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FinTechsStart-ups können Banken 30 Prozent der Erträge kosten

FinTechs lassen Banken alt aussehen. Die Unternehmensberatung Roland Berger beziffert nun erstmals den möglichen Schaden: Überlassen die Banken den Start-ups das digitale Feld, bricht ein Drittel der Erträge weg. 02.12.2015 - 17:18 Uhr

Platz 10: Dresden

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sind Crowdlending-Anbieter sehr beliebt. Das geht aus einem Städteranking hervor, in dem Kreditvergabehöhen verglichen wurden, die über die Webseite Auxmoney angefragt und von privat an privat vergeben wurden. Dresden landet demnach auf dem zehnten Platz der Hochburgen, in denen die durchschnittlich höchsten Kreditprojekte privat finanziert werden. Unter den ostdeutschen Städten belegt Dresden mit einem durchschnittlichen Crowdlending-Umfang von 6587 Euro den dritten Rang.

Quelle: auxmoney

Foto: dpa

Platz 9: Berlin

Auch wenn in der Bundeshauptstadt das insgesamt über Crowdlending vermittelte Kreditvolumen das größte aller deutschen Städte ist – ein Berliner Kreditnehmer fragt bei der Crowd im Durchschnitt einen Kredit von „nur“ 6724 Euro an, das ist im bundesdeutschen Vergleich eher Mittelmaß – und im Ranking gerade einmal Platz neun.

Foto: dpa

Platz 8: Köln

Die Crowd am Dom: Wer Peer-to-Peer-Lending mag und aus Köln kommt, leiht sich von privaten Kreditgebern durchschnittlich 6783 Euro pro Projekt. Damit ist Köln unter den Städten am Rhein aber nicht der Spitzenreiter, sondern landet lediglich auf Platz zwei.

Foto: dpa

Platz 7: Essen

Auf Platz sieben befindet sich die nordrheinwestfälische Großstadt Essen. Ein über den Schwarm finanziertes Projekt weist hier im Durchschnitt ein Volumen von 6790 Euro auf.

Foto: dpa

Platz 6: Nürnberg

Mit gleich zwei Großstädten ist der Freistaat Bayern im auxmoney-Städteranking vertreten: Nürnberg in Mittelfranken ist eine davon. Die durchschnittliche Kredithöhe von 6810 Euro verschafft der kreisfreien Großstadt Platz sechs.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 5: Leipzig

Unter den ostdeutschen Metropolen ist Leipzig die Nummer eins. Im bundesweiten Städteranking verschafft die durchschnittliche Kreditsumme von 6867 Euro der Messestadt Platz fünf.

Foto: dpa

Platz 4: Hamburg

Auch im Norden hat die relativ neue Art der Finanzierung schon ihre Anhänger gefunden. In der Hansestadt Hamburg etwa hat ein durchschnittliches über die Crowd-finanziertes Kreditprojekt einen Umfang von 7156 Euro. Platz vier für den Schwarm in Hamburg.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: München

Die „Mia-san-mia“-Einstellung der Münchener zeigt sich auch in Sachen Crowdlending: Die Stadt erreicht eine durchschnittliche Kredithöhe von mehr als 8000 Euro – das bringt der bayerischen Landeshauptstadt den dritten Platz im Ranking ein.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 2: Düsseldorf

Im direkten Vergleich der Karnevalshochburgen hat Düsseldorf gegenüber seinem „Erzrivalen“ Köln auf Platz acht in Sachen Crowdlending die Nase vorn. Die 8629 Euro, die sich der Düsseldorfer Crowd-Fan pro Kreditprojekt finanzieren lässt, reichen im bundesweiten Vergleich sogar für Platz zwei.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 1: Frankfurt

Spitzenreiter des Rankings ist Frankfurt. Hier beträgt ein durchschnittliches über Crowdlending finanziertes Kreditprojekt 8788 Euro. Das Brisante: mit Frankfurt ist ausgerechnet die Stadt in Sachen Crowdlending führend, in der die meisten Banken sitzen. Crowdlending-Anbieter kann man durchaus als ihre „natürlichen Konkurrenten“ bezeichnen.

Foto: dpa

Während Banken ihre Mitarbeiter entlassen und Filialen schließen müssen, machen Finanz-Start-ups im Netz das große Geld mit dem Kreditgeschäft. Sie bieten Gratiskonten, die sich schnell und einfach online eröffnen und verwalten lassen, individualisierte Versicherungen per App und sie vermitteln Kredite von Privat an Privat - ohne große Bonitätsanforderungen, dafür mit hübscher Rendite. Das können Banken schon allein wegen der Regularien nicht leisten: Sie müssen beraten, müssen Einlagen bis zu einer gewissen Höhe garantieren und können sich nicht mehr mit dem Verweis aufs Kleingedruckte aus der Affäre ziehen, wenn sich das investierte Geld der Kunden in Luft auflöst.

Trotzdem sind Banken im Vergleich zu FinTechs aus Sicht der Kunden nicht die sichere Blackbox, sondern behäbig und gestrig. Auch wenn bei vielen Finanz-Start-ups mittlerweile Katerstimmung herrschen mag. Der Finanzdienstleister Catella Research hat nachgezählt: Gab es in Deutschland vor einem Jahr noch etwa 40 FinTech-Start-ups, waren es Anfang November 2015 schon gut 250, rund 40 Prozent davon sitzen in Berlin. Weltweit gibt es derzeit mehr als 12.000 Finanz-Start-ups. Der Großteil ist in Großbritannien, hauptsächlich London, beheimatet, gefolgt von Schweden und Finnland. Und die neuen Finanzdienstleister sitzen nicht in billigen Büros am Rande der Stadt oder im Gewerbegebiet, sondern im traditionellen Bankenviertel - also direkt vor der Nase der analogen Wettbewerber.

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet
Die zehn wichtigsten jungen Internet-Finanzdienste Quelle: Unternehmen, eigene Recherche
Geschäftsmodell: Girokonto auf dem SmartphoneSitz: Berlingegründet: 2013 von Jonas Piela, Oliver Lukesch und Wilken Brunsgrößte Geldgeber: Business AngelsNutzer: nicht veröffentlichtMitarbeiter: 9
Geschäftsmodell: Social Trading: ambitionierte Anleger folgen erfahrenen Spekulanten Sitz: Frankfurt, Londongegründet: 2009 von Robert Lempka und Thomas Winklergrößte Geldgeber: Luminor CapitalNutzer: 80.000Mitarbeiter: 47
Geschäftsmodell: Internet-Zahldienst und FestgeldSitz: Stockholm, Kölngegründet: 2005 von Sebastian Siemiatkowskigrößte Geldgeber: Sequoia Capital, AtomicoNutzer: 25 MillionenMitarbeiter: 1.100
Geschäftsmodell: Scoring-Algorithmus zum Aufbau einer digitalen BankSitz: Hamburggegründet: 2012 von Sebastian DiemerInvestoren: Värde Partners, Blumberg Capital, Pont Nine Capital Kunden: 2 Millionen Nutzer gescored, bei 9 NiederlassungenMitarbeiter: mehr als 200Stand:Oktober 2014
Geschäftsmodell: Private Finanzplanung über soziales NetzwerkSitz: Kölngegründet: 2012 von Dieter Fromm und Johannes Cremergrößte Geldgeber: Dieter von Holtzbrinck Ventures, Family OfficesNutzer: etwa 5000Mitarbeiter: 12
Geschäftsmodell: Vermittlung von Bank- und PrivatkreditenSitz: Berlingegründet: 2007 von Alexander Artopé und Eckart Vierkantgrößte Geldgeber: EarlybirdNutzer: nicht veröffentlichtMitarbeiter: über 100
Geschäftsmodell: Kursprognosen durch Auswertung sozialer NetzwerkeSitz: Kölngegründet: 2011 von Jonas Krauß und Stefan Nanngrößte Geldgeber: Ayondo, eigenes ManagementNutzer: 2.700Mitarbeiter: 7
Geschäftsmodell: Automatisierte GeldanlageSitz: Frankfurtgegründet: 2013 von Thomas Bloch, Yassin Hankir und Oliver Vinsgrößte Geldgeber: Business AngelsNutzer: 200 Testkunden, Ziel bis 2018: 100.000Mitarbeiter: 14
Geschäftsmodell: Festgeldanlagen bei internationalen BankenSitz: Berlingegründet: 2013 von Tamaz Georgadze, Frank Freund, Michael Stephangrößte Geldgeber: Index VenturesNutzer: Etwa 5.000Mitarbeiter: 30
Geschäftsmodell: Social Trading: Anleger folgen erfahrenen Händlern und ProfisSitz: Wiengegründet: 2011 von Andreas Kerngrößte Geldgeber: Speedinvest, Verlagsgruppe HandelsblattNutzer: 28.000Mitarbeiter: 24

