1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Vorsorge
  4. Renten-Diskussion: Taschenspieler-Tricks und Zahlensalat

Renten-DiskussionTaschenspieler-Tricks und Zahlensalat

In der aktuellen Debatte über die gesetzliche Rente und drohende Altersarmut geht es mächtig durcheinander. Besonders pikant: Selbst eine von Bundesregierung und Rentenversicherung genutzte Zahl ist falsch.Niklas Hoyer 20.04.2016 - 10:17 Uhr

Eine Prognose der späteren Rentenbezüge ist kompliziert - und letztlich nur im Einzelfall aussagekräftig.

Foto: Getty Images

Sollte die Rente wirklich das große Thema im nächsten Bundestagswahlkampf 2017 werden, dann haben Propagandisten wohl bald Hochkonjunktur. Nicht, dass eine Debatte über Altersvorsorge und Entwicklung der staatlichen Rentenkasse unwichtig wäre.

Im Gegenteil: Es stimmt ja, von 2020 an kommen viele geburtenstarke Jahrgänge  ins Rentenalter. Ihre Renten werden dann ganz überwiegend die verbleibenden Beitragszahler schultern müssen. Gleichzeitig sollen die selbst fürs Alter vorsorgen und bitte reichlich Geld zurücklegen - dank Niedrigzinsen noch mehr.

Doch gerade deshalb wäre eine ehrliche und transparente Debatte wichtig. Davon ist bislang wenig zu spüren. Vielleicht ist das Thema zu komplex für einen Straßenwahlkampf, der in den vergangenen Jahrzehnten eher simple Botschaften à la „Die Rente ist sicher“ kannte.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten
Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an. Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015
Beitragssatz zur GRV: 19,9 %Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %
Beitragssatz zur GRV: 20,4 %Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %
Beitragssatz zur GRV: 21,5 %Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

Jedenfalls schießen schon jetzt Zahlen und Fakten so wild durcheinander, dass einem nur schwindlig werden kann. Der WDR berichtete jüngst, dass fast jedem zweiten Bundesbürger, der ab 2030 in Rente geht, eine Armutsrente drohe. Das sollte eine Altersversorgung aus der gesetzlichen Rentenversicherung sein, die unterhalb der Armutsgrenze liegt. In der weiteren Berichterstattung anderer Medien - Zuspitzung ist schließlich Journalistentugend – drohte dann schon jedem zweiten Rentner ab 2030 Altersarmut.

Zahlen halten der Betrachtung nicht stand

Durchschnittsrenten

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016

Foto: dpa

Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten

Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.

Aktuell bekommen männliche Rentner:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat

Foto: AP

Frauen mit deutlich weniger Rente

Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.

Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat

Foto: dpa

Beamtenpensionen deutlich höher

Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.

Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.

Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.

Foto: dpa

Rentenerhöhung

Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.

Foto: dpa

Reserven der Rentenkasse

Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.

Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:

Foto: dpa

Abweichungen vom Standardrentner

Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.

Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.

Foto: Fotolia

Durchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren

In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.

Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.

Foto: Fotolia

Halbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko

Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.

Foto: dpa

Maximale Rentenhöhe für Gutverdiener

Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.

Foto: dapd

Das war gleich doppelt falsch: Selbst der WDR hatte nicht behauptet, dass die Rentner von morgen neben ihrer gesetzlichen Rente nicht auch noch weitere Geldquellen haben könnten. Einkommensarmut könne immer nur im Haushaltskontext berechnet werden, stellte die Deutsche Rentenversicherung als Reaktion klar. Schließlich können private und betriebliche Altersvorsorge die gesetzliche Rente im Idealfall steigern. Zwar haben gerade Personen mit niedrigem Einkommen für solche Vorsorge oft nur wenig Geld übrig.

Doch selbst dann reicht der Blick auf die allein aus ihrem Arbeitseinkommen finanzierten Renten nicht aus. So kommen weitere Rentenbestandteile direkt aus der Rentenkasse hinzu, als Anerkennung etwa für Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen.

