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Angst vor DeflationSind fallende Preise ein Problem?

Die von den großen Notenbanken geschürte Angst vor einer deflationären Abwärtsspirale ist wenig stichhaltig. Und womöglich geht es der Geldpolitik um ganz andere Dinge als das Preisniveau.Martin S. Feldstein 21.03.2015 - 08:00 Uhr

Die Deflationsangst in der Euro-Zone ist weiterhin groß, in den vergangenen Monaten fiel die Inflationsrate eher mager aus. Doch für eine Panik gibt es keinen Grund. Wer die niedrige Teuerung ausschließlich verteufelt, tut ihr Unrecht.

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Deflation herrscht dann, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum sinken. Eine wirtschaftliche Situation also, in der das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage - das drückt die Preise. Verbraucher könnten dann eigentlich kaufen. Aber sie tun es nicht, weil sie annehmen, dass die Preise weiter sinken. Ein Einnahmeausfall ist die Folge. Was dagegen gemacht werden kann...

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... der Staat sollte versuchen, durch eigene Investitionen die Nachfrage zu stimulieren. Das Sanieren von öffentlichen Gebäuden oder Investitionen in andere große Bauprojekte können ein erster Schritt sein.

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Möglich wäre auch der Ausbau von neuen Bahnstrecken oder Autobahnen. Durch staatliche Investitionen sinkt zusätzlich die Arbeitslosigkeit, während der Konsum weiter steigt.

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Ein weiteres Maßnahmenbündel wären Steuersenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Detail bedeutet das: Die Senkung der Unternehmenssteuern schafft Anreize, um in die Produktion zu investieren; eine Senkung der Einkommenssteuer entlastet die Arbeitnehmer.

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Die Senkung des Leitzinses könnte einer Deflation entgegen wirken, weil so günstigere Kredite vergeben werden können...

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... aber es kann eben auch sein, dass das mal nicht klappt - wie in Japan. Der Staat kämpft bereits seit 1990 mit einer deflationären Entwicklung seiner Wirtschaft. Zinssenkungen sollten das eigentlich eindämmen, aber die Nachfrage hat sich dadurch trotzdem nicht verbessert. Der Leitzins liegt mittlerweile bei um die null Prozent.

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Gold kann, vor allem in Krisenzeiten, eine sinnvolle Anlage sein. Die Wetten von spekulativen Anlegern auf einen steigenden Goldpreis lagen etwa im Dezember so niedrig wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Damals nahm die Goldrally Fahrt auf: Im ersten Quartal 2008 übersprang der Preis je Feinunze erstmals die Marke von 1000 Dollar. Nach einer knappen Verdopplung notiert der Unzenpreis derzeit nur ein Viertel höher als zu Beginn des Jahres 2008.

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Devisenkontrollen können ebenfalls eine gute Möglichkeit sein, um auf Deflation zu reagieren. Das tun insbesondere Schwellenländer.

Foto: dpa/dpaweb

Durch die Inanspruchnahme der Kredite steigt auch die Geldmenge, die im Umlauf ist. Kurzum: Die Verbraucher haben mehr Geld in der Hand und könnten sich - zumindest theoretisch - mehr leisten.

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Die großen Zentralbanken der Welt sind derzeit von einer fixen Idee besessen: Sie wollen ihre Inflationsraten auf etwa zwei Prozent jährlich nach oben treiben. Das gilt für die USA, wo die Inflationsrate in den vergangenen zwölf Monaten bei minus 0,1 Prozent lag, aber auch für Großbritannien (hier zeigen jüngste Daten ein Preiswachstum von 0,3 Prozent) und die Eurozone, wo die Verbraucherpreise zuletzt um 0,6 Prozent fielen. Aber ist dies wirklich ein Problem?

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik
Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.Quelle: Reuters; Stand März 2015
Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.
Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.
Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.
Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.
Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.
Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.
Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.
Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.
Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.
Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.
Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.
Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.
Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.
Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.
Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.
Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.
Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.
Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Hauptgrund für den jüngsten Rückgang der Inflationsrate ist der dramatische Verfall der Energiepreise. In den USA betrug die Kerninflationsrate (also ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise) in den vergangenen zwölf Monaten immerhin 1,6 Prozent. In den USA wird die Inflation auch durch den im Verhältnis zum Euro und zu anderen Währungen steigenden Dollarkurs gedämpft, weil dadurch die Importpreise sinken. Dabei handelt es sich um einen Niveaueffekt, der steigende Inflation verheißt, sobald der Dollar nicht mehr aufwertet.

Obwohl sich die Zentralbanken dieser Fakten bewusst sind, halten sie weiterhin an extrem niedrigen Zinssätzen fest, um die Nachfrage und damit die Inflation anzukurbeln. Hinzu kommt der Besitz großer Bestände an staatlichen und privaten Anleihen; in Europa und Japan kaufen die Notenbanken weiter Anleihen in großem Stil.

Die Zentralbanker rechtfertigen ihre Sorge vor niedriger Inflation mit dem Argument, ein negativer Nachfrageschock können in den Volkswirtschaften zu anhaltender Deflation führen, in Rahmen derer das allgemeine Preisniveau Jahr für Jahr weiter sinkt. Das hätte gravierende Folgen auf Gesamtnachfrage und Beschäftigung. Zunächst würde das sinkende Preisniveau für einen Anstieg des Wertes der realen Schulden von Haushalten und Unternehmen sorgen. Dadurch wären diese ärmer und ihre Sparbereitschaft würde leiden. Zweitens bedeutet negative Inflation, dass die Realzinsen steigen, weil die Zentralbanken den Nominalzinssatz nicht unter Null senken können. Höhere Realzinsen wiederum dämpfen die Investitionen der Unternehmen und die Aktivitäten im Wohnungsbau.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation
Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.
Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.
70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.
Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.
Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.
Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.
Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

Theoretisch könnte die Kombination aus höheren realen Schulden und höheren Realzinsen aufgrund der gedämpften gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zu weiterem Preisverfall und in weiterer Folge sogar zu noch höheren negativen Inflationsraten führen. Infolge dieser Entwicklung würden die Realzinsen weiter ansteigen und die Wirtschaft noch tiefer in eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkender Nachfrage geraten.

