1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Weltwirtschaft: IWF warnt vor schweren Schäden

WeltwirtschaftIWF warnt vor schweren Schäden

Das Wirtschaftswachstum in aller Welt stockt. Der Internationale Währungsfonds muss seine Prognose erneut nach unten korrigieren - und warnt: Die Politik dürfe keinesfalls mit Marktabschottung antworten. 12.04.2016 - 16:14 Uhr

Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten.

Foto: dpa

So zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte.

Foto: REUTERS

Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer.

Foto: AP

Nicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen.

Foto: dpa

Nicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher.

Foto: REUTERS

Nach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren.

Foto: dpa

Doch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg.

Foto: dpa

Kasachstan ist der größte Ölexporteur Südostasiens – und leidet ganz besonders unter dem schwachen Ölpreis. Um die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, hat der Präsident gerade die Währung, den Tenge, freigegeben. Dieser rutschte daraufhin drastisch ab. Man müsse sich langfristig auf Ölpreise zwischen 30 und 40 Dollar je Barrell einstellen, hieß es aus der Hauptstadt Astana.

Foto: dpa

Wo es überall abwärts geht, muss es auch Profiteure geben. Ungeachtet aller Schwarzmalerei, Gold habe als Krisenwährung und Inflationsschutz ausgedient, ist der Goldpreis zuletzt wieder gestiegen – auf rund 1.150 Dollar je Feinunze. Der Langfristtrend sinkender Goldpreise bleibt aber dennoch intakt. Große Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter haben Gold aus ihren Depots geworfen.

Foto: dpa

Die Gemeinschaftswährung hat sich im unsicheren Marktumfeld gut gehalten. Nachdem die Griechenland-Sorgen vorerst ausgestanden scheinen, hat sich der Euro am späten Freitagnachmittag auf einen Kurs von 1,1342 Dollar gemausert. Die Warnungen einiger Investmentbanken, der Euro würde bald gleichauf zum Dollar stehen, haben sich damit bislang nicht bewahrheitet.

Foto: dpa

Angesichts einer weltweiten Wachstumskrise hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Regierungen rund um den Globus zum Handeln aufgerufen. „Die zurückhaltenden Aussichten erfordern sofortiges, proaktives Handeln“, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Regierungen in aller Welt müssten die Risiken, denen sie gemeinsam gegenüberstehen, erkennen. „Dann könnte es substanziell positive Effekte geben“, betonte Obstfeld. Keinesfalls dürften sich jedoch Tendenzen zur Abschottung der Märkte ausbreiten.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft trüben sich der neuesten IWF-Prognose zufolge weiter ein. Die globale Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr nur um 3,2 Prozent und im kommenden Jahr nur um 3,5 Prozent wachsen, schätzt der IWF in seiner am Dienstag in Washington vorgestellten Frühjahrsprognose.

Politische Unsicherheiten zählten zu den größten Risiken, denen sich die Weltwirtschaft gegenübersehe. Dazu gehörten nicht nur militärische Konflikte. Auch das Juni-Referendum über einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens erhöhe bereits jetzt die Anspannung.

„Ein „Brexit“ kann zu erheblichen regionalen und weltweiten Schäden führen, indem er traditionelle Handelsbeziehungen unterbricht„, sagte Obstfeld. Die politische Diskussion - auch im US-Wahlkampf - richte sich zunehmend nach innen und drohe in Protektionismus zu münden.

Im Januar hatte der IWF noch ein weltweites Wachstum von 3,4 Prozent für 2016 und von 3,6 Prozent für 2017 vorhergesagt. Grund für das nun abgeschwächte Plus seien Probleme in Schwellen- und Entwicklungsländern sowie politische Unsicherheiten.

China, Russland, Brasilien - die einstigen Hoffnungsträger und Wachstumstreiber sind inzwischen zu Problemländern für die Weltwirtschaft geworden. Einige weitere Schwellenländer, darunter Russland, hat der niedrige Ölpreis in die Problemzone getrieben. Aber auch Japan kämpft mit erheblichen Wachstumsproblemen - im nächsten Jahr könnte es sogar leicht ins Minus gehen.

Für die Eurozone wie auch für Deutschland sagt der IWF für das laufende Jahr ein moderates Wachstum von 1,5 Prozent voraus - in Europa gebremst von weiterhin hoher Arbeitslosigkeit und geringer Investitionslust. In den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, wird ein Wachstum von stabilen 2,4 Prozent prognostiziert.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick