Aktien der Ölproduzenten: Big Oil - jetzt wird abgeschrieben
Saudi-Arabien: Aramco
Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...
Foto: REUTERSRussland: Rosneft
Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...
Foto: REUTERSWladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.
Foto: REUTERSChina: Sinopec
Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...
Foto: dpaChina: Sinopec
Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.
Foto: REUTERSVenezuela: PDVSA
Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...
Foto: ReutersVenezuela: PDVSA
Eine Tankfüllung kostet umgerechnet keine fünf Cent – das Land mit den größten Ölreserven subventioniert Benzin mit rund zehn Milliarden Dollar im Jahr. Etwa 700.000 Barrel Öl werden pro Tag in die USA exportiert, nach China 500.000 und an Karibikstaaten, vor allem Kuba, rund 200.000. Die Fördermenge soll derzeit 2,8 Millionen Barrel Öl und Flüssiggas pro Tag betragen.
Foto: REUTERSIran: NIOC
Die National Iranian Oil Company (NIOC) ist eine staatliche Firma und Teil des iranischen Ölministeriums. Seit der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie 1951 ist die NIOC hauptsächlich zuständig für den Ausbau der Ölindustrie, den Export des iranischen Erdöls und die Koordinierung mit der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec). Das international tätige Unternehmen hat seinen Hauptsitz in der Hauptstadt Teheran...
Foto: dpaNIOC-Chef Dschawadi mit Ölminister Sanganeh
Geschäftsführer ist Rokneddin Dschawadi (58, r.), zugleich Vize von Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh. Nach dem Atomabkommen will die NIOC sowohl Produktion als Export erhöhen. Demnach könnte der Iran bis Mitte 2016 seine Ölproduktion von 2,9 Millionen auf fast 4 Millionen Barrel je Tag erhöhen. Mit der geplanten Modernisierung der Ölindustrie wäre auch eine höhere Produktion möglich.
Foto: APSchlechte Nachrichten für den norwegischen Finanzminister: Der Energiekonzern Statoil leidet unter den niedrigen Ölpreisen und lässt dafür jetzt auch die Aktionäre bluten. In diesem und dem kommenden Jahr dürfen sie statt einer Bardividende alternativ Aktien des Unternehmens wählen. Was wie ein nettes Zusatzangebot klingt, ist in Wahrheit ein Akt der Verzweiflung: Statoil will irgendwie gleichzeitig die Geldreserven schonen und dennoch die Dividende nicht senken. Genug Gründe für eine Senkung gäbe es: Am Donnerstag gab der Konzern bekannt, dass der Umsatz 2015 um mehr als ein Drittel gefallen ist. Statoil machte 4,7 Milliarden Dollar Verlust, nachdem es im Vorjahr noch 3,5 Milliarden verdient hatte. Das Unternehmen gehört zu zwei Dritteln dem Staat Norwegen. Und wenn es blöd läuft, bekommt der demnächst 15,4 Milliarden Kronen (etwa 1,6 Milliarden Euro) weniger Dividende von Statoil überwiesen als noch 2014.
Schwere Zeiten für Ölanleger
Der Ölpreis fällt inzwischen seit gut anderthalb Jahren mehr oder weniger rasant und immer drastischer schlägt das auch auf die Bilanzen Ölmultis durch. Am Donnerstag präsentierte neben Statoil auch die britisch-niederländische Shell ihre Jahreszahlen – und die sahen nicht viel besser aus.
Der Umsatz bei Shell sank um knapp 40 Prozent, der Gewinn brach noch dramatischer um fast 90 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar ein. Pro Aktie bleiben nach 2,36 Dollar im Vorjahr diesmal nur 30 US-Cent. Schuld ist natürlich der niedrige Ölpreis – aber auch die Unternehmen selbst. Denn dass der Gewinn etwa bei Shell oder Statoil so heftig einbrach, lag nur zum Teil daran, dass das Unternehmen weniger Geld für das geförderte Öl bekam und dadurch der operative Gewinn kleiner wurde.
Abschreibungen drücken das Ergebnis
Satte 7,4 Milliarden Dollar Verlust entstanden, weil Shell im dritten Quartal außerplanmäßig abschreiben musste. Denn der Wert etwa der Öl- und Gasreserven in den Bilanzen der Konzerne hängt vom Ölpreis ab. Fällt der, sinkt auch der Wert des Unternehmensvermögens. Unternehmen müssen diesen Wert also berichtigen, wenn er nicht mehr stimmig ist. Viele Ölmultis hatten sich allerdings in der Hoffnung auf höhere Preise lange davor gedrückt. Das mussten Shell und Statoil nun angesichts des weiteren Preisverfalls nachholen – und einen Minigewinn respektive einen Verlust ausweisen.
