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Elsässers AusleseSyngenta - Aktie in der Löwengrube

Das rauf und runter der Kurse des Agro-Chemieriesen Syngenta in Basel ist schon atemberaubend. Hoffentlich weiß das Top-Management, worauf es sich einlässt.Markus Elsässer 29.02.2016 - 06:00 Uhr

Ein Maisfeld mit dem Logo des Schweizer Saatgut- und Chemieriesen Syngenta

Foto: REUTERS

Es verschlägt einem fast den Atem, wenn man sich anschaut, was bei Syngenta los ist. Eine alt-etablierte Firma von Weltbedeutung, in einer zukunftsträchtigen Branche – der Welternährung, ist zum Spielball von Konkurrenten und Managerinteressen geworden.

Der Hintergrund

Die operative Leistung von Syngenta war in den letzten Jahren nicht berauschend. Zurecht baute sich der Unmut der Aktionäre auf. Nicht weiter verwunderlich ist, dass inzwischen der verantwortliche Vorstandschef, Herr Mack aus den USA, auch von Bord gegangen ist. Entgegen der positiven Börsenentwicklung lag der Syngenta Börsenkurs zum Verdruss der Aktionäre im Januar 2015 bei tiefen 290 Schweizer Franken.

Das Mass war voll. Im März 2013 hatte der Kurs noch 405 Franken betragen und selbst im hundsmiserablen Börsenjahr 2008 notierte die Syngenta Aktie bei 325 Franken (Mai 2008). Als Reaktion auf die Underperformance und das mäßige Management erkannte die Nummer Eins der Branche, der amerikanische Monsanto Konzern, seine Chance und wollte Mitte 2015 Syngenta übernehmen. Der Kurs schnellte im Mai 2015 auf 420 Franken. Angeblich offerierte Monsanto 470 Schweizer Franken pro Aktie als Übernahmepreis.

So weit so gut. Dann geschah das Erstaunliche. Die Syngenta Führung igelte sich in Basel ein und stellte sich quer. Nach monatelangem Gezerre zog sich Monsanto frustriert zurück. Ein Gegenmodell für bessere Geschäftsaussichten wurde den Syngenta Aktionären vom eigenen Management allerdings nicht offeriert. Der Effekt: Im Oktober 2015 stürzte die Syngenta-Börsennotiz wieder nach unten auf 305 Franken pro Aktie. Die Wut unter den Aktionären nahm zu. Der Druck auf die Führungsetage in Basel erhöhte sich.

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Und nun kommt der Griff in die Zauberkiste. Nachdem man das amerikanische Blue-Chip-Unternehmen Monsanto abgelehnt hat, soll Syngenta nun ausgerechnet an einen Chinesischen Konzern mit Namen ChemChina mit Haut und Haaren verkauft werden. Die Chinesen bieten wohl 480 Franken. Der Börsenkurs der Syngenta ist wieder auf 398 Franken gestiegen. Er notiert damit nahezu genau im Mittelfeld zwischen dem letzten Tief von 300 und dem Chinaangebot in Höhe von 480. Das spricht Bände.

Das Vertrauen in die Syngenta Führung ist gänzlich dahin. Es hat den Anschein, dass den Herren in Basel das Ruder aus der Hand geglitten ist. Eines der Urgesteine der soliden Schweizer Wirtschaft mit Wurzeln zurück in die Sandoz-Zeit soll an einen völlig fremden Kulturbereich „verhökert“ werden. Und zwar ohne jede Not. Ist das wirklich ernst gemeint?

Das Preisangebot ist attraktiv. Aus meiner langjährigen Erfahrung als Value-Investor weiß ich aber: Im Leben und in der Wirtschaft geht es es nicht immer einfach nur nach dem Preis. Woran es meiner Ansicht nach mangelt, ist, was die guten Investoren besitzen: „Good Judgement“ - ein gutes Urteilsvermögen.

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Wollen die Schweizer einem Ausverkauf ihrer Wirtschaft nach China zustimmen? Was ist mit den groß-amerikanischen Interessen? Monsanto aus der amerikanischen Einflusssphäre ist abgeblitzt und nun soll ein Chinese alles bekommen? Wir dürfen nicht vergessen: Bei der Schlacht um Syngenta geht es um hoch sensitive Themen: Weltweiten Pflanzenschutz und Saatzucht. Von dieser Branche hängt ab, ob sich die Weltbevölkerung auf Dauer wird ernähren können. Da bewegen wir uns in den Bereich der weltpolitischen Machtstrukturen. Da läuten bei mir als einfachem Investor die Alarmglocken.

Hoffentlich hat sich Syngenta da nicht verhoben. Mir kommen die Syngenta-Manager vor wie die armen Christen in der Löwengrube im antiken Rom.

In einem konservativen Value-Fonds wie unserem „ME Fonds - Special Values“ können wir wegen solcher Geschäftsgebaren und Unkalkulierbarkeiten leider keine Position in Syngenta-Aktien halten. Wir haben von jeher „Nein“ zu der Aktie gesagt. Als treusorgende Investoren möchten wir solche Risiken nicht tragen. Da muss man bei seiner Linie bleiben und auf kurzfristige Börsenchancen verzichten.

Wichtig: Jeder Syngenta Aktionär und Geldanleger sollte sich selbst sein Bild von der aktuellen Situation machen. Einfach ist die Frage sicher nicht zu beantworten, wie es diesmal mit Syngenta und dem „new kid on the block“ - China ausgehen wird. Ich wünsche allen viel Glück.

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