Doch nicht nur Journalisten nutzen Zahlen und Fakten, die einer genaueren Betrachtung nicht standhalten. Selbst Regierung und Rentenversicherung setzen auf Zahlen, die falsch berechnet sind. Eine Zahl wird derzeit besonders gerne verwendet: das Rentenniveau vor Steuern. Es werde von derzeit 47,7 bis 2029 auf 44,6 Prozent sinken. Das sagen Politiker, das schreiben Medien - auch die WirtschaftsWoche. Es steht ja auch im Rentenversicherungsbericht 2015 der Bundesregierung, auf Seite 40. Die Bundesregierung muss sogar bestimmte Vorschläge unterbreiten, wenn dieses prognostizierte Rentenniveau vor Steuern bis 2020 unter 46 Prozent und bis 2030 auf unter 43 Prozent fallen sollte. Das steht im Sozialgesetzbuch.

Typische Irrtümer von Riester-Sparern
Sie übersehen, dass die Verzinsung variabel ist. Die Bank kann also die Zinsen jederzeit senken. Nur Lebens- und Rentenversicherungen müssen laut Gesetz mindestens 1,25 Prozent Zinsen garantieren, ab 2017 sind es nur noch 0,9 Prozent. Für Banksparpläne gilt dieser Garantiezins nicht beziehungsweise erst, wenn das Sparguthaben in eine Rentenversicherung überführt wird. Dann sind die Versicherungsbedingungen zu diesem Zeitpunkt gültig. Garantiezins, Sterbetafeln, etc. können sich also während der Ansparphase noch deutlich zu Ungunsten des Sparers ändern.
Ihnen ist nicht klar, dass ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Sparvertrag oder eine vorgezogene Rentenphase die Auszahlung drastisch schmälert. Denn es fehlen nicht nur Einzahlungsjahre, sondern auch die Rentenbezugsdauer steigt gleichzeitig. Es ist also weniger Geld für mehr Rentenjahre im Topf.
Die Riester-Rente lockt Sparer mit zwei Garantien: Der Auszahlung einer lebenslangen Rente, selbst wenn der Kapitalstock aufgebraucht ist, und der Garantie, dass die Einzahlungen, staatlichen Prämien und die bis zum Rentenbeginn aufgelaufenen Zinsgewinne für die Rente bereit stehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Sparer die volle Summe nach zu Lebzeiten ausgezahlt bekommt. Es ist nur eine Garantie dafür, dass der Kapitalstock durch Investition in die falschen Anlagemärkte Verluste erleidet und dahinschmelzen könnte.
Sparer gehen häufig von einer halbwegs realistischen Lebenserwartung aus. Die Anbieter müssen jedoch so kalkulieren, dass sie auch bei Erreichen eines weit überdurchschnittlichen Alters noch eine Rente zahlen können, ohne das Geld anderer Sparer oder ihr eigenes Kapital aufzuwenden, sprich ohne Verluste zu machen.
Sie verwechseln Prognosen und Anlagevorschläge der Anbieter mit Garantien. Dabei gibt es zahlreiche Faktoren, die erheblichen Einfluss auf die Rente haben können. Zum Beispiel ein allgemein sinkendes Zinsniveau, gesetzliche Rahmenbedingungen, Änderungen in den Versicherungsbedingungen, im Steuerrecht und in den Sterbetafeln.
Sie vertrauen auf ihre Bank und ihren Kundenberater. Dabei ist ein Riester-Vertrag eine komplizierte Angelegenheit, bei deren Berechnung auch schnell Fehler passieren. Eine gründliche Prüfung aller Vertragsunterlagen ist Pflicht, am besten durch einen unabhängigen Berater, der gegen Honorar und nicht für eine Verkaufsprovision berät.
Sie konzentrieren sich auf die staatlichen Zulagen und unterschätzen die Steuern in der Auszahlphase. Dabei wird der volle Steuersatz auf das gesamte Guthaben fällig, egal ob Verrentung oder Einmalauszahlung. Vorteilhaft ist diese sogenannte nachgelagerte Besteuerung nur, weil der persönliche Steuersatz mit Renteneintritt in der Regel deutlich sinkt.

