man andere Länder destabilisieren. Masseneinwanderungen eignen sich hervorragend dafür, weil multikulturelle Gesellschaften den Keim innerer Unruhen in sich tragen“, urteilte Hoppe. Es sei naiv zu glauben, man könne die Einwanderer kulturell assimilieren, wenn man ihnen nur genügend Sozialarbeiter zur Seite stelle. Statt blauäugig Flüchtlinge aufzunehmen, solle sich Europa an Australien orientieren. Das Land nehme nur Migranten auf, von denen es sich einen positiven Beitrag für Wirtschaft und Gesellschaft erhoffe.
Enrico Colombatto von der Universität Turin lenkte den Fokus auf die zunehmende Ausbreitung der Bürokratie in Europa. Er warnte, der Kontinent sei dabei, in eine von Technokraten gesteuerte Oligarchie abzudriften. Im 19ten Jahrhundert habe die Macht noch weitestgehend in den Händen der Politiker gelegen, mittlerweile aber hätten die Technokraten das Ruder übernommen. Während die Politiker die öffentliche Bühne bespielten, zögen die Technokraten aus dem Beamtenapparat im Hintergrund die Strippen. Exemplarisch für die neue Machtelite sei Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung habe die EZB selbstermächtigend ihre gesetzlichen Kompetenzen überschritten und sich zur mächtigsten Institution Europas aufgeschwungen. Durch Käufe von Staatsanleihen monetisiere Draghi die Schulden der Staaten und verschaffe den Banken hohe Gewinne.
"Die wahren Feinde der freien Gesellschaft sitzen in den Bürokratien"
Technokraten wie Draghi mieden die große Bühne der Politik, stattdessen verfolgten sie ihre Karrieren bei Banken, Ministerien und Zentralbanken. Stets gehe es ihnen darum, ihr eigenes Einkommen und ihre Macht zu maximieren. Weil sie sich - anders als die Politiker - nicht durch Wahlen für ihr Handeln rechtfertigen müssten, entzögen sie sich der öffentlichen Kontrolle. „Die wahren Feinde der freien Gesellschaft sitzen in den Bürokratien“, warnte Colombatto. „In den nächsten Jahren wird sich die Zahl der Mario Draghis multiplizieren und die Kontrolle in Europa übernehmen“, prophezeite der italienische Ökonom. Dies könne nur verhindert werden, wenn man die Technokraten in das Rampenlicht der Öffentlichkeit zerre und deutlich mache, wieviel Einfluss, Macht und Einkommen sie sich angeeignet haben.
Tulpenkrise 1637
Zur ersten Finanzkrise kam es 1637 in Amsterdam. Schuld an der Krise waren Spekulationen mit Tulpen. Die Blumen waren Sinnbild für Wohlstand. Dementsprechend hoch waren die Preise. Eine Tulpenzwiebel war teilweise so wertvoll, dass dafür ganze Häuser eingetauscht wurden – die Preise stiegen in den drei Jahren vor 1637 um das Fünfzigfache.
Eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus kostete zu Spitzenzeiten 10.000 Gulden – das Vierzigfache von dem, was ein normaler Handwerker im Jahr verdiente. 1637 platzte die Blase, weil die Spekulanten auf ihren Tulpenzwiebeln sitzen blieben und pleite gingen.
Foto: dpa/dpawebSüdsee-Blase 1720
Von Isaac Newton stammt der Ausspruch: „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treibt“. Newton sagte diesen Satz nach der so genannten Südsee-Blase im Jahr 1720, zu deren Verlierern der bekannte Physiker zählte.
Die Blase entstand, weil die Gründer der „Südsee-Gesellschaft“ die englischen Staatsschulden übernahmen und die Aktie des Unternehmens dadurch stark anzog. Sie stieg von 150 Punkten im Januar auf 1050 Punkte im Juli des Jahres. Auf dem Höhepunkt wurde bekannt, dass die Gründer der Gesellschaft ihre Aktien verkauft hatten. Die Papiere fielen daraufhin wieder auf 150 Punkte.