Instrument: Niedrigzins

Ausgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten
negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke
Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; •••••
wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘
Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden
historische Vorbilder: USA

• = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen

Foto: dpa

Instrument: Inflation zulassen

Ausgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt
negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung
Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; •••••
Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert
historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009

Foto: dpa

Instrument: Negativzins

Ausgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite
negativ betroffen wären/sind: Konten
Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘
Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft
historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark

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Instrument: Vermögensabgabe

Ausgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab
negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien
Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘
Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken
historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952

Foto: dpa

Instrument: Zwangsanleihe

Ausgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt
negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien
Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘
Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum
historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23

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Instrument: Neue Steuern

Ausgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen)
negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell
Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘
wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘
Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen
historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft

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Instrument: Neue Steuern

Ausgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft
negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen
Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; •••••
wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘
Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen
historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992

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Instrument: Steuererhöhung

Ausgestaltung: Abgeltungsteuer wird angehoben oder Spekulationsgewinne werden künftig nach individuellem Steuersatz versteuert
negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate, Fonds
Eintrittswahrscheinlichkeit: SPD-Forderung; nicht im Koalitionsvertrag; ••••∘
wie gefährlich für das Vermögen?: je nach Steuersatz; gerade Aktionäre wären getroffen; ••••∘
Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung; nur Minderheit der Wähler ist betroffen
historische Vorbilder: -

Foto: dpa

Instrument: Steuererhöhung

Ausgestaltung: Grund- und Grunderwerbsteuer werden sukzessive angehoben
negativ betroffen wären/sind: Immobilien
Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft; •••••
wie gefährlich für das Vermögen?: Eigenheimnutzer schmerzt nur die Grundsteuer; •••∘∘
Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung
historische Vorbilder: Ausweitung Spekulationsfrist 1999

Foto: dpa

Instrument: Steuererhöhung

Ausgestaltung: Spekulationsfrist wird gekippt
negativ betroffen wären/sind: Immobilien
Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft; •••∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: Eigenheimnutzer schmerzt nur die Grundsteuer; •••∘∘
Vorteil für Staaten: Einnahmesteigerung
historische Vorbilder: Ausweitung Spekulationsfrist 1999

Foto: Fotolia

Instrument: Verbote

Ausgestaltung: Verschärfung des Verbots von Mieterhöhungen; zum Beispiel in gefragten Gegenden bei bereits hoher Miete
negativ betroffen wären/sind: Immobilien (nur vermietete)
Eintrittswahrscheinlichkeit: im Koalitionsvertrag überraschend entschärft; •••∘∘
wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermieter; •••∘∘
Vorteil für Staaten: Zustimmung von der Mehrheit der Wähler
historische Vorbilder: in Deutschland seit 1974

Foto: dpa

Wir verfügen über wenig Erfahrungen mit Deflation, um diese Theorie der Abwärtsspirale zu überprüfen. Das wohl am häufigsten angeführte Beispiel einer deflationären Ökonomie ist Japan. Zwar wies das Land eine niedrige Inflation und einige spürbare kurze Phasen von Deflation auf, es geriet jedoch nicht in eine Abwärtsspirale der Preise. Japans Inflationsrate fiel von beinahe acht Prozent im Jahr 1980 auf null Prozent 1987. Bis 1999 lag der Inflationswert über null. Anschließend schwankte die Inflation bis 2012 zwischen null und minus 1,7 Prozent.

Der Befund für Japan: Die Realeinkommen stiegen trotz niedriger Inflation und Phasen der Deflation. Von 1999 bis 2013 legte das reale Pro-Kopf-BIP jährlich um etwa ein Prozent zu (worin sich ein bescheidenerer Anstieg des BIP sowie ein Bevölkerungsrückgang widerspiegelten).

Warum also sorgen sich so viele Zentralbanker um niedrige Inflationsraten? Eine mögliche Erklärung: Sie fürchten einen Glaubwürdigkeitsverlust, wenn sie es Jahr für Jahr nicht schaffen, in die Nähe des Inflationsziels von zwei Prozent zu kommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass es den Zentralbanken mehr um reales Wachstum und Beschäftigung geht - und sie die niedrigen Inflationsraten als Ausrede benutzen, um die außergewöhnlich großzügigen geldpolitischen Bedingungen beizubehalten. Eine dritte Erklärung lautet, dass die Zentralbanken die Zinssätze niedrig halten möchten, um den Staaten den Schuldendienst zu erleichtern.

Das alles wäre nicht so schlimm, wenn extrem niedrige Zinsen nicht die Risikobereitschaft von Schuldnern und ertragshungrigen Kreditgebern schüren würden. Die Folge sind massive Fehlbewertungen finanzieller Vermögenswerte. Damit wachsen die Risiken in der Realwirtschaft, wenn die Geldpolitik wieder auf ein Normalmaß zurückkehrt und die Vermögenswertpreise einer Korrektur unterzogen werden.

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