Trotzdem ist Shell bei Analysten die beliebteste Ölaktie: 18 von 27 raten zum Kauf, nur zwei zum Verkauf. Wer sich den Chart der Briten anschaut, ahnt, warum: Die Aktie wurde deutlicher heruntergeprügelt als alle Konkurrenten, aktuell ist Shell an der Börse weniger wert als die Summe seiner Einzelteile. Für einen Euro Unternehmensvermögen zahlen Anleger 82 Cent. So billig ist kein anderer westlicher Ölkonzern. Auch die Dividendenrendite erscheint mit über sieben Prozent äußerst attraktiv. Der Spottpreis hat allerdings auch seine Gründe: Shell hat im vergangenen April bekannt gegeben, den Flüssiggas-Konzern BG zu übernehmen – für 47 Milliarden Pfund (etwa 61 Milliarden Euro). Der Kauf lässt die Schulden steigen und belastet daher die Bilanz.
Außerdem ist unsicher, ob tatsächlich die erhofften Synergien erzielt werden können oder die Elefantenhochzeit erstmal nur weitere Kosten verursacht. Die Börse jedenfalls ist skeptisch: Seit der Deal bekannt gegeben wurde, sackte der Shell-Anteilsschein dramatisch ab. Trotzdem kostet die Aktie noch den 74-fachen Nettogewinn der vergangenen zwölf Monate. Das ist eigentlich viel zu teuer, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass dafür auch die oben erwähnte Riesen-Abschreibung verantwortlich ist. Dieser Effekt sollte sich im laufenden Jahr zwar nicht wiederholen. Dennoch taugt die Aktie nur für spekulative Naturen.
Konservativer geht es bei BP zu, jedenfalls beim Abschreiben: Die Briten reagierten schon Ende 2014 auf den niedrigen Ölpreis und ließen fast acht Milliarden Dollar Luft aus der Bilanz. Deshalb kamen sie in diesem Jahr mit geradezu bescheidenen 2,8 Milliarden für Abschreibungen davon. Doch auch das konnte das Geschäftsjahr nicht retten: Die Briten verbuchten 6,5 Milliarden Dollar Verlust. Dem Konzern macht noch immer der Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko vor knapp sechs Jahren zu schaffen. BP zahlte allein 2015 etwa zwölf Milliarden Dollar für die Folgen der Ölkatastrophe, insgesamt bisher sogar 55 Milliarden. Das lastet auf den Gewinnen und dem Aktienkurs. Anleger lassen besser die Finger vom BP-Papier.
Profiteur: Flugbranche
Der niedrige Ölpreis schlägt sich direkt in die Bilanzen der Airlines durch: Dadurch spart ein Billigflieger wie Ryanair im Vergleich zum Jahreswechsel 2013/14 fast 20 Prozent seiner Gesamtkosten. Weil die Discounter ansonsten extrem schlank arbeiten, fließen bei einem Ölpreis von mehr als 1000 Dollar pro Tonne fast 40 Prozent aller Ausgaben in den Sprit. Bei den gegenwärtig knapp 600 Dollar ist es nur noch gut ein Fünftel. Bei Fluggesellschaften wie der Lufthansa halbieren sich die Spritkosten zwar auch, wegen der aufwändigeren Kostenstrukturen ist der Effekt in der Bilanz deutlich geringer. So oder so: Die Verbraucher können sich auf gleichbleibende oder zum Teil sogar sinkende Ticketpreise freuen.
Foto: PRProfiteur: Autobranche
2014 war das billigste Tankjahr seit vier Jahren. Statt wegen hoher Benzinpreise von 1,70 Euro pro Liter eher zum sparsamen Billig-Modell zu greifen, bestellen die Kunden prestigeträchtige und teure Spritfresser. Das kurbelt nicht nur allgemein den Autoabsatz an, die großen Premium-Limousinen und -SUVs versprechen den Autobauern auch dicke Gewinnmargen. In den USA war dieser Trend bereits vor Jahren zu beobachten, als die Verbraucher wegen des billigen Sprits die neu entwickelten Modelle der Hersteller links liegen ließen und stattdessen weiter zu Pickups mit großem V8 griffen.