Foto: dpa-tmnSchwarzer Freitag 1929
In den 1920er Jahren brummte die US-Wirtschaft. Viele Bürger wollten an dem Aufschwung teilhaben und kauften Aktien – allerdings auf Pump, denn die Zinsen waren im Vergleich zu den hohen Kursgewinnen verschwindend gering. Doch am 24. Oktober 1929 kam es zum größten Börsencrash aller Zeiten – dem so genannten Schwarzen Freitag. Über Monate hinweg verlor der Dow Jones und zog die Weltwirtschaft in eine jahrelange Krise. Erst in den 50er-Jahren erreicht der Dow Jones wieder das Niveau des Spätsommers 1929.
Foto: AP
Ölkrise 1973
Am 6. Oktober 1973 griffen Ägypten und Syrien ihren Nachbarn Israel an, es kommt zum so genannten Yom Kuppur-Krieg. Die Organisation erdölexportierender Länder Opec beschloss daraufhin, die Förderung einzuschränken. So verursachten sie eine plötzliche Ölknappheit, in Deutschland bleiben die Autobahnen an einigen Sonntagen leer. Die Wirtschaft stagniert, die Inflation kletterte in die Höhe. Um rund 40 Prozent fiel der Dax zwischen Januar 1972 bis September 1974.
Foto: dpaSchwarzer Montag 1987
Am 19. Oktober 1987 erlebt die Wall Street ihren bislang schwärzesten Tag. Monatelang schnellten die Kurse sprunghaft nach oben und plötzlich konnten Anleger ihre Papiere nicht schnell genug losschlagen. Die Kurse in New York stürzen ab, rund um den Globus brechen die Aktienmärkte ein. Der Börsencrash vor 25 Jahren geht als "Schwarzer Montag" in die Finanzgeschichte ein.
Foto: dpaUnited Airlines 1989
Am 16. Oktober 1989 fällt der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft United Airlines einen Ausverkauf auslösten.
Foto: REUTERSGorbatschow-Putsch 1991
Weltweit reagieren die Börsen auf den Putschversuch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. In Deutschland waren die Auswirkungen nicht ganz so stark wie beispielsweise in den USA. Der Dax verlor gut neun Prozent.
Foto: APAsienkrise 1997
Die Indonesische Währung stürzt auf ein Rekordtief und löst damit die sogenannte Asienkrise aus. Bereits im August des Jahres 1997 reagieren die westlichen Märkte auf die Kursachterbahnen in Fernost. Beispielsweise am 18.8. notiert das Kursbarometer zum Ende des Börsenhandels in Frankfurt mit 3.567 Punkten gut acht Prozent niedriger. Am 28. Oktober folgt der Dax der Wall Street nach unten und bricht um bis zu 13 Prozent ein.
Foto: AP
Hedge-Fonds-Krise 1998
Am 1. Oktober 1998 drückt die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage des Hedge-Fonds LTCM in den USA die Stimmung an den internationalen Börsen. Auch die Sorge um eine Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland machen sich bemerkbar. Der Dax fällt um 7,6 Prozent.
Foto: AP
11. September 2001
Die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September lösen an den Finanzmärkten eine Panik aus. Während die in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers liegende Wall Street geschlossen bleibt, fällt der Dax um 8,5 Prozent. Drei Tage nach der Terroranschlägen, am 14. September 2001, drückt die Angst vor Vergeltungsschlägen der USA den Dax um über sechs Prozent. Dazu kommt Unsicherheit vor der Wiedereröffnung der Wall Street am darauffolgenden Montag, dem 17. September. Nach viertägiger Handelsunterbrechung fällt dabei der Dow-Jones-Index um gut sieben Prozent.
Foto: dpaIrakkrieg 2003
Am 24. März 2003, wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges, wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger dauern als von der US-Regierung erwartet. Der Dax fällt um 6,1 Prozent ab.
Foto: dpa/dpaweb
21. Januar 2008
Nach mehrjähriger Hausse greifen Rezessionsängste in den USA auf Europa und Asien über. Während in den USA wegen eines Feiertages die Börsen geschlossen bleiben, schwappt eine Verkaufswelle aus Asien nach Europa. Der Dax fällt um sieben Prozent auf 6.790 Punkte, einer der größeren Tagesverluste in der mittlerweile 20-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex.