Hinter diesem Rentenniveau vor Steuern steht eine offizielle Kennzahl mit dem noch etwas abschreckenderen Namen: Sicherungsniveau vor Steuern. Schon die bürokratische Bezeichnung signalisiert jedem: Vorsicht, jetzt wird es kompliziert. Dabei ist die Berechnung kein Hexenwerk. Angesetzt wird die Rente eines Rentners, der 45 Jahre Rentenbeiträge gezahlt hat und der genau den Durchschnittslohn verdient hat. Er wird als Standardrentner bezeichnet, obwohl 45 Beitragsjahre heute längst nicht mehr der Standard sind.

Diese Rente wird um die Sozialabgaben der Rentner reduziert. Dann wird die Rente (nach Abzug der Sozialgaben) ins Verhältnis zum jeweiligen Durchschnittsentgelt gesetzt, also dem Arbeitseinkommen der Beitragszahler. Laut Gesetz "gemindert um den durchschnittlich zu entrichtenden Arbeitnehmersozialbeitrag einschließlich des durchschnittlichen Aufwands zur zusätzlichen Altersvorsorge". Auch hier sollen also die von den Arbeitnehmern zu zahlenden Sozialbeiträge abgezogen werden, außerdem die Beiträge zu einer Riester-Rente - Steuern bleiben erneut unberücksichtigt.

Private, gesetzliche, betriebliche Altersvorsorge

Wie es um unsere Rente steht

von Andreas Toller und Thomas Schmelzer

Aktuell weist die Rentenversicherung diese Zahlen nur für 2014 so detailliert aus (mit Datenstand Mai 2015): Die Rente nach Abzug der Sozialabgaben und vor Steuern liegt demnach beim Standardrentner bei 13.743 Euro. Diese Zahl wird ins Verhältnis gesetzt zum Durchschnittsentgelt der Arbeitnehmer. Von 34.507 Euro Bruttoentgelt der Arbeitnehmer gehen hier 5959 Euro Sozialabgaben ab, so dass unter dem Strich Arbeitnehmern 28.548 Euro Nettoentgelt vor Steuern blieben. Doch, merkwürdig: Damit lägen die Sozialabgaben der Arbeitnehmer nur bei 17,3 Prozent (5959 Euro von 34.507 Euro Bruttoentgelt). Das jedoch ist falsch: Schon 2014 mussten Arbeitnehmer gut 20 Prozent an Sozialabgaben tragen.

Auf den Fehler hatte das Deutsche Institut für Altersvorsorge schon 2013 gemeinsam mit dem Finanzmathematiker Werner Siepe hingewiesen. Die Erklärung ist genauso bizarr wie simpel. "Seit 2005 zieht man zur Berechnung des Netto-Durchschnittsentgelts vor Steuern nicht den tatsächlichen Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung ab, sondern die volkswirtschaftliche Sozialabgabenquote", erklärt Siepe. Sie gibt an, wie viel alle Erwerbstätigen an Beiträgen zur Sozialversicherung aufbringen. Dazu zählen natürlich auch Beamte und Selbstständige. Doch Beamte zahlen überhaupt keine Sozialabgaben, einige Selbstständige auch nicht. Im Ergebnis liege die volkswirtschaftliche Sozialabgabenquote systembedingt immer einige Prozentpunkte unter dem Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, so Siepe.

Schlecht informiert

Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden.

Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB

Foto: Fotolia

Lückenhafte Vorsorge

Oft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören:

1) individuelle Vorsorgevollmacht

2) Patientenverfügung

3) Klärung der Finanzen im Pflegefall

4) Testament

Foto: Fotolia

Die falschen Berater

„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren.

Foto: Fotolia

Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge

Jeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler.

Foto: Fotolia

Schwarze Schafe

Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.