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat nun einmal ausgerechnet, wie teuer es die klassischen Banken zu stehen kommt, wenn sie das Digitalgeschäft an die Konkurrenz verlieren. Zwar bieten Deutsche Bank, Sparkassen, Volksbanken und Co. einfache Bankgeschäfte schon heute online oder mobil an. Nur bei der Abwicklung komplexer Finanzprodukte zucken viele Banken die Schultern. Laut der Studie "Executive Retail Banking Survey: Digital Transformation" könnte das Retail Banken jedoch bis zu 30 Prozent ihrer Erträge kosten.

So digitalisieren Banken ihr Geschäftsmodell
Durch Auswertung des Kundenverhaltens über alle Kanäle (Online, Mobil, Filiale) können Kundenbedürfnisse besser gefiltert werden und so der ideale Zeitpunkt für eine individuelle Kundenansprache identifiziert werden.Quelle: Roland Berger
Die Neukundengewinnung ist in den letzten Jahren sehr schwierig geworden. Banken müssen daher innovative Ideen entwickeln, um Neukunden mit einfachen und digitalisierten Produkten zu überzeugen.
Es reicht nicht aus, Geschäftsmodelle zu optimieren. Banken müssen auch ihr Wachstum vorantreiben und neue Geschäftsfelder erschließen.
Durch Kooperationen mit branchenfremden digitalen Playern oder FinTech-Unternehmen bekommen Banken direkten Zugang zu innovativen Ideen und lernen die Denkweise der "Digital Natives".
Fehler müssen erlaubt sein, denn nur so können sich Organisationen in dem sich ständig ändernden digitalen Umfeld weiterentwickeln.
Digitalisierung ermöglicht eine neue Art des Kundenservice. Um diese Chancen nutzen zu können, muss ein radikaler Kulturwandel in den Banken stattfinden.
Die Digitalisierung muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Back Office stattfinden, damit auch komplexe Finanzprodukte schnell und zuverlässig abgewickelt werden können.

Die Studie basiert auf einer Umfrage von 65 europäischen Banken, darunter neun deutsche Finanzinstitute. "Wenn es um Kontoeröffnungen oder Kreditkartenanträge über Online- oder Mobile-Kanäle geht, haben deutsche Banken ein besseres Leistungsspektrum als europäische Banken", sagt Wolfgang Hach, Partner von Roland Berger.

Das Online-Verhalten ihrer Kunden werten allerdings nur 45 Prozent der Institute aus. Entsprechend hat mehr als die Hälfte der Banken schlicht keine Ahnung, was der Kunde nutzt und was er will. Und das ist gefährlich. "Die Banken kommen unter Druck, denn Kunden erwarten die gleiche schnelle, flexible und zuverlässige Abwicklung ihrer Geschäfte wie bei Online-Händlern", ergänzt Co-Autor Sebastian Steger. Schnelle und flexible IT-Lösungen verhindern jedoch wieder die Regularien.

Hinzu kommt eine zurückhaltende Investitionspolitik der Banken. Zudem sehen die Studienteilnehmer in der Digitalisierung weniger einen zusätzlichen Umsatztreiber als vielmehr eine Ergänzung zum traditionellen Geschäft. Ein Drittel der befragten deutschen Banken rechnet mit Umsatzzuwächsen von weniger als zwei Prozent. "Ohne innovative Angebote geht es aber nicht. Die Kunden wandern früher oder später zu digitalen Wettbewerbern ab. Das zieht die Umsätze nach unten", erklärt Hach.

ked
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