Foto: REUTERS
Lehman-Pleite 2008
Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers reißt die Finanzwelt ins Chaos. An der Börse wird die Dimension des Schocks zunächst allerdings eher unterschätzt. Weil parallel zur Lehman-Insolvenz der Konkurrent Merrill Lynch gerettet wird, Banken ein Milliarden-Hilfspaket schnüren und die Notenbank eifrig Geld in den Markt pumpen, fällt der Dax nur um moderate 2,7 Prozent. Erst abends setzt sich an der Wall Street eine pessimistischere Sichtweise durch: Der Dow schließt nach dem größten Tagesverlust seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 mit einem Minus von 4,4 Prozent. Dass es in den folgenden Wochen noch viel stärker abwärts geht, ahnen zu diesem Zeitpunkt nur die größten Pessimisten.
Foto: dpa
Hypo Real Estate 2008
Die Finanzkrise erreicht am 6. Oktober 2008 mit einem zweiten Rettungspaket binnen einer Woche für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate einen weiteren Höhepunkt. Der Dax verliert bis zum Mittag mehr als sechs Prozent auf 5.447 Punkte und notiert damit so niedrig wie seit dem Sommer 2006 nicht mehr. Zwei Tage später, am 8. Oktober, fällt der Nikkei in Tokio um mehr als neun Prozent - und drückt den Dax zeitweise um 8,6 Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von 5,9 Prozent.
Weitere zwei Tage später, am 10. Oktober, sorgt die Angst vor einer weltweiten Rezession von Handelsbeginn an für einen massiven Ausverkauf an den internationalen Aktienmäkten. Der Dax stürz schon kurz nach Handelseröffnung um neun Prozent in die Tiefe und baut das Minus auf bis zu 11,8 Prozent in der Spitze aus. Zum Handelsschluss büßt der Leitindex 7,01 Prozent auf 4.5441 Zähler ein und schließt damit auf dem tiefsten Stand seit Sommer 2005. Auch die gesamte zweite Oktoberwoche dürfte mit einem Minus von insgesamt rund 22 Prozent als schwarzes Kapitel in die Geschichte des Dax eingehen.
Foto: APReaktorunglück in Fukushima 2011
Es ist der 15. März 2011, 11:28 Uhr: Japan fürchtet den Atom-Gau, die Börsen fallen so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Beim größten Crash der Nachkriegszeit fällt an der Wall Street der Dow-Jones-Index allein an diesem Tag um 22,6 Prozent. In Frankfurt belaufen sich die Verluste auf gut neun Prozent. Auslöser der Panik sind Spekulationen auf höhere US-Zinsen. Der 15. März geht als einer der schwärzesten Börsentage in die Annalen ein.
Foto: dapd
Schwarzer August 2011
Die Schuldenkrisen in Amerika und Europa lassen sich kaum stoppen. Die Unsicherheit an den Märkten wächst, das Vertrauen in die Lösungsideen der Politik schwindet. Am 10. August 2011 fällt der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börseum 519,83 Punkte oder 4,6 Prozent. Nach Punkten gerechnet war dies der neuntstärkste Einbruch in der Geschichte des Dow Jones.
In den darauffolgenden Tagen durchbricht der Dax auf dem Weg nach unten einen Rekord nach dem anderen. Ähnlich sieht es an den Börsen in London, New York, Tokio und vielen weiteren aus - die Verkaufswelle rollt. Der deutsche Aktienindex macht an acht Tagen in Folge nur Verluste. Das ist die längste Abwärtsbewegung des Dax seit 1993.
Foto: AP
Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa, analysierte die Folgen der Geldvermehrung durch die staatlichen Notenbanken. Geld sei ein Gut wie jedes andere, erklärte Polleit unter Verweis auf die Lehren des österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises. Daher gelte auch für Geld das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Weite die EZB die Geldmenge aus, sinke der Grenznutzen jeder zusätzlichen Geldeinheit. Die Menschen tauschten daher ihr Geld in reale Güter. Die höhere Nachfrage lasse deren Preise steigen. Inflation manifestiere sich daher in der Ausweitung der Geldmenge, steigende Preise seien nur das Symptom.
Polleit widersprach der von vielen Ökonomen und Notenbankern vertretenen These, die Geldschwemme der EZB habe keine Inflation erzeugt. „Hätte die EZB die Geldmenge nicht ausgeweitet, wären die Preise gesunken“, urteilte Polleit. Die EZB habe die Bürger durch ihre lockere Geldpolitik daher um einen Anstieg der realen Kaufkraft durch Deflation gebracht.
Metamorphose I
In der Frühphase des Kapitalismus werden aus Landarbeitern Handwerker: Webstuhl im 19. Jahrhundert in England.
Foto: imago / united archives internationalMetamorphose II
Mit der Industrialisierung werden aus Handwerkern Arbeiter: Produktion bei Krupp in Essen, 1914.
Foto: dpaMetamorphose III
Im Wissenskapitalismus werden Arbeiter zu Angestellten und Proletarier zu Konsumenten: Produktion von Solarzellen in Sachsen.
Foto: dpaOrt der Verteilungsgerechtigkeit
Den reibungslosen Tausch und die Abwesenheit von Betrug – das alles musste der Staat am Markt anfangs durchsetzen.
Foto: GemeinfreiOrt der Kapitalkonzentration
Der Börsenticker rattert, die Märkte schnurren, solange der Staat ein wachsames Auge auf sie wirft
Foto: Library of Congress/ Thomas J. O'HalloranOrt der Wachstumsillusion
Wenn Staaten Banken kapitalisieren, sind das Banken, die Staaten kapitalisieren, um Banken zu kapitalisieren...
Foto: APKarl Marx
Für ihn war der Unternehmer ein roher Kapitalist, ein Ausbeuter, der Arbeiter ihrer Freiheit beraubt.
Foto: dpaMilton Friedman
Für ihn war der Geschäftsmann gut, der gute Geschäfte macht.
Foto: APPapst Franziskus
Für ihn ist die Ökonomie Tyrannei und Kapitalismus an der Wurzel ungerecht.
Foto: dpa
Allerdings könne die EZB die Politik des leichten Geldes nicht ewig fortsetzen. „Die höhere Geldmenge und die künstlich nach unten gedrückten Zinsen verursachen Boom-Bust-Zyklen, die in heftige Finanz- und Wirtschaftskrisen münden“, konstatierte Polleit. Hoffnungen auf ein rasches Ende des Geldmonopols der staatlichen Zentralbanken machte er jedoch nicht. Die Abhängigkeit der Bürger, Banken, Unternehmen und Regierungen vom ständigen Wachstum der Geldmenge sei so groß, dass die Zentralbanken alles täten, um das System zu erhalten - auch wenn dies immer neue Boom-Bust-Zyklen auslöse.
Guido Hülsmann, Professor an der Universität Angers, wies auf die kulturellen und gesellschaftlichen Deformationen durch Inflation hin. Inflation fördere die Kreditaufnahme, da sie den realen Wert der Schulden sinken lasse. Bürger, Staaten und Unternehmen hätten sich daher in hohem Maße verschuldet. Das verzerre die Entscheidungen im täglichen Leben. So neigten die Menschen dazu, sich in Ballungszentren anzusiedeln, weil sie hofften, dort in Wirtschaftskrisen, die das Schuldgeld auslöse, leichter neue Jobs zu finden als auf dem Lande.
Die Reihenhaussiedlung ist ein Phänomen der wachsenden Verschuldung
Sogar der Trend zu standardisierten Reihenhaussiedlungen lasse sich durch die wachsende Verschuldung erklären. Aus Angst, ihre Schulden später nicht mehr bedienen zu können, erwerben die Menschen Immobilien mit standardisierter Architektur, die sich notfalls leicht wieder zu Geld machen lassen. Zudem förderten hohe Schulden die Tendenz zu Regulierungen, um systemische Insolvenzrisiken zu minimieren. Sogar die zunehmende Feminisierung der Wirtschaft erklärte Hülsmann mit dem Schuldgeld. Hochverschuldete Unternehmen müssten vorsichtig am Markt agieren. Daher neigten sie dazu, Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, die risikoscheuer handelten als Männer.
Einen Ausweg aus der Staatsgesellschaft wies David Dürr, Professor für Rechtstheorie an der Universität Zürich. Dürr zeigte, dass Staaten aus Konflikten zwischen einzelnen Gruppen der menschlichen Gesellschaft entstanden sind - eine Reminiszenz an die Arbeiten des Ökonomen und Soziologen Franz Oppenheimer. Dieser hatte in seinen Werken nachgewiesen, dass der Staat eine Institution ist, die eine siegreiche Gruppe von Menschen einer unterlegenen Gruppe aufgezwungen hat, um letztgenannte zu beherrschen und auszubeuten. Zur Absicherung der Macht nach innen und außen zetteln Staaten Kriege an.
Dürr warnte, die zunehmende Zusammenarbeit der Nationalstaaten drohe in einen Weltstaat mit einer Weltregierung zu münden. Das gefährde die Freiheit der Menschen. Als Gegenentwurf empfahl er daher eine staatsfreie Privatrechtsgesellschaft. In dieser sollten private Organisationen in Konkurrenz zueinander die bisher vom Staat wahrgenommen Aufgaben erfüllen. Der Bürger habe dann als Kunde die Wahl, bei welcher Organisation er die gewünschte Dienstleistung erwerbe. Jedermann müsse zudem das Recht haben, durch Sezession aus den Privatrechtsgesellschaften auszutreten, wenn ihm die Bedingungen dort nicht mehr gefielen.
Hans-Hermann Hoppe erläuterte, wie die Demokratie die Freiheit bedroht. Alle zwischenmenschlichen Konflikte, so Hoppe, entzündeten sich an der Knappheit von Gütern. Damit die Menschen friedlich zusammenleben, müssten private Eigentumsrechte geschaffen werden, die den Eigentümern das ausschließliche Nutzungsrecht an ihren Gütern gewährten. Privateigentum könne durch Erstbesitznahme, Produktion oder durch freiwilligen Tausch entstehen.
Der Staat verstoße gegen das natürliche Recht auf Privateigentum, indem er durch sein Monopol der Rechtsetzung und Rechtsprechung Gesetze erlasse, die das Privateigentum gefährden. Ohne Privateigentum aber sei die Zerstörung der Zivilisation vorprogrammiert. Ein Beispiel sind die Antidiskriminierungsgesetze. Sie entziehen den Unternehmern, Versicherungen und Vermietern faktisch die Verfügungsgewalt über ihr Privateigentum. Können sie Menschen nicht mehr diskriminieren, haben diese ihrerseits keine Anreize mehr, sich sozialverträglich zu verhalten. Gesellschaftliche Werte gehen verloren, das friedliche Zusammenleben der Menschen ist in Gefahr.
Die Demokratie, so Hoppe, öffne allen Menschen den Zugang zu Machtpositionen. Die kurzen Legislaturperioden erhöhten die soziale Zeitpräferenz, das Kurzfristdenken nehme zu. Im Wettbewerb um die politischen Ämter setzten sich diejenigen durch, die das größte demagogische Talent und die geringsten Skrupel haben. „In der Demokratie sind die Aktivitäten der Machthaber darauf ausgerichtet, Eigentum umzuverteilen, am besten zugunsten der eigenen Klientel“, sagte Hoppe.
Der Aufstieg der Demokratien nach dem Ersten Weltkrieg habe dazu geführt, dass nahezu alle Lebensbereiche mit Gesetzen überzogen wurden und die Zahl der vom Staat abhängigen Menschen zugenommen hat. Heute lebten von den 260 Millionen Amerikanern über 18 Jahren 181 Millionen, also knapp 70 Prozent, von staatlichen Geldern. Nur 79 Millionen Amerikaner über 18 Jahren seien noch unabhängig von staatlichen Zuwendungen.
Die durch Steuergelder finanzierten und vom Staat abhängigen Intellektuellen hätten Staatseingriffe in der Meinung der Öffentlichkeit hoffähig gemacht. Der Staat säe auf diese Weise Konflikte, um sich dann selbst als Problemlöser anzubieten. „Wer die absurden Spielregeln des demokratischen Staates durchschaut und kritisiert, wird als Reaktionär, Extremist, Soziopath oder Neandertaler diskreditiert“, kritisierte Hoppe.
Da bleibt nur der Trost, dass die Neandertaler seit zehn Jahren über ein Refugium verfügen, in dem sie ihre staatskritischen Gedanken frei entfalten können – auch wenn dieses Refugium nicht im Neandertal bei Düsseldorf, sondern im türkischen Bodrum liegt.