Foto: APProfiteur: Konsumgüter
Der größte Profiteur des niedrigen Ölpreises könnte die Konsumgüterbranche sein. Der niedrige Ölpreis wirke wie eine Steuersenkung für Verbraucher, erklären die Experten der Privatbank M.M. Warburg. Diese haben in der Folge mehr Geld im Portemonnaie, das sie ausgeben können. US-Konsumenten etwa würden, wenn der Ölpreis dauerhaft nicht über 70 Dollar je Barrel steigt, um 180 Milliarden Dollar entlastet, was rund einem Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspreche. „Von daher sollte der private Konsum im nächsten Jahr um etwa drei Prozent zulegen können und damit der Wachstumsmotor der US-Wirtschaft sein“, heißt es im Konjunkturausblick der Bank.
Foto: REUTERSProfiteur: Schifffahrt
Die Container-Schifffahrt profitiert enorm vom günstigen Öl. Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd beispielsweise kaufte im ersten Halbjahr 2014 ihren Treibstoff um gut fünf Prozent günstiger ein. Im zweiten Halbjahr dürfte die Ersparnis noch deutlich größer gewesen sein. Energiepreise machen einen nicht unwesentlichen Teil der Ausgaben der Reedereien aus.
Foto: dpaProfiteur: Logistik
Ähnliches gilt für die Logistikbranche, die Tankrechnungen bei Spediteuren und Paketdiensten sinken – wenn auch nicht ganz so schnell wie der Ölpreis. Seit Sommer ist der Diesel aber um 25 bis 30 Prozent billiger geworden.
Foto: dpaProfiteur: Pharmabranche
Die Grundsubstanz fast aller synthetisierten Chemikalien ist Steinkohlenteer oder Rohöl. Die meisten Medikamente werden ihrerseits im Labor aus Rohöl synthetisiert. Die Pharmaunternehmen sparen derzeit beim Rohstoffeinkauf bares Geld.
Foto: dpaNeutral: Chemie
Zwar sparen auch die Chemiekonzerne momentan, wenn sie ihre Rohstoffe einkaufen. In der Branche ist der Preisdruck aber so hoch, dass BASF & Co. die Ersparnis nahezu direkt an ihre Kunden weitergeben müssen. Von dem niedrigeren Ölpreis profitiert die Chemiebranche also nicht direkt – eher über die positiven konjunkturellen Auswirkungen und einem damit verbundenen Auftragsplus.
Foto: dpaVerlierer: Ölkonzerne
Die Aktienkurse der Ölkonzerne haben im vergangenen Halbjahr zwischen fünf und 25 Prozent nachgegeben. Ihre Ausgaben für Förderung, Transport und Handel bleiben gleich oder steigen sogar leicht, die Einnahmen gehen aber zurück.
Foto: dpaVerlierer: Ölfördernde Staaten
Das russische Finanzministerium hat ausgerechnet: Pro zehn Dollar, die der Ölpreis unter der Marke von 100 Dollar liegt, steigt das Staatsdefizit um 1,2 Prozent. Der Staatshaushalt wurde schlichtweg unter der Annahme eines deutlich höheren Ölpreises geplant. Noch prekärer ist die Lage in Staaten wie Venezuela oder dem Iran: Letzterer benötigt einen Ölpreis von 140 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt, Venezuela sogar 162 Dollar – hier kommen 60 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft. Während der Ölpreisverfall für Russland ärgerlich ist und Ausgaben gekürzt werden müssen, können die Milliardenverluste Venezuela bis zum Staatsbankrott bringen.
Foto: dpaVerlierer: Fracking
Der Schiefergas- oder Fracking-Boom in den USA ist einer der Gründe, warum es zum Preisverfall gekommen ist. Die USA müssen dank der gestiegenen heimischen Produktion weniger zukaufen und sorgen so – da die Ölstaaten ihrerseits nicht die Produktion gedrosselt haben – für die Überproduktion, die jetzt die Preise drückt. Die hohen Ölpreise haben das Fracking einst erst rentabel gemacht. Doch jetzt steht die Branche unter Druck. Sollte der Ölpreis dauerhaft unter 80 Dollar pro Barrel bleiben, dürfte es Experteneinschätzungen zufolge die amerikanische Fracking-Industrie schwer haben, kostendeckend zu fördern. Der Aktienkurs von Continental Resources, einer der größten Fracking-Firmen, ist seit September um die Hälfte eingebrochen.
Foto: dpaOrdentlich werden hingegen wahrscheinlich die Zahlen beim vierten großen europäischen Ölkonzern Total ausfallen. Die Franzosen präsentieren ihr Zahlenwerk am kommenden Donnerstag. Wie BP haben auch sie schon 2014 in der Bilanz aufgeräumt und Milliardenbeträge unter anderem auf Ölfelder in Kanada, US-Gasvorkommen und die Raffineriesparte in Europa abgeschrieben. Der Lohn: 2015 sollte der Gewinn trotz des niedrigen Ölpreises sogar deutlich zulegen – auf 9,2 Milliarden Dollar. Für konservative Anleger ist die Aktie mit hoher Ausschüttung (etwa sechs Prozent Bruttorendite) einen Blick wert. Sie war in den vergangenen zehn Jahren nervenschonend und schwankte nie besonders stark.
Dreiklang aus Feuern, Kürzen und Verkaufen
Zum guten Jahresergebnis 2015 hat bei Total auch beigetragen, dass das Unternehmen - wie die gesamte Branche - radikal auf die Kostenbremse tritt. Bis 2017 soll jeder Achte der momentan rund 100.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, im Ölfördergeschäft hat Total Neueinstellungen gestoppt. Außerdem reduziert der Konzern die jährlichen Investitionen und verkauft Randgeschäfte.
Zum Beispiel ging die Klebstoffsparte des Konzerns Anfang 2015 im Chemieunternehmen Arkema auf. Mit dem Dreiklang aus Einsparungen, Investitionsstopp und Verkäufen wollen die Konzerne den niedrigeren Ölpreis meistern. Außerdem helfen höhere Erträge in der Ölverarbeitung und dem Verkauf („Downstream“), die Verluste in der Ölförderung („Upstream“) auszugleichen. Bislang gelingt das so gut, dass alle Ölmultis operativ (also ohne Sonderabschreibungen) weiter profitabel arbeiten.
Amerikaner besonders getroffen
Das gilt auch für die beiden größten US-Ölfirmen Exxon und Chevron. Gerade Chevron leidet unter dem Ölpreisverfall, weil das Unternehmen relativ viel Umsatz im US-Schieferölgeschäft macht. Das ist in der Förderung im Vergleich zu saudischem oder russischen Öl sehr teuer und war schon 2015 für Chevron nicht mehr profitabel. Gut zwei Milliarden Dollar verbrannte der Konzern dort, fürs kommende Jahr rechnen die Analysten von JP Morgan sogar mit 3,5 Milliarden Verlust im US-Fördergeschäft. Dass die Chevron-Aktie trotzdem zu den Analysten-Lieblingen zählt, liegt daran, dass das Unternehmen im laufenden Jahr Flüssiggas-Vorkommen in Australien und Angola erschließen soll, denen Analysten viel zutrauen.
Weil die Aktie aber schon jetzt den 35-fachen Nettogewinn der vergangenen zwölf Monate kostet und für 2016 sogar ein Verlust erwartet wird, bleiben wir skeptisch, zumal Chevron für Euro-Anleger ein Währungsrisiko beinhaltet. Konkurrent ExxonMobil kommt bei den Analysten schlecht weg, ist aufgrund seiner breiten Aufstellung mit großer Chemiesparte aber wenig krisenanfällig. Der US-Gigant ist der größte börsennotierte Energiekonzern der Welt und erwirtschaftete auch in den vergangenen Quartalen stets solide Gewinne. Allerdings machen die Probleme beim US-Fördergeschäft auch vor Exxon nicht halt: In den USA verlor der Konzern pro gefördertem Barrel Öl gut sechs Dollar, wie Analysten von JP Morgan vorrechnen. Für die Aktie spricht das solide Geschäft und die Finanzstärke des Konzerns. Minuspunkte gibt es für die im Branchenvergleich maue Dividendenrendite (drei Prozent).
Kurzfristig pfui, langfristig hui?
Fazit: Der fallende Ölpreis ist für die Unternehmen der Branche schmerzhaft. In der aktuellen und – bei einem konstant niedrigen Ölpreis um 30 Dollar je Barrel - auch in der kommenden Berichtssaison drohen weitere Abschreibungen und Verluste.
Langfristig sollten sich die Konzerne jedoch dank Kosteneinsparungen auch mit niedrigeren Ölpreisen arrangieren können – wenn auch nicht mit so niedrigen wie im Moment. Vorsichtige Anleger warten deshalb bei Engagements in Ölaktien eine nachhaltige Konsolidierung des Ölpreises oberhalb der Marke von 50 Dollar ab. Alternative: Jetzt eine kleine erste Position aufbauen und dann in mehreren Schritten nachkaufen.