Foto: WirtschaftsWoche, Fotolia

Informiert ins Gespräch

Wer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen.

Foto: Fotolia

Vorsorge-Flickenteppich

Beraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist.

Foto: Fotolia

Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen

Einige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind.

Foto: Fotolia

Hochriskante Anlagen

Wer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente.

Foto: Fotolia

Alles auf eine Karte setzen

Winkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne.

Foto: Fotolia

Trotz des Hinweises hat sich nichts geändert. Politik und Rentenversicherung rechnen weiter wie bisher. Kaum jemand hinterfragt die Zahlen. Im konkreten Fall kann man der Regierung wenigstens nicht vorwerfen, das Problem schön zu reden. Würde das Sicherungsniveau vor Steuern richtig berechnet, läge es sogar etwas höher als bei der genutzten falschen Berechnung. Für 2014 ergäbe sich ein Wert von rund 50 Prozent statt der ausgewiesenen 48,1 Prozent.

Die Top 5 Rentenversicherer mit den höchsten Auszahlungen
Dynamische RenteRentenbeginn: 1.1.1996Mann, Journalist, Nichtraucher, Eintrittsalter 63 Jahre, sofort beginnende Leibrente ohne Rabatte (z.B. Kollektivbeiträge).Einmalbeitragszahlung 50.000 Euro, Rentengarantie 10 Jahre. Quelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich
Versicherer: AllianzSumme der monatlichen Rentenzahlungen (1.1.1996 - 1.1.2016): 84.824 EuroDurchschnitt: 82.607 Euro Quelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich
Versicherer: DEVK EisenbahnSumme der monatlichen Rentenzahlungen (1.1.1996 - 1.1.2016): 85.120 EuroDurchschnitt: 82.607 EuroQuelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich
Versicherer: Öffentliche BraunschweigSumme der monatlichen Rentenzahlungen (1.1.1996 - 1.1.2016): 88.191 EuroDurchschnitt: 82.607 Euro Quelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich
Versicherer: DebekaSumme der monatlichen Rentenzahlungen (1.1.1996 - 1.1.2016): 88.200 EuroDurchschnitt: 82.607 Euro Quelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich
Versicherer: Concordia OecoSumme der monatlichen Rentenzahlungen (1.1.1996 - 1.1.2016): 89.169 EuroDurchschnitt: 82.607 Euro Quelle: map-Report 2016: Rentenversicherungen im Vergleich

Eine echte Nettobetrachtung - also auch nach Steuern - wäre grundsätzlich sowieso sinnvoller. Doch die ist kaum möglich. Durch den schrittweisen Übergang zur nachgelagerten Rentenbesteuerung wäre diese Kennzahl nicht mehr zwischen verschiedenen Jahrgängen sinnvoll vergleichbar.

Worauf Beitragszahler sich einstellen sollten

Finanzmathematiker Siepe plädiert daher dafür, nur das Bruttorentenniveau vor Steuern als Kennzahl heranzuziehen. Hier bleiben Steuern und Sozialabgaben bei Renten und Arbeitsentgelten unberücksichtigt. Und anders als das Sicherungsniveau vor Steuern könne es nicht so leicht verzerrt werden.

Laut Alterssicherungsbericht 2012 der Bundesregierung soll dieses Bruttorentenniveau bis 2030 auf 40,6 Prozent sinken. Für 2015 war ein Wert von 44,6 Prozent erwartet worden. Tatsächlich lag er bei 45,1 Prozent. Siepe geht davon aus, dass im nächsten Alterssicherungsbericht 2016 die Prognose für 2030 auf 41 Prozent leicht erhöht wird. Damit würde es pro Jahr um knapp 0,3 Prozentpunkte sinken – allerdings nicht kontinuierlich, sondern besonders stark erst von 2020 an. Darauf sollten sich die Beitragszahler von heute also einstellen.

Verlässliche Zahlen sind wichtig. Vor allem in einer so zukunftsweisenden Debatte.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick